SOMMERSCHENBURG
 

EUROPÄISCHE STAMMTAFLEN NEUE FOLGEN BAND I.1 Tafel 148
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 2042
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Sommerschenburg
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Pfalzgrafen von Sachsen

Das Geschlecht wird faßbar, nachdem Friedrich I. von Sommerschenburg (+ 1120), Sohn eines Edelfreien Adalbert und der Oda von Goseck, 1088 dem Grafen Friedrich II. von Goseck in der Würde des sächsischen Pfalzgrafen folgte und zugleich auch in dessen Grafschaftsrechte im Hassegau (zwischen Unstrut und Saale) eintrat. Von seinen pfalzgräflichen Funktionen ist nichts bekannt. Die Höhenburg Sommerschenburg  (südöstlich Helmstedt) wird seit dem 1. Drittel des 12. Jh. zunächst als Zubenennung erwähnt ("Friedericus palatinus comes de Somerischenborg", MGH DL III. 21 von 1129). Allode der SOMMERSCHENBURGER lagen insbesondere an der oberen Aller und am Lappwald, an dessen altbesiedeltem Saum vor 1147 (1138?) die Zisterze Mariental als Hauskloster gestiftet wurde. Grafenrechte hatten die SOMMERSCHENBURGER außer im Hassegau in und um Seehausen (nördöstlich Oschersleben). Ihrer Vogtei unterstanden Mariental, Helmstedt (seit 1145 belegt), Walbeck an der Aller (1145-1179?), Schöningen (1120), Huysburg (seit 1123/24), Hamersleben (um 1149-1178?), Quedlinburg (vor 1137-1179), Ringelheim (nach 1152) und Gandersheim (nach 1152). Ehedem ein Vertrauter Kaiser LOTHARS III., war Friedrich II. von Sommerschenburg (+ 1162) durchweg ein Parteigänger Heinrichs des Löwen, während sein Sohn Adalbert (+ 1179) 1165 in Kämpfe mit dem Herzog verwickelt und 1167 zur anti-welfischen Fürstenkoalition gehörte. Um vom Herzog erhobene Ansprüche zu unterlaufen, verkaufte Adalberts Schwester und Erbin, Adelheid, Äbtissin von Quedlinburg und Gandersheim, 1179/80 die Burg Sommerschenburg nebst Zubehör an Erzbischof Wichmann von Magdeburg. Das Erzbistum hat die Burg seit 1208 gegenüber den WELFEN behauptet. Die gräflichen Rechte in und um Seehausen gelangten nach 1180 an den WETTINER Dietrich von Groitzsch (+ 1207). Die Würde des sächsischen Pfalzgrafen und die Grafschaft im Hassegau fielen 1180 an die LUDOWINGER und 1247 von diesen an die WETTINER.

Quellen und Literatur:
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E. Heinze, Die Entwicklung der Pfgft. Sachsen bis ins 14. Jh., SaAn I, 1925, 33-63 - H.-D. Starke, Die Pfgf.en v. Sachsen bis zum Jahre 1088, Braunschweig. Jb. 36, 1955, 24-52 - Ders., Die Pfgf.en v. S. (1088-1179), JGMODtl 4, 1955, 1-71 - W. Petke, Die Gf.en v. Wöltingerode-Wohkdenberg, 1971, 284-286, 551-553.


Jordan Karl: Seite 107
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"Heinrich der Löwe"

Inmitten dieser größeren territorialen Mächte lag der Herrschaftsbereich der SOMMERSCHENBURGER, die seit dem Ende des 11. Jahrhunderts die Würde des Pfalzgrafen von Sachsen innehatten. Auch ihre Besitzungen und Rechte lagen weit verstreut; doch lassen sich dabei zwei Schwerpunkte erkennen. Das waren einmal das Gebiet um ihren südlich von Helmstedt gelegenen Stammsitz Sommerschenburg und dann der Raum um Quedlinburg. Zu dem Allodialbesitz traten auch bei ihnen wichtige Vogteirechte, so über die Reichsstifte Gandersheim und Quedlinburg und über mehrere Klöster, hinzu, ferner die Grafschaftsrechte, die sie im Hassegau und als Lehnsträger der Halberstädter Bischöfe in der Grafschaft Seehausen ausübten. Bei der Lage ihrer Herrschaftsrechte mußten sie versuchen, eine Neutralitätspolitik zwischen WELFEN und ASKANIERN zu treiben; doch waren Reibereien und Zusammenstöße mit der expansiven Territorialpolitik des Herzogs nicht zu vermeiden.

Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 148
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Der größte Teil des Allodialbesitzes fällt an Adelheid Äbtissin von Quedlinburg, die ihr Gut an Erzbischof Wichmann von Magdeburg verkauft. - Auf dem Reichstag zu Gelnhausen wird am 13. April 1180 Landgraf Ludwig III. von Thüringen Pfalzgraf von Sachsen, verzichtet indes 1181 auf die Pfalzgrafschaft zugunsten seines Bruders Hermann.