Sohn des Grafen
Anskarius I. von Oscheret
Adalbert folgte dem Vater, rief 900 und 905 LUDWIG III. VON BURGUND gegen BERENGAR I. ins Land und ermöglichte diesem das Kaisertum. Er half ihn 905 aber zu blenden und verjagen und bestimmte als Beherrscher wichtiger Alpenpässe (Großer und Kleiner Sankt-Bernhard) mit seiner Haltung entscheidend die norditalienische Geschichte seiner Zeit. Er beherrschte weitgehend Piemont, fiel 920 von seinem Schwiegervater ab und rief Rudolf II. von Hoch-Burgund ins Land, der 921 bei Brescia BERENGAR unterlag, ihn aber nach dem Sieg bei Fiorenzuola 922 verjagte.
Hlawitschka, Eduard: Seite 100-104
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien
(774-962)"
III. ADALBERT von Ivrea
gehört zu denjenigen oberitalienischen Großen,
die auf die Geschichte Italiens zu Beginn des 10. Jahrhunderts den maßgeblichen
Einfluß ausübten. Schon die erste Erwähnung zeigt ihn in
einer Rebellion gegen König BERENGAR,
obgleich er dessen Tochter Gisela
zur Frau hatte; zusammen mit einigen anderen oberitalienischen Grafen schickte
er im Jahre 900 Boten an König LUDWIG DEN
BLINDEN von der Provence, damit dieser
komme und BERENGAR
die Macht entreiße [Liutprand, Antapod. lib. II, c 32-35, Seite 52ff.
Wenn Berengar
II., der Sohn Adalberts von Ivrea
aus der Ehe mit Gisela
(Antapod.
lib. V, c. 4) bereits im April 918 als comes et missus discurrens in Mailand
einen Gerichtstag abhält (C d L Seite 822, nr. 475), dann muß
er - dies zur Bestätigung der Nachricht Liudprands - mindestens schon
um 900 geboren sein, das heißt die Ehe Adalberts mit Giselamuß
also schon vor 900 - vor der Rebellion - geschlossen gewesen sein. Die
Verheiratung Adalberts mit Gisela
ist auch ersichtlich aus dem Diplom König
Hugos vom 24. Juli 929: curtis Pollicinum,
qua(e) a Gisla
eidem Adelberto
evenit; Schiaparelli, I dipl. di Ugo Seite
63, nr. 321.]. Adelbertus marchio filius quondam Anscherii
et Leutfredus comes ac etiam Radulfus comes et Unaldus
wurden hernach auch von LUDWIG
(am 21. April 902) in Vercelli als seine dilectissimis fideles bezeichnet,
als sie für einen Vasallen des Vicegrafen Gariard/Gaddo die Überlassung
einer curticella
in Cusiningo erbaten [Schiaparelli, I dipl. di Lodovico III. Seite 51,
nr. 18. - Der Adalbertus inclytus marchio, der am 11. März
901 mit dem Pfalzgrafen Sigefred bei LUDWIG
in Pavia intervenierte (Seite 26, nr. 9), dürfte dagegen eher mit
dem Adalbertus illustris Tusciae marchio, der mit Sigefred und Adelelm
von Valence am 12.Oktober 900 schon einmal in Pavia war (Seite 5, nr. 2),
zu identifizieren sein. Ob das gleiche auch für den Adelbertus eines
verfälschten Diploms LUDWIGS
vom 11. Februar 902 gilt (Seite 76, nr. + IV - ricose ad un diploma
autentico di LODOVICO III),
oder ob hier in der von Adalbertus ac etiam Sigefredo dicibus für
das Kloster Nonantola erbetenen Urkunde der Markgraf Adalbert von Ivrea
gemeint ist, muß offen bleiben.]. Diese Leute und dazu der Markgraf
Adalbert von Tuszien, der Pfalzgraf Sigefred und der Graf Gotfried waren
die Stützen der Herrschaft LUDWIGS
in Italien; und unter ihnen nahm Adalbert durch die Beherrschung
NW-Oberitaliens und der Paßstraßen nach Burgund und nach der
Provence eine überaus wichtige Stellung ein. In Vercelli erkannte
Adalbert damals (9. Mai 902) vor einem Missus LUDWIGS
DES BLINDEN die auf Intervention seines
Vaters von Kaiser WIDO
dereinst ausgestellte Freilassungsurkunde des Einwohners Martinus aus Vercelli
als zurecht bestehend an. Schon im März des Jahres hatte er in Novara
dem iudex et notarius Evertus die Erlaubnis zur Abfassung einer
Tauschurkunde gegeben und diese Urkunde nach Regierungsjahren LUDWIGS
III. zählen lassen. - Ob und inwieweit
Adalbert
auch etwas mit dem zweiten Italienzug LUDWIGS
III., der mit dessen Blendung endete,
zu tun hatte, ist bei der Knappheit der Quelle nicht zu erweisen. Doch
ist eine erneute Parteinahme für LUDWIG
nicht unwahrscheinlich, da in seinem - von Ivrea bis Turin und in das Gebirgsland
von Montferrat sich erstreckenden Einflußgebiet [In Ivrea war er
seinem Vater nachgefolgt. Daß er im Val d'Ossola Einfluß ausübte,
beweist die dortige Stellung eines fidelis, des Vicegrafen Gariard (vgl.
Anmerkung 8 und 10). Daß Turin zum Amtsgebiet Adalberts gehörte,
ergibt sich daraus, daß er unam turrim in praedicta civitate (Taurinensi)
constructam besaß, die er cum terris sibi adhaerentibus dem Kloster
Breme schenkte (vgl. Anmerkung 13). Einfluß auf das Gebet von Montferrat
läßt sich aus seinem Besitz in Breme und Asti erschließen.]
die wichtigsten Alpenpaßstraßen einmündeten und LUDWIG
somit ja nur mit seinem Einverständnis das zweiten Italienunternehmen
wagen konnte [Der Adalbertus, der in den Gesta Berengarii lib. IV, v. 77,
Seite 128 als Vertreiber des burgundischen Hauses aus Italien nach der
Blendung
Kaiser LUDWIGS genannt
wird, ist - da die beiden Italienzüge von 900 bis 902 und 905 in diese
Dichtung zu einem Zug verschmolzen werden - wohl auf Adalbert von Tuszien
und dessen Anteil bei LUDWIGS Vertreibung
902, den Liudprand (Antapod. lib. II, c. 35, Seite 54) bezeugt, zu beziehen.
Dann hat man auch nicht nötig, mit E. Dümmler, Gesta Berengarii
Seite 38, Anmerkung 4 die gleichzeitige Nennung des Apennin als Verwechslung
mit den pennischen Alpen zu deuetn.].
Nach LUDWIGS Blendung
suchte Adalbert eine Aussöhnung
mit König BERENGAR. Bereits im
Juni 907 ließ der Lambertus ex genere Francorum vassus Adelbertus
illustris marchionis seine
Urkunde, mit der er einige Besitzungen im Gebiet von Asti vom Kloster Nonantola
zu Libell nahm, nach Regierungsjahren
BERENGARS
zählen, das heißt
BERENGAR als
sein und seines Herrn Oberhaupt anzusehen. Am 14. August 908 erbat dann
der Vicegraf Gariard als fidelis Adalberti
marchionis von BERENGAR
eine Besitzbestätigung für das von ihm selbst gegründete
Kloster Fontaneto, und am 23. Juni 909 intervenierte der Markgraf
Adalbert bereits wieder als dilectissimus fidelis bei
BERENGAR
in Pavia zugunsten der St.-Johannes-Kirche in Pavia. Am 13. Juni 901 war
der Adelbertus gloriosus matrchio dilectus gener et fidelis gener et fidelis
noster noch einmal selbst bei BERENGAR
in
Pavia und trat als Fürbitter für eine weitere Bestätigung
des im Comitat von Ossola gelegenen Besitzes seines fidelis, des Vicegrafen
Gariard, ein. Am 26. Januar 913 verlieh der in Monza weilende König
BERENGAR auf Adalberts und
der Grafen Grimald Bitte der Kirche von Vercelli den dortigen Königshof,
zwei Mühlen vor der Stadt sowie verschiedene Marktgerechtigkeiten.
In den nächsten Jahren - die Chronologie ist jedoch
recht unsicher - scheint sich Adalbert
der Fürsorge der Mönche des Klosters Novales angenommen zu haben,
die vor den in den Alpentälern plündernden Sarazenen der Bergfeste
Fraxinetum zu Beginn des 10. Jahrhunderts nach Turin geflüchtet waren.
Er übertraug ihnen zunächst die Turiner St. Andreaskirche cum
porta conmitale secus murum civitatis, einem Befestigungsturm diese
Stadt mit angrenzendem Land, kaufte schließlich den aus Breme vom
König wegen zu harter Bedrückung der Untertanen vertriebenen
Brüder Arland und Garland die Hälfte ihres Besitzes ab, schenkte
sie den Mönchen und schuf der Kongregation hier eine neue Heimstätte.
Als sich zu Ende 921 in Oberitalien eine neue Verschwörergruppe
sammelte, da war der Markgraf Adalbert von Ivrea wieder beteiligt. In den
Brescianer Bergen kamen die Verschworenen zu einer Beratung über BERENGARS
Absetzung zusammen: Markgraf Adalbert von Ivrea,
Pfalzgraf Odelrich, (Graf) Giselbert etc. Doch BERENGAR
konnte diese durch herbeigerufene Ungarnhaufen überfallen und gefangennehmen
oder töten lassen. Adalbert blieb
durch schnelle Verkleidung unerkannt und konnte sich sogar wie ein einfacher
miles in einem benachbarten Castell von einem eigenen Untergebenen freikaufen
lassen. Sobald er aber nach Ivrea zurückgekehrt war, sandte er - im
Einvernehmen mit denen, denen er entkommen war oder denen schon vergeben
worden war - den (Grafen) Giselbert zu König
Rudolf II. von Hoch-Burgund, um diesen die Herrschaft über
Italien anzutragen. Und nachdem Rudolf
innerhalb von 30 Tagen nach Italien gekommen war, befand sich auch Adalbert
in seiner Begleitung. Am 4. Februar 922 trat der Adelbertus
gloriosissimus
marchio dilectissimus fidelis bei Rudolf
in
Pavia als Fürbitter für eine Besitzbestätigung an die Kirche
von Parma auf, am 8. Dezember 922 setzte er sich nochmals bei Rudolf
für
die Kanoniker von Parma ein. Die Schlacht bei Fiorenzuola, in der am 17.
Juli 923 die Truppen
Rudolfs und BERENGARS
aufeinanderprallten, wurde von seinem Untergebenen Gariardus gemeinsam
mit dem späteren Markgrafen Bonifaz von Camerino und Spoleto zu Rudolfs
Gunsten
entscheiden.
Bald darauf scheint er jedoch verstorben zu sein. Defuncto
Adelberto,
Eporegiae civitatis marchione, uxor eius Hermengarda
(Tochter des Markgrafen Adalbert von Tuszien, die Adalbert
von Ivrea nach dem Tode Giselas
in zweiter Ehe zur Frau genommen hatte.) totius Italiae principatum
obtinebat, schreibt Liudprand, und am 8. Oktober 924 intervenierte
bereits Hermengarda
inclyta comitissa mit dem eben erwähnten Markgrafen
Bonifaz bei Rudolf in Pavia für
die Schenkung der curtis Subbioneta an den Bischof von Parma. Am 5. Dezember
des Jahres setzten sich dann Hermingardis
nobilissima comtissa et filii eius
Berengarius
et Ascerius
incliti comites bei
Rudolf für
die Überlassung des Castel vecchio d'Asti mit allem Zubehör an
den Grafen Autbert von Asti ein. Bei dem Placitum des Pfalzgrafen Giselbert
am 14. Mai 927 traten auch vasalli Hermengarde
comitesse, nicht mehr vasalli Adelberti
marchionis, auf, und am 1.Mai 928 bezeichnete sich Berengar
II. bereits als marchio, filius bone memorie Adelberti
illustris marchio(nis). Eine am 28. Feabruar 929 vor König
Hugo in Turin ausgestellte Urkunde des Adalbertus
gratia Dei humilis marchio hic in Italia, mit der den Novaleser
Mönchen die villa Gonzole und die curtis von S. Dalmazzo geschenkt
werden, kann deshalb - trotz Schiaparellis gegenteiliger Versicherung -
nicht echt sein.
Die Macht in Ivrea ging zunächst auf Hermengardis
über. Nachdem König Rudolf (924/25)
für einige Zeit nach Burgund abgezogen war, zettelte sie gegen diesen
eine neue Rebellion an, besetzte Pavia, ja soll es darauf sogar vermocht
haben, Rudolf von seinen bisherigen
Freunden und Beratern zu trennen und diesen mit den Mitteln einer raffinierten
Liebschaft an sich zu binden, wodurch aber von Rudolfs
ehemaligen
Freunden nun der Markgraf Hugo von Vienne,
Hermengardas
Stiefbruder, als neuer Kronprätendent nach Italien gerufen worden
sei. Wenn Rudolf sich darauf nach Burgund
zurückzog, um neue Truppen zu holen und auch seinen Schwiegervater,
den Herzog Burchard von Schwaben, für die neue Auseinandersetzung
zu gewinnen, sich dann längere Zeit in Ivrea mit seinen Leuten aufhielt,
Hugo
dagegen
über See kommend in Tuszien Fuß faßte und die Alpenpässe
mied, Flodoard in Vergröberung der Nachricht von der Liebschaft Hermengardas
und
Rudolfs sogar Rudolf
eine
zweite Ehe vivente uxore sua zuschrieb, dann scheint diese sehr
groteske Nachricht Liudprands an Glaubhaftigkeit zu gewinnen [Liudprand,
Antapod. lib. III, c.7-16, Seite 77-81 und Flodoard, Annales ad 926, Seite
35. Da diesem Teil der Liudpranderzählung schon die Tendenz zugrunde
liegen kann, in Ermengarda
die ganze Familie Berengars
II., ihres Sohnes und Liudprands Todfeindes zur Zeit der
Abfassung der Antapodosis, in das verwerfliche Licht zu stellen, hat die
Forschung diese Nachricht Liudprands bisher immer mit Skepsis aufgenommen.].
Bald muß Hermengarda
aber auch bei ihrem Stiefbruder Vertrauen gesucht haben. Bereits am 3.
September 926 war sie bei Hugo in Pavia
und intervenierte zusammen mit dem Erzbischof Lampert von Mailand, dem
Bischof Adelbert von Bergamo und dem Grafen Giselbert für die Bestätigung
des Besitzes des S. Sistoklosters in Piacenza [Schiaparelli, I dipl. di
Ugo Seite 6, nr. 2. Erzbischof Lampert ist - nach Liudprand - sogar einer
derjenigen, die Hermengardadurch
ihre Machenschaften dazu trieb, Anlehnung bei Hugo
zu suchen.]. Auch im Jahre 929, als sie ihre Macht schon an ihren Stiefsohn
Berengar
II. abgegeben hatte, hielt sie sich am Hofe Hugos
auf [Schiaparelli, a.a.O. Seite 61, nr. 21. - Drei weitere Urkunden, die
Ermengarda
am 17. September 929, am 16. September 930 und am 29. Februar 932 in der
Umgebung Hugos
zeigen (Schiaparelli,
a.a.O. Seite 70, nr. 24; Seite 76, nr. 26; Seite 87, nr. 29), sind Parmenser
Fälschungen; vgl. dazu C. Manaresi, Alle origini del potere dei vescovi
Seite 235ff.].
Markgraf Adalbert von Ivrea
war
fränkischer Abkunft; das wird klar durch die Erzählung von der
Einwanderung seines Vaters Anskar
und durch die Rechtsbekenntnisse seiner Söhne - des Markgrafen und
späteren
Königs
Berengar II., der aus der Ehe mit Gisela,
der Tochter
BERENGARS I., stammte,
und des Markgrafen
Anskar II., den ihm Hermengarda
gebar.
Aber wie seine Vorgänger, kehrte auch BERENGAR
nach Oberitalien zurück, veranlaßt durch Ungarneinfälle
und Adelsrevolten. Diesmal führte Markgraf
Adalbert von Ivrea die Erhebung. Er wandte sich an König
Rudolf II. von Hoch-Burgund.
Rudolf regierte zwei
Jahre in Italien, sein wichtigster Ratgeber war
Markgraf Adalbert von Ivrea oder
bessser, nach dem Wortlaut einiger Quellen, dessen Gemahlin Ermengard.
900
1. oo Gisela von Friaul, Tochter des Kaisers BERENGAR
I.
880/85-13.6.910
914
2. oo Ermengard von Lucca, Tochter des Markgrafen
Adalbert II.
- nach 932
Kinder:
1. Ehe
Berengar II. König von Italien
900-4.8.966
Bertha Äbtissin in Modena
-
2. Ehe
Anskarius II. Graf von Asti
um 915- 940 ermordet
Literatur:
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Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern
und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen
Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau
1960 Seite 80,83-85,100-104,106,115,126,129,143,183,186, 190,193,216,218,243,254,258,265,287
- Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher
Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 265,267 -
Weinfurter
Stefan: Die Salier und das Reich Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991
Band I Seite 543; Band III Seite 498 -