Chlotswinde                                    Königin der Langobarden
----------------
um 540 vor 566
 

Einzige Tochter des Franken-Königs Chlothar I. aus seiner 3. Ehe mit der Ingunde
 

Thiele, Andreas: Tafel 2
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

CHLOTSWINDE
-----------------------
    um 565

  oo ALBOIN, König der Langobarden
               572



Jarnut Jörg: Seite 29,53,61
**********
„Agilolfingerstudien“

Daher erscheint es sinnvoll, Agiulfs Mutter unter den Enkelinnen Chlodwigs zu suchen. Unter diesen käme lediglich die Tochter Theuderichs I., Theudechild, in Frage, denn seine einzige sonst noch bekannte Enkelin, Chlodeswinda, wurde dem Langobarden-König Alboin vermählt [126 Greg., H.F. IV, 3.].
Enttäuscht von der auf die Wahrung des Gleichgewichts zwischen Gepiden und Langobarden gerichtete Politik seines Verbündeten, des Kaisers Justinian, suchte König Audoin nun das fränkische Bündnis. Chlothar versperrte sich seinen Bemühungen nicht und gab seine Tochter Chlodeswinde zur Besiegelung der wiedererweckten Freundschaft mit den Langobarden Audoins Sohn Alboin zu Frau [224 Jarnut, Langobarden 25f.].
Es ist in der Forschung immer wieder die Frage erörtert worden, warum die AGILOLFINGERIN Theodelinda in zweiter Ehe einen Mann namens Agilulf heiratete. Bereits oben wurde festgestellt, daß dieser König nicht der Namengeber für das Geschlecht der AGILOLFINGER gewesen sein kann, da er dem "genus" ANAWAS zugehörte [262 Edictum Rothari, Prolog. Vgl. oben Seite 10.]. Nun hat Norbert Wagner wahrscheinlich machen können, daß Agilulf wohl durch die Einheirat einer AGILOLFINGERIN in das altthüringische Geschlecht der ANAWAS zu seinem Namen gekommen ist [263 Vgl. Wagner, bes. 34f.]. Eine Erklärung, wie ein Thüringer zu einer führenden Stellung im Langobarden-Reich kommen konnte, ist relativ leicht zu finden. Er könnte im Gefolge Chlodeswindes, der Tochter Chlothars I. und Gemahlin König Alboins, zu den Langobarden gelangt sein. Es wäre zweifellos ein kluger politischer Zug Chlothars gewesen, einen thüringischen Hochadligen, der über seine agilolfingische Mutter oder Großmutter mit dem königstreuen bayerischen Herzog Garibald verwandt war, zu Audoin zu entsenden, um dort am Hofe der aus dem Franken-Reich stammenden jungen Königin für eine Stabilisierung des Verhältnisses zwischen Franken, Bayern und Langobarden zu arbeiten, die bis dahin auf die frankenfeindliche Familie des 534 ermordeten Thüringer-Königs Hermanafrid gesetzt hatten [264 Vgl. Jarnut, Langobarden 23f.].

Schneider Reinhard: Seite 22
****************
„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“

Einige Jahre später, aber noch vor Chlothars I. Tod im Jahre 560/61 muß der fränkisch-langobardische Ausgleich erfolgt sein, dessen zunächst sichtbarster Ausdruck eine Eheschließung zwischen Alboin und Chlodoswintha, einer Tochter Chlothars I., war. Aus dieser Ehe mit der vermutlich schon vor 567 frühverstorbenen fränkischen Prinzessin stammte eine Tochter, während Alboins zweite Ehe mit Rosamunde kinderlos blieb.

Zöllner Erich: Seite 97,101,122
***********
"Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts."

Theudebalds im wesentlichen doch gotenfreundliche Haltung wurde von einem anderen Franken-König - eher Childebert als dem italischen Ereignissen fernerstehenden Chlotachar - nicht geteilt, der die Werbung Totilas um eine fränkische Prinzessin in den Jahren 549 oder 550 mit dem Bemerken ablehnte, Totila sei nicht der König Italiens und werde es niemals sein, wobei auch auf den erneuten Verlust Roms an Belisar angespielt wurde [Prokop. bell. Goth. III 37; es könnte sich um eine der beiden Töchter Childeberts, Chrotesinda und Chrotberga handeln, oder aber um eine Tochter Chlotachars, etwa die später mit Alboin vermählte Chlodswintha.]
Chlothar hat das Bündnis mit den Langobarden befestigt, indem er seine Tochter Chlodoswintha den langobardischen Königs-Sohn Alboin heiraten ließ.
Eher ist auf (gelegentliche) Bezeichnung der Königs-Töchter als "reginae" hinzuweisen, so der Tochter Theuderichs Theudechilde und der Tochter Chlotachars Chlodoswintha.
 
 
 
 

um 560
  oo 1. Alboin König der Langobarden
           um 530-28.6.572 ermordet
 
 
 
 

Kinder:

  Albsvind
       †
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 22,41 - Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 8 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien, Seite 29,53,61,126 - Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch I Kapitel 27 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 22 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 2 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 223 - Zöllner Erich: Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München 1970, Seite 58,97,101,108,122, 187 -