Sohn des N.N. aus dem Hause der
AMALER
Thiele, Andreas: Tafel 220
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
AMALASWINTHA
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†
535 ermordet
oo 515
EUTHARICH
+ vor 526
Nachkommen von König Ermanarich; wurde Consul und
Patriciuus durch Byzanz und war Thronerbe
Ins besondere ist nicht gelungen, die bei Jordanes genannten
Nachfolger Ermanarichs,
die aus dessen eigenen und den Nachkommen seines Bruders Vultuulf bestehen
sollen, widerspruchslos in die historische Entwicklung einzuordnen oder
mit den Angaben bei Ammianus Marcellinus in Übereinstimmung zu bringen
[85
Allgemein herrschen hinsichtlich dieser jüngeren
AMALER-Linie in der Forschung
mittlerweile Uneinigkeit und Ratlosigkeit, da deren Konstruktion bei Jordanes
offensichtlich den Zweck verfolgt, Theoderichs
Schwiegersohn
und Erben Eutharich als AMALER
zu erweisen, andererseits aber nicht frei erfunden zu sein scheint, vgl.
oben Anm. 72 genannte Literatur.].
Denn nachdem die Geburt eines direkten Thronerben, des
ersehnten sacer parvolus, ausgeblieben war, hatte
Theoderich zwar zunächst seinen Schwiegersohn Eutharich,
den er als im Westgoten-Reich gefundenen AMALER
darstellte [103 Ob Eutharich tatsächlich
amalischer Herkunft war, ist nicht sicher zu klären. Daß
ostgotische AMALER in den 470-er
Jahren zu den Westgoten gestoßen waren, ist sicher, daß ähnliches
bereits in den 420-er Jahren durch die umstrittene jüngere AMALER-Linie
geschah,
zumindest möglich; von beiden könnte Eutharich abgestammt
haben. Vgl. die anhaltende Kontroverse anhand der oben Anm. 72 angeführten
Literatur sowie Wolfram, Goten Seite 43 mit Anm. 17; 238f. Im vorliegenden
Zusammenhang ist jedoch ohnehin die Frage, ob Eutharich
AMALER
war, weniger von Belang als die Tatsache, daß dies behauptet wurde.
Nach Krautschick, Cassiodor Seite 31-33, 125f., war die amalische
Legitimierung
Eutharichs ein Hauptzweck der Gotengeschichte Cassiodors.],
als Nachfolger vorgesehen, doch war dieses von Konstantinopel bereits gebilligte
und mittels Waffen-Adoption Eutharichs bekräftigte Vorhaben
durch dessen frühzeitigen Tod vereitelt worden. Der erbrechtlich nächstliegende
Kandidat, noch vor Eutharich, wäre Theoderichs
Schwestersohn Theodahad
gewesen, doch galt dieser nicht nur Theoderich
selbst, sondern auch den gotischen und römischen Großen als
wenig geeignet [104 Vgl. Prokop, De bello Gothico I.4.6, Seite 20f.,
sowie Theoderichs mahnende Briefe bei
Cassiodor, Variae IV.39.4, Seite 131 und V.12, Seite 149f.; vgl. Wolfram,
Goten Seite 332f. Nach Norbert Wagner, König Theodahad und die amalische
Namengebung, in: Beiträge zur Namenforschung N. F. 21 (1986), Seite
433-450, hier Seite 438f., wäre Theodahad
nicht Amalafridas
Sohn, sondern ein Sproß von Theoderichs
Bruder
Thiudimund
gewesen, vgl. aber die Quellen in PLRE 2, Seite 1067.]. Auch seinen westgotischen
Enkel Amalarich,
dem er schon die Herrschaft im Tolosanischen Reich seines Vaters versagt
hatte [105 Siehe dazu unten Seite 96.], überging der greise
König, ebenso Amalafrid,
den Sohn seiner Nichte Amalaberga,
der offfenbar für die Nachfolge in Thüringen vorgesehen war [106
Vgl.
Schlesinger, Frühmittelalter Seite 322f.; Claude, Königserhebungen
Seite 159.]. Statt dessen entschied sich Theoderich
für ein kaum zehn-, vielleicht erst achtjähriges [107 Differierende
Angaben bei Jordanes, Romana c. 367, Seite 48; Prokop, De bello Gothico
I.2.1, Seite 10 (jeweils acht Jahre); Jordanes, Gtica c. 304, Seite 136
bzw. 125 (vix decennem).] Kind, Athalarich,
den Sohn Eutharichs und seiner Tochter
Amalasuintha. Die Abkunft des Kindes vom vormaligen, vom Kaiser
gebilligten Thronfolger Eutharius mag dabei eine Rolle gespielt
haben.
Theoderich scheint
sogar eine dauerhafte Vereinigung der beiden Goten-Reiche angestrebt zu
haben. Dafür spricht nicht nur die Verbringung des westgotischen Königsschatzes
nach Ravenna, sondern diesem Ziel diente wahrscheinlich die 'Entdeckung'
des westgotischen AMALERS Eutharich
und dessen Verheiratung mit Theodrichs
Tochter Amalasuintha; Eutharich
sollte offenkundig seinem Schwiegervater als König aller Goten nachfolgen
[168 Vgl. Wolfram, Goten Seite 310; Claude, Adel Seite 47. Zum AMALER-Tum
Eutharichs
siehe oben Anm. 85 und 103.].
515
oo Amalaswintha, Amalasuntha Königin der
Ostgoten
496 †
30.4.535
ermordet
Kinder:
Athalarich
516 † 2.10.534
Mataswintha
um 518 † nach
540
537
1. oo 2. Vitiges König der Ostgoten
† 542
Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher
in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite
34,122 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische
Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 55,57,175
- Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München
1959 Seite 248,271,293,296,298,301,308 - Jordanis: Gotengeschichte.
Phaidon Verlag GmbH Essen - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE.
Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag
Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite
617,620 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger
im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 73,79-82,97
- Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag München
1977 Seite 237,245 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 220 -