EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND V Tafel 10
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1279
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Urach, Grafen von
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Die als Grafen bezeichneten Brüder Egino
I. und Rudolf lebten zur Zeit KONRADS
II. (1024-1039). Egino
begann auf der Achalm eine Burg zu errichten, die Rudolf
nach dessen Tod übernahm. Von den 10 Kindern Rudolfs, der vordem
im Ermstal in Dettingen seinen Sitz gehabt hatte, stifteten die beiden
ältesten das 1089 geweihte Kloster Zwiefalten. Kuno (+ 1092)
nannte sich bereits um 1050 nach der Burg Wülfingen bei Winterthur
(Kanton Zürich), Liutold (+ 1098) erscheint erstmals 1075 als
Graf von Achalm. Urach gehörte
gegen Ende des 11. Jh. anscheinend allein Graf
Egino II., wahrscheinlich ein Sohn oder Enkel
Eginos I. Sein Comitat umfaßte den pagus Swiggerstal, dessen
Kern das Tal der Erms bildete. Ob zwischen Comitat und Gau und der nur
archäologisch faßbaren Anlage auf dem runden Berg unweit von
Urach, einem zwischen dem 3. und 10. Jh. mit Unterbrechung besiedelten
Herrschaftszentrum, Zusammenhänge bestanden, kann nur vermutet werden.
Vielleicht geht auf Egino
II. die Anlage der Höhenburg Urach zurück, die
allerdings in den hochmittelalterlichen Quellen nur selten von der Wasserburg
Urach, dem herrschaftlichen Zentrum der Siedlung, geschieden werden
kann. Eginos
II. Bruder Gebhard
(+ 1107) war 1091-1105 Abt von Hirsau, seit 1105 Bischof von Speyer
und Abt von Lorsch.
Erheblichen Machtzuwachs brachte den URACHERN
in der 2. Hälfte des 12. Jh. die Heirat Eginos
IV. mit Agnes,
Erbtochter Bertholds V. von Zähringen, wodurch es nach 1218 zu einer
Verlagerung der Herrschaft in den Schwarzwald, die Baar und die oberrheinische
Tiefebene um Freiburg kam. Damit korreliert seit der Mitte des 13. Jh.
die neue Namensgebung nach Freiburg und Fürstenberg, während
die Linie Urach 1261 mit Graf
Berthold ausstarb. Zwischen 1251 und 1265 erwarb Graf Ulrich I.
von Württemberg schrittweise die Herrschaftsrechte und den Besitz
der URACHER um Erms und Neckar.
Literatur:
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F. Quarthal, Clemens und Amandus, Zur Frühgesch. von Burg und
Stadt U., Alem. Jb. 1976/78, 17-29 - S. Lorenz, Bempflingen - Aus der Gesch.
einer Ermstalgemeinde, 1991, 11-31 - G. Kittelberger, U. (Der Landkrs.
Reutlingen, hg. Landesarchivdirektion Baden-Württ. in Verbindung mit
dem Landkrs. Reutlingen [Krs. Beschreibungen des Landes Baden-Württ.])
[erscheint 1997].
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Hans Jähnichen: Seite 11
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"Die Grafen von Urach"
Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen die ACHALM-URACH aus dem Würzburger Raum und hatten in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts neben anderen Bamberger und Würzburger Lehen auch die Burg Urach, d. i. Aura a. d. Saale inne, nach der sie sich nannten. Sie haben sich dann, vermutlich verdrängt, in Schwaben eine neue Heimat schaffen können. Egino begann um 1040 die Burg Achalm zu erbauen. Sein Bruder Rudolf vollendete den Bau und erhielt nach einer Erbteilung die Herrschaft, die später als Grafschaft Achalm erscheint. Der andere Teil fiel an die Erben des Egino, die im oberen Ermstal etwa um 1060 eine Burg erbauten, die sie mit den mitgebrachten Hausname Urach benannten.
Paul Friedrich Stälin: Seite 403-405
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"Geschichte Württembergs"
Dagegen weisen die Gleichheit des in beiden Geschlechtern üblichen
Taufnamens Egino
und der Umstand, dass diese Familien an denselben Ortschaften Besitzungen
hatten, darauf hin, dass die, mit diesem Namen sicher wenigstens erst nach
dem Anfang des 12. Jahrhunderts nachweisbaren, Grafen
von Urach mit den ACHALMERN stammesverwandt
sind, wahrscheinlich von dem früher erwähnten
Egino, Bruder Rudolfs, sich ableiten. Ihre ursprüngliche
Grafschaft war die alte Gaugrafschaft im Swiggerstal und ihre Namen führten
sie nach der in ihr gelegenen Burg Urach. Sie zeichneten sich zuerst
im geistlichen Stande aus; Gebhard,
Abt von Hirsau und Lorsch, sodann Bischof von SpeierR (1105-1107), Bruder
eines 2. Egino,
spielte hauptsächlich in dem Kampfe zwischen HEINRICH
IV. und V. eine wichtige
Rolle, und ein Neffe desselben, Gebhard,
saß in den Jahren 1131-1141 auf den Sraßburger Bischofsstuhle.
Als weltliche Herren treten bei Kaiser FRIEDRICH
I. auf: Egino
III.; vielleicht ein Neffe desselben Berchtold, welcher
als Bannerträger von FRIEDRICHS Bruder,
dem Herzog und Pfalzgrafen Konrad, beim Sturm auf Crema im Jahre 1160 den
Heldentod fand; sodann vermutlich ein Sohn Eginos,
Egino IV.
der Bärtige (+ 1230). Dieser letzte Graf, welcher auch noch
am Hofe HEINRICHS VI., PHILIPPS und
FRIEDRICHS II. sich einfand, erhob
sein Haus zur höchsten Blüte, insbesondere durch seine Vermählung
mit Agnes,
eine der zwei Schwestern und Haupterbinnen Berchtolds V., des letzten Sprossen
vom zähringischen Hauptstamm. Zwar kam es nach Berchtolds Tode im
Jahre 1218 zu heftigen Streit mit der Teckischen Nebenlinie der ZÄHRINGER
und besonders mit Kaiser FRIEDRICH II.
selbst; allein nach Vergleichen mit letzterem (zu Ulm September 1218, zu
Hagenau September 1219) erhielt die urachische
Familie den großen zusammenhängenden Besitz im Breisgau (mit
Freiburg), im Kinzigtal, im mittleren Schwarzwald und in der Baar. - Von
Eginos IV.
Söhnen erscheint der älteste, Graf
Egino V. (+ 1236 oder 1237), am Hoflager PHILIPPS,
FRIEDRICHS II. und namentlich HEINRICHS
(VII.), an dessen Empörung er teilnahm; er bekam von seinem
Vater schon bei dessen Lebzeiten die Besitzungen im Breisgau, wie er durch
seine Vermählung mit Adelheid von Neuffen die Grafschaft Achalm
für kurze Zeit seinem Hause zurückerwarb. Der zweite Sohn, Konrad,
ist der der allgemeinen deutschen und der Weltgeschichte überhaupt
angehörige Zisterzienserordensgeneral, Kardinalbischof von Porto und
St. Rufina, päpstlicher Legat in Frankreich und Deutschland, berühmter
Kreuzprediger (+ 1227). Ein dritter, Berchtold,
wurde Abt von Thenebach, Lützel und Salem (+ 1242). Weitere Brüder,
die Grafen
Rudolf (+ um 1260) und ein zweiter
Berchtold (+ 1261), wurden zum mindesten vorzugsweise auf die alten
Rechte und Besitzungen in der Uracher Gegend, welche an Bedeutung den neuerdings
ererbten im Breisgau und Schwarzwald nachstanden, abgeteilt. Bei den Fehden
Kaiser FRIEDRICHS II. mit dem Papste
Gregor IX. kamen sie in den Bann, von dem sie jedoch im Jahre 1240 gegen
das Versprechen, dem Kaiser nicht nach Italien zu Hilfe zu ziehen, wieder
losgesprochen wurden. Diese jüngeren 4 Brüder Eginos
V. verstarben ohne männliche Nachkommen; ebenso drei seiner
Söhne, welche zum Teil in den geistlichen Stand eintraten. Das Geschlecht
pflanzten zwei Söhne fort: Konrad,
welcher mit den STAUFERN wegen des
zähringischen Erbes nochmals Streit bekam und zu den Gegenkönigen
HEINRICH RASPE und WILHELM,
auch König RICHARD hielt, und
Heinrich. Sie teilten um die Mitte des 13. Jahrhunderts (kurz vor
1250) das Zähringische Erbe in der Weise ab, dass Konrad
in der Hauptsache das westlich des Schwarzwaldes, Heinrich
das auf und ostwärts von demselben gelegene Gebiet erhielt, und wurden
die Stammväter der Uracher Grafen
im Breisgau, das heißt der im Jahre 1457 ausgestorbenen Grafen
von Freiburg, und der nach der Burg Fürstenberg genannten noch
blühenden Grafen, jetzt Fürsten von Fürstenberg. Sie selbst
nannten sich in ihren späteren Jahren nie mehr Grafen von Urach, sondern
von Freiburg, beziehungsweise von Fürstenberg. War doch die Stammgrafschaft
Urach (die alte Swiggertalgaugrafschaft), die der Familie im 13. Jahrhundert
jedenfalls zustehende Grafschaft der Munigiseshuntare und die in demselben
Jahrhundert wieder an sie gekommene Grafschaft Achalm (letztere sicher
wenigstens zur Hälfte), vor dem Jahre 1265 bereits aus den Händen
des Geschlechts in diejenigen Graf Ulrichs mit dem Daumen von Württemberg
übergegangen, welch letzterer auch hinsichtlich des nicht sehr hervortretenden
Besitzes in der Heimat der Familie, der sich über die Rauhe Alb in
der Uracher Gegend, das Ermstal und das angrenzende Neckargebiet erstreckte,
meistens deren Rechtsnachfolger wurde.
Die Grafen von Urach führten
in quergeteiltem Schild oben (in Gold) einen (roten) leopardierten Löwen,
unter in Kürsch einen (roten) Querstreifen; die Freiburg-Fürstenberger
nahmen den zähringischen Adler an und verwandten das Kürsch zum
Schildesrand. Das sogenannte Uracher Hift- und Jagdhorn, welches erst seit
der Mitte des 14. Jahrhunderts im württembergischen Wappen erscheint,
läßt sich als Helmschmuck der Grafen von Urach urkundlich nicht
sicher nachweisen; doch fehlt es immerhin nicht an Anhaltspunkten für
die Annahme, dass es ein solcher gewesen sei.