Kimpen, Emil: Seite 89-94
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"Zur Herkunft Heinrichs von Laach" in: Eifelkalender für das Jahr 1953

Das Geschlecht der lothringischen Pfalzgrafen der EZZONEN war mit Hezelins Enkel Pfalzgraf Hermann II. 1085 oder 1086 im Mannesstamm erloschen, und Hezelins Linie war damit überhaupt ausgestorben. Die nun folgenden rheinischen Pfalzgrafen oder ihre Ehefrauen hatten freilich durch weibliche Vermittlung immer noch Blutsbeziehungen zur Linie des Pfalzgrafen Ezzo, gehörten aber mit Ausnahme des befehdeten Rheineckers Otto sämtlich Fürstenhäusern an, die ursprünglich außerhalb Lothringens begütert waren.
Die Ansicht, die LUXEMBURGER seien nach dem Erlöschen der EZZONEN in deren pfalzgräfliche Stellung gerückt, untermauert man gern mit einer Nachricht der gefärbten Pöhlder Annalen, nach welcher der Gegen-König HERMANN vor "seinem Schloß Kochem" gefallen sei. Jene Nachricht ist jedoch falsch, denn die weit zuverlässigeren "Gesta" (Taten) der Magdeburger Erzbischöfe geben "Lyntburg", also Limburg als Todesstätte HERMANNS an. Überdies kann Kochem niemals dem Gegen-König HERMANN gehört haben, da es 1051 von Ezzos Tochter, der Polen-Königin Richeza, ihrem Vetter, dem Pfalzgrafen Heinrich I. oder seinen Erben und, wenn solche fehlren, Richezas Erben übertragen wurde. Nach dessen Tod muß es also an dessen Sohn, den Pfalzgrafen Hermann II., gefallen sein, den die Pöhlder Annalen vielleicht mit dem Gegen-König HERMANN verwechselt hatten.
Als sehr bedeutsam sehen die Verfechter der Luxemburger Theorie nun an, daß bei dem 1082 verstorbenen Marianus Scotus zu lesen steht, die Schwaben hätten nach dem Tod des Gegen-Königs RUDOLF VON RHEINFELDEN "Cuonradi fratrem Herimannum, Heinrici de Lacha filium", also einen Bruder Konrads von Luxemburg, den Sohn eines Bruders Heinrichs von Laach, zum König gewählt.
Noch wichtiger hält man die gefälschte Stiftungsurkunde des Klosters Laach von 1093, in der die zwei Zeugen "Heinricus dux de Lembergh", der übrigens erst später Herzog von Limburg wurde und damals noch Graf war, und "Wilhelmus comes de Lutzelenburg" (1096-1129), ein Sohn Graf Konrads von Luxemburg, als "cognati mei", also als Verwandte Heinrichs von Laach bezeichnet werden. Eine Verwandtschaft Heinrichs von Laach mit den LUXEMBURGERN braucht nun keineswegs bezweifelt zu werden, und Besitzverhältnisse in dem ostfränkischen Ort Creglingen und dem hessischen Wieseckerwald machen sie dazu glaubhaft. Aber gerade das Wort "cognatus", das nur für Verwandtschaft durch weibliche Vermittlung gebraucht wird, erweist eindeutig, daß Heinrich weder ein LUXEMBURGER noch Gleiberger noch ein sonstiger Agnat dieser Häuser war, sondern lediglich von einer ihnen zugehörigen Fürstin abstammte.
Auch der letzte Versuch, die Luxemburger Zugehörigkeit Heinrichs von Laach durch die Behauptung zu erweisen, sein Nachfolger Pfalzgraf Heinrich III. sei Heinrich von Limburg, ist zum Scheiterm verdammt. Denn Heinrich von Limburg wäre von seinem Gegner Kaiser HEINRICH IV. damals nie zum Pfalzgrafen gemacht worden. Der echte Pfalzgraf Heinrich III. war vielmehr der zuweilen wegen seines großen Ansehens als "dux" bezeichnete sächsische Graf und friesische Markgraf Heinrich der Fette von Northeim. Denn dieser Heinrich der Fette war ein Enkel des ezzonischen Pfalzgrafen Otto durch die nach Ottos Schwester, der Polen-Königin Richeza, benannte Tochter Richenza, zugleich auch der Vater jener Gertrud von Northeim, deren Ehe mit Siegfried von Ballenstedt-Orlamünde und Otto von Rheineck diesen erst Ansprüche auf die rheinische Pfalzgrafschaft vermittelte.
Wer aber war nun Heinrich von Laach in Wirklichkeit? Über seine Person ist nur wenig bekannt. 1075 erscheint er, damals noch kein Pfalzgraf, als Zeuge in einer Trierer Urkunde, 1080 war er in der Schlacht an der Elster ein Befehlshaber Kaiser HEINRICHS IV., 1088 beschenkte er das ostfränkische Kloster Comburg mit Anteilen von Creglingen, 1093 stiftete er das Kloster am Laacher See, das seinen Namen mehr als alles andere verewigte, und um 1095 segnete er das Zeitliche. Vermählt war er mit Adelheid von Meissen, der Witwe seines Vorgängers Hermanns II., aus deren erster Ehe mit Adalbert von Ballenstedt der spätere Pfalzgraf Siegfried stammte, welcher als Erbe von Heinrichs Amt und Gütern, wie er ausdrücklich hervorhebt, die Laacher Gründung 1112 erst zur Tat werden ließ. Die Spuren von Heinrichs abgebrocher Burg sind heute noch auf der Landzunge am Südostufer des Sees zu erkennen.
Daß Richenza nicht Ottos einzige Tochter war, war mir schon immer bewußt, wobei ich früher in anderen Richtungen forschte. Nunmehr ist Ottos zweite Tochter in der Mutter Heinrichs von Laach und seiner Geschwister deutlich festgestellt. Daß Heinrich kein Nachkomme Hezelins war, dessen Linie mit Pfalzgraf Hermann II. erlosch, sondern dem Ast Ezzos entsproßte, ermöglicht auch, seine nicht ganz den Vorschriften entsprechende Nahehe mit der Witwe seines Vorgängers ohne größere Zerwürfnisse hinzunehmen.