Alboin                                            König der Langobarden (560-572)
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um 530-28.6.572 ermordet
             Verona

Sohn des Langobarden-Königs Audoin aus seiner 1. Ehe mit der Thüringer-Prinzessin Rodelinde
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 309
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Alboin, König der Langobarden ca. 560/65-572/73
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Sohn des Königs Audoin und der Thüringer-Prinzessin Rodelinde

Er war in 1. Ehe mit der fränkischen Prinzessin Chlodoswintha (+ vor 567), Tochter des Königs Chlothachars I.; in 2. mit Rosamunda, Tochter des Gepiden-Königs Kunimund, den er selbst erschlagen hatte, verheiratet. Die historische Tat Alboins war es, das Langobardenvolk aus Pannonien nach Italien geführt zu haben (Mai 569). Anlaß hierzu war wohl weniger eine angebliche Einladung des Narses, von der Paulus Diaconus spricht, als vielmehr der Druck der Gepiden, gegen die Aboin sich mit den Awaren verbündete, denen er Pannonien überließ. Bereits im September waren wichtige Städte Oberitaliens in seiner Hand (Aquileia, Cividale, Treviso, Vicenza und Verona), während Pavia noch Widerstand leistete. In den folgenden Jahren dehnte Alboin seine Herrschaft über große Teile Piemonts und Liguriens aus, ohne indes die Seestädte (Genua, Savona) und die Alpenpässe in seine Gewalt bringen zu können. Pavia gewann er erst 572/73. Im Juni desselben Jahres wurde Alboin in Verona auf Anstiften seiner Gemahlin ermordet. Die ausführliche Schilderung dieses Vorgangs bei Paulus Diaconus zeigt deutlich Züge langobardischer Volkssage. In Wahrheit dürfte Byzanz seine Finger im Spiel gehabt haben, wie die Flucht seines Mörders Helmichis und der Rosamunde nach Ravenna beweist, nachdem der Versuch Helmichis', die Königswürde zu gewinnen, kläglich gescheitert war.



Thiele, Andreas: Tafel 223
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ALBOIN
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   572 (573?) ermordet

Alboin zog mit nach Italien und machte 552 die Schlacht bei Tadinae gegen die Ostgoten mit, bekriegte auch die Gepiden mit und ermordete dabei Schwager und Schwiegervater. Er wandte sich von Byzanz ab, da seine Hoffnungen auf weitere Eroberungen enttäuscht wurden. Alboin folgte 558 seinem Vater als König, bekriegte die Awaren und Gepiden und zerstörte 566/67 deren Reich völlig. Er wich kurz darauf dem zunehmenden Druck der Awaren aus und fiel 568 in Italien ein, wo kurz vorher Statthalter und Feldherr Narses abberufen worden war. Er verbündete sich wieder mit den MEROWINGERN, eroberte Friaul, Venetien, Lombardei (= Langobardien), Toskana und zuletzt noch Pavia, das Langobarden-Hauptstadt wurde. Er wurde kurz darauf von seiner 2. Frau aus Blutrache ermordet.

  1. oo CLOTSWINDE
                  um 565

Tochter des Franken-Königs Chlothar I.

  2. oo ROSIMUNDE DER GEPIDEN
                  572/73 ermordet

Tochter des Königs Kunimund

(2. Ehe: oo Helmigis, Alboins "Milchbruder" 572/73 ermordet)



Alboin folgte seinem Vater "auf Wunsch aller" in der Regierung. Er versuchte 566 die Festung Sirmium von den Gepiden zu erobern und wurde, da fränkische Hilfe ausblieb, von den Gepiden, die von byzantinischen Truppen unterstützt wurden, besiegt. Im Bündnis mit den Awaren konnte er 567 die Gepiden vernichtend schlagen, der Stamm der Gepiden löste sich auf. Den König Kunimund hatte er im Kampf persönlich erschlagen. Damals machten die Langobarden eine so große Beute, dass sie zu einem unermeßlichen Reichtum kamen. Ansonsten waren die Awaren der eigentliche Sieger und Alboin zog im Frühjahr 568 nach Italien, um aus der Reichweite seiner gefährlichen Nachbarn zu kommen. Vorher übergab er das Land an die Hunnen und hatte sein Heer durch Sachsen verstärkt, die als geschlossene Gruppe von 20.000 Kriegern mit Weib und Kind zu den Langobarden stießen. Daneben beteiligten sich an dem Zug auch Gepiden, Thüringer, Sarmaten, Noriker, Sueben und Pannonier. Eine angenommene Zahl von 150.000-200.000 Menschen, die mit Alboin nach Italien zogen, ist sicher nicht zu hoch geschätzt. Im Juli oder August 568 besetzten die Langobarden kampflos Venetien. Am 3. September 569 zog Alboin in Mailand ein und konnte sich als Beherrscher der alten Hauptstadt Mediolanum Herr Italiens nennen. Pavia, die spätere Hauptstadt der langobardischen Könige, fiel 572. Der Besitznahme des Landes folgte eine sofortige Sicherung der eroberten Gebiete durch die Errichtung von Grenzmarken und die Ablösung der byzantinischen und römischen Besatzungen in den Kastellen und Städten. Gleichzeitig setzten die Beseitigung des Großgrundbesitzes und der Kampf gegen die römische Kirche ein, die wahrscheinlich der größte Großgrundbesitzer und stärkste Vertreter des byzantinischen Staatsgedankens war. Alboin wurde auf Anstiften seiner Gemahlin Rosamunde, die er bei einem Gelage zwang, aus dem Schädel ihres Vaters zu trinken, von seinem Schildträger Helmichis während der Mittagsruhe im Palast von Verona ermordet. Seine Tochter Albsvinda, die Rosamunde auf ihrer Flucht mit nach Ravenna genommen hatte, landete samt Königsschatz in Konstantinopel.
 
 
 
 

  1. oo Chlodswinda, Tochter des Franken-Königs Chlothar I.
                 vor 566

  2. oo 1. Rosamunde, Tochter des Gepiden-Königs Kunimund
               um 540 August 572 vergiftet
                             Ravenna
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Albsvinda
      
 
 
 
 

Literatur:
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Gregor von Tours: Fränkische Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch IV Kapitel 3; Buch V Kapitel 15 - Jarnut Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1986  Seite 6,29, 53,61,112,126 - Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch I Kapitel 22-27/Buch II Kapitel 6-12,14,25-29,32 -
Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 18-25 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 223 -