SCHWARZBURG, GRAFEN VON
 

STAMMTAFELN ZUR GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN Tafeln 157-162

Hermann Grote "Stammtafeln" Seite 245,246
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 1620
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Schwarzburg, Grafen von
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Eines des mächtigsten Grafengeschlechter Thüringens im Mittelalter, das sich im 12. Jahrhundert abwechselnd nach seinen Stammburgen Schwarzburg (an der Schwarza westlich Saalfeld) und Käfernburg (südöstlich Arnstadt) nannte. Stammvater war Sizzo (+ 1160), Graf im Längwitzgau, Vogt von Paulinzella und Gründer von Georgenthal (1143), der 1123 erstmals 'von Schwarzburg' genannt wurde. Durch ihn war die Familie mit den seit Anfang des 11. Jahrhunderts auftretenden thüringischen SIZZONEN verwandt, denen unter anderem Günther 'der Eremit' (+ 1045) angehörte. Einer ihrer Herrschaftsmittelpunkte dürfte bereits die 1071 erwähnte Schwarzburg gewesen sein, von wo sie die Umgebung aufsiedelten. Ob die späteren SCHWARZBURGER mit dem 722 in einem Schreiben Papst Gregors II. genannten thüringischen Adligen Asulf, Gundar und anderen verwandt waren und "als fremde, wohl fränkische Grafen (802) in Thüringen geboten haben" (Patze), bleibt ungewiß. Der Allodialbesitz der Grafen von Schwarzburg lag im Gebiet um Käfernburg, Remda, Ilmenau, Stadtilm und Plaue. Schwarzburg, Königssee und Ehrenstein waren Reichslehen, Arnstadt war Lehen des Klosters Hersfeld. Die Parteinahme für König OTTO IV. brachte den Besitz Saalfelds ein (1212 von König FRIEDRICH II. bestätigt, 1389 an die WETTINER verkauft) und öffnete den Zugang zum Saaletal (1333 Erwerb der Herrschaft Leuchtenburg, 1334 Rudolstadt). Leitnamen des weitverzweigten Geschlechts, das nicht in den Reichsfürstenstand aufsteigen konnte und im 14. Jahrhundert Lehen der WETTINER annehmen mußte, waren Günther und Heinrich. Günther IV. (+ 1269) und Heinrich II. (+ 1236) begründeten die Linien Käfernburg (1385 ausgestorben) und Schwarzburg. Aufgrund von Erbteilungen entstanden kurzfristig weitere Nebenlinien (Schwarzburg-Schwarzburg, Schwarzburg-Blankenburg, Schwarzburg-Wachsenburg, Schwarzburg-Leuchtenburg). GÜNTHER XXI. VON SCHWARZBURG-BLANKENBURG (+ 1349), einer der führenden Köpfe im Thüringischen Grafenkrieg (1342-1345), wurde am 30. Januar 1349 zum Gegen-König KARLS IV. gewählt. Günther XL von Schwarzburg-Schwarzburg (+ 1552) konnte nochmals den Großteil der schwarzburgischen Besitzungen in seiner Hand vereinigen. Erst durch den Ilmer Vertrag 1599 entstanden die Linien Schwarzburg-Sondereshausen und Schwarzburg-Rudolstadt.

Literatur:
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J. Erichsen, Die Anfänge des Hauses S., 1909 - K. Herrmann, Die Erbteilungen im Hause S., 1919 - F. Lundgreen, Heinrich II. Gf. v. S. (+ 1236), Ahnherr des schwarzburg. Fs.enhauses, 1919 - Ders., Kirchenfs.en aus dem Hause S., 1923 - Forsch. zur schwarzburg. Gesch. (Fschr. B. Rein, hg. W. Flach, 1935) - Patze-Schlesinger, I-III - W. Leist, Landesherr und Landfrieden in Thüringen im SpätMA, 1975 - H. Herz, Die Kanzlei der Gf.en v. S. bis zur Mitte des 14. Jh. (Beitr. zur Archivwiss. und Gesch.sforschung, hg. R. Gross u.a., 1977), 133-144.


Altes thüringisches Grafengeschlecht

Sizzo III. nannte sich 1123 nach der Schwarzburg und fügte 1141 den Titel "Graf von Käfernburg" hinzu. Graf Günther von Schwarzburg trat 1349 als Gegen-König KARLS IV. auf. Das Herrschaftsgebiet der Grafen zerfiel in die Oberherrschaft am Thüringer Wald und die Unterherrschaft im Gebiet der Hainleite und des Kyffhäusers. Im 16. Jahrhundert teilte sich das Geschlecht in die Linien Schwarzburg-Sondershausen (mit dem größten Teil der Unterherrschaft) und Schwarzburg-Rudolstadt (mit dem größten Teil der Oberherrschaft), die 1697 die Reichsfürstenwürde erhielten. Sie traten 1807 dem Rheinbund, 1815 dem Deutschen Bund und 1866/67 dem Norddeutschen Bund bei. Als 1909 die Sondershausener Linie ausstarb, wurde der letzte Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt auch Regent in Sondershausen. Im November 1918 dankte er ab; die beiden Gebiete wurden Freistaaten und gingen 1920 im Land Thüringen auf.

Patze Hans/Schlesinger Walter: Seite 146
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"Geschichte Thüringens"

Wahrscheinlich sind die Grafen von Schwarzburg das älteste edelfreie Geschlecht Thüringens. Für die schon früher ausgesprochene Vermutung (Erichsen), dass die Familie bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht, lassen sich gute Gründe beibringen. Eine zusammenhängende Genealogie setzt freilich erst im 11. Jahrhundert ein.
In dem von Papst Gregor II. 722 an Bonifatius gerichteten Brief werden die einheimischen Adeligen Asulf, Godolus, Wilar, Gundar und Alvold genannt. Günther begegnet später als Leitname der SCHWARZBURGER. Von den fünf Namen läßt sich weiter Alvold aufgreifen. Nach Otloh von St. Emmeram (11. Jh.) stattet Albold die von Bonifatius gestiftete Zelle Ehrdruf aus, für die der Grundherr Hugo Grund und Boden zur Verfügung gestellt hatte. Merkwürdigerweise taucht im Raume Ohrdruf im Namen der Wüstung Asolveroth, die zur Ausstattung des schwarzburgischen Hausklosters Georgenthal (1143) gehörte, auch der Name Asolv aus der Gruppe von 722 wieder auf. Unter den Grafen, die 802 in Erfurt ihre Eigenkirche in Kölleda dem Kloster Hersfeld übertrugen, befanden sich zwei Günther und ein Asulf. Man darf annehmen, dass es sich bei den an der Schenkung von 802 beteiligten Personen sämtlich um Agnaten oder Kognaten handelte. Zu den Leitnamen und dem alten Hausgut im Raum Ohrdruf-Georgenthal tritt als weiteres Beweisglied für den Zusammenhang dieser Edelfreien des 8. und 9. Jahrhunderts mit den späteren SCHWARZBURGERN die 802 in eben jener Schenkung der Eigenkirche in Kölleda sichtbare Verbindung mit Hersfeld. 1006 übertrug - wieder - ein Günther (nobilis homo) Eigengüter in Thürungen, Günserode, Ichterhausen und an anderen Orten dem Wigbert-Altar in Göllingen, das nahe dem genannten Kölleda liegt; dafür erwarb er die Vogtei über hersfeldische Güter, unter anderem in Ohrdruf, Wechmar, Emleben, Schwabhausen (alles im Raum Ohrdruf-Gotha). Die zweite wichtige Position der späteren SCHWARZBURGER, Arnstadt, war hersfeldisches Lehen.
Diese Beobachtungen legen den Schluß nahe, dass die späteren SCHWARZBURGER seit dem Anfang des 8. Jahrhunderts als fremde, wohl fränkische Grafen (802) in Thüringen geboten haben. Der Leitname Günther ist, wie R. Wenskus vermutet, nicht thüringisch-anglischer Herkunft.
Die Genealogie bleibt auch im hohen Mittelalter zunächst noch unsicher. Als SCHWARZBURGER sind auf Grund der Namen mit einiger Sicherheit der Eremit Günther, der bei Niederaltaich die Zelle Rinchnach im Böhmerwald gründete und sein 1106 als verstorben bezeichneter Bruder zu betrachten. Als nächster KÄFERNBURGER darf der Graf Sizzo angesehen werden, der sich 1075 unter den Kapitulanten von Spier befand. Ob er mit dem nun folgenden Sizzo identisch beziehungsweise wo eine neue Person dieses Namens anzusetzen ist, bleibt unklar. Seit 1103 kommt ein Graf Sizzoin mehreren Urkunden als Graf im Längwitzgau, beim Kaiser und (bis 1123) beim Erzbischof von Mainz vor.