Rosamunde                                     Königin der Langobarden
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um 540 August 572
               Ravenna
 

Tochter des Gepiden-Königs Kunimund
 

Thiele, Andreas: Tafel 223
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ALBOIN
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   572 (573?) ermordet
 

  1. oo CLOTSWINDE
                 um 565

Tochter des Franken-Königs Chlothar I.

  2. oo ROSIMUNDE DER GEPIDEN
                 572/73 ermordet

Tochter des Königs Kunimund

(2. Ehe: oo Helmigis, Alboins "Milchbruder"  572/73 ermordet)



GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild: Seite 398
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ROSAMUNDE
Um 540 - 573

Uns klingt Franz Schuberts unsterbliche "Rosamunde"-Ouvertüre im Ohr beim Gedanken an die "Große Rächerin", der Hans Sachs und Alfieri, Swinburne und de la Motte-Fouque in ihrer Dichtung gehuldigt haben. Unsere Kenntnis vom Leben und Schicksal Rosamundes verdanken wir dem hochgelehrten Historiker Paulus Diaconus, der nach Jahren fruchtbarer Tätigkeit am Hofe KARLS DES GROSSEN sich in die Stille des Klosters von Monte Cassino zurückgezogen hatte, um dort an seiner - leider unvollendet gebliebenen - "Geschichte der Langobarden" zu arbeiten. Im Jahre 566 hatte die lange Fehde zwischen den Langbarden und ihrem östlichen Brudervolk, den Gepiden, in offener Feldschlacht mit der gepidischen Niederlage und dem Tod ihres Königs Kunimund geendet, aus dessen Schädel sich der siegreiche Langobarden-König Alboin eine mit Gold und Edelsteinen verzierte Trinkschale fertigen ließ. Kunimunds Tochter Rosamunde wurde zur Heirat mit dem siegestrunkenen Alboin gezwungen, und bei einem festlichen Trinkgelage forderte er die Gemahlin auf, aus ihres Vaters Schädel auf seinen Sieg zu trinken. "Da regte sich tiefer Schmerz in ihrem Herzen", berichtet Paulus Diaconus, der das frevelhafte Trinkgefäß selbst noch gesehn hat, "und sie glühte vor Verlangen, ihren Vater zu rächen. Sie überredete Alboins Waffenträger Helmichis, der ihrem Herzen nahestand, zum Mord an seinem König und ließ ihn heimlich in ihres Gatten Gemach, als Alboin in  trunkenem Schlafe lag. Wehrlos verblutete der Überfallene unter den Händen des ungetreuen Helmichis. Rosamunde genoß die Früchte der gewaltigen Rachetat nicht; sie mußte vor der Empörung der langobardischen Häuptlinge nach Ravenna entfliehen. Liebesenttäuschung trieb sie zum Giftmord an Helmichis, der vor seinem Hingang die Unselige zwang, den tödlichen Becher mit ihm gemeinsam zu leeren."



Rosamunde wurde nach der Vernichtung ihres Volkes genötigt, den Langobarden-König Alboin, der ihren Vater im Kampf erschlagen hatte, zu heiraten. Als dieser sie bei einem Gastmahl zwang, aus dem Schädel ihres Vaters zu trinken, sann sie auf Rache. Sie stachelte den Milchbruder und Schildträger des König, Helmichis, auf, Alboin zu ermorden und sich selbst zum König der Langobarden zu machen. Durch Beischlaferschleichung erpreßte sie Peredo, den Mordanschlag zu planen. Im Palast zu Verona wurde Alboin während der Mittagsruhe von Helmichis ermordet. Obwohl Rosamunde Helmichis heiratete, konnten sie sich nicht durchsetzen. Unterstützung fanden sie bei Longinus, dem byzantinischen Präfekten von Ravenna. Er entsandte ein Schiff die Etsch hinauf und die Verschwörer flohen bei Nacht und Nebel aus Verona, nicht ohne den Königsschatz und Albsvinda, die Tochter Alboins aus 1. Ehe mitzunehmen. Rosamunde wollte jetzt Longinus heiraten, da ihr Helmichis nicht mehr von Nutzen sein konnte, und reichte ihm im Bad ein vergiftetes Getränk. Dieser merkte, dass er vergiftet worden war und zwang sie, das Schwert an der Kehle, den Rest des Bechers zu leeren.

Offergeld Thilo: Seite 130,147
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Die gepidische Königstradition wurde vom Langobarden-Herrrscher Alboin durch die Heirat mit Kunimunds Tochter Rosamunde gewissermaßen absorbiert.
Die Ermordung Alboins 572 und die gescheiterte Usurpation seines Mörders Helmichis, dem auch die Heirat mit Alboins Witwe nichts nützte [341Hauptfeld, Gentes Seite 126, hält Helmichis für einen Sohn Ildigis (Hildichis) - ähnlich schon Bognetti, Santa Maria Seite 55 (Amaler oder Lethinger) -, doch widersprechem dem die Quellen (Origo gentis Langobardorum c. 4, Seite 3; Historia Langobardorum codocis Gothani c. 4; Seite 9), die auch nichts über eine erbrechtliche Begründung der Helmichis-Usurpation sagen. Die Flucht des Prätendenten nach Ravenna und der Plan einer Ehe der Königin Rosamunde mit dem Exarchen scheinen eher auf byzantinische Hintergründe der gesamten Aktion zu deuten.], markieren schon die Auflösungstendenzen des langobardischen Königtums.

Schneider, Reinhard: Seite 22
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"Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern"

Aus der Ehe mit dieser vermutlich schon vor 567 frühverstorbenen fränkischen Prinzessin stammte eine Tochter, während Alboins zweite Ehe mit Rosamunde, der Tochter des von ihm im Jahre 567 besiegten Gepiden-Königs Kunimund, kinderlos blieb, für den Langobarden-König aber schicksalhaft werden sollte [92 Paulus I, 27 Seite 69.]. Das Geschehen ist allbekannt, zumal es die Sage vielfach umrankt hat. Lehrreich ist, daß die Initiative zum Umsturz von der Königin ausging und zunächst auch glückte [93 Siehe bei Paulus II, 28 Seite 87ff.]. Alboin fiel, vermutlich am 28. Juni des Jahres 572 [94 L. Schmidt, Ostgermanen 594 mit Anm. 3; ebd. Seite 594f. über romanhafte Ausschmückung des Mordes in der Überlieferung.], durch Mörderhand. Ihrem wichtigsten Helfer Helmechis, dem Vertrauten und Milchbruder Alboins, hatte Rosameunde die Ehe versprochen, was gewiß gleichzeitige Anwartschaft auf die Nachfolge des ihr verhaßten Königs bedeutete. Helmechis verstand das Angebot auch als Einheirat und extincto Alboin, regnum eius invadere conatus est [95 Paulus II, 29 Seite 89; sehr deutlich auch in den Consularia Italica Auctarii Hauniensis extrema (5), AA 9 Seite 337f.]. Die Verschwörer hatten sich jedoch verrechnet bei der Beurteilung der Langobarden, und es zeigte sich, daß die vom Königsmord belastete Einheirat in das Königshaus für Helmechis zwar eine Chance, aber keine Garantie zur Herrschaftsübernahme bot [96 Origo c. 5 Seite 5: Voluit regnare Hilmichis, et non potuit, quia volebant eum Langobardi occidere.]. Die frischgebackenen Eheleute mußten fliehen und nahmen Alboins Tochter aus erster Ehe sowie den Königsschatz mit [97 Paulus II, 29 Seite 89; vgl. Iohannis Biclarensis Chronica (AA 11 Seite 213); Marius Aventicensis Chronica a. 572 (AA 11 Seite 238).]. Das Gelingen der Flucht nach Ravenna zeigt wiederum, welch brauchbares politisches Instrumentarium Heiratsangebote abgeben konnten, denn nach mehrfacher Überlieferung soll Rosamunde schon unmittelbar vor der Flucht aus Pavia dem oströmischen Präfekten Longinus mit einer Ehe gewinkt haben [98 Codex Goth. c. 5 Seite 10; Historia Langobardorum Florentina (SS rer. Langob. Seite 601); anders Origo c. 5 Seite 5; Paulus II, 29, deren Angaben jedoch nicht grundsätzlich abweichen. Seit der Abberufung des Narses (Anfang 568) war Longinus als praefectus praetorio per Italiam Chef der reinen Zivilverwaltung, siehe Schmidt, Ostgermanen 588; Hodgkin 5, 171ff.]. Er half auch bei der Flucht und überredete in Ravenna die Langobarden-Königin, ihrerseits Helmechis zu ermorden und den Königsschatz in eine gemeinsame Ehe einzubringen - ein Plan, der indes gründlich mißglückte [99 Paulus II, 29 Seite 89; Agnellus, liber pontificalis ecclesiae Ravennatis c. 96 (SS rer. Langob. Seite 340f); Tod Rosdamundes und Helmechis' im August 572.].
 
 
 
 

Literatur:
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Gregor von Tours: Fränkische Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch IV Kapitel 41 - GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite 398 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 130,147 - Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch I Kapitel 27/Buch II Kapitel 28 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 22,247 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 223 -