Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1938
********************
Walbeck (nordöstlich Helmstedt)
-----------------------------------------
Markgrafen/Grafen von
Mit dem 929 bei Lenzen gegen die Redarier gefallenen dux Liuthar/Lothar tritt der erste gesicherte Vertreter des ostsächsischen Grafengeschlechts entgegen, das nach der Höhenburg an der Aller seinen Namen trägt. Sein gleichnamiger Sohn (+ 964) nahm an der Verschwörung gegen OTTO DEN GROSSEN 941 teil, erlangte aber nach kurzer Haft bei Graf Berthold von Schweinfurt, dem er seine Tochter vermählte, die königliche Gnade wieder. Er gründete um 942 in seiner Burg ein zeittypisches Kanonikerstift S. Maria als Familiengrablege. Seine ornamentierte Grabtumba und die Kirchenruine sind wichtiger Denkmäler der OTTONEN-Zeit. Unter seinen Söhnen Lothar III. und Siegfried erreichte das Geschlecht den Höhepunkt seines Ansehens. Lothar (+ 1003, begraben Köln) wurde 983 Markgraf der Nordmark und verhalf HEINRICH II. gegen Ekkehard von Meißen zum Königtum. Seinem Sohn Werner (+ 1014) wurde 1009 wegen Totschlags die Markgrafenwürde aberkannt, die wieder an die HALDENSLEBENER fiel. Die Söhne seines Bruders Siegfried (+ 991) erlangten hohe geistliche Würden: Thietmar, Bischof von Merseburg (+ 1018), Siegfried, Bischof von Münster (+ 1032), Brun, Bischof von Verden (+ 1049); Dietrich war Kaplan HEINRICHS II. Mit Graf Heinrich (+ 1002), seinem Bruder Friedrich und dessen Sohn Konrad, beide Burggrafen von Magdeburg, starb auch die jüngere Linie aus. Der Besitzschwerpunkt lag im Nordthüringgau nördlich von Magdeburg (Burg Wolmirstedt) sowie um Walbeck mit dem Lappwald. Die Verbindung über die in diesem Raum amtierenden Grafen Liutger (1013/31) und Lutherus (1049/63) zu den SÜPPLINBURGERN und den SOMMERSCHENBURGERN (Stiftsvögte 1145) bleibt unsicher. Die Burg wurde 1219 niedergelegt, das Stift 1224 dem Halberstädter Domkapitel unterstellt.
Literatur:
-----------
W. Grosse-H. Feldtkeller, Die Gf.en v. W. und die Stiftskirche
zu W., Harz-Zs. 4, 1952, 1-37 - R. Schölkopf; Die sächs. Gf.en
1957, 73-92 - H. W. Vogt, Das Hzm. Lothars v. Süpplingenburg, 1959,
136-142 - H. Lippelt, Thietmar v. Merseburg, 1973, 46-58.
Trillmich Werner: Seite 76
***************
"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Markgraf
Dietrichs Nachfolgern Liuthar (985-1003) und Werner
(1003-1009) aus dem noch angeseheneren Haus
WALBECK erging es nicht besser. Die Stammburg dieser in Belsem-
und Nordthüringgau reich begüterten Sippe lag an der Aller in
der Nähe von Helmstedt. Verwandtschaft mit den QUERFURTERN, ARNEBURGERN,
STADERN und Schweinfurter BABENBERGERN verschaffte ihr Ansehen weit über
Sachsen hinaus. Als jedoch HEINRICHS II. Bündnis
mit den heidnischen Liutizen jede Aussicht auf Rückeroberung slawischer
Gebiete beseitigte, verspielte Markgraf Werner Amt und Ehre durch
verräterische Beziehungen zu Polen und mörderische Adelsfehden.
Trotzdem fand sein Bruder Dietrich
Aufnahme in die Hofkapelle und
stieg 1021/23 sogar zum Italienkanzler auf. Friedrich, ein Vetter
beider, verwaltete das Amt des Magdeburger Burggrafen. Von dessen drei
geistlichen Brüdern erlangte der Chronist Thietmar das Bistum
Merseburg (1009-1018), Siegfried Münster (1022-1032),
Bruno war Abt von Bergen und Nienburg an der Saale. Mit der
Nordmark aber wurde 1009 ein Sohn des früheren Markgrafen Dietrich
belehnt, von dem wir so gut wie nichts wissen. Beide Familien haben sich
an ihrer undankbaren Aufgabe verzehrt.