Amalafrida                                      Königin der Wandalen
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um 455/60 525 ermordet
 

Einzige Tochter des Ostgoten-Königs Theodemir von Ereliva; Schwester von König Theoderich dem Großen
 

Thiele, Andreas: Tafel 220
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

AMALAFRIDA
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    um 525 ermordet
 

  1. oo N.N., wohl ein AMALER-Prinz

  2. oo THRASAMUND, König der Vandalen
                    + 523 ermordet



Amalafrida wurde 523 gefangen und 525 auf Hilderichs Befehl ermordet.

Dahn Felix: Seite 31,33,55,370
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas."

Nachdem Thrasamund in kinderloser Ehe seine erste Gattin verloren, vermählte er sich mit Theoderichs eben verwitweter Schwester Amalafrida. Der Goten-König war bestrebt, durch solche Verschwägerungen mit germanischen Fürsten Bündnisse zu knüpfen. Die um ihre Weisheit gefeierte AMALUNGEN-Tochter brachte einen für das Wandalen-Reich höchst wertvollen Brautschatz zu: den dem westlichen Afrika zugewandten Teil von Sizilien mit dem wichtigen Lilybäum. Eine Tausendschaft erlesener Goten, der 5.000 Gewaffnete folgten, geleitete die Braut, und wenigstens ein Teil derselben blieb im Wandalen-Reich.
Unter Hilderich nun und schwerlich ohne sein Verschulden kam es zu dem verderblichen Bruch zwischen Ostgoten und Wandalen. Amalafrida, Thrasamunds Witwe, wurde gefährlicher Umtriebe gegen König und Reich beschuldigt; was dies bezweckt haben sollen, wird nicht angedeutet: an eine Eroberung Afrikas durch die Goten ist nicht zu denken, eher vielleicht an Verdrängung Hilderichs, dessen zu Byzanz neigende Politik die volkstreue Partei beunruhigen mußte; von einem Sohn Amalafridas wird allerdings nichts erwähnt. Die Fürstin suchte Schutz, indem sie zu den Mauren flüchten wollte, wurde aber, so scheint es, unterwegs eingeholt; die treuen Goten, die sie geleiten und verteidigen wollten, wurden in einem Gefecht bei Capsa überwältigt; die Fürstin wurde gefangen, sie starb bald darauf, wahrscheinlich ermordet, im Kerker, die noch übrigen Goten ihres Gelets wurden getötet.
Seine Schwester Amalafreda gab er Thrasamund, dem König der benachbarten Wandalen in Afrika, seine Nichte Amalaberga Hermanfrid, dem König des Thüringer-Reichs im Herzen Deutschlands, zur Ehe.
Aber der geschichtliche Kern ist, daß Hermenfried, der Gemahl Amalabergas, Tochter Amalafridas, der Schwester Theoderichs des Großen, zuerst seinen Bruder Berthachar überfiel und tötete, dessen Söhne (und Tochter Radegundis) von der Herrschaft ausschloß, darauf Theuderich von Austrasien herbeirief zum gemeinsamen Angriff auf Baderich.

Schneider, Reinhard: Seite 19
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"Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern."

Auf Veranlassung des Kaisers heiratete der Langobarden-König Audoin eine Tochter des Thüringer-Königs Herminafried, deren Vater einst nach Italien geflohen und im Jahre 540 von Belisar zusammen mit dem gefangengenommmenen Ostgoten-König Witichesnach Byzanz gebracht worden war [78 Prokop, Bell. Goth. IV, 25, ed. Veh Seite 916. Herminafrieds Sohn Amalafried diente im byzantinischen Heer.]. Audoins jetzige Frau war über ihre Mutter Amalaberga und Großmutter Amalafrieda, eine Schwester Theoderichs, mit dem Ostgoten-König direkt als seine Großnichte verwandt.

Schreiber Hermann: Seite 303,337
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"Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes."

Unterpfand dieser vandalisch-ostgotischen Beziehungen war die Ehe, die Theoderich zwischen seiner Schwester Amalafrida und Thrasamund gestiftet hatte. Diese Verbindung entsprach der friedlichen Koalitionspolitik Theoderichs: Darum diente auch Theoderichs Schwester Amalafrida dieser Bündnispolitk, sobald ihr erster, uns nicht bekannter Mann gestorben war. Auch Thrasamund hat eine erste Gemahlin verloren, die ihm keine Kinder geboren hatte, so daß Amalafrida hoffen durfte, ihre Kinder aus dieser Ehe auf einem Thron zu sehen. Für die Eheschließung war das Jahr 500 mit festlich-verheißungsvoller Rundzahl gerade recht, und mit großen Zahlen prunkte man auch, als die Theoderich-Schwester übers Meer nach Karthago kam: Nicht weniger als tausend gotische Ritter, vollbürtiger Schwertadel des Ostgoten-Reiches, begleiteten sie, dazu 5.000 bewaffnete Knechte.
Kaum minder wichtig war die Mitgift: der seit alters her bedeutende Hafen Lilybaeum auf Sizilien mit seinem Umland, also die Gegend um das heutige Marsala.
Ob die Eheschließung selbst auf ein vandalisches Ersuchen zurückgeht, wie Prokopios es darstellt, oder auf der Linie der ostgotischen Gesamtpolitik gegenüber den anderen Germanen-Reichen lag und also auch Theoderichs Wünschen entgegenkam, ist eine Frage, die sich nur schwer beantworten lassen. Zumindest um 500, als sich diese Verbindung anbahnte, kam sie zweifellos beiden Herrschern gleichermaßen gelegen.
Hilderich hatte - eine der wenigen Aktionen seiner Regierungszeit - Amalafrida, die Witwe seines Vorgängers einkerkern lassen, weil sie der katholikenfreundlichen Politik Hilderichs ablehnend gegenüberstand und eine Annäherung an ihren arianischen Bruder Theooderich lieber gesehen hätte. In einer Großaktion von erstaunlicher Perfektion, die zweifellos nicht Hilderich leitete, sondern der hartte Hoamer, waren alle Goten am Vandalenhof umgebracht worden (woraus sich freilich ergibt, daß der größte Teil jenes 6.000 Mann starken Hochzeitsgefolges inzwischen wieder nach Italien zurückgekehrt sein mußte). Die kluge und energische Amalafrida, die zweifellos noch einflußreiche Freunde am Hof hatte, vermochte aus dem kerker zu fliehn und wollte Schutz bei den Mauren suchen, der einzigen militärischen Kraft neben den Vandalen. Aber auch der Weg zu den Mauren erwies sich als zu weit; Hoamers Reiter erreichten die flüchtige Königin-Witwe noch vor der Stadt Capsa, und damit war es um sie geschehen: Eine Gefangene kann man auf so viele Arten heimlich umbringen, durch ein vergiftetes Kerkersüppchen oder durch ein paar Dursttage, daß niemand je erfahren wird, wie die Ärmste schließlich ums Leben kam. Im Jahr 525 jedenfalls lebte sie nicht mehr, und ihr zu tiefst erschütterter Bruder, der alte Theoderich, befahl den Bau von tausend Schiffen, um seine Schwester zu rächen.
 
 
 
 

 500
  2. oo 2. Thrasamund König der Wandalen
                um 460-6.5.523
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Amalaberga
          - nach 540

  ooo Hermanfrid, König der Thüringer
                 -   531 ermordet

  Theodahad
         -   537 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 38 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 31,33,55,370 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München 1959 Seite 57,86,111,307,312,326 - Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978 Band I, 1 Seite 164 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite 617 -
Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 79 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 267,246,247,264 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 19 - Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag Bindlach 1993 Seite 303,337 -  Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 220,221 -