Bolko II.                                        Herzog von Schweidnitz (1326-1368)
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1309/12-28.7.1368
 

Einziger Sohn des Herzogs Bernhard von Schweidnitz und der Kunigunde (Margarete) von Polen, Tochter von König Wladyslaw I. Lokietek
 

Thiele, Andreas: Tafel 85
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BOLKO II.
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* 1310, + 1368

Bolko II. folgte 1326 seinem Vater in der Regierung zu Schweidnitz und war der bedeutendste schlesische PIASTE seiner Generation. Er gestand aus Gegensatz zu Breslau Schweidnitz die Rolle eines schlesischen Oberhofes zu, stützte sich auf Polen und Ungarn und trat erst nach 1350 in engere Beziehungen zu Böhmen (Kaiser KARL IV.), dem schlesischen Lehensherrn. Bolko wurde Regent der Oberpfalz und kaiserlicher Vogt in der Nieder-Lausitz und beerbte 1346 seinen Onkel Heinrich I., gewann nach und nach durch Kauf und Pfandschaften unter anderem Ohlau, Brieg, Kreuzberg, Reichenstein und die Hälfte von Glogau, Grottkau, Steinau und Sohrau und beherrschte damit das größte niederschlesische Teilgebiet. Er setzte Kaiser KARL IV. als Erben ein, der ihm daher viele Freiheiten beließ.

  oo 1338
       AGNES VON HABSBURG
                 + 1392

Tochter des Herzogs Leopold I. von Österreich
1362 Herzogin von Schweidnitz; Gebiet fällt 1392 als erledigt an die Krone



Veldtrup, Dieter: Seite 324
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"Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit."

Bolko II., der in Schweidnitz seit 1326 regierte, verdankte seine Unabhängigkeit seinen verwandtschaftlichen Beziehungen, die es Johann schwer machten, ihn politisch zu isolieren. Bolkos Mutter war nämlich Margaretha-Kunigunde von Polen gewesen, die älteste Tochter Wladislaws I. und Schwester Kasimirs III., deren bis 1339 gespanntes Verhältnis zu Johann wir bereits kennengelernt hatten; gleichzeitig war Bolko, da die Schwester Beatrix seines Vaters die erste Frau LUDWIGS DES BAYERN gewesen war, aber auch ein Neffe des Kaisers, des Hauptgegners der luxemburgischen Dynastie. Sein Bestreben, die politische Unabhängigkeit seines Landes zu erhalten, wurde also dadurch begünstigt, dass er sich den Umklammerungsversuchen des LUXEMBURGERS durch ständig wechselnde Bündnisse mit seinen beiden Oheimen entzog. Durch seine Frau Agnes von Habsburg, die jüngere Schwester der Gräfin Catharina von Hardegg, war er zudem mit den HABSBURGERN verwandtschaftlich verbunden. Aus seiner Ehe waren jedoch keine Kinder hervorgegangen; deswegen war Anna, die 1339 geborene einzige Tochter seines verstorbenen Bruders Heinrich II. aus dessen Ehe mit Catharina von Ungarn, der Tochter Karl Roberts und seiner ersten Frau Maria von Beuthen, die präsumptive Erbin von Bolkos Besitzungen. Anna würde aber nach seinem Tod nicht nur Schweidnitz erben, sondern auch Jauer, denn Bolko hatte 1346 von seinem Onkel Heinrich I. von Jauer dessen Herzogtum geerbt. Heinrich hatte sich, obwohl oder weil er der Schwager Johanns von Böhmen war, dessen Versuchen, ihn zum Lehnseid zu veranlassen, erfolgreich widersetzen können.
Bolko mußte sich KARL mehr und mehr politisch annähern: 1348 hatte Kasimir von Polen in Namslau einen Freundschaftsvertrag mit KARL geschlossen, im folgenden Jahr söhnten sich die wittelsbachischen Verwandten des Schweidnitzer Herzogs mit dem König aus - dadurch wurde Bolko der letzten politischen Stütze beraubt, die er in einem eventuell ausbrechenden Kampf mit KARL gehabt hätte. Anfang 1350 suchte Bolko auf dem Hoftag zu Bautzen, der die endgültige Versöhnung KARLS mit den WITTELSBACHERN besiegelte, wegen seiner Isolierung die persönliche Begegnung mit dem König und scheint bei dieser Gelegenheit die Grundlage für einen zunächst auf ein Jahr befristeten förmlichen Friedensvertrag geschaffen zu haben, der im August anläßlich eines Besuches von KARL in Schweidnitz offiziell ratifiziert werden konnte. Hier gelang es KARL durch sein diplomatisches Geschick, Bolkos Selbständigkeit zwar formal zu wahren, sie aber doch faktisch dadurch zu untergraben, dass der Herzog sich dazu verpflichtete, dem König bei Bedarf militärische Hilfe zu leisten. Für KARL wohl noch wichtiger war Bolkos Versprechen, ohne den Rat des Königs keine erbrechtlichen Verfügungen über seine Lande zu treffen. Nur wenige Monate später kam es am 13. Dezember 1350 in Prag zum Abschluß eines Ehe- und Erbvertrages, durch den KARLS geheime Hoffnungen verwirklicht wurden.
 
 
 
 

 1338
  oo Agnes von Österreich, Tochter des Herzogs Leopold I.
  x   1321/26-2.2.1392
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 98,129,156,164 - Lebe Reinhard: Ein Königreich als Mitgift. Heiratspolitik in der Geschichte. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1998 Seite 114 - Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 73,91, 116,121,191,193,197,205,294,299,300,302,376 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 85 - Veldtrup, Dieter: Frauen um Herzog Ladislaus (+ 1401). Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen Ungarn, Polen und dem Reich. Fahlbusch Verlag 1999 Seite 3,149,235,244 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 54,61,170,286,294,324, 327-330,332,336,343,359,370,408 -