Egino II.                                                   Graf von Urach (1230-1236)
----------
um 1185-   1236
 

Ältester Sohn des Grafen Egino I. der Bärtige von Urach und der Agnes von Zähringen, Tochter von Herzog Berthold IV.
 

Egino II. war schon früh Mitregent des Vaters und wurde von den Zähringer Verwandten gefördert. Er engagierte sich 1218 entschieden gegen die STAUFER im Erbkrieg um Zähringen, geriet auch deshalb gegen Kaiser FRIEDRICH II., da er sich von seinem Bruder Konrad von seinem Kreuzzugsgelübde lösen ließ. Die Streitigkeiten wurde letztlich zu seinen und seines Vaters Gunsten gelöst, da Kaiser FRIEDRICH II. das Wohlwollen Konrads brauchte, um das päpstliche Wohlwollen zu behalten. Er bekam unter anderem die wichtige Vogtei von St. Peter dazu und war auch Vogt von Thennenbach. Er folgte den Eltern 1230 im gesamten Besitz, wurde zeitweise Graf von Achalm, einem alten Familienbesitz und half seinem Schwager in Pfirt gegen die Bischöfe von Straßburg. Er erbaute die Burg Zindelstein, nach der er sich zeitweise nannte, war aber vorwiegend Graf von Freiburg. Er schloß sich 1230 eng an den jungen König HEINRICH an, weilte oft an dessen Hoflager, war 1234 der königliche Urteilssprecher in Frankfurt und wurde mit wichtigen Flußtälern (unter anderem Brigach, Breg, Donau, Dreisam, Kinzig, Rench und Wiese) belehnt. Er machte 1234/35 die Rebellion gegen Kaiser FRIEDRICH II. mit und stellte sich kurzfristig militärisch gegen ihn. Er unterwarf sich dann und rettete damit das gesamte Erbe, mußte aber hohe Strafgelder zahlen, womit die Verschuldung und der Niedergang des Hauses begründet wurden; der Verlust von Urach-Dettingen - des alten Stammgebietes - wurde damit eingeleitet. Er stritt jahrelang mit der Zähringer Herzogswitwe Clementia d'Ivrea um deren Witwenrechte und Besitzungen und setzte sie zeitweise gefangen. Er baute die Herrschaft planvoll aus, gewann das Bergregal im Kinzigtal, sicherte sich Wildbann- und Bergrechte im Breisgau, was zu ständigem Streit mit den im Breisgau dominierenden Markgrafen von Baden führte. Er stritt mit HOHENZOLLERN, Teck, Württemberg und den Bischöfen von Basel, holte Dominikaner nach Freiburg und begünstigte die Klöster Thennenbach, St. Peter und St. Georg.
 
Hans Jähnichen: Seite 14
************
"Die Grafen von Urach"

Graf Egino V. trat 1218 das Erbe seiner Mutter Agnes von Zähringen an, das heißt er erbte die nördlich des Rheins gelegenen Güter. Die Reichslehen wurden eingezogen und andere Herren machten ihm viel Stücke dieses Erbes streitig. Heinrich Büttner hat diesen Grafen eine Monographie gewidmet und gezeigt, wie schwer Egino kämpfen mußte, bis er doch wieder eine stattliche Herrschaft zusammengebracht hatte. Auch war er in den Aufstand des König HEINRICH gegen seinen Vater, dem Kaiser FRIEDRICH II., verwickelt, mußte Freiburg im Breisgau, wohin er seinen Wohnsitz verlegt hatte, verlassen und sich nach Urach flüchten. Dort hielt er sich jedoch klug zurück, als er 1235 zu einer Schlacht im Swiggertal, das heißt dem Ermstal, zwischen Kaiserlichen und Königlichen kam. Dank dieser Vorsicht gelang es ihm, als der Kaiser siegte, eine Aussöhnung mit diesem zu erreichen, aber offenbar nur unter schweren Opfern. Damals wurde vermutlich die Herrschaft Urach an die Bischöfe von Konstanz und Speyer und den Herzog von Bayern verpfändet, die 20 Jahre später als Pfandgläubiger auftraten. Die Verpfändung an den Bischof von Konstanz ist offenbar nie richtig eingelöst worden, denn noch im 14. Jahrhundert forderten die Bischöfe bei Wahlkapitulationen des "oppidum Urach" als ihren Besitz.
Egino war nach 1235 nach Freiburg zurückgekehrt und betrieb von dort aus die Konsolidierung des Zähringer Besitzes. Er starb jedoch schon im nächsten Jahr, beerbt von seinen Söhnen, unter denen Konrad und Heinrich hervortraten, die um 1245 eine Landesteilung vornahmen.
 
Wolfgang Stürner: Teil 1 Seite 215, 238
**************
"Friedrich II."

Auch die Haupterben, Egino von Urach-Freising und vor allem sein gleichnamiger Sohn Egino V., wandten sich im übrigen von Anfang an entschieden gegen einzelne Ansprüche des STAUFERS. Das wohl im September 1218 zu Ulm erreichte Einvernehmen über sdie strittigen Fragen überdauerte kaum das nächste Frühjahr. Bald darauf führte die Unzufriedenheit der URACHER sogar zu Kämpfen zwischen den beiden Parteien, und eine Reihe von Bewohnern Freiburgs und anderer gräflicher Orte benützte damals die Gelegenheit zur Übersiedliung in die anscheinend attraktiveren königlichen Städte. Obwohl sich die Dinge demnach für FRIEDRICH keineswegs schlecht entwickelten, suchte er doch rasch den Ausgleich mit Egino V. - ob im Blick auf dessen Bruder Konrad, den Kardinalbischof von Porto, also in Wahrheit aus Ehrfurcht für den Apostolischen Stuhl, wie er später dem Papst beteuerte, oder aber einfach in dem Bestreben, einen wichtigen Fürsten S-Deutschlands wieder an sich zu binden, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls nahm er Egino im September 1219 erneut in seine Gnade auf, befahl die Rückführung der aus dem Gebiet des Grafen Abgewanderten und überließ ihm sogar den von den Tecker Herzögen erworbenen Teil der zähringischen Erbschaft. Dafür sollte ihm der Graf allerdings die stattliche Summe von 25.000 Mark Silber bezahlen, die er dann bis auf  3.000 Mark erließ, weil Egino versprach, mit einer ansehnlichen Ritterschar am Kreuzzug teilzunehmen. Damit war der Fall freilich längst nicht erledigt - noch 1235 gehörte Egino zu denjenigen, die sich mit König HEINRICH gegen den Kaiser erhoben.
daran änderten grundsätzlich auch jene neuerlichen Widrigkeiten nichts, von denen er entschuldigend dem Papst berichtete. Ein ärgerliches und bedenkliches Beispiel hochadligen Verhaltens war es freilich doch, wenn sich Graf Egino von Urach, obwohl er dem König bei seiner Aussöhnung erhebliche Kreuzzugshilfe versprochen hatte, nun mit anderen zusammen bei seinem Bruder, dem Kardinal Konrad von Porto, die Lösung vom Kreuzzugsgelübde verschaffte oder wenn vorwiegend elsässische Große von demselben Kardinal die Erlaubnis einholten, statt nach Palästina gegen die Albigenser im ungleich südlicheren Frankreich zu ziehen.
 
Wolfgang Stürner: Teil 2 Seite 118, 300-302, 305
**************
"Friedrich II."
 
Dem Ausgleich aber, den der Kardinal zwischen seinem Bruder Egino von Urach und König HEINRICH im immer wieder neu aufbrechenden Streit um das ZÄHRINGER-Erbe zuwege brachte, stimmte er zwei Jahre später zu - aus Liebe und Wohlwollen für Konrad, wie er allerdings eigens betonte.
Fürs erste schien HEINRICH indessen der Erfolg recht zu geben. Auf dem schon erwähnten Frankfurter Hoftag vom Februar 1234 nahm er im Streit zwischen Graf Egino V. von Urach und Markgraf Hermann von Baden um Forstrechte und Silbergruben im Breisgau für den damals auf seiner Seite stehenden Egino Partei. Er bestätigte nicht nur die auf einen Fürstenspruch gegründete Belehnung des URACHERS mit den umkämpften Gütern udn Rechten, wogegen wohl nichts sprach, sondern brachte Hermann zudem dahin, daß er ihm seinen Sohn als Geisel stellte; überdies zwang er ihn, die eeinst mit FRIEDRICH vereinbarte Pfandsumme für Lauffen a.N. und andere Städte herabzusetzen. FRIEDRICH machte die umstrittenen Maßnahmen seines Sohnes gegen Bayern und Baden wie gegen Hohenlohe rückgängig.
Unter den Fürsten gewann HEINRICH indessen nur die Bischöfe von Würzburg, Augsburg, Speyer und Worms sowie Abt Konrad von Fulda; daneben sympathisierte vielleicht sein Schwager, Herzog Friedrich von Österreich, mit seiner Sache, und aus dem süddeutschen Adel traten Graf Egino von Urach-Freiburg, Heinrich von Neuffen und Anselm von Justingen an seine Seite.
HEINRICH indessen scheint sich mit ihr nicht abgefunden, er scheint sich geweigert zu haben, auf den Trifels mit den Reichsinsignien und damit auf die Königswürde tatsächlich zu verzichten.Wohl aufgrund dieses neuerlichen Aufbäumens gegen den kaiserlichen Willen befahl FRIEDRICH, ihn gefangenzunehmen und zunächst Otto von Bayern zu übergeben. Zwar drohte von der schwäbischen Opposition um die Herren von Neuffen und Justingen und dem vorsichtig aus dem Hintergrund Hilfe gewährenden Grafen Egino von Urach bereits seit Ende Juni, seit ihrer Niederlage gegendie Truppen Bischof Heinrichs von Konstanz im Ermstal keine ernsthafte Gefahr mehr.
 

 
 

  oo Adelheid von Neuffen, Tochter des Grafen Berthold im Pfullichgau und der  Adelheid von Achalm
             -

     Erbin von Achalm
 
 
 
 
 
Kinder:

  Tochter
        -
 
  1. oo Gottfried I. von Habsburg-Laufenburg
                 -   1271 gefallen
 
  2. oo Simon II. Graf von Geroldseck
                  - vor 1294

  Gebhard
         - um 1262

Gebhard stand in großer päpstlicher Gunst und wurde 1248 päpstlicher Kaplan und Domherr von Straßburg und Konstanz.

  Gottfried
        - nach 1275

  Pfarrer zu Villingen und Balingen
 

  Berthold Graf von Urach
         - vor 1241
 
  Konrad I.
  um 1226-   1271 gefallen

  Heinrich I. Graf von Fürstenberg
        -   1284

  Kunigunde
         - vor 1249
 
  oo Otto I. Graf von Eberstein
       1172-   1279
 
 
 
 
 
Literatur:
----------
Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Hg. von Karl Schmid; Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990, Seite 106,125,218,220,223-235,237-240,242,250, 253-255,260,264,301,303,351 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 49 A,51A,54,58-60,67,87, 219,220 A,221,339 -