Otto I. von Wittelsbach                   Herzog von Bayern (16.9.1180-1183)
----------------------------                   Pfalzgraf von Wittelsbach
1117-11.7.1183                               Vogt von Freising, Weihenstephan, Geisenfeld und Ensdorf
         Pfullendorf

Begraben: Kloster Scheyern
 

Ältester Sohn des Pfalzgrafen Otto I. von Wittelsbach aus dem Hause der Grafen von Scheyern und der Heilika von Lengenfeld, Erbtochter von Graf Friedrich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 1572
********************
Otto I., Herzog von Bayern
---------
* um 1120, + 11. Juli 1183
wohl Kehlheim Pfullendorf

Begraben: Kloster Scheyern

WITTELSBACHER, folgte seinem Vater, dem bayerischen Pfalzgrafen Otto V., 1156 in allen Befugnissen nach. Von Anfang an begegnet er oftmals im Gefolge FRIEDRICHS BARBAROSSAS, zu dessen wirkungsvollsten Parteigängern er gehörte. 1155 sicherte er dessen Rückkehr aus Italien in der Veroneser Klause, 1157 kam Otto ihm auf dem Reichstag von Besancon mit gezücktem Schwert zu Hilfe. Der Kaiser beauftragte ihn mit mehreren Missionen nach Italien. Besondere Königsnähe war die entscheidende Voraussetzung für den weiteren Aufstieg des Pfalzgrafen. Nach der Absetzung Heinrichs des Löwen 1180 belehnte FRIEDRICH I. Otto mit dem Herzogtum Bayern, das allerdings durch die Abtrennung der Steiermark territorial verkleinert wurde. Da der neue Herzog nur über eine begrenzte Machtgrundlage verfügte, sah er sich sofort dem Widerstand konkurrierender Hochadelsgeschlechter ausgesetzt. Otto wehrte sich, indem er seine Dynastie an eine alte Traditionslinie anzubinden suchte, vor allem aber seine Herrschaftsaufgaben mit Nachdruck erfüllte. Er hielt mehrere Landtage ab und begegnet in den Quellen hauptsächlich als oberster Richter im Herzogtum. Otto betrieb eine planvolle Städtepolitik, eine systematische Adelspolitik, um sich eine verlässliche Gefolgschaft aufzubauen, und eine zielgerichtete Heiratspolitik, die für die folgenden Generationen Erbansprüche begründete. Auf diesem Wege konnte er sich dank wirkungsvoller Unterstützung durch das Königtum und sie Kirche halten. Obwohl Ottos Herrschaft nur wenige Jahre währte, führte er seine Dynastie auf einen ersten Höhepunkt. Die Hauptleistung des Herzogs ist die Behauptung und Durchsetzung der WITTELSBACHERin Bayern.

Literatur:
-----------
ADB XXIV, 643-647 - C. Th. Heigel - S. O. Riezler, Das Hzm. Bayern zur Zeit Heinrichs des Löwen und O.s I. v. Wittelsbach, 1867 - Biograph. Wb. zur dt. Gesch. II, 1974, 2102f. - Die Zeit der frühen Hzg.e, II, hg. H. Glaser (Wittelsbach und Bayern I/2, 1980), 22f. - M. Weitlauff, Hzg. O. I. v. Bayern (Die Wittelsbacher im Aichacher Land, hg. T. Grad, 1980), 93-106 - Bayer. Biogr. I, hg. K. Bosl, 1983, 567 - H. Rall-M. Rall, Die Wittelsbacher in Lebensbildern, 1986, 15-25 - Spindler(-A. Kraus) II, 1988, 11-15.



Bosl‘s Bayerische Biographie: Seite 567
************************
OTTO I., Herzog von Bayern
------------
* um 1120, + 11.7.1183
Kelheim       Pfullendorf bei Überlingen

Begraben: Kloster Scheyern

Vater:
--------
Pfalzgraf Otto IV. von Scheyern-Wittelsbach (+ 1156)

Mutter:
---------
Heilika von Lengenfeld

  oo Agnes von Loon (+ 1191)

Nach der Ächtung Herzog Heinrichs des Löwen 1180 belehnte Kaiser FRIEDRICH I. den Grafen Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum Bayern.
Er zeigte sich damit für treue Dienste erkenntlich.
Unter anderem hatte Otto 1155 den Rückzug aus Italien gesichert, und fungierte als Diplomat.
Otto wurde der erste wittelsbachische Territorialherr in Bayern, dessen Dynastie erst 1918 abgesetzt wurde.

Literatur:
-----------
ADB 24; BWB 2; Reiser, D. Wittelsbacher in Bayern, 1978.



GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
---------------------------------------------------------------------------------------------------
Wegener Dr. Wilhelm: Seite 244
******************
OTTO V. (I.)
------------------

(Nach seinem Großvater väterlicherseits benannt). F. u. eV.
(1129 als Kind) Otto filius palatini Ensdorf 189 f n 19 f
1147 13/2 Otto et Fridericus comites Steierm. UB 1, 265 n 256
1149 8/5 Otto palatinus de Witelinesbach iunior Stumpf n 3553
c 1155 Vogt von Ebersberg, Hundt, Ebersberg 173 n 63
(1156/58) Otto palatinus maior de Wartenberg (AG Erding)

Gemahlin:
-------------
Agnes MB 9, 458 f

c 1158 Vogt von Freising Meichelbeck, Hist. Fris. 1 b, 563 vgl. 1 a 361
c 1160 Vogt von Weihenstephan MB 9, 440 f, von Geisenfeld MB 14, 219 n 122, von Ensdorf 255 n 107
c 1165 in der Grafschaft an der Sempt als Graf tätig DBT 3 fol. 2a
c 1170 in der Grafschaft um Ebersberg als Graf tätig nQ 10, 224 f n 27
1175 Vogt von Niedermünster Hundt, Urkunden 98 n 94, von Obermünster QE 1, 209 f n 116
c 1179 Vogt von Schäftlarn nQ 10, 232 f n 234
1180 16/9 Altenburg mit dem Herzogtum Bayern belehnt Annales Ratisbon. SS 17, 589; IV.
1183 25/6 Konstanz Stumpf n 4360, 4362;
+ 1183 11/7 Pfullendorf Annales Augustani SS 10, 9
begraben zu Scheyern MB 10, 401
Nekrologe: Nonnberg (9/7), Michaelbeuern Necr. 2, 70, 215, Mallersdorf, St. Emmeram, Obermünster, Weltenburg, Windberg Necr. 3,264,319,341,377,396.

Gemahlin:
------------
(seit 1156/58 siehe oben) Agnes, Tochter Ludwigs von Loos und Rieneck, Burggrafen von Mainz (+ 1170) und der Agnes;
1183 c 20/7 Witwe mit Sohn Ludwig MB 10, 401
+ (1192) 26/3 und in Scheyern begraben MB 10, 402
Nekrologe: Schäftlarn, Indersdorf, Weihenstephan, Weltenburg, Windberg Necr. 3,121,180,207,373, 390.



Schwennicke Detlev: Tafel 90
*****************
"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1,"

OTTO I. (III.)
------------------
    + Pfullendorf 11. VII 1183

Begraben: Scheyern

1147 Graf
8. V 1149 PFALZGRAF VON WITTELSBACH
1161 GRAF im KELSGAU
Altenburg 16. IX 1180 Belehnung HERZOG VON BAYERN
1158 Domvogt von Freising
1160 Vogt von Weihenstephan
1129 min

  oo AGNES VON LOOZ
                  + 26. III 1191

Begraben: Scheyern

Tochter von Ludwig I. Graf von Loon und Rhieneck und Agnes von Metz



Thiele, Andreas: Tafel 119
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

OTTO I. (II./V.)
---------------------
* um 1117, + 1183

Otto I., der den Beinamen "Rotkopf" führte, war in jungen Jahren auch ein wilder Fehdehahn, besonders gegen die Bischöfe und war zeitweise gebannt beziehungsweise in Geiselhaft. Er bereitete den 1. Italienzug FRIEDRICHS I. 1154/55 diplomatisch vor und begleitete den König als dessen Bannerträger. Er rettete dem Kaiser in der Klause von Verona mit einer waghalsigen Aktion das Leben, da ein Hinterhalt gelegt worden war. Er wurde 1156 Pfalzgraf von Bayern, gehörte stets zum engsten kaiserlichen Gefolge und hätte auf dem Reichstag von Besancon den päpstlichen Legaten Roland Bandinelli (= 1159-1181 Papst Alexander III.) im Zorn fast erstochen, da dieser die Kaiserkrone als päpstliches Lehen ("Beneficium") bezeichnete. Er förderte 1159 die Wahl der kaiserlichen Gegen-Päpste Viktor IV. und Calixtus III., war als Heerführer und Diplomat oft tätig und reiste auch nach Byzanz. Als Anhänger FRIEDRICHS I. machte er den Reichskrieg gegen Heinrich den Löwen mit und wurde nach dessen Sturz am 16.9.1180 mit dem Herzogtum Bayern (ohne Steiermark) belehnt, das bis 1918 bei seiner Familie verblieb. Die Pfalzgrafschaft überließ er seinem Bruder Otto. Kurz vor seinem Tode kaufte er das Gebiet der Grafen von Dachau an. Er sicherte die Familie in Bayern durch Heiratspolitik in Bayern ab, wo manche Vasallen noch mächtiger waren als seine Familie. Er war noch in Konstanz beim Friedensschluss 1183 und auf dem Reichstag von Regensburg dabei und starb auf der Heimreise in der Nähe des Bodensees. Er galt als eine der strahlendsten Heldengestalten der STAUFER-Zeit.

  oo um 1168
       AGNES VON LOOZ-RIENECK,
                  + um 1192

Tochter des Burggrafen Ludwig I. von Mainz, Regentin ab 1183 für den Sohn, dem sie couragiert und zupackend die Herrschaft sichert.



1169
  oo Agnes von Loon, Tochter des Grafen Ludwig II.
       um 1150-26.3.1191
       Schloss Loon Wartenberg
 
 
 
 

Kinder:

  Otto
  Ende 1169-7.8. vor 1181
  Kelheim     Ensdorf bei Amberg

  Sophie
  um 1170-10.7.1238
  Kelheim   Eisenach

1196
  oo 2. Hermann I. Landgraf von Thüringen
           um 1152-26.4.1217

  Heilica I.
  um 1171-9.10.
  Kelheim

um 1184
    oo Dietrich Hallgraf von Wasserburg
         um 1142- um 1210

  Agnes
  um 1172- um 1200
  Kelheim

 1186
  oo Heinrich Graf von Plain
             -   1190

  Richarde
  um 1173-7.12.1231
  Kelheim

 1186
  oo Otto I. Graf von Geldern und Zütphen
              - vor 24.9.1207

  Ludwig I. der Kelheimer
  23.12.1174-15.9.1231

  Heilica II.
  um 1176/77-
  Kelheim

um 1190
    oo Adalbert III. Graf von Dillingen
                -   1214

  Elisabeth
  um 1178/79-
  Kelheim

  oo Berthold III. Graf von Vohburg
            -25.5.1204

  Mechthild
  um 1180- nach 19.3.1231
  Kelheim

 1209
  oo Rapoto II. Graf von Ortenburg
       1164-19.3.1231
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Adalbert Prinz von Bayern: Die Wittelsbacher. Geschichte unserer Familie. Prestel Verlag München 1979 Seite 11-23 - Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1983 Seite 567 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 74,125,129,142,152,167,185,192,197, 228 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 35,37 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 72,97 - Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa. Kaiser - Ritter - Held. Wilhelm Heine Verlag München 1977 - Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa und seine Zeit. Eine Chronik Paul List Verlag KG München 1977 Seite 71-356 - Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite 41,77 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 57,63,67,69,156,159,176, 206,215 - Nöhbauer, Hans F.: Die Wittelsbacher. Eine europäische Dynastie - eine deutsche Chronik Scherz Verlag Bern und München 1979 Seite 7,8,13,16,17,21,22,24,68,69,70,95,181 - Opll Ferdinand: Friedrich Barbarossa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1998 Seite 52,42A.58,60, 61,62, 68,96,130,237,258 - Rall, Hans und Marga: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1986 Seite 16-22 - Reiser, Rudolf: Die Wittelsbacher 1180-1918 Verlag F. Bruckmann KG, München 1979 Seite 6-9 - Reiser, Rudolf: Die Wittelsbacher in Bayern. Franz Ehrenwirth Verlag GmbH Co. & KG. 1978 Seite 7,13-15 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 90 - Simonsfeld, Henry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Friedrich I., 1. Band 1152-1158, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1908 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 50,71, 87,90,97,110,119,123,129,144,152,156,159,163,188,192,212,231,276,319 -