Tochter des Markgrafen Boso von Tuszien und der
Willa
von Burgund, Tochter von König
Rudolf I.
Nichte des Königs Hugo
von Italien und Cousine König
Lothars
Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 203
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Willa
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Gemahlin König Berengars II., Tochter des Markgrafen Boso von Tuszien und der Willa
Diese Ehe (931) wurde durch ihre Tante väterlicherseits,
Ermengarda,
die zweite Gemahlin Markgraf
Adalberts von Ivrea und Schwester
König
Hugos von Arles und Vienne (von Provence) vermittelt. Im Februar
941 mußte Berengar
II. vor
Hugo aus Italien
fliehen und begab sich an den Hof Herzog Hermanns von Schwaben. Seine schwangere
Gemahlin folgte ihm dorthin nach. Die Quellen berichten nicht, welches
der Kinder des Paares (Adalbert,
Wido,
Konrad,
Gisela,
Gerberga,
Rozola/Susanna)
zu diesem Zeitpunkt geboren wurde. Willas
Rolle nach der Rückkehr Berengars
(945) bis zu seiner Königserhebung (950) ist nicht klar: Liutprand
(Antapodosis V, 32) zeichnet ihr Bild - wie bei allen Frauen karolingischer
Abkunft - in schwarze Farben, schreibt ihr ein Verhältnis mit einem
Priester Dominicus, Intrigen und Giftmischerei zu. Willa
wird
in einer einzigen Urkunde ihres Gemahls (960) erwähnt, in der ihr
der Hof Olbiano geschenkt wird. Die Quellen machen Willa
einhellig
dafür verantwortlich, ihren Gemahl nicht zur Abdankung zugunsten seines
Sohnes Adalbert ermuntert, wie es der
italienische Adel wollte, und den politischen Niedergang Berengars
provoziert zu haben. Als OTTO I. 961
nach Italien zog, flüchtete
Berengar
in die Burg San Leo und Willa
auf die Insel S. Giulio d'Orta. Nach der Kaiserkrönung
OTTOS
wurde
Willa
belagert,
aber freigelassen und gelangte zu ihrem Gemahl. 964 wurde dessen Burg erstürmt,
das Königspaar gefangengenommen und nach Bamberg gebracht. Dort starb
Berengar
966. Willa kam in ein Kloster, wo sie
bis zu ihrem Tod verblieb.
VII. 25. Willa
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* ..., + nach 963
Gemahl: vor 936 Berengar
II. von Ivrea, König von Italien
(siehe VI 18)
+ 966
Am 15. Dezember, einem Sonntag, wurde Berengar
mit seinem Sohne Adalbert zu Pavia
in der Michaelskirche zu Königen von Italien erwählt und gekrönt.
Mit seiner Gemahlin Willa zusammen
trat er die Regierung an, während sein ältester Sohn Adalbert,
in allen Urkunden als Mitregent genannt, von vornherein hierdurch als sein
rechtmäßiger Nachfolger anerkannt war. Nach zwei Seiten hin
knüpfte Berengar II. an
die früheren Könige des Landes an: durch seine Mutter Gisela
an
Kaiser BERENGAR I. (von Friaul)
und an das Haus der KAROLINGER, durch
seine Gemahlin Willa, die Tochter des
Grafen
Boso von Arles und späteren Markgrafen von Tuscien, an König
Hugo, dessen Nichte sie war. Von väterlicher Seite war
er wie fast alle seine Vorgänger, fränkischen Geblüts und
lebte nach salischem Rechte, denn sein Großvater Anskar zog einst
als Kriegsgefährte des Königs WIDO
mit seinen Gesellen nach Italien und erhielt für seine frühere
Grafschaft in der Gegend von Dijon die Hut der wichtigen Mark von Ivrea
gegen Burgund, die nach ihm sein Sohn Adalbert
übernahm und unter allem Wechsel der Herrschaft behauptete.
Äußerlich schien sich an den Verhältnissen
wenig zu ändern, als Berengar,
damals vielleicht 50 Jahre alt [Berengar
hält bereits im April 918 als comes et missus discurrens im Auftrage
seines Großvaters, des Kaisers, Gericht, mithin war er wohl um 900
geboren.], zu der königlichen Macht, die er schon besessen, den königlichen
Glanz noch hinzufügte, auch setzte unter ihm Bischof Bruning von Asti
als Erzkanzler die Führung der Geschäfte fort. Erst nachdem Berengar
mit
Willa gänzlich
an die Stelle des jungen, liebenswürdigen Königspaares sich gesetzt
hatte, konnte ihre wahre Natur recht zum Vorscheine kommen: Härte
und Habsucht bei beiden und ganz besonders bei der bösen, übel
beleumdeten Willa, der man das Schlimmste
zuzutrauen geneigt war [Schon aus der Zeit vor der Thronbesteigung erzählt
Liutprand (Ant. V c. 32) einen angeblichen Ehebruch der Willa
und
bereitete durch die Schande ihrer Mutter (IV c. 10) auf ihre eigene vor.].
Um nichts günstiger als seine Vorgänger stand
Berengar
II. da, wenn es auch für seine persönliche Geltung
spricht, daß es ihm gelang, sogleich seinen Sohn als Mitregenten
anerkannt zu sehen. Im Lande zwar gab es zunächst keinen Nebenbuhler,
der ihm die Krone hätte streitig machen können, dafür drohte
die Witwe seines Vorgängers Lothar,
Mittelpunkt der ihm feindlichen Bestrebungen zu werden. Adelheid,
die Tochter Rudolfs II. von Burgund,
der einst vorzüglich durch Berengars
Vater Adalbert König von Italien
geworden, und der schwäbischen Herzogstochter
Bertha,
durfte sich selbst als Erbin der Krone betrachten, die ihr Mann ehedem
getragen. Sie zählte damals kaum 20 Jahre, war schön und sittsam,
entschlossen und von großer Klugheit, so daß man ihr wohl zutraute,
selbst das Szepter zu führen. Ihr Verhältnis zu Berengar,
dem neuen Herrscher, scheint von Anbeginn an ein feindliches gewesen zu
sein, auch abgesehen vielelicht von dem Gerüchte, welches jenem die
Schuld am Tode ihres Jugendgemahls beimaß. Ob ihr in der Tat, wie
die spätere Sage wollte, die Hand des jungen Königs
Adalbert angetragen worden, muß deshalb dahingestellt
bleiben, da kein zuverlässiger Gewährsmann davon berichtet. Mit
Gewißheit läßt sich nur sagen, daß
Berengar und
Willa
aus
Haß und um die junge Fürstin unschädlich zu machen, sie
ihres, ohne Zweifel sehr reichen Schatzes und aller ihrer Kleinodien, ihres
Gesindes und zuletzt sogar ihrer Freiheit beraubten. Bevor es hierzu kam,
soll das Königspaar sie überdies an den Haaren gerauft
und sie mit Faustschlägen und Fußtritten gemißhandelt
haben. Zu Como wurde sie am 20. April in Haft genommen und nur in Gesellschaft
einer Dienerin und eines treuen Priesters unter der Obhut eines Grafen
eingekerkert. Ihr Gefängnis, das spätere Berichte nach der Burg
Garda verlegen, wurde von Wachen umstellt.
Eine mildere Herrschaft über seine Untertanen statt
der bisherigen Härte soll endlich OTTO
seinem Vasallen Berengar
zur Pflicht gemacht haben, der es an Versicherungen der Willfährigkeit
nicht fehlen ließ. Die Stellung Berengars,
der, ähnlich wie einst sein Großvater unter ARNULF,
zugleich König und Mann eines anderen sein sollte, war eine zu widerspruchsvolle,
aals daß sie auf die Dauer haltbar gewesen wäre. Je weniger
er im Augenbliclk daran denken konnte, sein Verhältnis zu dem deutschen
Eroberer zu lösen, desto mehr mußten trotz aller Zusagen seine
Untertanen darunter leiden und in vollem Maße seinen Unmut über
die von ihm erduldete Demütigung empfinden. Wenn die angeblich dreijährige
Belagerung der Feste Canossa durch Berengar
zur Rache für den Schutz, den die flüchtige Königin
Adelheid dort bei dem Grafen Atto gefunden, überhaupt irgendwelchen
geschichtlichen Grund hat, so dürfte sie am besten in diesen Zeitpunkt
passen. Eine drückendere Gewaltherrschaft soll der König fortan
über die geistlichen wie die weltlichen Großen des reiches geübt
haben, indem er die Beschwerdeführenden an OTTO
verwies, der ihn gezwungen habe, mit so schweren Opfern das reich von ihm
zu erkaufen, daß er, um zu bestehen, nicht mehr nach der Väter
Weise regieren könne. Um Geld trat er das Recht mit Füßen
und noch habgieriger als er zeigte sich Willa,
deren hartherziger Geiz in aller Munde war.
Von den italienischen Verhältnissen nach der Herstellung
Berengars
ist uns sehr wenig bekannt. Unbekannt ist es, um welche Zeit
Berengar
über die bisherigen Grenzen seines Reiches hinausgreifend die burgundische
Grafschaft Aosta an sich brachte und seinem Sohn Adalbert
übertraug. Dieser bemächtigte sich auch eines Teils der sehr
einträglichen Zölle, welche dort von allen durch das Ursustor
kommenden Waren erhoben zu werden pflegten. Als heftiger Ankläger
gegen Berengars
und
Willas
Tyrannei hatte
sich am deutschen Hofe der Diakonus Liudprand vernehmen lassen.
Von Liudolfs Heerfahrt
selbst fehlt uns leider die Kenntnis aller Einzelheiten. Wir wissen nur,
daß Berengar und Adalbert
vor ihm weichen mußten und daß er in der Hauptstadt Pavia selbst
seinen Einzug hielt. Mit glücklichem Erfolg setzte Liudolf
sein
italienisches Unternehmen im Jahre 957 fort. Nachdem er
Berengars
tapferen Sohn Adalbert
in einer Schlacht, die von der späteren Sage in die Nähe
von Carpineti (südlich von Reggio) verlegt wird, besiegt hatte, fiel
ihm fast ganz Oberitalein zu.
Ungünstig blieb ohne Zweifel das Verhältnis
Berengars
zu den lombardischen Bischöfen, die sich früher an Liufolf
angeschlossen
hatten. Den Erzbischof Walpert von Mailand versuchte er, auf Antrieb der
Willa,
durch Manasse von Arles von seinem Sitz zu verdrängen, mit dem Bischof
Waldo von Como lag er zum größten Nachteil seiner Kirche in
offener Fehde. Wahrscheinlich nach dem Unternehmen des Papstes gegen Capua
sehen wir Berengar mit dem Markgrafen
von Spoleto im Kriege begriffen. An diesem Zuge, der in das Jahr 959 fiel,
nahm auf Einladung des Königs auch Petrus Candianus, der aus Venedig
vertriebene Sohn des gleichnamigen Dogen, teil, der durch
Berengars
Sohn, den Markgrafen Wido, diesem vorgestellt,
Zucht und Unterstützung bei ihm gefunden hatte. Obgleich Markgraf
Hubert vonTuszien, der natürliche Sohn König
Hugos von der Wandelmoda, mit Theobald verschwägert war
- denn er hatte dessen Schwester Willa
geheiratet -, so stand er doch auf
Berengars
Seite und gehörte zu den Getreuen, wie er auch nachher
seine Tochter Walderada mit einer sehr
reichen Aussteuer an Gütern und Leibeigenen jenem Petrus Candianus
vermählte, der inzwischen seinem Vater als Doge gefolgt war. Die Verbindung
mit dem angesehenen Markgrafen Hubert und
der Zug gegen Spoleto beweisen, daß Berengars
Macht sich von den durch Liudolf erlittenen
Schlägen wieder erholt hatte. Aber auch der päpstliche Stuhl
konnte von dem vordringenden Ehrgeiz
Berengars
nicht unberührt bleiben, dessen Sohn und Mitregent Adalbert,
möglicherweise im Anschluß an die Eroberung Spoletos, Ortschaften
des kirchlichen Gebietes plünderte und in Besitz nahm. Daraufhin sandte
Papst Johannes XII. eine Gesandtschaft mit einem Hilfegesuch an OTTO
I.
Ohne Widerstand gelangte OTTO
I. nach Pavia, wo er den von Berengar
zerstörten Palast wieder aufzubauen befahl. Der König
von Italien, seine Gemahlin und seine Söhne zogen sich in verschiedene
feste Burgen zurück, abzuwarten, bis der Sturm vorübergebraust
sei, und ließen OTTO ungehindert
vorrücken.
Von Pavia aus eröffnete der Kaiser den Krieg gegen
das zwar zur Seite gedrängte, doch keineswegs gestürzte italienische
Königshaus. Das Haupt desselben, Berengar
selbst, hatte Mannschaften von allen Seiten zusamemngerafft und sich mit
diesen in die steile und unzugängliche Felsenburg San Leo (westlich
von S. Marino) oder Montefeltro zurückgezogen. Seine Söhne
Adalbert
und Wido, der König und der Markgraf,
schweiften unstet im Lande, hielten aber mit ihrem Anhang noch die Festen
Garda am Gardasee, die Insel Comacina im Comersee und Valtravaglia am Langensee
besetzt; die Königin Willa endlich
schloß sich auf der kleinen malerisch gelegenen Insel S. Giulio im
See von Orta ein, welche, von Berengar
dem Bischof von Novara entrissen, ihm selbst schon gegen Liudolf
als
Zuflucht gedient haben soll.
Gegen Willa wandte
sich OTTO zuerst, vielleicht weil die
Macht, über die sie verfügte, ihm zur Bezwingung von S. Leo
nicht ausreichend schien. Alle Ausgänge des Sees von Orta wurden besetzt,
mit Schleudersteinen, Bogenschützen und anderen Geschütz täglich
angegriffen, bis die Königin nach nicht vollen zwei Monaten sich zur
Übergabe genötigt sah, die gegen Ende Juli erfolgt sein muß,
denn am 29. dieses Monats stellte der Kaiser den Domherren von Novara die
widerrechtlich geraubte Insel zurück. Willa,
die hartnäckige Gegnerin OTTOS,
erlangte durch ihn alsbald ihre Freiheit wieder, sei es, daß dies
bei der Einnahme der Insel so ausbedungen war, oder daß der Kaiser
sie durch Milde entwaffnen wollte. Den letzteren Zweck erreichte er jedenfalls
nicht, denn die Königin begab sich, so rasch sie vermochte, zu ihrem
Gemahl nach S. Leo und redete ihm auf alle Weise zu, sich nicht
dem Kaiser zu ergeben.
Von Pavia, den Po abwärts, fuhr der Kaiser zu Schiff
nach Ravenna in Begleitung seiner Gemahlin, und schon am 10. Mai 963 lag
er mit seinen Mannen in der Landschaft Monte Feltro, vor dem Felsen von
S.
Leo, der dem
König Berengar,
der argen Willa und ihren Töchtern
eine letzte sichere Zukunft gewährte. An eine Erstürmung des
nur durch einen schmalen Pfad zugänglichen Bergnestes war nicht zu
denken.
Noch vor dem Weihnachtsfest, das OTTO
in Rom beging, traf die Nachricht ein, daß die Burg Garda genommen
worden, bals nachher ergab sich San Leo der kaiserlichen Gewalt.
Berengar
und Willa
nebst ihren Töchtern
waren Gefangene und blieben es. Das königliche Paar wurde auf OTTOS
Befehl nach Bamberg in die Verbannung geführt, um für immer von
dem heimischen Boden geschieden zu werden.
Die Kaiserin Adelheid
führte, als sie ihren Gemahl nach Franken und Sachsen begleitete,
zwei Töchter ihres früheren Todfeindes
Berengar,
Gisla
und Rozala, mit sich, die, mit ihren
Eltern zu S. Leo in Gefangenschaft geraten, am deutschen Hof in
einer ihrem Stande entsprechenden Weise weilen durften. Während eine
3. Tochter,
Girberga, sich schon früher
mit dem Markgrafen Aledram vermählt hatte, heiratete
Rozala (auch Susanne genannt)
um 968 den Markgarfen Arnulf von Flandern, durch den sie die Mutter des
späteren Markgrafen Balduin Schönbart wurde, und nach seinem
Tode zum zweiten Male, aber nur für kurze Zeit, den jungen
König
Robert von Frankreich, der die ältere Frau bald wieder
verstieß. Sie starb im Jahre 1003, am 13. Dezember.
Getrennt von allen Kindern saßen inzwischen Berengar
und
Willa
in dem lieblichen
Bamberg, wohin OTTO sie wahrscheinlich
schon vor seiner eigenen Rückkehr im Jahre 964 hatte führen lassen,
vielleicht unter Obhut des Grafen Berthold. Ihre politische Rolle war mit
ihrer Gefangensetzung und Verbannung vollständig ausgespielt, und
es äußerte daher keinen Einfluß auf den Gang der Begebenheiten,
als Berengar am 6. August 966
zu Bamberg sein wechselreiches Leben schloß und seine Witwe Willa
noch vor seiner königlichen Bestattung ihr leidenschaftliches
Herz unter einem Nonnenkleid barg.
Hlawitschka, Eduard: Seite 89
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien
(774-962)"
Das läßt darauf schließen, daß er damals noch nicht geflüchtet war und seine Güter noch besaß. Auf den Herbst 941 deutet auch die Angabe Liudprands, daß Willa ihrem Gemahl Berengar bald nachfolgte und zur Winterszeit (941/42) - tempore brunae - die Alpen überqueren mußte.
Holtzmann Robert: Seite 139-141,193,195
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"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"
Unter den Gegnern Hugos
in Italien war der gefährlichste der Markgraf
Berengar von Ivrea, durch seine Mutter ein Enkel Kaiser
BERENGARS und anfangs auf der Seite Hugos,
mit dessen Nichte Willa er sich vermählte.
Hugo erfuhr von den
geheimen Plänen Berengars
und beschloß, ihn durch Blendung unschädlich zu machen. Berengar
erhielt im letzten Augenblick Kunde davon und konnte sich nur durch schleunige
Flucht retten. Zu Anfang 941, mitten im Winter, eilte er über den
"Berg des Juppiter", das heißt den Großen St. Bernhard, ins
Rhonetal, während seine Gemahlin Willa,
die in der Lombardei weilte, aber von ihm noch verständigt wurde,
in mühevollem Fußmarsch, hochschwanger, bei großer Kälte
über den "Vogelsberg" (Bernhardin) an den Rhein gelangte. Bei Hermann
von Schwaben trafen sich beide.
Der Historiker Liudprand von Cremona, dem wir eingehende
Nachrichten über die italienische Geschichte dieser Jahre verdanken,
ist auf Berengar und seine Gemahlin
Willa
sehr schlecht zu sprechen. Schon den Bergen, über die die beiden im
Jahre 941 nach Deutschland entkommen sind, zürnt er so, daß
er ihnen Einsturz und Vertilgung wünscht.
Willa
ist
ihm eine Pest, eine herrschsüchtige Isebel, wie das grausame Weib
des Königs Ahab von Israel, das
die Propheten des Herrn verfolgte und den redlichen Naboth steinigen ließ,
eine habgierige Lamia, gleich jenen blutsaugenden Frauen, von denen die
Mythologie der Alten wußte.
Für Berengar
bedeutete die Person der Adelheid also
eine große Gefahr, und er war entschlossen, ihr zuvorzukommen. Er
hat die verwitwete Königin ihres Schatzes und ihres Geschmeides betraubt,
um sie so machtlos zu machen, er und Willa
haben sie schmachvoll behandelt, sie geschlagen und getreten, ihr das Haar
abgeschnitten und sie schließlich am 20. April 951 in Como gefangengenommen
und in der festen Burg Garda in strenge Haft gegeben.
Zunächst bereitet die Unterwerfung der Burgen Berengars
und seiner Anhänger erhebliche Schwierigkeiten, was mit der mangelhaften
Belagerungskunst der Zeit zusammenhängt. Berengar
selbst hatte sich in dem festen San Leo di Montefeltre im Apennin
(südwestlich von San Marino) verschanzt, wohin auch seine Gemahlin
Willa
sich
zurückzog, nachdem ihr erster Schlupfwinkel, die Insel San Giulio
im Orta-See (Lago Cusio), hatte übergeben werden müssen.
Der Kaiser erfuhr in Rom die Einnahme von Garda und namentlich
diejenige von San Leo, die in den letzten Tagen des Jahres 963 erfolgte,
und durch Berengar,
Willa
und ihre Töchter in Gefangenschaft gerieten. Sie wurden nach Bamberg
gebracht. Berengar ist hier
am 4. August 966 gestorben, worauf Willa
ins Kloster eintrat.
Keiser Bruno: Seite 43,45,54
************
"Adelheid. Königin, Kaiserin, Heilige. Ein Leben
in bewegter Zeit."
An der Spitze der oberitalienischen Adligen, die sich
gegen ihn zusammenrotteten, vermutete Hugo
mit gutem Grund einen Mann, den er versucht hatte, durch eine Heirat an
sich zu binden: Berengar II., Markgraf
von Ivrea, Ehemann seiner Nichte Willa.
Sie war die Tochter von Hugos Bruder
Boso
und
Adelheids Tante Willa.
Die Eltern gehörten zu den Opfern Hugos.
Willa
die Jüngere hatte Anlaß, den König zu hassen.
Dem Boten, den Lothar
losschickte, gab Königin Berta
Instruktionen, Ratschläge und Empfehlungen mit. Markgraf
Berengars Fluchtweg zeigte, daß er sie zu nutzen wußte.
Er benachrichtigte seine Frau, die sich nicht bei ihm befand, von der drohenden
Gefahr und warf sich aufs Pferd. Im tiefsten Winter floh er über den
Mons Jovis nach Hoch-Burgund. Obschon Willa
hochschwanger war, schaffte sie es, über den Vogelberg zu entkommen.
Die Flüchtlinge trafen sich am Rhein, am Hof des Herzogs von Schwaben
und der Herzogin Reginlindis, Königin Bertas
Mutter.
Willa besaß
die Energie ihrer Großmutter Berta,
der vormaligen Markgräfin von Tuszien, und die Lebenskraft ihrer Urgroßmutter
Waldrada,
der illegitimen Frau König Lothars II.
Mit Berengar hatte Willa
fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter. Über ihre
Leidenschaftlichkeit und ihr Liebesleben zerriß man sich in Pavia
die Mäuler. Hofleute, Kammerdiener, Vogelsteller und Naschwerkhändler,
kurz fast alle tuschelten,
Willa habe
ein Verhältnis mit dem Kaplan Dominikus. Der Pater,
ein robuster Mann von Lande unterrichtete
Willas
Töchter. Die als geizig verschriene Markgräfin versorgte Dominikus
mit feinem Essen und kostbarere Kleidung. Eines Nacht wurde Dominikus,
als er das Zimmer der Markgräfin betreten wollte, ergriffen und entmannt.
931
oo Berengar II. König von Italien
900-4.8.966
Kinder:
Adalbert König von Italien
930-20.4.975
Wido Markgraf von Ivrea
940-25.6.965
Konrad Markgraf von Ivrea
-
1001
oo Richilde von Turin
-
Gerberga
-
961
oo Aledram I. Markgraf von Montferrat
- 967/71
Gisela Nonne
-
Rozala (Susanna)
950/60-7.2.1003
968
1. oo Arnulf II. Graf von Flandern
961/62-30.3.987
1.4.988
2. oo Robert II. König von Frankreich
970-20.7.1031
Literatur:
-----------
Adelheid Kaiserin und Heilige 931 bis 999 Info
Verlag Karlsruhe 1999 Seite 22,107,109,123 - Althoff Gerd: Die Ottonen.
Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 93,116 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des
Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 - Hlawitschka,
Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962),
in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard
Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 89,216,287 - Holtzmann
Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch
Verlag München 1971 Seite 139-141,193,195,206,232,408 - Keiser
Bruno: Adelheid. Königin, Kaiserin, Heilige. Ein Leben in bewegter
Zeit. Piper Verlag GmbH München 1999 - Köpke, Rudolf/Dümmler
Ernst: Kaiser Otto der Große, Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1962 Seite 137-141,173,184,190-191,203-204,208,285,313-355,379
- Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer
Verlag Tübingen 1982 Seite 136 - Schneidmüller Bernd/Weinfurter
Stefan (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge. Symposium zur Ausstellung "Otto
der Große, Magdeburg und Europa" Verlag Philipp von Zabern Mainz
2001 Seite 204 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher
am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 228 -
Wies,
Ernst W.: Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989, Seite 131,191,215,220,225
-