Der neue Landgraf Ludwig III.,
der Fromme, setzte die staufer-treue
Politik seines Vorgängers fort. Das bedeutete, dass er unausweichlich
in den Streit
BARBAROSSAS
mit Heinrich
dem Löwen hineingezogen werden mußte. Ansatzpunkt zu
einem Konflikt zwischen dem größten thüringischen Territorialfürsten
und dem Sachsen-Herzog boten sich zahlreich. Das Kloster Homburg
bei Langensalza war ein Eigenkloster des Sachsen-Herzogs. Zweifellos auf
dem Erbwege hatte Heinrich der Löwe von den WINZENBURGERN
die Grafschaft im Leinegau erhalten, dazu kamen noch einige kleinere Comitate,
die 1144 durch den Tod Siegfrieds
von Boyneburg-Northeim an die WINZENBURGER und von diesen
ebenfalls an den WELFEN
gefallen waren. Besonders gefährlich für die Landgrafen war es,
dass Heinrich im Werratal in das northeim-boyneburgische Erbe eingetreten
war. Vermutlich stammte die Burg Hanstein aus diesem Besitz. Herzogliche
Rechte sind in Hottenhausen und Hilwartshausen nachgewiesen und dem Löwen
die Gründung von Hannoversch-Münden zugeschrieben worden. In
diesem Raume saßen auch zahlreiche welfische
Ministeriale.
Vogteirechte für das Stift Heiligenstadt scheint Heinrich an einzelnen
Orten wahregnommen zu haben. Der politische Einfluß des WELFEN
reichte auch in den Raum von Nordhausen. Dort war er Vogt über verschiedene
Güter, die zur Villication Nordhausen gehörten. BARBAROSSA
hatte 1158 der Äbtissin von Nordhausen die dortige Reichsburg und
den Königshof überlassen. Weiter östlich schloß sich
die Pfalzgrafschaft Sachsen an, die sowohl dem Sachsen-Herzog als auch
dem Landgrafen begehrenswert erscheinen mußte. Sie schob sich trennend
zwischen die welfischen Kerngebiete
und die Besitzungen Heinrichs des Löwen bei Haldensleben. Pfalzgraf
Albrecht von Sommerschenburg hatte 1163 und 1166/67 auf der Seite
der Gegner Heinrichs des Löwen gestanden. In dem Fürstenaufstand
von 1166/67 hatte Ludwig der Eiserne Haldensleben mit belagert.
Es ist nicht erklärlich, aus welchen Gründen 1177 der Pfalzgraf
auf die Seite des WELFEN übertrat.
Als Albrecht 1179 starb, nahm Heinrich der Löwe dessen Erbe für
sich in Anspruch. Die Gefahr drohte, dass die landgräflichen Besitzungen
bei Sangershausen vollkommen eingeschlossen wurden. So drückten also
die welfischen Besitzungen von Witzenhausen
bis Nordhausen auf die Landgrafschaft, und Ludwig
III. mußte sich eines Tages entscheiden, ob er sich gemäß
der traditionellen
ludowingischen Politik
auf die Seite des Kaisers oder die des Herzogs schlagen wollte.
Ein weiteres Moment machte die Politik für die Landgrafen
von Thüringen unübersichtlich. 1140 war die pfalzgräfliche
Linie der Grafen von Weimar ausgestorben. KONRAD
III. hat spätestens 1142 deren Besitzungen an Albrecht
den Bären, einen Vetter des verstorbenen Pfalzgrafen
Wilhelm, ausgegeben. Albrecht der Bär überließ
seine thüringischen Besitzungen seinem Sohn Hermann.
Vielleicht glaubte der Landgraf, den Tod Albrechts des Bären 1170
zum Anlaß nehmen zu können, um alte Erbansprüche wieder
durchzusetzen, die während der kurzen Ehe von Ludwigs
Tochter
Adelheid
mit
Ulrich
II. von Weimar
entstanden waren. Außerdem hatten die LUDOWINGER
die Vogtei über Goseck an die Mutter
Albrechts des Bären verloren. 1173 griff Ludwig
III. die ASKANIER
an. Ludwig konnte Weimar
einnehmen und zerstören. Aber BARBAROSSA
kam Ende dieses Jahres nach Thüringen und gab dadurch, dass er in
Erfurt den ASKANIER Siegfried
mit dem Bistum Brandenburg investierte, zu erkennen, dass er die ASKANIER
nicht preisgeben wollte. Anfang 1174 belagerte
Ludwig
noch
die Burg Werben (bei Weißenfels) erfolglos, dann flaute der
Kampf ab. Da bis 1175 die ASKANIER die gemeinsamen Gegner des Landgrafen
und des Sachsen-Herzogs waren, ist es verständlich, wenn Ludwig
nichts gegen den Löwen unternahm. Auch FRIEDRICH
sah ja bis zu diesem Zeitpunkt keinen Grund, gegen Heinrich den Löwen
vorzugehen. Im Sommer des kritischen Jahre 1176 weilte Ludwig
beim Kaiser in Italien. Im folgenden Jahre wurde er in Thüringen in
Kämpfe mit den Grafen von Tonna und den Grafen von Schwarzburg verwickelt.
Erwin II. von Tonna und Heinrich I. von Schwarzburg - die sich in Zukunft
immer mehr verstärkenden Beziehungen der Schwarzburger Grafen zur
Stadt Erfurt sind hier erstmalig zu erkennen - hatten die Erfurter zum
Aufstand gegen Ludwig ermuntert. Landgräfliche
Besitzungen bei Erfurt waren verwüstet und niedergebrannt worden,
der Landgraf rächte sich, indem er drei Burgen der SCHWARZBURGER zerstörte.
Vermutlich hat BARBAROSSA während
seines Aufenthaltes in Erfurt im Juli 1179 den Streit zwischen den Thüringer
Fürsten geschlichtet.
Der Wille der Fürsten, die ihnen gefährliche
Macht des WELFEN zu brechen, hatte
sich mit dem Zwang, vor den sich BARBAROSSA
schließlich doch im Interesse der Selbsterhaltung des Reiches gestellt
sah, vereinigt, und der Lauf des Rechtes hatte in der Gelnhäuser Urkunde
sein Ende gefunden, welche direkt die Aufteilung des Herzogtums Sachsen
zwischen Köln, das Westfalen erhielt, und Bernhard
von Anhalt, dem die östlichen Gebiete zugesprochen wurden,
bestimmte. Aus dem Titel Pfalzgraf, den Ludwig
III. führt, geht hervor, dass der LUDOWINGER
mit der Pfalzgrafschaft Sachsen belehnt wurde. Rund 100 Jahre, nachdem
sein Geschlecht sichtbar in die Politik eingetreten war, führte Pfalzgraf
Ludwig vor drei Herzögen die Reihe der Laienzeugen in der
Gelnhäuser Urkunde an. Von der Pfalzgrafschaft war nur der Hassegau
an die LUDOWINGER gekommen, während die Allode der SOMMERSCHENBURGER
an die Äbtissin
Adelheid von Quedlinburg, die einzige Schwester des letzten Pfalzgrafen,
gefallen waren.
Das Urteil von Gelnhausen löste den Kampf mit dem
WELFEN
aus, denn der Sachsen-Herzog war nicht bereit, es hinzunehmen. Die Erfurter
Peterschronik berichtet, nur auf Weisung des Kaisers und auf Bitten des
Erzbischofs von Köln und der übrigen Fürsten habe Ludwig
III. sein Bündnis mit Heinrich dem Löwen gebrochen.
Thüringen wurde der Schauplatz der großen Entscheidung zwischen
STAUFERN
und
WELFEN. Heinrich brannte Nordhausen
nieder, und der Landgraf, der im Auftrag
BARBAROSSAS
nach Goslar gezogen war, mußte eilends nach Thüringen zurückkehren,
konnte allerdings den Herzog, der sich schon zum Rückzug wandte, noch
bei Weißensee stellen, wurde aber mit seinem Bruder Hermann
gefangen genommen. Die Truppen der Thüringer flohen in Richtung Mühlhausen,
das aber ebenfalls vom Herzog niedergebrannt wurde. Nun fiel BARBAROSSA
in Sachsen ein, ohne stärkeren Widerstand zu finden. In Altenburg
belehnte er im Oktober Otto
von Wittelsbach mit dem Herzogtum
Bayern. Das Weihnachtsfest 1180 verbrachte er in Erfurt und sagte einen
neuen Reichsfeldzug gegen den WELFEN
für Pfingsten 1181 an. Heinrich versuchte, als der Kaiser gegen ihn
vorrückte, da die welfischen Burgen
ohne Widerstand kapitulierten und Lübeck eingenommen wurde, in letzter
Stunde das Schicksal zu wenden, dass er die beiden LUDOWINGER
in
der Hoffnung, sie könnten den Frieden vermitteln, aus der Gefangenschaft
entließ. Heinrich unterwarf sich auf dem Reichstag von Erfurt und
wurde verbannt.
Das Urteil von Gelnhausen konnte nun vollstreckt werden.
Mit dem Herzogtum Sachsen bis zur Weser wurde Bernhard von Anhalt, mit
den westlichen Teilen Philipp von Köln belehnt. In Erfurt tat BARBAROSSA
die Pfalzgrafschaft Sachsen an Hermann aus, weil Ludwigs
III. Bruder Herinrich
1180 gestorben war und Hessen vom Landgrafen selbst übernommen
wurde. In der Gelnhäuser Urkunde ist nicht gesagt, dass
Ludwig III. auch das Werratal bei
Witzenhausen bis Hannoversch-Münden und einen Streifen von Witzenhausen
bis nördlich Göttingen erhielt, doch ist dies geschehen. Damit
war die Voraussetzung für eine enge Verbindung zwischen Hessen und
Thüringen geschaffen.
Ludwig III. hat die
Gelegenheit, die sich nach dem Sturz Heinrichs des Löwen für
den Ausbau der
ludowingischen Herrschaft
in Nord-Hessen bot, genutzt. Er sicherte dem Kloster Lippoldsberg an der
Werra 1183 und 1184 Schutz und Zollbefreiung zu. An der Seite des Landgrafen
erscheinen damals die Grafen von Scharzfels und die Herren von Plesse,
die bis dahin zur Gefolgschaft Heinrichs des Löwen gehört hatten.
Das Kloster Hilwartshausen erhielt 1189 eine Schutzverleihung. Auch die
Herren von Schartenberg, früher in Verbindung mit Adalbert I. von
Mainz, dann im Gefolge Heinrichs des Löwen genannt, treten jetzt in
Beziehungen zum Landgrafen auf. Hatte noch Heinrich Raspe III. auf
gisonischen
Alloden an Sieg und Rhein vor 1174 in der Grundherrschaft Rosbach die Burg
Windeck neu erbaut und dem Grafen Engelbert von Berg zu Lehen gegeben,
so hat Ludwig III.,
als er selbst die Herrschaft in Hessen übernahm, zwischen 1180 und
1188 diese Burg, ferner die Burg Neuerburg, Wied und Bilstein,
sowie alle Allode zwischen Marburg und dem Rhein an das Erzstift Köln
verkauft. Wenn 1196 noch ein kölnischer Ministerialer in Biedenkopf
erscheint, so hat im Raum der oberen Lahn das Erzstift Köln doch bald
vor dem Erzstift Mainz zurückweichen müssen. Nachdem Konrad von
Mainz zum zweiten Male den Mainzer Stuhl bestiegen hatte, hielt er sich
mehrfach im nördlichen Teil seines Sprengels auf. An der oberen Lahn
trug Graf Werner I. von Wittgenstein die Burg Wittgenstein an Mainz
zu Lehen auf. Damit begann das Ringen von Mainz um das obere Lahntal, den
Raum Battenberg und den Zugang nach Fritzlar. Künftig ist hier eine
heftige Auseinandersetzung zwischen Mainz, den Landgrafen und den Grafen
von Wittgenstein im Gange.
Oberhalb Witzenhausen war die Verbindung zwischen den
beiden Fürstentümern Hessen und Thüringen schon vor dem
Sturz Heinrichs des Löwen verbessert worden.
BARBAROSSA hatte 1170 den Besitzwechsel von Creuzburg in Fuldaer
Eigentum an die Landgrafen gebilligt. Melsungen an der Straße von
Gudensberg nach Thüringen, vermutlich ein hesfeldisches Lehen, scheint
der Abtei durch Heinrich Raspe III. entfremdet worden zu sein. Die
Erbauung von Burg und Stadt bedeutete einen Einbruch in den sich hier erstreckenden
Hersfelder Besitzkomplex. Wann die LUDOWINGER die Burg Spangenberg
in ihren Besitz brachten, ist nicht zu erkennen. Seit ca. 1190 hatten sie
Homberg an der Efze in der Hand, und vor 1193 erbaute vermutlich Ludwig
III. Grünberg, das keine Verbindung zu anderen landgräflichen
Besitzungen hatte.
Die Politik Konrads von Mainz, die auf dem Ausbau und
die Wiederherstellung des Mainzer Territoriums angelegt war, ist auch in
Thüringen zu verfolgen: Die Rekuperationen Konrads von Mainz und die
erweiterte Machtstellung der
LUDOWINGER nach dem Sturz Heinrichs
des Löwen führten 1184 zu offenem Kampf zwischen dem Landgrafen
und dem Erzbischof. BARBAROSSA mußte
seinen Sohn HEINRICH
nach Erfurt entsenden, um den Frieden wiederherzustellen, was wesentlich
dadurch erleichtert wurde, dass beim Zusammenbruch des Verhandlungslokals
fünf Grafen von der Mainzer Partei zu Tode kamen.
Schon das gleiche Jahr brachte einen Konflikt der Landgrafen
mit den im Osten angrenzenden Markgrafen von Meißen. Diese besaßen
die Vogtei über das Hochstift Naumburg, vermutlich seit dem Ende des
11. Jahrhunderts: Seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts gehörte ihnen
die Grafschaft Camberg. Mit diesen wettinischen Besitzungen und Rechten
war der Herrschaftsbereich der LUDOWINGER eng verklammert. Sie waren
seit der Mitte des 12. Jahrhunderts Vögte über das Georgenkloster
in Naumburg. Landgraf Ludwig ist seit
1182 im Besitz von Dornburg nachzuweisen. Rechte der Markgrafen und der
Landgrafen lagen also beiderseits des Flusses: Die
LUDOWINGER gaben
acht, dass die Verbindung zwischen Dornburg und Freyburg nicht etwa durch
einen Vorstoß der WETTINER
von Camberg nach Westen gestört wurde. Güter in Porstendorf,
welche die Gebrüder von Stechau 1181 dem Kloster Pforte schenkten,
befanden sich unter der Herrschaft des Landgrafen und des Markgrafen. Auch
Zwätzen lag im Herrschaftsbereich des Landgrafen. Dort wurden Güter
an das wettinische Zisterzienserkloster Altzelle verkauft. Güter landgräflicher
Ministerialer lagen rechts der Saale. Die Markgrafen besaßen bei
Camburg die Burg Döbritschen von Mainz zu Lehen. Schmiedehausen
war Sitz markgräflicher Ministerialer. Zwischen Eckartsberga und Dornburg
befand sich also ein starker Brückenkopf der WETTINER. Nach einer
Mitteilung der Reinhardsbrunner Chronik hat sich
Ludwig
III. darüber empört, dass Markgraf
Otto von Meißen außer anderem Unrecht, das er begangen,
auch noch Güter innerhalb der Landesgrenzen gegen Geld erworben habe.
Ludwig fiel daraufhin in das markgräfliche
Gebiet ein und führte Otto als Gefangenen auf die Wartburg.
Auf einem Hoftag in Fulda versöhnte BARBAROSSA
die
Streitenden. Das Ende der Regierung Ludwigs III.
ist von allerlei Mißhelligkeiten erfüllt. Er trennte sich 1186
von seiner Gemahlin Margarete
von Cleve wegen angeblich zu naher Verwandtschaft und heiratete
die Witwe
Waldemars I. von Dänemark, einer
Tochter Romans von Halicz. Allerdings
hat der Landgraf seine Gemahlin wieder verstoßen, offenbar bevor
die kirchliche Vermählung vollzogen wurde. Mit Poppo von Henneberg,
Albrecht von Grumbach und Albrecht von Hiltenburg hat der Landgraf im März
1188 in Mainz zwar das Kreuz genommen, fand sich jedoch nicht in Regensburg
ein, "weil er durch Geschäfte in Anspruch genommen war". Erst an Peter
und Paul brach er nach Italien auf und setzte von Brindisi nach Tyrus über.
Vor Akkon reihte er sich in den Ring der Belagerer ein und wurde als Führer
des deutschen Heeres betrachtet. Bevor das Hauptheer unter Friedrich
von Schwaben vor der Festung eintraf, hatte sich der schon leidende
Landgraf bereits eingeschifft. Auf der Reise starb er am 16. Oktober
1191. Die Weichteile seiner Leiche wurden auf Cypern beigesetzt, seine
Gebeine aber über Venedig nach Reinhardsbrunn überführt.