HERZOG OTTO I.
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* 1177, + 11.7.1183
Kelheim? Pfullendorf in Baden
Grabstätte: Benediktinerkloster Scheyern
um 1169 in Kelheim?
oo AGNES, GRÄFIN VON LOON (nördlich
von Lüttich)
* um 1150 Stammschloss
Loon?
+ 26.3.1191 auf
Wartenberg oder in Kelheim
Grabstätte: Benediktinerkloster Scheyern
Eltern: Ludwig II., Graf von Loon (und Burggraf von Mainz), und eine Tochter des Mainzer Burggrafen
Otto, Bayerns erster
WITTELSBACHER
Herzog, kam nicht nur durch seine eigenen Taten in und außerhalb
Bayerns 1180 zu seiner Regierungsaufgabe, sondern auch durch die seit Generationen
ererbte Verbundenheit mit einem engeren Bereich. Seine Vorfahren, Markgraf
Luitpold, der 907 an der Spitze des bayerischen Heerbanns gegen die
Ungarn fiel, und dessen Sohn Herzog Arnulf, hatten unter Einsatz
ihres Lebens immer wieder Bayern geschirmt und seine inneren Kräfte
zum Missfallen der Inhaber der fränkischen Reichsgewalt zeitgemäß
zu einem damals modernen Staat entwickelt. Obwohl ihr Geschlecht in Bayern
989 im Mannesstamm erlosch, wussten in der Zeit des ersten WITTELSBACHER
Bayern-Herzogs dieser selbst und weite Kreise um die Taten der LUITPOLDINGER
für die staatliche Existenz Bayerns. Gefahren für die eigene
Staatsexistenz hatten neben der Ungarnfrage vor allem darin bestanden,
dass die Inhaber des "regnum Francorum" zwischen 911 und 921 Herzogtümer
wie Bayern und Schwaben zu unterjochen versucht hatten. Die Markgrafen
und Stammesherzöge standen von Generation zu Generation vor der Frage,
wie sie die staatliche Kraft ihres Bereichs durch Lösung der von innen
und außen gestellten Zeitfragen bewahren und mit der von den KAROLINGERN
geschaffenen
Zentralgewalt eines größeren Verbandes, eines Reiches, zusammenarbeiten
konnten.
Die unmittelbaren Vorfahren Herzog
Ottos stammten von Arnulfs
jüngerem Bruder Berthold, waren Grafen auf dem Nordgau, Markgrafen
von Schweinfurt und Grafen an der Pegnitz im 939 untergegangenen Herzogtum
Franken gewesen und 1045 Grafen von Ebersberg, also in Bayern, geworden.
Sie wirkten außerdem als Grafen in dem Gebiet zwischen dem Mangfalltal
und Kelheim an der Donau im Herzogtum Bayern. Nach ihrer Hauptburg nannten
sie sich damals Grafen von Scheyern. Da die Burg Scheyern vom "ragenden
Bergesrücken" auf das Gebiet des Huosigaues herniederschaute, werden
die Grafen von Scheyern sogar auf das Völkerschaftskönigsgeschlecht
der HUOSI zurückgeführt, die mit den Resten ihrer Völkerschaft
in einem eigenen Bereich des bis 788 von den AGILOLFINGERN
regierten Herzogtums Bayern gelebt hatten.
Ottos gleichnamiger
Vater nannte sich später nicht mehr Graf von Scheyern, sondern nach
der neu erbauten, der ganzen Familie gemeinsamen Burg Wittelsbach
in der Landschaft der Großen Paar, einem Nebenfluss der Donau. Er
besaß außerdem in der Gegend der unteren Sempt die Burg
Wartenberg und sicherte durch solche Burgen seine Gerichtsbereiche
und Einkünfte. Der Name
WITTELSBACH
bedeutet Bach bei einem Wald. Das althochdeutsche Wort "witu" heißt
nämlich Holz, Wald. Wir können eine frühe Erwähnung
"WITTELSBACH"
auf die Jahre zwischen 1130 und 1135 datieren, da damals der Vater des
ersten Herzogs einen Vertrag mit dem Domkapitel in Freising über diesen
Wald schloss, denn er hatte von seinem Vorgänger die Vogtei, das heißt
die Ausübung der weltlichen Gerichtsrechte des Bischofs und des Domkapitels
von Freising, übernommen. Kaiser HEINRICH
V. spricht schon 1113 in einer Urkunde vom Grafen Otto
(dem Vater des späteren Herzogs) von "WITILINESBAC".
Der nunmehrige Graf Otto von
Wittelsbach heiratete um 1116 Heilika, eine der beiden
Erbtöchter des Grafen Friedrich von Burg-Lengenfeld, Hopfenohe und
Pettendorf (nördlich von Regensburg). Ein Jahr später wurde Otto,
der spätere Bayern-Herzog, geboren. Er wuchs in einer großen
Familie mit 4 Brüdern und 3 Schwestern heran. Sein Vater hatte, schon
bevor er eine Familie gründete, lange mit dem mächtigen und die
Zeitfragen mit Einsicht und Geschick anpackenden König
HEINRICH V., dem letzten aus der Dynastie der SALIER,
zusammengearbeitet, der ihn 1110 nach Rom begleitet und miterlebt, dass
dieser mit dem Papst vereinbart hatte, dass die Bischöfe im Reich
ihre weltlichen Gerichtsrechte und sich entwickelnden Herrschaftsbefugnisse
dem König zurückgeben sollten. Als der Vertrag am 12. Februar
1111 in der Peterskirche eröffnet worden und es über dem Protest
der überraschten Bischöfe zu einem Tumult gekommen war, hatte
Otto
mit Loyalität und Mut auch für die neuen Entscheidungen des Königs
seinen Einsatz geleistet und sicher von dem sich nun ergebenden Drama später
auch zu Hause erzählt. Die Bischöfe hatten die Entscheidung des
Papstes für "Häresie" erklärt und die anwesenden Fürsten
für sich gewonnen, der König aber hatte das volle Recht gefordert,
von sich aus Bischöfe und Äbte mit ihren weltlichen Gerichtsrechten
auszustatten, also sie nach dem deutschen Recht der Besitzeinweisung damit
zu bekleiden, das heißt zu investieren. Darum war es schon im Investiturstreit
zwischen HEINRICH IV. und Papst Gregor
VII. eine Generation vorher gegangen. Naturgemäß hatte HEINRICH
V. auch seine Kaiserkrönung in Rom gewünscht. Papst
Paschalis II. aber war umgefallen und hatte seinen Vertrag mit dem König
für ungültig erklärt, sich obendrein geweigert, ihn zum
Kaiser zu krönen. Daraufhin hatte König
HEINRICH mit Hilfe Ottos den Papst und seine Kardinäle
gefangengenommen. Zwei Monate später hatte der Papst den letzten SALIER
gekrönt.
Ottos
Sohn
wusste wohl um all das, als er 1157 im Streit des Kaisers
FRIEDRICH ROTBART mit dem Legaten des Papstes drohend das Schwert
aus der Scheide riss.
Kaiser HEINRICH V. setzte
im März 1121 auf einem Reichstag zu Regensburg diesen in Bayern alteingesessenen
Grafen
Otto als Pfalzgrafen im Herzogtum ein, das heißt, er ließ
sich als Reichsoberhaupt durch den nunmehrigen Pfalzgrafen als letzte Gerichtsinstanz
und als Verwalter seines Königsguts im Herzogtum Bayern vertreten.
Ottos
persönliches
Verhalten, seine Loyalität, dürfte der eine Grund dafür
gewesen sein, Otto in dieses Amt einzusetzen. Der andere lag wohl
in Ottos
Verwurzelung in Bayern. Denn dieser konkurrierte durch
seine neue Tätigkeit mit dem WELFEN-Herzog,
aber auch mit den Grafen, die außer
Otto im Herzogtum in ihren
Grafschaften über Leben und Tod zu richten, zu verwalten und im Kriegsfall
das militärische Aufgebot auf die Beine zu bringen hatten. Der spätere
erste WITTELSBACHER
Bayern-Herzog bekam
mit dem Pfalzgrafenamt des Vaters eine vererbbare Aufgabe fast noch in
die Wiege gelegt. Das Zusammenwirken der Reichsgewalt zog damals und später
auch Folgen nach sich, damals, als Papst Kalixt II. am 25. Juni 1120 Otto
befahl, als Sühne für seine Mitwirkung an der Gefangennahme des
Papstes Paschalis II. ein Augustinerkloster zu stiften. Er rief dieses
wohl 1124 in Indersdorf ins Leben. Friedrich, sein zweiter Sohn,
trat als Witwer in seinen späteren Lebensjahren in dieses Kloster
als Laienmönch ein und machte dort sein Testament. Es ist bis heute
erhalten. Am 3. April 1119 starb Ottos
Großvater mütterlicherseits, Graf Friedrich von Burg-Lengenfeld-Hopfenohe-Pettendorf.
Dadurch wurde Ottos Vater als dessen
Schwiegersohn auch der Erbe seiner Rechte und Pflichten. Zu diesen gehörte
nicht nur die Ausübung der Grafenbefugnisse, sondern auch die von
Friedrich für sein Seelenheil und das Andenken seiner Familie geplante
Klostergründung. Dieser Verpflichtung verdankt das Kloster Ensdorf
seine Entstehung im Jahr 1121. Sie hing mit Friedrichs enger Beziehung
zu Bischof Otto des Heiligen von Bamberg (1103-1139) zusammen, der im Geiste
der Hirsauer Reform auch auf das Leben in den Klöstern in Bayern einwirkte
und weltliche und kirchliche Rechte auf dem Nordgau des Herzogtums besaß.
Der Bamberger Bischof Otto holte aus Sankt Blasien im Schwarzwald Abt und
Mönche für Ensdorf. Wenn auch der Bischof dort das Recht der
libertas Bambergensis einführte, gelang es dem Pfalzgrafen Otto,
durch Vereinbarung mit dem Bischof Vogt des Klosters zu werden und diese
Rechte der Familie zu vererben. Im Kapitelsaal des Klosters wurden
Ottos
Schwiegereltern,
seine Schwägerin Heilwig und deren Gatte und Söhne, in der Kirche
neben dem Hochaltar später Pfalzgraf Otto selbst und seine
Frau Heilika
beigesetzt.
Als die Familie die Burg Scheyern wenigstens teilweise
als Wohnsitz aufgab, wurde dort ein weiteres Kloster eingerichtet. Die
Mönche, die von Eisenhofen-Petersberg kamen, schlossen ihren Umzug
spätestens 1123 ab. Unter seinen eigenen Brüdern hatte der spätere
Bayern-Herzog in einem tieferen religiösen Bereich verwurzelte Persönlichkeiten,
nicht nur den späteren Laien-Mönch Friedrich von Indersdorf:
Ulrich wurde 1156, im Todesjahr des Vaters, Domherr in Freising
und starb bereits 1160 als Propst von Innichen; Konrad wirkte als
Erzbischof in Salzburg und in Mainz im Zeichen großer religiöser
Verantwortung und starb erst im Jahr 1200.
Wenn auch Pfalzgraf Otto und seine vier Söhne
den Bewegungen in der Kirche aufgeschlossen gegenüberstanden, so ergaben
sich doch aber immer wieder Komplikationen. Nach dem Tod des 1125 gewählten
König
LOTHARS VON SUPPLINBURG 1137 entstand ein Konkurrenzkampf zwischen
den im Herzogtum Bayern regierenden
WELFEN
und den STAUFERN im Herzogtum Schwaben.
Der STAUFER setzte sich 1138 als KONRAD
III. durch und hörte auf seinen Halbbruder Otto, den Bischof
von Freising, der ein Sohn des Markgrafen Leopold III. von der Ostmark
und einer Tochter des letzten salischen Kaisers
war. König KONRAD nahm für
seinen bischöflichen Onkel Stellung, als dieser in seinem zeitkritischen
Werk "Chronicon seu historia de duabus civitatibus" den Niedergang
des diesseitigen Reiches beklagte, das den Menschen zustehe. Dabei stellte
er den Bayern-Herzog Arnulf so hin, als wäre er aus
Ungarn zurückgekommen, um die Zügel des Reiches zu ergreifen.
Arnulf, der von König HEINRICH
zum Frieden gebracht worden sei, sei ein Mann ohne verantwortungsbewusstes
Denken und ohne Sein für Gerechtigkeit gewesen. Die WITTELSBACHER
würden von ihm abstammen. Das empfand der junge Otto
bei
der Öffentlichkeit, die das Werk des Bischofs erreichte, als eine
Beleidigung. Deshalb scheint er den Bischof während eines Hochamtes
im Freisinger Dom mit groben Worten angegriffen zu haben; jedenfalls behandelte
er ihn ohne Achtung vor seiner kirchlichen Würde. Darauf schloss ihn
Ende 1150 der Papst bis zu einer Sühneleistung aus der Kirche aus.
KONRAD
III. belagerte den Pfalzgrafen und seine Söhne 1151 in
ihrer Burg Kelheim. Als der Vater dem König die Burg übergab,
musste er einen seiner Söhne als Geisel stellen. Da kam es 1152 zu
einem Thronwechsel im Reich. Der neue STAUFER-König
FRIEDRICH I. BARBAROSSA hob den Streit auf. Er nahm weniger
Rücksicht auf seinen BABENBERGER Onkel; Bischof Otto von Freising,
gab dem Grafen Konrad III. von Dachau, einem WITTELSBACHER,
das Herzogtum Meranien (Dalmatien, Kroatien) und ließ sich nach Verhandlungen
seit Juni 1156 vom BABENBERGER Herzog Heinrich Jasomirgott 1156 das Herzogtum
Bayern zurückgeben, trennte die Ostmark davon ab und gab sie als Herzogtum
den BABENBERGERN zurück. Das verkleinerte Herzogtum Bayern aber verlehnte
er am 8. September 1156 an den WELFEN
Heinrich den Löwen, den er bereits im Oktober 1155 in dieses Herzogtum
eingewiesen hatte.
In dem entscheidenden Jahr starb am 4. August 1156 der
alte WITTELSBACHER Pfalzgraf, und sein
Sohn Otto übernahm seine Rechte
und Pflichten auch als Pfalzgraf. Als solcher war er dem König
aber nicht unterworfen, wie seine Bezeichnung auf seinem Spitzovalsiegel
mit dem Reichsadler verrät: Otto dei gratia
(Otto von Gottes Gnaden). Grafen waren nicht nur in bezug auf
Eheschließungen den Herzogs- und Königsfamilien ebenbürtig,
sondern überhaupt dem Herzog oder König mehr nachgestellt als
unterstellt. Ottos Hauswappen war der
Zackenbalken, den noch sein Sohn und Nachfolger Ludwig führte.
Bereits im Jahr 1155 zog König
FRIEDRICH wie einst KARL DER GROSSE
oder OTTO DER GROSSE und andere nach
Rom, um sich dort vom Papst zum Kaiser des Römischen Reiches krönen
zu lassen. Geordnete Verhältnisse vor allem in Oberitalien waren jedem
nach Rom zur Krönung fahrenden König eine Notwendigkeit. Schon
in Ober-Italien wollten sich die Städte dem STAUFER
FRIEDRICH I. nicht fügen. Verona war den Deutschen genauso
feindlich gesinnt wie Mailand. FRIEDRICH,
begleitet auch von dem 38-jährigen Grafen
Otto von Wittelsbach, wurde am 11. Juni in Rom gekrönt.
Als er zurückkehrte, versuchten die Veroneser, ihn und sein Heer beim
Übergang über die Etsch zu vernichten. Es war vergeblich. Daraufhin
besetzten sie eine Anhöhe, wahrscheinlich eine natürliche Felsenburg,
die oberhalb des Engpasses lag, welche die Deutschen passieren mussten.
Von einer Felsplatte, die der Geschichtsschreiber Bischof Otto von Freising
als Burg (arx) erwähnt, warfen sie, nachdem die Vorhut vorbeigezogen
war, große Felsbrocken hinab, um das Heer zu vernichten. Hinter der
Anhöhe ragten hohe Felsklippen empor; BARBAROSSA
erteilte in dieser Not nach Beratung mit zwei ortskundigen Veronesern Otto
von Wittelsbach den Auftrag, mit 200 besonders ausgewählten
jungen Männern jene Felsen zu übersteigen und den Feinden in
den Rücken zu fallen. Nach großen Anstrengungen erreichten sie
die bis dahin für unbesteigbar gehaltenen Felsen oberhalb der Anhöhe,
und Otto von Wittelsbach entfaltete
unter den Schlachtrufen seiner Begleiter das Banner des Kaisers, während
von unten her das Heer zum Angriff heraneilte. Den Feinden war damit der
Fluchtweg abgeschnitten, Kaiser und Heer waren gerettet.
Im Jahr darauf verbrachte Kaiser
FRIEDRICH das Pfingstfest bei Otto
von Wittelsbach, der eben damals Nachfolger seines Vaters als
Pfalzgraf wurde, auf einer seiner Burgen, wahrscheinlich der von Kelheim.
Wir wissen nicht, ob die
WITTELSBACHER
unter den Grafen waren, die bereits 1155 Heinrich dem Löwen Mannschaft
und Treue schwuren, aber da zwei WITTELSBACHER
Grafen von Valley schon 1140 die Führer der Erhebung in Bayern gegen
den aufgedrungenen BABENBERGER Herzog Leopold waren, liegt die Vermutung
nahe, dass die WITTELSBACHER weder
von den BABENBERGERN als den Herzögen von Bayern noch von einem Herzogtum
der Ostmark unter einem BABENBERGER etwas wissen wollten. Die Vermutung
wird noch wahrscheinlicher, wenn man an das häufig geradezu feindselige
Verhältnis des BABENBERGER Bischofs Otto von Freising zu seinem Domvogt,
dem späteren Herzog Ottodenkt,
dessen Vorfahren dieses Amt seit 1047 innehatten. Mit Sicherheit aber können
wir sagen, dass der Neffe des 1158 verstorbenen Freisinger Bischofs, Kaiser
FRIEDRICH BARBAROSSA, dagegen zu diesem Pfalzgrafen
Ottoin einem geradezu freundschaftlichen Verhältnis stand.
Der Bischof bezeichnete den WITTELSBACHER
als einen Vertrauten des Kaisers, und Otto
rechtfertigte dieses Vertrauen dadurch, dass er immer wieder
die Politik des Kaisers unterstützte. Als BARBAROSSA
im Oktober 1157 nach Besancon in Burgund zog, um die Huldigung des Großen
und die Glückwünsche der Gesandten Siziliens, Tusziens und Venedigs,
Frankreichs, Spaniens und Englands entgegenzunehmen, befand sich auch Otto
unter seinen Begleitern. Mitunter trat er sogar sehr leidenschaftliche
auf, wenn es um die Sache des Kaisers ging, zum Beispiel als es in Besancon
wegen des Anspruches der Suprematie des Papstes gegenüber dem Kaiser
zu einem Streit zwischen diesem und den Gesandten des Papstes kam. Als
der Kanzler der Kurie, Roland - der spätere Papst Alexander III. -,
die Frage aufwarf, von wem der Kaiser denn das Reich empfangen habe, wenn
nicht vom Papste, zog Otto in jähem
Zorn sein Schwert. Die päpstlichen Gesandten mussten am anderen Tag
unverrichteter Dinge nach Rom zurückkehren. Auf einem weiteren Zug
nach Italien begleitete Otto den Kaiser
zusammen mit dem Kanzler Reinald (Rainald) von Dassel, empfing zusammen
mit diesem als Vertreter des Kaisers in Mailand und Tortona den Treueid
und errang für den Kaiser glänzende Erfolge. Aus Urkunden wissen
wir, dass er sehr häufig zu den Begleitern BARBAROSSAS
zählte. Im Interesse des Kaisers waltete er 1163 bis 1167 als Graf
am Gardasee. Zusammen mit Heinrich Jasomirgott von Österreich
wurde Pfalzgraf Otto 1166 zu dem im
Glanz seiner Erfolge strahlenden
Kaiser Manuel
I. von Byzanz (1142-1180) entsandt.
Ottos Bruder Konrad
wurde 1161 durch BARBAROSSA Erzbischof
von Mainz und erwies sich bald als eine außerordentliche geistige
und politische Persönlichkeit. Mit der als Naturerkennerin und Ärztin,
Denkerin und Dichterin berühmten Äbtissin Hildegard von Rupertsberg
bei Bingen, die auch wegen ihrer Visionen und Ratschläge sehr angesehen
war, korrespondierte er 1165 über das Böse, das von Gott nicht
geschaffen sei, und wurde von ihr ermahnt, immer Gerechtigkeit zu üben.
Er handelte dementsprechend, als er es für seine gewissensbedingte
Treue zu Papst Alexander III. in Kauf nahm, dass er nach seiner Flucht
zum Papst 1165 vom Kaiser seines Amtes enthoben wurde. Denn dieses war
mit den Geschäften als Kanzler für Deutschland verbunden. Nach
dem Friedensschluss zwischen Kaiser und Papst 1177 wurde er zu Ottos
Vorteil
Erzbischof von Salzburg. 1183 bis 1200 wirkte er wieder als Erzbischof
von Mainz. Gegen Ende seines Lebens führte er den sogenannten Deutschen
Kreuzzug an und krönte im Auftrag des Papstes 1198 Leo
II. zum König von Armenien.
Otto selbst machte
auf die Zeitgenossen durch seine Tatkraft und sein Äußeres
starken Eindruck. Er hatte schwarzes Haar, große Augen
und eine rötliche Haut. Mit 52 Jahren heiratete er Agnes,
die 19-jährige Tochter des Grafen Ludwig II. von Loon (Looz) bei Lüttich,
der zugleich Burggraf von Mainz, der Stadt des Reichskanzlers, war. Sie
schenkte Otto bis 1180 neun Kinder,
darunter 1169 einen ersten Sohn, der Otto genannt wurde, aber schon
mit 12 Jahren starb. Als Nachfolger stand nun der erst 1173 oder 1174 geborene
Ludwig heran. Agnes schlug später zwischen Ober- und
Nieder-Deutschland kulturelle Brücken, als sie das Servatiuslied des
Heinrich von Veldeke ins Oberdeutsch-Bayerische übertragen ließ.
Eine gewisse Servatiusverehrung gab es in Bayern schon früher. Schon
1171 war Ottos Stellung
unter den Großen so stark, dass ihn der damals mit dem Kaiser zusammenarbeitende
Herzog Heinrich der Löwe vor seinem Kreuzzug 1172 zu seinem Stellvertreter
im Herzogtum Bayern machte. Damals nahm Otto
mit seiner Gemahlin Agnes seinen Wohnsitz auf der Burg
Wartenberg und hatte zu Langenpreisingen Grundbesitz.
Für Otto war
es wohl ein Zeichen politischen und militärischen Vertrauens und auch
persönlicher Verbundenheit, als ihn der Kaiser am 16. September 1180
in Altenburg in Thüringen mit dem Herzogtum Bayern belehnte.
Dieses war unter dem nun abgesetzten Herzog Heinrich dem Löwen, der
zugleich Herzog von Sachsen gewesen war, allmählich nur noch ein Nebenland
geworden. Bezeichnenderweise wirkte die Kanzlei, die Ottos
Vorgänger geschaffen hatte, von Braunschweig aus. Nur ein
Referent behandelte die bayerischen Angelegenheiten, wenn der Herzog in
einer Sache im Herzogtum Bayern entschied. Wenn der neue Herzog
Otto einen Rechtsakt durch eine Urkunde festhalten wollte, ließ
er sie in der Kanzlei eines Klosters in der Nähe seines Entscheidungsortes
schreiben; der noch übliche Zeugenbeweis machte die damals sehr schwierige
Einrichtung einer Kanzlei nicht vordringlich. Entscheidend war, dass Otto
häufiger als seine Vorgänger Landtage wieder in Bayern abhielt.
Er saß auch persönlich zu Gericht. Ottos
Regierungstätigkeit bedeutete so einen staatlichen Neuanfang für
Bayern. Seine Lage war umso schwieriger, als er zum Zeitpunkt seiner Belehnung
nur vier oder fünf Grafschaften im Herzogtum besaß und der Kaiser
1182 die Grafen von Andechs zu Herzögen von Meranien einsetzt, als
dessen Inhaber, der WITTELSBACHER Konrad
III. von Dachau, gestorben war, ohne Söhne zu hinterlassen.
Otto hatte sich schon auf dem ersten
Landtag im November 1180 in Regensburg bei den meisten bayerischen Grafen
durchgesetzt und wurde immer mehr der Herr im Lande.
BARBAROSSA wollte
den ersten WITTELSBACHER Herzog Bayerns
wie überhaupt die Herzöge in keiner starken Stellung haben und
schuf deshalb eine Anzahl kleinerer Herzogtümer, die von ihm in erhöhtem
Grad abhängig waren. So trennte er schon 1180, als er Otto
belehnte, die Steiermark von Bayern ab und machte sie zu einem
eigenen Herzogtum. In Bayerns Hauptstadt Regensburg und auf dem Nordgau
schuf er sich eigene Positionen. Sogar die Ministerialen auf dem Nordgau
wurden oft zugleich als Reichsministerialen in seinen Dienst gestellt.
Die staufischen Rechte
auf dem Nordgau ließ er von Nürnberg und Eger aus verwalten.
Sogar die Gründung Münchens durch Heinrich den Löwen 1158
suchte er 1180 rückgängig zu machen. Otto
hielt eben deswegen zur Stärkung seiner Stellung als Herzog in Bayern
Landtage in Pleinting bei Vilshofen und sogar in Amberg auf dem Nordgau,
auf dem der Kaiser seine eigenen Söhne zu Inhabern von Rechten und
Lehen gemacht hatte. Durch die Landtage stärkte er auch Bayerns Verfassung.
Otto
hielt die Zügel der Politik in Bayern fest in seinen Händen.
In 24 nachweisbaren Fällen bestätigte oder regelte er als Herzog
Besitzrechte in der Grafschaft Falkenstein und in verschiedenen Klöstern
auch auf dem Nordgau und sogar in St. Emmeran in Regensburg. 1183
reiste Otto nach Konstanz, um dort
zusammen mit BARBAROSSA den Friedensschluss
mit den lombardischen Städten durchzuführen. Auf der Heimreise
nach Bayern ereilte ihn am 11. Juli 1183 in Pfullingen in der Nähe
des Bodensees der Tod. Er selbst hatte sich das Kloster Scheyern als Ruhestätte
auserwählt, wo bereits die von Konrad III. von Dachau in sein
Eigentum übernommene Partikel des Kreuzes Christi lag (Forschungen
von Michael Stephan). Zwei Söhne des Kaisers standen mit den WITTESLBACHERN
an seinem Sarg, als er bestattet wurde.