Begraben: Kloster Scheyern
Ältester Sohn des Pfalzgrafen Otto I. von Wittelsbach
aus dem Hause der Grafen von Scheyern und der Heilika von Lengenfeld,
Erbtochter von Graf Friedrich II.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 1572
********************
Otto I., Herzog von Bayern
---------
* um 1120, + 11. Juli 1183
wohl Kehlheim Pfullendorf
Begraben: Kloster Scheyern
WITTELSBACHER, folgte seinem Vater, dem bayerischen Pfalzgrafen Otto V., 1156 in allen Befugnissen nach. Von Anfang an begegnet er oftmals im Gefolge FRIEDRICHS BARBAROSSAS, zu dessen wirkungsvollsten Parteigängern er gehörte. 1155 sicherte er dessen Rückkehr aus Italien in der Veroneser Klause, 1157 kam Otto ihm auf dem Reichstag von Besancon mit gezücktem Schwert zu Hilfe. Der Kaiser beauftragte ihn mit mehreren Missionen nach Italien. Besondere Königsnähe war die entscheidende Voraussetzung für den weiteren Aufstieg des Pfalzgrafen. Nach der Absetzung Heinrichs des Löwen 1180 belehnte FRIEDRICH I. Otto mit dem Herzogtum Bayern, das allerdings durch die Abtrennung der Steiermark territorial verkleinert wurde. Da der neue Herzog nur über eine begrenzte Machtgrundlage verfügte, sah er sich sofort dem Widerstand konkurrierender Hochadelsgeschlechter ausgesetzt. Otto wehrte sich, indem er seine Dynastie an eine alte Traditionslinie anzubinden suchte, vor allem aber seine Herrschaftsaufgaben mit Nachdruck erfüllte. Er hielt mehrere Landtage ab und begegnet in den Quellen hauptsächlich als oberster Richter im Herzogtum. Otto betrieb eine planvolle Städtepolitik, eine systematische Adelspolitik, um sich eine verlässliche Gefolgschaft aufzubauen, und eine zielgerichtete Heiratspolitik, die für die folgenden Generationen Erbansprüche begründete. Auf diesem Wege konnte er sich dank wirkungsvoller Unterstützung durch das Königtum und sie Kirche halten. Obwohl Ottos Herrschaft nur wenige Jahre währte, führte er seine Dynastie auf einen ersten Höhepunkt. Die Hauptleistung des Herzogs ist die Behauptung und Durchsetzung der WITTELSBACHERin Bayern.
Literatur:
-----------
ADB XXIV, 643-647 - C. Th. Heigel - S. O. Riezler, Das
Hzm. Bayern zur Zeit Heinrichs des Löwen und O.s I. v. Wittelsbach,
1867 - Biograph. Wb. zur dt. Gesch. II, 1974, 2102f. - Die Zeit der frühen
Hzg.e, II, hg. H. Glaser (Wittelsbach und Bayern I/2, 1980), 22f. - M.
Weitlauff, Hzg. O. I. v. Bayern (Die Wittelsbacher im Aichacher Land, hg.
T. Grad, 1980), 93-106 - Bayer. Biogr. I, hg. K. Bosl, 1983, 567 - H. Rall-M.
Rall, Die Wittelsbacher in Lebensbildern, 1986, 15-25 - Spindler(-A. Kraus)
II, 1988, 11-15.
Begraben: Kloster Scheyern
Vater:
--------
Pfalzgraf Otto IV. von Scheyern-Wittelsbach (+ 1156)
Mutter:
---------
Heilika von Lengenfeld
oo Agnes von Loon (+ 1191)
Nach der Ächtung Herzog Heinrichs des Löwen
1180 belehnte
Kaiser FRIEDRICH I. den
Grafen
Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum Bayern.
Er zeigte sich damit für treue Dienste erkenntlich.
Unter anderem hatte Otto 1155
den Rückzug aus Italien gesichert, und fungierte als Diplomat.
Otto wurde der erste wittelsbachische
Territorialherr in Bayern, dessen Dynastie erst 1918 abgesetzt wurde.
Literatur:
-----------
ADB 24; BWB 2; Reiser, D. Wittelsbacher in Bayern, 1978.
(Nach seinem Großvater väterlicherseits benannt).
F. u. eV.
(1129 als Kind) Otto
filius palatini Ensdorf 189 f n 19 f
1147 13/2 Otto et
Fridericus
comites Steierm. UB 1, 265 n 256
1149 8/5 Otto palatinus de
Witelinesbach iunior Stumpf n 3553
c 1155 Vogt von Ebersberg, Hundt, Ebersberg 173 n 63
(1156/58) Otto palatinus
maior de Wartenberg (AG Erding)
Gemahlin:
-------------
Agnes MB 9, 458 f
c 1158 Vogt von Freising Meichelbeck, Hist. Fris.
1 b, 563 vgl. 1 a 361
c 1160 Vogt von Weihenstephan MB 9, 440 f, von
Geisenfeld MB 14, 219 n 122, von Ensdorf 255 n 107
c 1165 in der Grafschaft an der Sempt als Graf
tätig DBT 3 fol. 2a
c 1170 in der Grafschaft um Ebersberg als Graf
tätig nQ 10, 224 f n 27
1175 Vogt von Niedermünster Hundt, Urkunden
98 n 94, von Obermünster QE 1, 209 f n 116
c 1179 Vogt von Schäftlarn nQ 10, 232 f n
234
1180 16/9 Altenburg mit dem Herzogtum Bayern belehnt
Annales Ratisbon. SS 17, 589; IV.
1183 25/6 Konstanz Stumpf n 4360, 4362;
+ 1183 11/7 Pfullendorf Annales Augustani SS 10,
9
begraben zu Scheyern MB 10, 401
Nekrologe: Nonnberg (9/7), Michaelbeuern Necr.
2, 70, 215, Mallersdorf, St. Emmeram, Obermünster, Weltenburg, Windberg
Necr. 3,264,319,341,377,396.
Gemahlin:
------------
(seit 1156/58 siehe oben) Agnes, Tochter Ludwigs
von Loos und Rieneck, Burggrafen von Mainz (+ 1170) und der Agnes;
1183 c 20/7 Witwe mit Sohn Ludwig MB 10, 401
+ (1192) 26/3 und in Scheyern begraben MB 10, 402
Nekrologe: Schäftlarn, Indersdorf, Weihenstephan,
Weltenburg, Windberg Necr. 3,121,180,207,373, 390.
OTTO I. (III.)
------------------
+ Pfullendorf 11. VII 1183
Begraben: Scheyern
1147 Graf
8. V 1149 PFALZGRAF VON WITTELSBACH
1161 GRAF im KELSGAU
Altenburg 16. IX 1180 Belehnung HERZOG VON BAYERN
1158 Domvogt von Freising
1160 Vogt von Weihenstephan
1129 min
oo AGNES VON LOOZ
+ 26. III 1191
Begraben: Scheyern
Tochter von Ludwig I. Graf von Loon und Rhieneck und Agnes
von Metz
OTTO I. (II./V.)
---------------------
* um 1117, + 1183
Otto I., der den Beinamen "Rotkopf" führte, war in jungen Jahren auch ein wilder Fehdehahn, besonders gegen die Bischöfe und war zeitweise gebannt beziehungsweise in Geiselhaft. Er bereitete den 1. Italienzug FRIEDRICHS I. 1154/55 diplomatisch vor und begleitete den König als dessen Bannerträger. Er rettete dem Kaiser in der Klause von Verona mit einer waghalsigen Aktion das Leben, da ein Hinterhalt gelegt worden war. Er wurde 1156 Pfalzgraf von Bayern, gehörte stets zum engsten kaiserlichen Gefolge und hätte auf dem Reichstag von Besancon den päpstlichen Legaten Roland Bandinelli (= 1159-1181 Papst Alexander III.) im Zorn fast erstochen, da dieser die Kaiserkrone als päpstliches Lehen ("Beneficium") bezeichnete. Er förderte 1159 die Wahl der kaiserlichen Gegen-Päpste Viktor IV. und Calixtus III., war als Heerführer und Diplomat oft tätig und reiste auch nach Byzanz. Als Anhänger FRIEDRICHS I. machte er den Reichskrieg gegen Heinrich den Löwen mit und wurde nach dessen Sturz am 16.9.1180 mit dem Herzogtum Bayern (ohne Steiermark) belehnt, das bis 1918 bei seiner Familie verblieb. Die Pfalzgrafschaft überließ er seinem Bruder Otto. Kurz vor seinem Tode kaufte er das Gebiet der Grafen von Dachau an. Er sicherte die Familie in Bayern durch Heiratspolitik in Bayern ab, wo manche Vasallen noch mächtiger waren als seine Familie. Er war noch in Konstanz beim Friedensschluss 1183 und auf dem Reichstag von Regensburg dabei und starb auf der Heimreise in der Nähe des Bodensees. Er galt als eine der strahlendsten Heldengestalten der STAUFER-Zeit.
oo um 1168
AGNES VON LOOZ-RIENECK,
+ um 1192
Tochter des Burggrafen Ludwig I. von Mainz, Regentin ab
1183 für den Sohn, dem sie couragiert und zupackend die Herrschaft
sichert.
Kinder:
Otto
Ende 1169-7.8. vor 1181
Kelheim Ensdorf bei Amberg
Sophie
um 1170-10.7.1238
Kelheim Eisenach
1196
oo 2. Hermann I. Landgraf von Thüringen
um 1152-26.4.1217
Heilica I.
um 1171-9.10.
Kelheim
um 1184
oo Dietrich Hallgraf von Wasserburg
um 1142-
um 1210
Agnes
um 1172- um 1200
Kelheim
1186
oo Heinrich Graf von Plain
- 1190
Richarde
um 1173-7.12.1231
Kelheim
1186
oo Otto I. Graf von Geldern und Zütphen
- vor 24.9.1207
Ludwig I. der Kelheimer
23.12.1174-15.9.1231
Heilica II.
um 1176/77-
Kelheim
um 1190
oo Adalbert III. Graf von Dillingen
- 1214
Elisabeth
um 1178/79-
Kelheim
oo Berthold III. Graf von Vohburg
-25.5.1204
Mechthild
um 1180- nach 19.3.1231
Kelheim
1209
oo Rapoto II. Graf von Ortenburg
1164-19.3.1231
Literatur:
-----------
Adalbert Prinz von Bayern: Die Wittelsbacher.
Geschichte unserer Familie. Prestel Verlag München 1979 Seite 11-23
- Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich Pustet
Regensburg 1983 Seite 567 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa.
Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 74,125,129,142,152,167,185,192,197,
228 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft
Wiesbaden 1993, Seite 35,37 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag
W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 72,97 - Hiller,
Helmut: Friedrich Barbarossa. Kaiser - Ritter - Held. Wilhelm Heine Verlag
München 1977 - Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa und seine
Zeit. Eine Chronik Paul List Verlag KG München 1977 Seite 71-356 -
Hundt,
Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach Bechtle
Verlag Esslingen München 1989 Seite 41,77 - Jordan, Karl: Heinrich
der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 57,63,67,69,156,159,176,
206,215 - Nöhbauer, Hans F.: Die Wittelsbacher. Eine europäische
Dynastie - eine deutsche Chronik Scherz Verlag Bern und München 1979
Seite 7,8,13,16,17,21,22,24,68,69,70,95,181 - Opll Ferdinand: Friedrich
Barbarossa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1998 Seite 52,42A.58,60,
61,62, 68,96,130,237,258 - Rall, Hans und Marga:
Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln
1986 Seite 16-22 - Reiser, Rudolf: Die Wittelsbacher 1180-1918 Verlag
F. Bruckmann KG, München 1979 Seite 6-9 - Reiser, Rudolf: Die
Wittelsbacher in Bayern. Franz Ehrenwirth Verlag GmbH Co. & KG. 1978
Seite 7,13-15 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln
Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998
Tafel 90 - Simonsfeld, Henry: Jahrbücher des Deutschen Reiches
unter Friedrich I., 1. Band 1152-1158, Verlag von Duncker & Humblot
Leipzig 1908 - Spindler Max: Handbuch der
bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum
bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
München - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G.
Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich
Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 50,71,
87,90,97,110,119,123,129,144,152,156,159,163,188,192,212,231,276,319 -