Begraben: Rom, S. Giovanni in Laterano "iuxta S. Mariam de Reposo"
Sohn des Pietro Bobone
eigentlich Giacinto Boboni-Orsini
Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 4
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Coelestin III., Papst spätestens seit 10. April
1191
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Konkresation: 14. April
* Anfang des 12. Jh.(ca. 1105/06, + 8. Januar 1198
Rom
Rom
eigentlich Giacinto (Hyacinthus) Bobone
Begraben: Rom, S. Giovanni in Laterano "iuxta S. Mariam de Reposo"
Devise: Perfice gressus meos in semitis tuis"
Vater: Pietro Bobone, entstammte einer römischen
Adelsfamilie, die später den Namen ORSINI führen sollte.
Früh für die kirchliche Laufbahn bestimmt, ist er schon 1126
als prior subdiaconorum von S. Giavanni in Laterano nachweisbar,
studierte bei Abaelard in Paris Dialektik und Theologie und verteidigte
denselben zusammen mit seinem Studiengefährten Arnold von Brescia
auf dem Konzil von Sens (1140) gegen die Angriffe Bernhards von Clairvaux.
Coelestin
II.
ernannte ihn 1143 zum Kardinaldiakon von S. Maria in Coemedin.
Giacinto
wurde mit wichtigen Legationen und schwierigen diplomatischen Missionen
betraut. Zwei Gesandtschaften auf der Iberischen Halbinsel machten ihn
zum Spezialisten der Kurie für die dort herrschenden Verhältnisse,
was sich später auch in seinem Verhalten als Papst gegenüber
den spanischen Reichen auswirken sollte. Unter Anastasius
IV. zog er 1154/55 als Legat durch Aragon-Katalonien, Kastilien-Leon
und Portugal und hielt Provinzialsynoden in Valladolid und Lerida (sowie
auf dem Rückweg in Narbonne) ab, auf denen die politischen und kirchlichen
Zustände auf der Halbinsel verhandelt wurden (Frage des Primats von
Toledo, Streit zwischen Braga und Santiago de Compostela). Darüber
hinaus trieb Giacinto die Organisation eines gemeinsamen spanischen
Kreuzzugsunternehmens nachhaltig voran, indem er der Kreuzzugspredigt starke
Impulse gab, selbst das Kreuz nahm und sich zumindest nominell die Führung
übertragen ließ - auch als Papst sollte er noch die Kreuzzugsidee
in Spanien unterstützen. Eine zweite große Legatenreise nach
Spanien unternahm er 1172-1174, bei der er einen Ausgleich der im Kern
noch immer ungelösten Konflikte förderte. In den ereignisreichen
Jahren zwischen seinen großen Legationen war Giacinto überdies
mehr und mehr in die Rolle eines Vermittlers zwischen der päpstlichen
Kurie, dem deutschen Kaiser und dem französischen König hinein
gewachsen. Hatte er schon im Juni 1158 als Legat nach dem Eklat von Besancon
beschwichtigend auf die kaiserliche Partei eingewirkt, so brachte er im
Verein mit Bernhard von Porto die Unterredung von Souvigny (August 1162)
zwischen dem französischen König und Alexander
III.
zustande, durch deren Verlauf ein Erfolg der Verhandlungen
mit dem Kaiser nahezu ausgeschlossen wurde. 1177 wirkte er am Frieden von
Venedig mit und war anschließend Mitglied der Kommissionen, die die
Neuordnung der Verhältnisse in Mittelitalien vorbereiten sollten.
Die Wahl des fast 90-jährigen zum Papst - er erhielt
erst am 13. April 1191 die Priesterweihe - trug alle Anzeichen einer Kopromißentscheidung,
durch die eine Spaltung innerhalb des Kardinalskollegs vermieden wurde;
die Namenswahl muß als programmatische Rückbesinnung aufgefaßt
werden. Der Pontifikat Coelestins III.
ist im innerkirchlichen Bereich gekennzeichnet durch den festen Willen
zu einer Strukturreform, die wirkungsvoll durch administrative, die kurialen
Behörden aufwertende Maßnahmen eingeleitet wurde und selbst
vor dem Kardinalkolleg nicht haltmachte. Sie schloß, ungeachtet zunehmender
Widerstände, die gezielt fortschreitende personelle Umgestaltung dieses
Gremiums durch die Kreation neuer, dem Papst nahestehender Mitglieder ein
und trieb zudem die Neuordnung des Kirchenbesitzes und die Zusammenfassung
kirchlicher Rechts- und Zinsansprüche unter zentralistischen Gesichtspunkten
voran, wozu die Anlage des Liber censuum durch den Kämmerer Cencio
Savelli (Honorius III.)
zwischen 1192 und 1195 ein entscheidender Beitrag war. Coelestins
erprobtes diplomatisches Geschick sowie sein zähes Beharrungsvermögen
gestatten dem Papst die Vorbereitung einer Rekuperationspolitik auf lange
Sicht. Von dieser Zielsetzung und der Abwehr der drohenden Umklammerung
des Kirchenstaates durch die staufische
Macht wurde das Verhältnis Coelestins III.
zu
HEINRICH
VI. hauptsächlich bestimmt. Die Anerkennung der Königsherrschaft
Tankreds
von Lecce auf lehnsrechtlicher Basis durch das Konkordat von
Gravina (Juni 1192) war sowohl der Aufrechterhaltung der päpstlichen
Lehenshoheit über S-Italien und Sizilien als auch der Ausdehnung der
Kirchenhoheit über den Rahmen des Vertrags von Benevent (Juni 1156)
hinaus förderlich. Das Verhalten Coelestins
III. in Fragen der Heiratspolitik zielte in vieler Hinsicht
auf eine weitgehende Isolierung und letztlich Sprengung des staufisch-kapetingischen
Bündnisses, wenn auch die englandfeindliche Politik des französischen
Königs in der Normandie solchen Versuchen Grenzen zog. Nachdem die
1194 eingetretene "Union regni ad imperium" die päpstliche Lehns-
und Kirchenhoheit über Sizilien mehr denn je in Frage gestellt hatte,
zudem die Beziehungen zum Kaiser durch die Ermordung des Bischofs Albert
von Lüttich (1192) und die Vorgänge um die Gefangennahme und
Freilassung von Richard Löwenherz empfindlich
gestört waren, konnte die Unvereinbarkeit der politischen Vorstellungen
auf päpstlicher und kaiserlicher Seite weder durch die Kreuznahme
HEINRICHS
VI. noch durch Verhandlungen über den mittelitalienischen
Kirchenbesitz und den Rechtsstatus Siziliens überwunden werden, zumal
die Kurie trotz eines bis heute inhaltlich nicht geklärten "hohen
Angebots" von kaiserlicher Seite keinerlei Bereitschaft zeigte, den Erbreichplan
zu unterstützen. Erst der überraschende Tod
HEINRICHS VI. (28. September 1197) beendete den schließlich
permanenten Zustand erhöhter Gereiztheit, der durch die unklare Rolle
der Kurie beim sizilianischen Aufstand von 1197 verstärkt worden war,
und ermöglichte der päpstlichen Seite Rekuperationen im Kirchenstaat
sowie die Sicherung der Mathildischen Güter. Die Absicht des altersschwachen
Coelestin
III., durch eine freiwillige Renuntiation Ende 1197 den von
ihm favorisierten Kardinal Giovanni di S. Paolo die Nachfolge auf dem Papstthron
zu sichern, scheiterte am Widerstand der oppositionellen Kräfte im
Kardinalkollegium, die noch am Todestag des Papstes die Wahl des Kardinakdiakons
Lothar von Segni (Innozenz
III.) durchsetzen.
Quellen:
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Watterich, II, 708-748 - MPL 206, 864-1304 - J. Pflugk-Hartung,
Acta Pontificum Romanorum, 3 Bde, 1881-1888, I, 352-383; II, 396-402 -
PU, passim [Ergänzungen durch: F. Bartoloni, QFIAB 34, 1954, 59-63
- W. Holtzman, QFIAB 25, 1955, 6ß-64 - R. Volpini, RSCI 22, 1968,
415-424 - Jaffe II, Nr. 16675-17679 [Nachträge dazu: V. Pfaff, Hjb
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Literatur:
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- LThk II, 1254f. - J. Haller, Ks. Heinrich VI. und die römische Kurie,
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332-269 - V. Pfaff, Pro Posse Nostro. Die Ausübung der Kirchengewalt
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C. III., ADipl 18, 1972, 342-366 - Ders., Der Vorgänger: Das Wirken
C.s III. aus der Sicht Innozenz III., ZRGKan-Abt 60, 1974, 121-157 - Ders.,
Das Papsttum in der Weltpolitik des endenden 12. Jh., MIÖG 82, 1974,
338-375 - K. Jordan, Papst C. und die Welfen zu Beginn seines Pontifikats,
ADipl 23, 1977, 242-256 - V. Pfaff, Das kirchl. Eherecht am Ende des 12.
Jh., ZRGKan Abt 63, 1977, 73-177.
Der Pontifikat war ganz mit der Umgestaltung der für
das Papsttum bedrohlichen Verhältnisse in Sizilien ausgefüllt,
und der Papst sah die Gefahren klar voraus. Zunächst saßen die
kreuzfahrenden Könige Philipp II. August
von Frankreich und Richard I. Löwenherz
von England lange Zeit in Sizilien, ehe sie in den Orient weiterfuhren.
König
Tankred schaukelte zwischen den beiden Rivalen, und der gerade
zum Kaiser gekrönte HEINRICH VI. rüstete
sich zur Eroberung Siziliens, des Erbes der Kaiserin
Konstanze - gegen den Willen des machtlosen Papstes, der,
unter Zusicherung von Privilegien, eindeutig Tankred
unterstützte. Der Kaiser blieb erfolglos und kehrte vorläufig
nach Deutschland zurück.
Tankred
gelang es, die in Salerno zurückgebliebene Kaiserin gefangenzunehmen.
Der Papst bemühte sich, Kaiser und König zu versöhnen und
erreichte, daß ihm die Kaiserin übergeben wurde, die jedoch
an der Grenze zum Kirchenstaat von Kaiserlichen befreit werden und nach
Deutschland weiterreisen konnte. HEINRICH VI.
war
durch die WELFEN,
seine Hauptgegner, gebunden. In Rom sah der Papst sich dem kaisertreuen
Senat gegenüber, und im Süden des Landes konnte Tankred
gegen die Kaiserlichen keine eindeutigen Erfolge erringen. Als er starb,
blieb nur das Kind Wilhelm III. als
König unter der Regentschaft seiner Mutter Sibylle
übrig.
Der erneute Vormarsch des Kaisers war nicht zum wenigsten
durch das Geld und die Flotte erfolgreich, die Richard
I. Löwenherz - er war nach der Rückkehr vom Kreuzzug
erst in Gefangenschaft Herzog Leopolds von Österreich geraten, dann
von diesem in die Haft des Kaisers übergeben worden - als Lösegeld
für seine Freilassung hatte bereitstellen müssen. S-Italien kapitulierte,
nicht zuletzt angesichts der grauenhaften Blutbäder, die
HEINRICH VI. beim geringsten Widerstand anrichtete. Das Normannenreich
brach nach 64 Jahren Königtum zusammen. HEINRICH
VI. wurde zum König von Sizilien gekrönt - ohne Konstanze,
die einen Tag später in Jesi bei Ancona ihren Sohn, den Halbnormannen
FRIEDRICH
gebar.
Vier Tage nach der Krönung soll eine Verschwörung
gegen den Kaiser aufgedeckt worden sein, was jedoch nie erwiesen worden
ist.
Ex-Königin Sibylle, ihre
drei Töchter und der Kindkönig Wilhelm
III. nebst allen Großen wurden nach Deutschland deportiert
und inhaftiert. Ansonsten hauste der Kaiser wie ein Wilder in Sizilien.
Die Opfer seiner Metzeleien als Folge der "Verschwörung", die Verstümmelungen
und Blendungen sind nicht zu zählen. Die wenigen Jahre bis zu seinem
Tode im Messina herrschte HEINRICH VI.
als Despot und träumte dabei, wie Ferdinand Gregorovius sagt, "von
der Knechtung Italiens, von der Zertrümmerung des gregorianischen
Papsttums". Mit dem Papst kam es zum Bruch, als der Kaiser den Kirchenstaat
zum zweiten Male bedrohte.
Literatur:
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Cawthorne Nigel: Das Sexleben der Päpste.
Die Skandalchronik des Vatikans. Benedikt Taschen Verlag 1999 Seite 105,109
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