Robert Guiscard (altfranz."Schlaukopf")     Herzog von Apulien (1057-1085)
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1015-17.7.1085
         Kephallenia

Begraben: Alte Kirche des Benediktinerklosters Santissima Trinita in Venosa
 

Sohn des Tankred von Hauteville aus seiner 2. Ehe mit der Fredesende von Normandie, illegitime Tochter von Herzog Richard I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 889
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Robert Guiscard, Herzog von Apulien und Kalabrien
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     + 17. Juli 1085

Sohn des Tankred von Hauteville und seiner zweiten Gemahlin Fredesende

Robert Guiscard folgte zwischen 1046 und 1047 seinen Brüdern nach S-Italien. Es gelang ihm in Kürze, Kalabrien zu unterwerfen (Beiname "der Verschlagene"). Im Jahre 1053 gehörte er zu den Anführern des normannischen Heeres, das sich in Civitate Papst Leo IX. entgegenstellte.1059 erbte Robert Guiscard die apulischen Herrschaften seines Bruders Humfred und gewann die Vorrangstellung über alle Normannen in Apulien. Nach der endgültigen Eroberung Kalabriens (1059) wurde er in Reggio vom Heer mit dem Ehrentitel eines Herzogs von Apulien ausgezeichnet. Am 24. Juni des gleichen Jahres investierte ihn in Melfi Papst Nikolaus II. formell als Herzog von Apulien und Kalabrien und zukünftiger Herzog von Sizilien. Die Investitur von Melfi legitimierte Robert Guiscards Vormachtstellung über alle normannische Herrschaften in Apulien und Kalabrien und berechtigte ihn, von ihren Trägern den Lehnseid zu verlangen. In nur 15 Jahren verwirklichte Robert Guiscard eine Reihe von großen Plänen: die endgültige Vertreibung der Byzantiner aus Apulien (1071); die Eroberung des letzten langobardischen Staatsgebildes in S-Italien, des Fürstentums Salerno (1077); die fast vollständige Eroberung Siziliens zusammen mit seinem Bruder Roger I.; Schutz des Papsttums (1084 siegreiche militärische Unterstützung Gregors VII. in Rom gegen Kaiser HEINRICH IV.). Bei der Verwirklichung seines letzten Zieles, eines Feldzugs gegen Byzanz, fand er den Tod. Robert Guiscard hatte es vermocht, alle normannischen Kräfte S-Italiens zusammenzufassen und für gemeinsame Ziele zu vereinen, sowohl die Lehensträger des Herzogtums Apulien als auch die Normannen außerhalb seines Herrschaftsgebietes. Nach dem Wegfall dieser einigenden Kraft durch Robert Guiscards Tod entstand eine politische Situation, in der innerhalb und außerhalb des Herzogtums Apulien eine Reihe von politisch gleichstarken Organismen miteinander in bestämndigem Kampf lagen und über die die Herzöge von Apulien, Robert Guiscards Nachfolger, keine Kontrolle hatten.



Thiele, Andreas: Tafel 416
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

ROBERT "GUISCARD" (= der Schlaukopf)
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* um 1020, + 1085

Robert Guiscard kam mit anderen Brüdern erst um 1046 nach Italien und wurde von Drogo zurückgesetzt. Er betrieb daher jahrelang regelrecht Wegelagerei, um sich über Wasser zu halten, machte am 18.6.1053 die Schlacht bei Civita mit und folgte 1057 als Herzog von Apulien-Kalabrien. Letzteres hatte schon Drogo zu erobern begonnen und Robert vollendete diese Eroberung. Er wurde formal päpstlicher Vasall und Stütze gegen die deutschen Könige. Er unterwarf sich die letzten byzantinischen Stützpunkte in S-Italien, wie Bari, Tarent, Brindisi, beherrschte damit ganz Apulien, beendete die byzanzinische Herrschaft in Italien, wurde auch Fürst von Salerno und Capua und griff nach Albanien über und eroberte Durazzo. Er geriet so gegen Byzanz und Venedig und legte für Jahrhunderte die wesentlichen politischen Stoßrichtungen der Normannenherrschaft und ihrer Erben fest. Er griff auch nach N-Afrika-Tunis aus und stand 1085 während der byzantinischen Thronwirren vor Thessaloniki. Er half seinem Bruder Roger bei der Eroberung von Sizilien und war der bedeutendste Vertreter des Hauses seiner Generation. Er befestigte die Normannen-Herrschaft über S-Italien und verdrängte dort die Araber und Byzantiner. 1084 verjagte er Kaiser HEINRICH IV. aus Rom, das er schwer plünderte und rettete damit Papst Gregor VII., der in Salerno starb. Er expandierte zusammen mit Fürst Richard von Aversa zeitweise auch auf Kosten der Päpste. Bei seinem Tode hinterließ er seinem Sohn aus 1. Ehe, Bohemund, Tarent, während sein Sohn aus 2. Ehe, Roger, den Vater beerbte.

  1) oo Alverada N.

  2) oo Sikelgaita von Salerno, Tochter und Erbin des Fürsten Waimar IV.
                 + 1090



Bünemann, Richard: Seite 246
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"Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien."

ROBERTUS GUISCARDUS
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* um 1015, + 17. Juli 1085 auf Kephallonia

1057 Graf und Heerführer der apulischen Normannen
1059 Herzog von Apulien, Kalabrien und Sizilien
Zwei Ehen mit:
1) Alberada (Normannin)
2) Sichegaita, Schwester des Fürsten Gisulf von Salerno


  1. oo Alverada
 - 1058     - nach 1111

    1059
  2. oo Sigelgaita von Salerno, Tochter des Fürsten Waimar IV.
           um 1040/45-17.3.1090
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Bohemund I.
  um 1051-7.3.1111

  Helene
        -

  oo Konstantin Dukas Kaiser von Byzanz
      1074-   1093

  Mathilde
         -

 1078
  oo Raimund Berengar II. Graf von Barcelona
               -   1082

2. Ehe  7 Töchter

  Roger Borsa
  um 1061-22.2.1111

  Sibylle
        -

 um 1081
  oo Ebles II. de Montdidier, Graf von Roucy
             -   1103

  Mabilla
         -

  oo Wilhelm de Grandmesnil
             -

  Guido Herzog von Amalfi
         -   1107

  Robert Scalio
         - nach 1104
 
 
 
 

Literatur:
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Black-Veldtrup Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1995 Seite 54 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 180,247,254 - Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien. Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln 1997 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 51,114,115,188,191 - Goez Elke: Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. Jahrhunderts, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 27,161,169,229 - Houben, Hubert: Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident, Primus Verlag Darmstadt 1997, Seite 7,11,12A,13,15-18,21, 23,24,34,43,44,45A,46,47,49,50,54,73, 75,91,96,150,Taf.1 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II 385,448 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 57,67-69,72,74,97,100, 110,180 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 429,441-443,445 - Steindorff, Ernst: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich III. 1. und 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 416 - Wies, Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft, Bechtle Esslingen 1996, Seite 44,144,184,189 -