Einziger Sohn des Herzogs
Bernhard von Schweidnitz
und der Kunigunde
(Margarete) von Polen, Tochter von König
Wladyslaw I. Lokietek
Thiele, Andreas: Tafel 85
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
BOLKO II.
---------------
* 1310, + 1368
Bolko II. folgte 1326 seinem Vater in der Regierung zu Schweidnitz und war der bedeutendste schlesische PIASTE seiner Generation. Er gestand aus Gegensatz zu Breslau Schweidnitz die Rolle eines schlesischen Oberhofes zu, stützte sich auf Polen und Ungarn und trat erst nach 1350 in engere Beziehungen zu Böhmen (Kaiser KARL IV.), dem schlesischen Lehensherrn. Bolko wurde Regent der Oberpfalz und kaiserlicher Vogt in der Nieder-Lausitz und beerbte 1346 seinen Onkel Heinrich I., gewann nach und nach durch Kauf und Pfandschaften unter anderem Ohlau, Brieg, Kreuzberg, Reichenstein und die Hälfte von Glogau, Grottkau, Steinau und Sohrau und beherrschte damit das größte niederschlesische Teilgebiet. Er setzte Kaiser KARL IV. als Erben ein, der ihm daher viele Freiheiten beließ.
oo 1338
AGNES
VON HABSBURG
+ 1392
Tochter des Herzogs Leopold I. von Österreich
1362 Herzogin von Schweidnitz; Gebiet fällt 1392
als erledigt an die Krone
Bolko II., der in Schweidnitz seit 1326 regierte,
verdankte seine Unabhängigkeit seinen verwandtschaftlichen Beziehungen,
die es Johann
schwer machten, ihn politisch zu isolieren. Bolkos Mutter war nämlich
Margaretha-Kunigunde von Polen gewesen,
die älteste Tochter Wladislaws I. und
Schwester Kasimirs
III., deren bis 1339 gespanntes Verhältnis zu Johann
wir bereits kennengelernt hatten; gleichzeitig war Bolko, da die
Schwester Beatrix
seines Vaters die erste Frau LUDWIGS
DES BAYERN gewesen war, aber auch ein Neffe des Kaisers,
des Hauptgegners der luxemburgischen
Dynastie. Sein Bestreben, die politische Unabhängigkeit seines Landes
zu erhalten, wurde also dadurch begünstigt, dass er sich den Umklammerungsversuchen
des LUXEMBURGERS
durch ständig wechselnde Bündnisse mit seinen beiden Oheimen
entzog. Durch seine Frau Agnes
von Habsburg, die jüngere Schwester der Gräfin
Catharina von Hardegg, war er zudem mit den HABSBURGERN
verwandtschaftlich verbunden. Aus seiner Ehe waren jedoch keine Kinder
hervorgegangen; deswegen war Anna,
die 1339 geborene einzige Tochter seines verstorbenen Bruders Heinrich
II. aus dessen Ehe mit Catharina
von Ungarn, der Tochter Karl Roberts
und seiner ersten Frau Maria
von Beuthen, die präsumptive Erbin von Bolkos
Besitzungen. Anna würde aber nach
seinem Tod nicht nur Schweidnitz erben, sondern auch Jauer,
denn Bolko hatte 1346 von seinem Onkel Heinrich I. von Jauer
dessen Herzogtum geerbt. Heinrich hatte sich, obwohl oder weil
er der Schwager Johanns von Böhmen
war, dessen Versuchen, ihn zum Lehnseid zu veranlassen, erfolgreich widersetzen
können.
Bolko mußte sich KARL
mehr und mehr politisch annähern: 1348 hatte Kasimir
von Polen in Namslau einen Freundschaftsvertrag mit KARL
geschlossen, im folgenden Jahr söhnten sich die wittelsbachischen
Verwandten des Schweidnitzer Herzogs mit dem König aus - dadurch
wurde Bolko der letzten politischen Stütze beraubt, die er
in einem eventuell ausbrechenden Kampf mit KARL
gehabt hätte. Anfang 1350 suchte Bolko auf dem Hoftag zu Bautzen,
der die endgültige Versöhnung KARLS
mit den WITTELSBACHERN besiegelte,
wegen seiner Isolierung die persönliche Begegnung mit dem König
und scheint bei dieser Gelegenheit die Grundlage für einen zunächst
auf ein Jahr befristeten förmlichen Friedensvertrag geschaffen zu
haben, der im August anläßlich eines Besuches von KARL
in Schweidnitz offiziell ratifiziert werden konnte. Hier gelang es KARL
durch
sein diplomatisches Geschick, Bolkos Selbständigkeit zwar formal
zu wahren, sie aber doch faktisch dadurch zu untergraben, dass der Herzog
sich dazu verpflichtete, dem König bei Bedarf militärische Hilfe
zu leisten. Für KARL wohl noch
wichtiger war Bolkos Versprechen, ohne den Rat des Königs keine
erbrechtlichen Verfügungen über seine Lande zu treffen. Nur wenige
Monate später kam es am 13. Dezember 1350 in Prag zum Abschluß
eines Ehe- und Erbvertrages, durch den KARLS geheime
Hoffnungen verwirklicht wurden.
1338
oo Agnes von Österreich, Tochter des Herzogs
Leopold I.
x 1321/26-2.2.1392
Literatur:
-----------
Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche
Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer
2000 Seite 98,129,156,164 - Lebe Reinhard: Ein Königreich als
Mitgift. Heiratspolitik in der Geschichte. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart
1998 Seite 114 - Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag
Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 73,91, 116,121,191,193,197,205,294,299,300,302,376
- Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur
europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs-
und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994
Tafel 85 - Veldtrup, Dieter: Frauen um Herzog Ladislaus (+ 1401).
Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen Ungarn, Polen
und dem Reich. Fahlbusch Verlag 1999 Seite 3,149,235,244 - Veldtrup,
Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen
Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit
Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 54,61,170,286,294,324,
327-330,332,336,343,359,370,408 -