Auf der Synode von Melfi (1059) belehnte Papst
Nikolaus II. den Grafen von Aversa, Richard
I. Quarrel (1050-1078), mit dem lehnsrechtlich dem
Kaiser unterstehenden Fürstentum Capua, das der Normanne 1058 erobert
hatte. Gleichzeitig erteilte er Robert Guiscard,
der die Nachfolge seines Halbbruders Humfried (+ 1057) als Graf
von Apulien angetreten hatte, die Investitur in das Herzogtum "von
Apulien, Kalabrien und künftig, mit Hilfe Gottes und des heiligen
Petrus, von Sizilien". Woher er das Recht dazu nahnm, erklärte
der Papst nicht. Die päpstlich-normannische Allianz war indes nicht
nur eine Folge der Schlacht von Civitate, sondern auch eine indirekte Konsequenz
der wenige Monate vorher abgehaltenen Lateransynode. Es war vorherzusehen,
dass die Beschlüsse über die Papstwahl und die Laieninvestitur
eine negative Reaktion des römischen Adels und des Kaisers hervorrufen
würden. Für die Normannen war die Belehnung durch das Papsttum
ein großer Erfolg; ihr Ansehen stieg, und ihre Eroberungen erhielten
eine neue Legitimierung.
Als Roger
I. um 1055 in den Süden kam, half er Robert
Guiscard bei der Niederschlagung eines Aufstandes. Bald entstanden
jedoch Konflikte zwischen den beiden Brüdern. Roger
wollte sich in Kalabrien einen eigenen Herrschaftsbereich aufbauen, womit
sein Bruder nicht einverstanden war. Ebenso wie Apulien hatte Kalabrien
bisher zum Byzantinischen Reich gehört. Die einheimische Bevölkerung
versuchte aus der Uneinigkeit der Normannen Nutzen zu ziehen und sie zu
vertreiben. Robert Guiscard war also
gezwungen, sich mit seinem Bruder zu verständigen und trat ihm die
Hälfte Kalabriens ab. Gemeinsam gelang es den Brüdern, ihre Herrschaft
zu festigen.
Nach der Einnahme Palermos einigten sich die Brüder
über die Aufteilung Siziliens, das allerdings erst zur Hälfte
erobert war.
Robert Guiscard hatte
aufgrund seiner Stellung als Herzog von Apulien, Kalabrien und
Sizilien formal die Herrschaft über die ganze Insel, wo aber in
Wirklichkeit Roger
I. recht frei schalten und walten
konnte. Ähnlich wie in Kalabrien behielt der Herzog die Hälfte
der wichtigsten bisher gemachten Eroberungen (Palermo, Messina und Val
Demone) in seinem Besitz. Ende 1072 verließ er die Insel, die er
nicht mehr wiedersehen sollte. In Apulien waren Aufstände normannischer
Adeliger niederzuschlagen. In den folgenden Jahren wurde Robert
Guiscard von anderen Projekten in Anspruch genommen. HEINRICH
IV. bot ihm 1076 die Herzogsinvestitur aus eigener Hand
an, was der Normanne aber ablehnte. Als Vasall des Papstes hatte er größere
Handlungsfreiheit, denn Gregor
VII. war auf seine Waffenhilfe angewiesen. 1077 gelang Robert
die Unterwerfung Salernos, des letzten langobardischen Fürstentums
in S-Italien. Sein Hauptinteresse war aber auf Byzanz gerichtet, von dessen
Eroberung er träumte. Auf einem Feldzug gegen das oströmische
Kaiserreich fand er dann 1085 den Tod.