Theoderichs
Nachfolger war zu schwach, zumal in Ermangelung ausreichender Seemacht,
die Verwandte zu rächen, aber der vorwurfsvolle Brief Athalarichs
an den Wandalen-König stellt die
Rache Gottes anheim.
Der Erbe Theoderichs war
ein Kind, Athalarich, der achtjährige
Sohn des früh (522) verstorbenen Eutharich
und Amalaswinthas.
Theoderich
hatte unter Zustimmung des gotischen Adels und der ganzen Bevölkerung
von Ravenna angeordnet, daß diese seine reichbegabte, feingebildete
und kraftvolle Tochter die Regentschaft führen solle, bis der Enkel
zu seinen Jahren und Waffen gekommen wäre. Mit Klugheit wußte
die Regentin den bei den Thronwechseln gefürchteten Gefahren zuvorzukommen.
Sofort wurden Römer und Goten in allen Landschaften für
Athalarich vereidigt, der seinerseits den Schwur leistete, in
seines Großvaters Geist zu herrschen, zumal die Römer schützen
zu wollen.
Die Stellung Amalaswinthas
blieb gleichwohl gefährdet, auch abgesehen von den Romanen. Die Weiberherrschaft,
germanischer Sitte fremd, war dem trotzigen gotischen Adel verleidet. In
auswärtiger Staatskunst vermochte die Regentschaft nichts Kräftiges
zu leisten. Durch den Tod Theoderichs
erlosch die ostgotische Herrschaft über das Westgoten-Reich
in Spanien. Als Amalrich
dort durch die Franken angegriffen und
getötet wurde (531), konnte die Regentin dies ebensowenig hindern
oder rächen wie die Ermordung ihrer Tante
im Wandalen-Reich (527) oder die Vernichtung des nahe verschwägerten
thüringischen Königshauses
durch die Franken (530). Die feingebildete Frau, verletzt durch den Widerstand,
den sie bei dem rauhen gotischen Adel fand, durch die antike Bildung geblendet
und ihrem Volk entfremdet, stützte sich nicht nur im eigenen Reich
auf die mit größter Milde behandelten Römer - als zu Byzanz
Justinian I. (527-565) den Thron bestiegen, suchte
die Tochter Theoderichs Schutz gegen
die gotische Volkspartei bei eben dem Kaiser.
Die Sprache ihrer Schreiben nach Byzanz ist bis zur Unterwürfigkeit
schmeichelnd: zugleich suchte man die Römer zu versöhnen durch
Steuernachlässe, durch zahlreiche Beförderungen der Senatoren
zu hohen Würden, durch Rückgabe der eingezogenen Güter des
Boethius und Symmachus an deren Erben, durch Freilassung
verhafteter Beschuldigter. Aber diese starke Hinneigung zu den Römern
steigerte die Unzufriedenheit der gotisch Gesinnten. Sie brach in offener
Auflehnung empor aus Anlaß der völlig verrömernden Erziehung,
in der die Regentin ihren Sohn statt zu gotischem Heldentum von Schulmeistern
in griechisch-römischer Bildung unterrichten ließ. Als der Knabe
von einigen vornehmen Goten getroffen wird, wie er wegen kleinen Fehls
von der Mutter geschlagen, weindend davonläuft, bricht der lang verhaltene
Zorn hervor. Trotzig verlangen und erzwingen die gotischen Edlen von der
Regentin, daß sie, die Erziehung des Sohnes ändernd, ihn statt
mit den betagten Lehrern mit jungen Goten umgebe. Diese aber verderben
den Jüngling alsbald mit allerlei Ausschweifung und hetzen ihn gegen
die Mutter auf, ihr die Herrschaft zu entreißen. Jedoch Amalaswintha
verteidigt mit männlichem Mut ihren Königsstab.
Öffentlich tauschte man Beschuldigungen und Verteidigung
wegen Grenzverletzungen und andere Streitfragen aus, geheim aber erbot
sich die Tochter Theoderichs, dem Kaiser
ganz Italien preiszugeben; denn ihre Lage hatte sich wieder verschlimmert.
Athalarich
war infolge seiner Ausschweifungen in tödliche Krankheit verfallen,
und sie mußte nach seinem Tod für ihre Herrschaft, für
ihr Leben vom gotischen Adel das Äußerste befürchten.