Eugen III.                                       Papst (18.II.1145-8.VII.1153)
-------------
   -8.VII.1153
    Tivoli

Begraben: Rom, St. Peter

Sohn des N.N.

eigentlich Bernardo Paganelli
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 78
********************
Eugen III., Papst seit 15. Februar 1145 Wahl in Rom
--------------             Krönung am 18. Februar in Farfa
     + 8. Juli 1153
      Tivoli

Begraben: Rom, St. Peter

Stammte aus unbekannter Familie in Pisa, wo er seine geistliche Laufbahn im Kamaldulenser-Kloster S. Zeno begann (1128 Prior) und zum Vicedominus des Erzbistums aufstieg (urkundlich 1135,1137). Auch als Papst unterhielt er Beziehungen zu Pisa: er beauftragte den Judex Burgundio mit der Übersetzung theologischer Werke aus dem Griechischen. Unter dem Eindruck Bernhards von Clairvaux trat er in dessen Kloster ein, wurde aber von diesem 1141 zum Abt von Tre Fontane bei Rom bestimmt. Ohne Kardinal zu sein, wurde er inmitten der römischen Wirren von 36 Kardinälen gewählt. Weiterhin nach zisterziensischen Ideal lebend, war er dem päpstlichen Amt nicht voll gewachsen, so dass den Kanzler (u.a. Robertus Pullus, Roland, Boso) und den Kardinälen vermehrt Regierungsaufgaben zufielen. Eugen III. kreierte 20 Kardinäle (davon drei Zisterzienser, drei Pisaner), darunter die zukünftigen Päpste Hadrian IV., Alexander III., Viktor IV. (Oktavian). Die Zentralisation der päpstlichen Herrschaft bewirkte die Kritik Bernhards von Clairvaux in dem Eugen III. gewidmeten "De consideratione", worin ein Idealbild des Papstes entworfen und die Mißstände an der Kurie angeprangert werden. Der Einfluß Bernhards, der vom April 1147 bis zum April 1148 in der Umgebung Eugens III. weilte, ist schwer zu bestimmen. Neben Hinweisen auf die Gefügigkeit Eugens III. gibt es Zeugnisse für ein deutliches Abgehen von den Ratschlägen des Heiligen. - Nur etwa ein Achtel des Pontifikates residierte Eugen III. in Rom, das die kommende Autonomie gegenüber den päpstlichen Wünschen im wesentlichen zu behaupten vermochte. Abkommen (1145,1149) entspannten das Verhältnis nur kurzfristig,; der Agitation Arnolds von Brescia (seit 1147), der die weltlichen Herrschaft des Papstes über Rom in Frage stellte und radikale Reformideen mit Remineszenzen an die Antike verknüpfte, vermochte Eugen III. nicht Herr zu werden. Die Kurie hielt sich vorzugsweise an verschiedenen Orten des Patrimonium Petri auf, für welches Ansätze zu einer stärkeren herrschaftlichen Durchdringung zu erkennen sind. Infolges des Verlustes von Edessa erließ Eugen III. am 1. Dezember 1145 einen Kreuzzugsaufruf, aber erst als er ihn am 1. März 1146 wiederholte und Bernhard von Clairvaux mit der Predigt beauftragte, wurde die Begeisterung in Deutschland und Frankreich entfacht. Eugens III. Engagement für den 2. Kreuzzug beschränkte sich auf die Aufrufe (ein weiterer für italienische Teilnehmer im Oktober 1146) und die Entsendung von zwei Legaten, die jedoch durch ihr Amt überfordert waren, so dass die Vorwürfe gegen den Papst wegen des Scheiterns des Unternehmens teilweise berechtigt waren. Eugen III. billigte auch den Kreuzzug gegen die slavischen Wenden (1147), der nur ein Teilerfolg wurde und das Missionswerk im Osten belastete. Ab Januar 1147 reiste Eugen III. nach Frankreich ud Deutschland (November 1147 bis Februar 1148 in Trier), um den päpstlichen Einfluß im Westen des Abendlandes zu festigen. Wichtigstes Ereignis war die gut besuchte Synode in Reims (21. März 1148), deren Kanones an das II. Lateranum anknüpften. Es wurde auch Eon von Stella als Ketzer verurteilt und überhaupt die Unterstützung von Häretikern mit geistlichen Strafen bedroht. Im Anschluß an die Synode wurde das Verfahren gegen Gilbert von Poitiers wegen seiner Trinitätstheologie, das im Konsistorium zu Paris (April 1147) vertagt worden war, wiederaufgenommen. Trotz der Bemühungen Bernhards von Clairvaux wurde Gilbert nicht verurteilt, v.a. weil ein Teil der Kardinäle der Willfährigkeit des Papstes gegenüber dem Heiligen einen Riegel vorschob. - Die Beziehungen zur englischen Kirche vertieften sich, u.a. durch das enge Verhältnis zu Erzbischof Theobald von Canterbury und das Eingreifen in den Wahlstreit von York (1141/47). Die irischen und skandinavischen Kirchen wurden durch Kardinallegaten reorganisiert. - Nach der Rückkehr nach Italien (Juni 1148) scheiterte ein Versuch, die Römer durch ein Bündnis mit Roger II. zu unterwerfen. Eugen III. war nämlich nicht bereit, sich in die Koalition der Gegner des deutsch-byzantinischen Bündnisses von 1148 (Vertrag von Thessalonike) eingliedern zu lassen. Er näherte sich seit 1151 vielmehr,  durch die Vermittlung Wibalds von Stablo gefördert, dem deutschen König KONRAD III., der für 1152 die Romfahrt in Aussicht stellte. Nach dessen Tod setzte FRIEDRICH I. die Politik der Zusammenarbeit zunächst nur zögernd fort, schloß dann aber am 23. März 1153 den Vertrag von Konstanz. Darin verpflichtete er sich, keinen Frieden mit dem normannischen Königreich zu schließen, die Römer dem Papst zu unterwerfen und den byzantinischen Plänen auf Unteritalien entgegenzutreten. Eugen III. sicherte die Kaiserkrönung und Mehrung des "honor" des Reiches zu.

Quellen:
----------
Jaffe II, 20-89 - GP - IP - PU, passim - LP II, 386f. - Wibald v. Stablo, Epistolae ed. Jaffe, BRG I - Johannes v. Salisbury, Historia pontificalis, ed. M. Chibnall, 1956 - Bernhard v. Clairvaux, Epistolae; de consideratione, ed. J. Leclerq-H. Rochais, 1963-1977

Literatur:
-----------
DHGE XV, 1349-1355 - Bibl. SS V, 196-201 - H. Gleber, Papst E. III., 1936 - P. Rassow, Honor Imperii, 1940 - B. Zenker, Die Mitglieder des Kardinalskollegiums von 1130 bis 1159 [Diss. Würzburg 1965] - N.M. Häring, Das Pariser Konsistorium Eugens III. vom April 1147, SG II, 1967, 91-117 - W. Seegrün, Das Papsttum und Skandinavien bis zur Vollendung der nord. Kirchenorganisation, 1967 - F. Lotter, Die Konzeption des Wendenkreuzzugs, 1977 - F.J. Jakobi, Wibald v. Stablo und Corvey, 1979 - H. Jakobs, E. und die Anfänge europ. Stadtsiegel, 1980.


Kühne Hans: Seite 161
***********
"Lexikon der Päpste"

Mit Gregor VII. hatten die Verbannungen, Fluchten und Exile der Päpste begonnen, und es sollten Päpste kommen, die Rom nie betreten konnten. Von nur wenigen Ausnahmen abgesehen, hat dieser Zustand bis nach dem sogenannten Exil von Avignon angedauert.
Auch der neue Papst, der einstige Zisterzienser auf dem Thron und Schüler Bernhards von Clairvaux, mußte schon nach zwei Wochen vor den republikanischen Wirren fliehen, um zuerst nach Viterbo, dann nach Frankreich, dann nach Trier zu gehen und später drei Jahre lang in Italien von Stadt zu Stadt zu ziehen, herum gestoßen zwischen der römischen Republik, König Roger II. von Sizilien und König KONRAD III., den er vergebens zur Kaiserkrönung erwartete und durch den er Rom wiederzugewinnen hoffte, wo er jedoch nur die wenigen Monate vor seinem Tode ungestört leben konnte. KONRAD III. starb vor seinem Italienzug. FRIEDRICH I. BARBAROSSA wurde sein Nachfolger. Er schloß mit dem Papst den Konstanzer Vertrag, dessen Grundgedanke, die völlige Wiederherstellung der alten Papst-Kaiser-Idee, nie mehr verwirklicht werden konnte. Das in dem Vertrag festgesetzte Vorgehen gegen das Normannenreich, das unter König Roger II. zur ersten Großmacht im Bereich des Mittelmeeres geworden war, ist Plan geblieben; ein Menschenalter später war der Kaisersohn HEINRICH VI. Erbe des Normannenreiches.
Der völlig gescheiterte 2. Kreuzzug, den auszuschreiben Bernhard von Clairvaux, dessen Heiligkeit so groß wie seine politische Unwissenheit war, den Papst überredete, bestand vor allem aus Mordorgien entfesselter Desperados an den Juden Deutschlands und den Moslems Portugals. Die Kreuzzüge waren Conquistadorenzüge, und der Konstanzer Vertrag spiegelt die Verständnislosigkeit des Westens für die wirkliche Situation des Ostens. Über den engen Horizont theologischer Differenzen hinauszublicken, war der Westen außerstande. So wandte er sich gegen den klugen Kaiser Manuel I. von Byzanz, die einzige christliche Macht im Osten, die es verstand, die Herrscher des Islam wechselweise zu isolieren; und er förderte die Plünderungszüge der Normannen gegen das zu Byzanz gehörende Griechenland und sah zu, wie der kreuzfahrende Marodeur Rainald von Chatillon ohne jeden Anlaß die grauenhaftesten Metzeleien unter den Christen Zyperns anrichtet. Gleichzeitig aber wurden von Manuel I. Hilfstruppen gegen den Islam verlangt. Die gemeinsame Front des Islam hat der Westen selber geschaffen. Er trug die Hauptschuld an den bis zum Ende des 17. Jahrhunderts reichenden 10 großen Vorstößen des Islam nach Westen.
Dass diese Entwicklung unter eine menschlich gewinnenden, sogar heiligmäßigen Papst ihren Anfang nahm, läßt die Wirklichkeit der Kreuzzüge nur um so furchtbarer erscheinen.
Bernhard von Clairvaux schrieb für seinen päpstlichen Schüler das Werk De consideratione, den geistlichen Fürstenspiegel des Jahrhunderts, und der Kamaldulensermönch Gratian verfaßte das Decretum Gratiani als erste geschlossene Sammlung päpstlicher Rechtsverfügungen des Jus novum: die eigentliche Vorstufe des Codex Juris Canonici. In der Sammlung waren auch alle großen Fälschungen enthalten.
Während des Pontifikates begann die Auseinandersetzung zwischen dem Königshaus CAPET und ANJOU-PLANTAGENET um die Vorherrschaft in Frankreich, wo der spätere Heinrich II. Plantagenet als Herzog der Normandie sowie als Graf von Anjou, Maine und Tours über die Hälfte des französischen Territoriums beherrschte, seit er Eleonora von Aquitanien, die größte Grundherrin Frankreichs, geheiratet hatte.