Rall Hans und Marga: Seite 15-22
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"Die Wittelsbacher"

HERZOG OTTO I.
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* 1177, + 11.7.1183
Kelheim? Pfullendorf in Baden

Grabstätte: Benediktinerkloster Scheyern

 um 1169 in Kelheim?
  oo AGNES, GRÄFIN VON LOON (nördlich von Lüttich)
       * um 1150 Stammschloss Loon?
       + 26.3.1191 auf Wartenberg oder in Kelheim

Grabstätte: Benediktinerkloster Scheyern

Eltern: Ludwig II., Graf von Loon (und Burggraf von Mainz), und eine Tochter des Mainzer Burggrafen

Otto, Bayerns erster WITTELSBACHER Herzog, kam nicht nur durch seine eigenen Taten in und außerhalb Bayerns 1180 zu seiner Regierungsaufgabe, sondern auch durch die seit Generationen ererbte Verbundenheit mit einem engeren Bereich. Seine Vorfahren, Markgraf Luitpold, der 907 an der Spitze des bayerischen Heerbanns gegen die Ungarn fiel, und dessen Sohn Herzog Arnulf, hatten unter Einsatz ihres Lebens immer wieder Bayern geschirmt und seine inneren Kräfte zum Missfallen der Inhaber der fränkischen Reichsgewalt zeitgemäß zu einem damals modernen Staat entwickelt. Obwohl ihr Geschlecht in Bayern 989 im Mannesstamm erlosch, wussten in der Zeit des ersten WITTELSBACHER Bayern-Herzogs dieser selbst und weite Kreise um die Taten der LUITPOLDINGER für die staatliche Existenz Bayerns. Gefahren für die eigene Staatsexistenz hatten neben der Ungarnfrage vor allem darin bestanden, dass die Inhaber des "regnum Francorum" zwischen 911 und 921 Herzogtümer wie Bayern und Schwaben zu unterjochen versucht hatten. Die Markgrafen und Stammesherzöge standen von Generation zu Generation vor der Frage, wie sie die staatliche Kraft ihres Bereichs durch Lösung der von innen und außen gestellten Zeitfragen bewahren und mit der von den KAROLINGERN geschaffenen Zentralgewalt eines größeren Verbandes, eines Reiches, zusammenarbeiten konnten.
Die unmittelbaren Vorfahren Herzog Ottos stammten von Arnulfs jüngerem Bruder Berthold, waren Grafen auf dem Nordgau, Markgrafen von Schweinfurt und Grafen an der Pegnitz im 939 untergegangenen Herzogtum Franken gewesen und 1045 Grafen von Ebersberg, also in Bayern, geworden. Sie wirkten außerdem als Grafen in dem Gebiet zwischen dem Mangfalltal und Kelheim an der Donau im Herzogtum Bayern. Nach ihrer Hauptburg nannten sie sich damals Grafen von Scheyern. Da die Burg Scheyern vom "ragenden Bergesrücken" auf das Gebiet des Huosigaues herniederschaute, werden die Grafen von Scheyern sogar auf das Völkerschaftskönigsgeschlecht der HUOSI zurückgeführt, die mit den Resten ihrer Völkerschaft in einem eigenen Bereich des bis 788 von den AGILOLFINGERN regierten Herzogtums Bayern gelebt hatten.
Ottos gleichnamiger Vater nannte sich später nicht mehr Graf von Scheyern, sondern nach der neu erbauten, der ganzen Familie gemeinsamen Burg Wittelsbach in der Landschaft der Großen Paar, einem Nebenfluss der Donau. Er besaß außerdem in der Gegend der unteren Sempt die Burg Wartenberg und  sicherte durch solche Burgen seine Gerichtsbereiche und Einkünfte. Der Name WITTELSBACH bedeutet Bach bei einem Wald. Das althochdeutsche Wort "witu" heißt nämlich Holz, Wald. Wir können eine frühe Erwähnung "WITTELSBACH" auf die Jahre zwischen 1130 und 1135 datieren, da damals der Vater des ersten Herzogs einen Vertrag mit dem Domkapitel in Freising über diesen Wald schloss, denn er hatte von seinem Vorgänger die Vogtei, das heißt die Ausübung der weltlichen Gerichtsrechte des Bischofs und des Domkapitels von Freising, übernommen. Kaiser HEINRICH V. spricht schon 1113 in einer Urkunde vom Grafen Otto (dem Vater des späteren Herzogs) von "WITILINESBAC".
Der nunmehrige Graf Otto von Wittelsbach heiratete um 1116 Heilika, eine der beiden Erbtöchter des Grafen Friedrich von Burg-Lengenfeld, Hopfenohe und Pettendorf (nördlich von Regensburg). Ein Jahr später wurde Otto, der spätere Bayern-Herzog, geboren. Er wuchs in einer großen Familie mit 4 Brüdern und 3 Schwestern heran. Sein Vater hatte, schon bevor er eine Familie gründete, lange mit dem mächtigen und die Zeitfragen mit Einsicht und Geschick anpackenden König HEINRICH V., dem letzten aus der Dynastie der SALIER, zusammengearbeitet, der ihn 1110 nach Rom begleitet und miterlebt, dass dieser mit dem Papst vereinbart hatte, dass die Bischöfe im Reich ihre weltlichen Gerichtsrechte und sich entwickelnden Herrschaftsbefugnisse dem König zurückgeben sollten. Als der Vertrag am 12. Februar 1111 in der Peterskirche eröffnet worden und es über dem Protest der überraschten Bischöfe zu einem Tumult gekommen war, hatte Otto mit Loyalität und Mut auch für die neuen Entscheidungen des Königs seinen Einsatz geleistet und sicher von dem sich nun ergebenden Drama später auch zu Hause erzählt. Die Bischöfe hatten die Entscheidung des Papstes für "Häresie" erklärt und die anwesenden Fürsten für sich gewonnen, der König aber hatte das volle Recht gefordert, von sich aus Bischöfe und Äbte mit ihren weltlichen Gerichtsrechten auszustatten, also sie nach dem deutschen Recht der Besitzeinweisung damit zu bekleiden, das heißt zu investieren. Darum war es schon im Investiturstreit zwischen HEINRICH IV. und Papst Gregor VII. eine Generation vorher gegangen. Naturgemäß hatte HEINRICH V. auch seine Kaiserkrönung in Rom gewünscht. Papst Paschalis II. aber war umgefallen und hatte seinen Vertrag mit dem König für ungültig erklärt, sich obendrein geweigert, ihn zum Kaiser zu krönen. Daraufhin hatte König HEINRICH mit Hilfe Ottos den Papst und seine Kardinäle gefangengenommen. Zwei Monate später hatte der Papst den letzten SALIER gekrönt. Ottos Sohn wusste wohl um all das, als er 1157 im Streit des Kaisers FRIEDRICH ROTBART mit dem Legaten des Papstes drohend das Schwert aus der Scheide riss.
Kaiser HEINRICH V. setzte im März 1121 auf einem Reichstag zu Regensburg diesen in Bayern alteingesessenen Grafen Otto als Pfalzgrafen im Herzogtum ein, das heißt, er ließ sich als Reichsoberhaupt durch den nunmehrigen Pfalzgrafen als letzte Gerichtsinstanz und als Verwalter seines Königsguts im Herzogtum Bayern vertreten. Ottos persönliches Verhalten, seine Loyalität, dürfte der eine Grund dafür gewesen sein, Otto in dieses Amt einzusetzen. Der andere lag wohl in Ottos Verwurzelung in Bayern. Denn dieser konkurrierte durch seine neue Tätigkeit mit dem WELFEN-Herzog, aber auch mit den Grafen, die außer Otto im Herzogtum in ihren Grafschaften über Leben und Tod zu richten, zu verwalten und im Kriegsfall das militärische Aufgebot auf die Beine zu bringen hatten. Der spätere erste WITTELSBACHER Bayern-Herzog bekam mit dem Pfalzgrafenamt des Vaters eine vererbbare Aufgabe fast noch in die Wiege gelegt. Das Zusammenwirken der Reichsgewalt zog damals und später auch Folgen nach sich, damals, als Papst Kalixt II. am 25. Juni 1120 Otto befahl, als Sühne für seine Mitwirkung an der Gefangennahme des Papstes Paschalis II. ein Augustinerkloster zu stiften. Er rief dieses wohl 1124 in Indersdorf ins Leben. Friedrich, sein zweiter Sohn, trat als Witwer in seinen späteren Lebensjahren in dieses Kloster als Laienmönch ein und machte dort sein Testament. Es ist bis heute erhalten. Am 3. April 1119 starb Ottos Großvater mütterlicherseits, Graf Friedrich von Burg-Lengenfeld-Hopfenohe-Pettendorf. Dadurch wurde Ottos Vater als dessen Schwiegersohn auch der Erbe seiner Rechte und Pflichten. Zu diesen gehörte nicht nur die Ausübung der Grafenbefugnisse, sondern auch die von Friedrich für sein Seelenheil und das Andenken seiner Familie geplante Klostergründung. Dieser Verpflichtung verdankt das Kloster Ensdorf seine Entstehung im Jahr 1121. Sie hing mit Friedrichs enger Beziehung zu Bischof Otto des Heiligen von Bamberg (1103-1139) zusammen, der im Geiste der Hirsauer Reform auch auf das Leben in den Klöstern in Bayern einwirkte und weltliche und kirchliche Rechte auf dem Nordgau des Herzogtums besaß. Der Bamberger Bischof Otto holte aus Sankt Blasien im Schwarzwald Abt und Mönche für Ensdorf. Wenn auch der Bischof dort das Recht der libertas Bambergensis einführte, gelang es dem Pfalzgrafen Otto, durch Vereinbarung mit dem Bischof Vogt des Klosters zu werden und diese Rechte der Familie zu vererben. Im Kapitelsaal des Klosters wurden Ottos Schwiegereltern, seine Schwägerin Heilwig und deren Gatte und Söhne, in der Kirche neben dem Hochaltar später Pfalzgraf Otto selbst und seine Frau Heilika beigesetzt.
Als die Familie die Burg Scheyern wenigstens teilweise als Wohnsitz aufgab, wurde dort ein weiteres Kloster eingerichtet. Die Mönche, die von Eisenhofen-Petersberg kamen, schlossen ihren Umzug spätestens 1123 ab. Unter seinen eigenen Brüdern hatte der spätere Bayern-Herzog in einem tieferen religiösen Bereich verwurzelte Persönlichkeiten, nicht nur den späteren Laien-Mönch Friedrich von Indersdorf: Ulrich wurde 1156, im Todesjahr des Vaters, Domherr in Freising und starb bereits 1160 als Propst von Innichen; Konrad wirkte als Erzbischof in Salzburg und in Mainz im Zeichen großer religiöser Verantwortung und starb erst im Jahr 1200.
Wenn auch Pfalzgraf Otto und seine vier Söhne den Bewegungen in der Kirche aufgeschlossen gegenüberstanden, so ergaben sich doch aber immer wieder Komplikationen. Nach dem Tod des 1125 gewählten König LOTHARS VON SUPPLINBURG 1137 entstand ein Konkurrenzkampf zwischen den im Herzogtum Bayern regierenden WELFEN und den STAUFERN im Herzogtum Schwaben. Der STAUFER setzte sich 1138 als KONRAD III. durch und hörte auf seinen Halbbruder Otto, den Bischof von Freising, der ein Sohn des Markgrafen Leopold III. von der Ostmark und einer Tochter des letzten salischen Kaisers war. König KONRAD nahm für seinen bischöflichen Onkel Stellung, als dieser in seinem zeitkritischen Werk "Chronicon seu historia de duabus civitatibus" den Niedergang des diesseitigen Reiches beklagte, das den Menschen zustehe. Dabei stellte er den Bayern-Herzog Arnulf so hin, als wäre er aus Ungarn zurückgekommen, um die Zügel des Reiches zu ergreifen. Arnulf, der von König HEINRICH zum Frieden gebracht worden sei, sei ein Mann ohne verantwortungsbewusstes Denken und ohne Sein für Gerechtigkeit gewesen. Die WITTELSBACHER würden von ihm abstammen. Das empfand der junge Otto bei der Öffentlichkeit, die das Werk des Bischofs erreichte, als eine Beleidigung. Deshalb scheint er den Bischof während eines Hochamtes im Freisinger Dom mit groben Worten angegriffen zu haben; jedenfalls behandelte er ihn ohne Achtung vor seiner kirchlichen Würde. Darauf schloss ihn Ende 1150 der Papst bis zu einer Sühneleistung aus der Kirche aus. KONRAD III. belagerte den Pfalzgrafen und seine Söhne 1151 in ihrer Burg Kelheim. Als der Vater dem König die Burg übergab, musste er einen seiner Söhne als Geisel stellen. Da kam es 1152 zu einem Thronwechsel im Reich. Der neue STAUFER-König FRIEDRICH I. BARBAROSSA hob den Streit auf. Er nahm weniger Rücksicht auf seinen BABENBERGER Onkel; Bischof Otto von Freising, gab dem Grafen Konrad III. von Dachau, einem WITTELSBACHER, das Herzogtum Meranien (Dalmatien, Kroatien) und ließ sich nach Verhandlungen seit Juni 1156 vom BABENBERGER Herzog Heinrich Jasomirgott 1156 das Herzogtum Bayern zurückgeben, trennte die Ostmark davon ab und gab sie als Herzogtum den BABENBERGERN zurück. Das verkleinerte Herzogtum Bayern aber verlehnte er am 8. September 1156 an den WELFEN Heinrich den Löwen, den er bereits im Oktober 1155 in dieses Herzogtum eingewiesen hatte.
In dem entscheidenden Jahr starb am 4. August 1156 der alte WITTELSBACHER Pfalzgraf, und sein Sohn Otto übernahm seine Rechte und Pflichten auch als Pfalzgraf. Als solcher war er dem König aber nicht unterworfen, wie seine  Bezeichnung auf seinem Spitzovalsiegel mit dem Reichsadler verrät: Otto dei gratia (Otto von Gottes Gnaden). Grafen waren nicht nur in bezug auf Eheschließungen den Herzogs- und Königsfamilien ebenbürtig, sondern überhaupt dem Herzog oder König mehr nachgestellt als unterstellt. Ottos Hauswappen war der Zackenbalken, den noch sein Sohn und Nachfolger Ludwig führte.
Bereits im Jahr 1155 zog König FRIEDRICH wie einst KARL DER GROSSE oder OTTO DER GROSSE und andere nach Rom, um sich dort vom Papst zum Kaiser des Römischen Reiches krönen zu lassen. Geordnete Verhältnisse vor allem in Oberitalien waren jedem nach Rom zur Krönung fahrenden König eine Notwendigkeit. Schon in Ober-Italien wollten sich die Städte dem STAUFER FRIEDRICH I. nicht fügen. Verona war den Deutschen genauso feindlich gesinnt wie Mailand. FRIEDRICH, begleitet auch von dem 38-jährigen Grafen Otto von Wittelsbach, wurde am 11. Juni in Rom gekrönt. Als er zurückkehrte, versuchten die Veroneser, ihn und sein Heer beim Übergang über die Etsch zu vernichten. Es war vergeblich. Daraufhin besetzten sie eine Anhöhe, wahrscheinlich eine natürliche Felsenburg, die oberhalb des Engpasses lag, welche die Deutschen passieren mussten. Von einer Felsplatte, die der Geschichtsschreiber Bischof Otto von Freising als Burg (arx) erwähnt, warfen sie, nachdem die Vorhut vorbeigezogen war, große Felsbrocken hinab, um das Heer zu vernichten. Hinter der Anhöhe ragten hohe Felsklippen empor; BARBAROSSA erteilte in dieser Not nach Beratung mit zwei ortskundigen Veronesern Otto von Wittelsbach den Auftrag, mit 200 besonders ausgewählten jungen Männern jene Felsen zu übersteigen und den Feinden in den Rücken zu fallen. Nach großen Anstrengungen erreichten sie die bis dahin für unbesteigbar gehaltenen Felsen oberhalb der Anhöhe, und Otto von Wittelsbach entfaltete unter den Schlachtrufen seiner Begleiter das Banner des Kaisers, während von unten her das Heer zum Angriff heraneilte. Den Feinden war damit der Fluchtweg abgeschnitten, Kaiser und Heer waren gerettet.
Im Jahr darauf verbrachte Kaiser FRIEDRICH das Pfingstfest bei Otto von Wittelsbach, der eben damals Nachfolger seines Vaters als Pfalzgraf wurde, auf einer seiner Burgen, wahrscheinlich der von Kelheim. Wir wissen nicht, ob die WITTELSBACHER unter den Grafen waren, die bereits 1155 Heinrich dem Löwen Mannschaft und Treue schwuren, aber da zwei WITTELSBACHER Grafen von Valley schon 1140 die Führer der Erhebung in Bayern gegen den aufgedrungenen BABENBERGER Herzog Leopold waren, liegt die Vermutung nahe, dass die WITTELSBACHER weder von den BABENBERGERN als den Herzögen von Bayern noch von einem Herzogtum der Ostmark unter einem BABENBERGER etwas wissen wollten. Die Vermutung wird noch wahrscheinlicher, wenn man an das häufig geradezu feindselige Verhältnis des BABENBERGER Bischofs Otto von Freising zu seinem Domvogt, dem späteren Herzog Ottodenkt, dessen Vorfahren dieses Amt seit 1047 innehatten. Mit Sicherheit aber können wir sagen, dass der Neffe des 1158 verstorbenen Freisinger Bischofs, Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA, dagegen zu diesem Pfalzgrafen Ottoin einem geradezu freundschaftlichen Verhältnis stand. Der Bischof bezeichnete den WITTELSBACHER als einen Vertrauten des Kaisers, und Otto rechtfertigte dieses Vertrauen dadurch, dass er immer wieder die Politik des Kaisers unterstützte. Als BARBAROSSA im Oktober 1157 nach Besancon in Burgund zog, um die Huldigung des Großen und die Glückwünsche der Gesandten Siziliens, Tusziens und Venedigs, Frankreichs, Spaniens und Englands entgegenzunehmen, befand sich auch Otto unter seinen Begleitern. Mitunter trat er sogar sehr leidenschaftliche auf, wenn es um die Sache des Kaisers ging, zum Beispiel als es in Besancon wegen des Anspruches der Suprematie des Papstes gegenüber dem Kaiser zu einem Streit zwischen diesem und den Gesandten des Papstes kam. Als der Kanzler der Kurie, Roland - der spätere Papst Alexander III. -, die Frage aufwarf, von wem der Kaiser denn das Reich empfangen habe, wenn nicht vom Papste, zog Otto in jähem Zorn sein Schwert. Die päpstlichen Gesandten mussten am anderen Tag unverrichteter Dinge nach Rom zurückkehren. Auf einem weiteren Zug nach Italien begleitete Otto den Kaiser zusammen mit dem Kanzler Reinald (Rainald) von Dassel, empfing zusammen mit diesem als Vertreter des Kaisers in Mailand und Tortona den Treueid und errang für den Kaiser glänzende Erfolge. Aus Urkunden wissen wir, dass er sehr häufig zu den Begleitern BARBAROSSAS zählte. Im Interesse des Kaisers waltete er 1163 bis 1167 als Graf am Gardasee. Zusammen mit Heinrich Jasomirgott von Österreich wurde Pfalzgraf Otto 1166 zu dem im Glanz seiner Erfolge strahlenden Kaiser Manuel I. von Byzanz (1142-1180) entsandt.
Ottos Bruder Konrad wurde 1161 durch BARBAROSSA Erzbischof von Mainz und erwies sich bald als eine außerordentliche geistige und politische Persönlichkeit. Mit der als Naturerkennerin und Ärztin, Denkerin und Dichterin berühmten Äbtissin Hildegard von Rupertsberg bei Bingen, die auch wegen ihrer Visionen und Ratschläge sehr angesehen war, korrespondierte er 1165 über das Böse, das von Gott nicht geschaffen sei, und wurde von ihr ermahnt, immer Gerechtigkeit zu üben. Er handelte dementsprechend, als er es für seine gewissensbedingte Treue zu Papst Alexander III. in Kauf nahm, dass er nach seiner Flucht zum Papst 1165 vom Kaiser seines Amtes enthoben wurde. Denn dieses war mit den Geschäften als Kanzler für Deutschland verbunden. Nach dem Friedensschluss zwischen Kaiser und Papst 1177 wurde er zu Ottos Vorteil Erzbischof von Salzburg. 1183 bis 1200 wirkte er wieder als Erzbischof von Mainz. Gegen Ende seines Lebens führte er den sogenannten Deutschen Kreuzzug an und krönte im Auftrag des Papstes 1198 Leo II. zum König von Armenien.
Otto selbst machte auf die Zeitgenossen durch seine Tatkraft und sein Äußeres starken Eindruck. Er hatte schwarzes Haar, große Augen und eine rötliche Haut. Mit 52 Jahren heiratete er Agnes, die 19-jährige Tochter des Grafen Ludwig II. von Loon (Looz) bei Lüttich, der zugleich Burggraf von Mainz, der Stadt des Reichskanzlers, war. Sie schenkte Otto bis 1180 neun Kinder, darunter 1169 einen ersten Sohn, der Otto genannt wurde, aber schon mit 12 Jahren starb. Als Nachfolger stand nun der erst 1173 oder 1174 geborene Ludwig heran. Agnes schlug später zwischen Ober- und Nieder-Deutschland kulturelle Brücken, als sie das Servatiuslied des Heinrich von Veldeke ins Oberdeutsch-Bayerische übertragen ließ. Eine gewisse Servatiusverehrung gab es in Bayern schon früher. Schon 1171 war Ottos Stellung unter den Großen so stark, dass ihn der damals mit dem Kaiser zusammenarbeitende Herzog Heinrich der Löwe vor seinem Kreuzzug 1172 zu seinem Stellvertreter im Herzogtum Bayern machte. Damals nahm Otto mit seiner Gemahlin Agnes seinen Wohnsitz auf der Burg Wartenberg und hatte zu Langenpreisingen Grundbesitz.
Für Otto war es wohl ein Zeichen politischen und militärischen Vertrauens und auch persönlicher Verbundenheit, als ihn der Kaiser am 16. September 1180 in Altenburg in Thüringen mit dem Herzogtum Bayern belehnte. Dieses war unter dem nun abgesetzten Herzog Heinrich dem Löwen, der zugleich Herzog von Sachsen gewesen war, allmählich nur noch ein Nebenland geworden. Bezeichnenderweise wirkte die Kanzlei, die Ottos Vorgänger geschaffen hatte, von Braunschweig aus. Nur ein Referent behandelte die bayerischen Angelegenheiten, wenn der Herzog in einer Sache im Herzogtum Bayern entschied. Wenn der neue Herzog Otto einen Rechtsakt durch eine Urkunde festhalten wollte, ließ er sie in der Kanzlei eines Klosters in der Nähe seines Entscheidungsortes schreiben; der noch übliche Zeugenbeweis machte die damals sehr schwierige Einrichtung einer Kanzlei nicht vordringlich. Entscheidend war, dass Otto häufiger als seine Vorgänger Landtage wieder in Bayern abhielt. Er saß auch persönlich zu Gericht. Ottos Regierungstätigkeit bedeutete so einen staatlichen Neuanfang für Bayern. Seine Lage war umso schwieriger, als er zum Zeitpunkt seiner Belehnung nur vier oder fünf Grafschaften im Herzogtum besaß und der Kaiser 1182 die Grafen von Andechs zu Herzögen von Meranien einsetzt, als dessen Inhaber, der WITTELSBACHER Konrad III. von Dachau, gestorben war, ohne Söhne zu hinterlassen. Otto hatte sich schon auf dem ersten Landtag im November 1180 in Regensburg bei den meisten bayerischen Grafen durchgesetzt und wurde immer mehr der Herr im Lande.
BARBAROSSA wollte den ersten WITTELSBACHER Herzog Bayerns wie überhaupt die Herzöge in keiner starken Stellung haben und schuf deshalb eine Anzahl kleinerer Herzogtümer, die von ihm in erhöhtem Grad abhängig waren. So trennte er schon 1180, als er Otto belehnte, die Steiermark von Bayern ab und machte sie zu einem eigenen Herzogtum. In Bayerns Hauptstadt Regensburg und auf dem Nordgau schuf er sich eigene Positionen. Sogar die Ministerialen auf dem Nordgau wurden oft zugleich als Reichsministerialen in seinen Dienst gestellt.
Die staufischen Rechte auf dem Nordgau ließ er von Nürnberg und Eger aus verwalten. Sogar die Gründung Münchens durch Heinrich den Löwen 1158 suchte er 1180 rückgängig zu machen. Otto hielt eben deswegen zur Stärkung seiner Stellung als Herzog in Bayern Landtage in Pleinting bei Vilshofen und sogar in Amberg auf dem Nordgau, auf dem der Kaiser seine eigenen Söhne zu Inhabern von Rechten und Lehen gemacht hatte. Durch die Landtage stärkte er auch Bayerns Verfassung.
Otto hielt die Zügel der Politik in Bayern fest in seinen Händen. In 24 nachweisbaren Fällen bestätigte oder regelte er als Herzog Besitzrechte in der Grafschaft Falkenstein und in verschiedenen Klöstern auch auf dem Nordgau und sogar in St. Emmeran in Regensburg. 1183 reiste Otto nach Konstanz, um dort zusammen mit BARBAROSSA den Friedensschluss mit den lombardischen Städten durchzuführen. Auf der Heimreise nach Bayern ereilte ihn am 11. Juli 1183 in Pfullingen in der Nähe des Bodensees der Tod. Er selbst hatte sich das Kloster Scheyern als Ruhestätte auserwählt, wo bereits die von Konrad III. von Dachau in sein Eigentum übernommene Partikel des Kreuzes Christi lag (Forschungen von Michael Stephan). Zwei Söhne des Kaisers standen mit den WITTESLBACHERN an seinem Sarg, als er bestattet wurde.