Sohn des Grafen N.N. (Eventuell Enkel oder Urenkel
von Graf Sizzo
I.)
Lampert von Hersfeld:
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"Annales/Annalen"
Des andern Tages nahm der König seinen Sitz mitten auf der Ebene eines weit ausgedehnten freien Feldes, an einem Orte, welcher Spiraha genannt wird, nachdem er das ganze Heer zu diesem Schauspiele feierlich entboten hatte; ein sehr weiter Raum wurde zwischen den dichtgedrängten Schaaren leer gelassen, wo jene, wenn sie herankämen, vom ganzen Heere gesehen werden könnten. Nun werden der Ordnung nach hereingeführt zuerst die Fürsten Sachsens und Thüringens, Wezil, Erzbischof von Magadaburg, Bucco, Bischof von Halberstat, Otto, vormaliger Herzog von Baiern, Magnus, Herzog von Sachsen, der Graf Heriman, sein Oheim, der Pfalzgraf Friderich, der Graf Diederich von Cadalenburg, Adalbert, Graf von Thüringen, Ruodeger, Sizzo, Berenger, Bern, Grafen, und hierauf alle Freigeborenen, welche durch Glanz des Geschlechts oder Reichthums einigermaßen im Volke hervorragten, und sie unterwarfen sich, der Uebereinkunft gemäß, ohne irgend einen Vorbehalt dem Könige. Der König übergab sie einzeln seinen Fürsten zur Verwahrung, bis über sie durch gemeinschaftliche Berathung entschieden würde; und bald hierauf brach er den Bund, achtete nicht alle Bande des Eides, wodurch er sich verpflichtet hatte, und ließ sie in Gallien, Schwaben, Baiern, in Italien und Burgund hierhin und dorthin an verschiedene Orte bringen. Ihre Lehen vertheilte er ebenfalls unter seine Ritter, deren Hülfe er sich vornehmlich im sächsischen Kriege bedient hatte. Er verweilte noch einige Tage in Thüringen, stellte das Schloß auf dem Asenberg wieder her und legte Besatzung hinein, um zu verhüten daß nicht nach seinem Abzuge durch den Wankelmuth der unbeständigen Menge Unruhen erregt werden möchten. Außerdem setzte er allen Freigeborenen, welche entweder zufällig abwesend waren, oder aus Furcht sich zurückgezogen hatten, einen Tag, vor dem sie zur Unterwerfung sich zu stellen hätten, oder als Reichsfeinde von allen, denen das öffentliche Wohl am Herzen liege, mit Feuer und Schwert verfolgt werden sollten. Und so kehrte er nach Beurlaubung seines Heeres als Sieger zurück und feierte das Fest des heiligen Martin zu Worms.
Patze Hans/Schlesinger Walter: Seite 147
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"Geschichte Thüringens"
Als nächster KÄFERNBURGER
darf der Graf Sizzo angesehen werden,
der sich 1075 unter den Kapitulanten von Spier befand. Ob er mit dem nun
folgenden Sizzo
identisch ist, bleibt unklar. Seit 1103 kommt ein Graf Sizzo in
mehreren Urkunden als Graf im Längwitzgau, beim Kaiser und (bis 1123)
beim Erzbischof von Mainz vor. 1123 heißt er Graf von Schwarzburg;
spätestens er hat also die tief im Schwarzatal gelegene Stammburg
erbaut. Sofern nicht Mangel an Quellen ein falsches Bild liefert, war es
dieser Sizzo, der aus dem Längwitzgau
in das weiter südöstlich gelegne Waldgebiet vordrang. Er hat
die Gründungsurkunde Kaiser
HEINRICHS V. für Paulinzella von 1114 mit bezeugt.
Weder die Urkunde noch die Vita Paulinae bezeichnet ihn als Stifter dieses
Reformklosters nach Hirsauer Gewohnheit, aber er hat bei der Gründung
offensichtlich die Hand mit im Spiele gehabt, denn er hat später ("damals
Vogt") die zeitweise aus dem unwirtlichen Wald nach Rothenschirmbach ausgewichenen
Mönche wieder nach Paulinzella zurückgeholt, also ein dringendes
Interesse am Fortbestehen des Klosters gehabt. Burgenbau und Beteiligung
an Stiftung beziehungsweise Stiftung eines Reformklosters können wir
bei den KÄFERNBURGERN und LUDOWINGERN
als gleichsam spiegelbildliche Maßnahmen der Herrschaftsgründung
beobachten.
Sizzo gab nach 1118
seine Zustimmung zur Überweisung der von der Gräfin
Bertha in Zwickau gegründeten Marienkirche an das Kloster
Bosau (östlich Zeitz). Mit anderen Personen, die nicht genannt werden,
war er Erbe der Kirche. Bertha, die später mit Wiprechts
II. Sohn Heinrich
vermählt war, hat 1113 das Kloster Bürgel gegründet und
die Gründung des Klosters Lausnitz eingeleitet. Auch in Bürgel
war ein Sizzo, vermutlich der Sohn des eben genannten, erbberechtigt.
Die Verwandtschaft zwischen Bertha und Sizzo läßt
sich allerdings nicht genauer bestimmen.
Fenske, Lutz: Seite 81
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen
Sachsen"
Ruotger gehörte 1070 zu dem thüringischen Aufgebot,
das sich bei Eschwege den Truppen des aufständischen Otto
von Northeim entgegenstellte, dabei aber vollständig geschlagen
wurde [308 Lamp. Ann. ad 1070 Seite 116f. Die unrühmliche Rolle
Ruotgers bei der Niederlage der Thüringer, welche Lampert in seinem
Bericht mit Ironie kommentiert, hat Eckhardt a.a.O. Seite 67 als durch
verwandtschaftliche Rücksichtnahme Ruotgers bedingtes Verhalten interpretiert.].
In der Namensliste erscheint ferner ein Graf Sizzo, ohne Zweifel
ebenfalls thüringischer Herkunft, der mit größter Wahrscheinlichkeit
als früher Vertreter der Grafen von Schwarzburg-Käfernburg
angesprochen
werden darf [309 In Hersfelder Urkunden werden Vorfahren der Grafen
von Schwarzburg-Käfernburg seit Beginn des 11. Jahrhunderts erkennbar.
Vgl. UB Reichhsabtei Hersfeld 1, hg. G. Weirich, 1936, Nr. 77 Seite 146f.,
Nr. 109 Seite 193f.].
Literatur:
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Annalista Saxo:
Reichschronik ad a. 1062 - Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt
und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau
fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau Verlag Köln
Weimar Wien 1997 Seite 236 - Eberl Immo:
Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner
Territorialherrschaft. in: THÜRINGEN IM MITTELALTER. DIE
SCHWARZBURGER. Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte
Band 3. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Rudolstadt Seite 90 -
Fenske,
Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen,
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977 Seite 81 - Lampert
von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt
2000 Seite 322 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen
Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot
Leipzig 1890 Band II Seite 534,910 - Patze, Hans/Schlesinger,
Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau Verlag Köln/Graz 1967
Seite 147 -