STADE, Grafen von
 

Hermann Grote Stammtafeln Europäischer Herrscher- und Fürstenhäuser Tafel 46
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 2167
********************
Stade
-------

Grafen, Markgrafen der sächsischen Nordmark, Grafschaft

Das hochadelige Geschlecht ist seit dem 929 bei Lenzen gefallenen nobilis Liuthar zu greifen. Sein Sohn Heinrich I. (+ um 976)war 959 Inhaber von Grafschaftsrechten zwischen Niederelbe und -weser (MGH D O I. 205),
1. oo Judith (+ vor 973), Tochter des KONRADINERS Udo
Kinder: u.a.
Heinrich (+1016)
Siegfried (+ 1037)
Kunigunde, Mutter Thietmars von Merseburgs
sowie Liuthar-Udo der Ältere (+ 994), Stammvater der Grafen von Katlenburg, der die Namen beider Großväter trug.
Durch Nachbenennung blieb der Doppelname bis zu Liuthar-Udo III. (+ 1106) bei den STADERN gebräuchlich; Helmhold von Bosau II, 102 kennt das Geschlecht als UDONUM prosapia. Die Zubenennung der Grafen, verwandt mit OTTONEN, SALIERN, WELFEN, BILLUNGERN und den Großfürsten von Kiev - mit diesen durch die Eheschließung Graf Heinrichs III. (+ 1087) mit Adelheid (Eupraxia) - sowie mit den Grafen von Sponheim, Walbeck und Werl, nach Stade erfolgte erstmals 1063/64 und 1103. Alsleben (südwestlich Bernburg), Freckleben (südöstlich Aschersleben) und Salzwedel als weitere Herrschaftsbezeichnung deuten die Herrschaftsrechte auch an Saale und mittlerer Elbe an. Seinen Ziehsohn Wiprecht II. hatte Markgraf Udo II. (+ 1082), 1073-1075 der sächsischen Opposition gegenHEINRICH IV. zugehörig, zunächst Tangermünde und dann tauschweise den Burgward Groitzsch überlassen. Das 1002 oder wenig später als Hauskloster in der Burg Harsefeld (südlich Stades) gegründete Chorherrenstift wurde 1102/03 durch einen Reformkonvent aus Ilsenburg unter gräflicher Stiftervogtei besetzt. Das Prämonstratenserstift St. Georg in Stade ist 1132/37 gegen den Willen Erzbischof Adalberos von Bremen (+ 1148) und des Stader Ministerialen Friedrich von Rudolf II. (+ 1144), dem letzten weltlichen Angehörigen des Geschlechts, fundiert worden. 1056-1128 haben die Grafen als Markgrafen der sächsischen Nordmark amtiert, zudem wohl seit 1088/89 als Hochvögte des Erzbistums Bremen.
Die an der Niederelbe gelegene Grafschaft der STADER war seit 1063 (MGH DH. IV. 112) ein Lehen der Erzbischöfe von Bremen. Gegen den Versuch von Rudolfs Bruder Hartwig (1144 Bremer Dompropst, seit 1148 Erzbischof), sie für sich auf Lebenszeit zu erwerben, wurde sie 1145 von Heinrich dem Löwen usurpiert, der sie teils nach Erb-, teils nach Lehnsrecht beansprucht (Helmhold von Bosau II, 102) und sich Erzbischof Adalbero durch dessen Gefangennahme gefügig gemacht hatte. Zunächst gestützt von Kaiser FRIEDRICH I., konnte sie der Herzog über den Tod Hartwigs (+ 1168) hinaus bis 1181 behaupten. Als Erzbischof Hartwig II. sie 1195 wiedererlangte, mußte er sie Graf Adolf III. von Schaumburg und 1202, als Gefangener OTTOS IV., Pfalzgraf Heinrich zu Lehen geben. Nachdem dieser 1219 seine Eigengüter in der Grafschaft dem Erzbistum Bremen aufgelassen und nebst der Grafschaft zu Lehen zurückerhalten hatte, bestätigte Kaiser FRIEDRICH II. sie 1232 der Bremer Kirche, deren Lehnsherrlichkeit der WELFE Herzog Otto das Kind nach erneuten Kämpfen 1236 schließlich anerkannte.

Quellen:
----------
GP VI 113-119 - W. H. Jobelmann-W. Wittpenning, Gesch. der Stadt S., Archiv für die Gesch. der Hzm.er Bremen und Verden 3-5, 1869-1875 - Das S.r Stadtrecht v. J. 1279, hg. G. Korlen, 1950 - J.Bohmbach, UB der Stadt S. 994-1698, 1981.

Literatur:
-----------
R.G. Hucke, Die Gf.en v. S. 900-1144, 1956 - M. Mohnmann, Das Erzstift Bremen und die Gft. S. im 12. und 13. Jh., S.r Jb. NF 59, 1969, 49-118 - L. Fenske, Adelsopposition und kirchl. Reformbewegung im ö. Sachsen, 1977 - G. Althoff, Heinrich der Löwe und das S.er Erbe, DA 41, 1985, 66-100 - Geschichtl. Handatlas v. Niedersachsen, bearb. G. Pischke, 1989, Karten 16, 48/12 - Gesch. der Stadt S., red. J. Bohmbach, 1994 - A. Mindermann, Adel in der Stadt des SpätMA. Göttingen und S. 1300 bis 1600 [im Dr.]