FRANGIPANI
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 688
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Frangipani
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Stadtrömisches Adelsgeschlecht mit Blütezeit im 12. Jh.

Die genealogische Abkunft wird auf die nichtadliege römische Familie der DE IMPERATORE zurückgeführt, von der im frühen 11. Jh. einzelne Mitglieder die Bezeichnung 'FRANGIPANEM' oder ähnliches als Beinamen führten. Im Laufe des 11. Jh. sind die FRANGIPANI mehrmals als Parteigänger der Reformpäpste belegt. In der Folgezeit bemühten sie sich, die Vorherrschaft in Rom zu erringen und traten immer dann besonders in Erscheinung, wenn dorrt die großen Konflikte zwischen Papsttum und Kaisertum ausgetragen wurden. In der 1. Hälfte des 12. Jh. waren sie in den ausgehenden Investiturstriet und in die innerkirchlichen Auseinandersetzungen zwischen Alt-Gregorianern und der Partei des Kardinals Haimerich verstrickt, wobei Cencio und Leone Fangipani an den Papstwahlen von 1118,1124 und 1130 einen gewissen Anteil hatten und zeitweise auch die Sache Kaiser HEINRICHS V. vertraten. Immer standen die FRANGIPANI dabei in einem schroffen Interessengegensatz zur Familie der PIERLEONI. Im Verlauf des Schismas nach 1159 erwiesen sich die FRANGIPANI als die wichtigsten Anhänger Alexanders III. gegen Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA und dessen Gegen-Papst Viktor IV. Während dieser Zeit erlebten sie den Höhepunkt ihrer Macht, was sich auch durch weitreichende diplomatische Kontakte und durch die Eheverbindung von Ottone Frangipani des Älteren mit einer byzantinischen Prinzessin dokumentiert. 1186 kam es mit dem durch Ottone Frangipani dem Jüngeren vollzogenen Wechsel zur Partei König HEINRICHS VI. zum Bruch in der bis dahin meist auf das Papsttum ausgerichteten politischen Linie der Familie. Noch in der Zeit nach 1239 standen die FRANGIPANI im Konflikt zwischen Gregor IX. und FRIEDRICH II. auf der Seite des Kaisers und mußten dabei 1244 die Zerstörung ihres wichtigsten Platzes in Rom, der Torre Cartolaria, und dessen Übergang an die rivalisierenden ANNIBALDI hinnehmen. Spätestens für diesen Zeitpunkt wird eine starke Einbuße an politischen Einfluß in der Stadt offenkundig. Später traten sie wieder in Gegensatz zu den STAUFERN, was schließlich dazu führte, dass Giovanni Frangipani 1268 den nach der Schlacht von Tagliacozzo nach Torre Astura geflohenen Konradin an Karl von Anjou auslieferte. Danach trat die politische Wirksamkeit der FRANGIPANI wirksam zurück.
Grundlage der Autorität der FRANGIPANI war ihre Stellung in Rom und Latium. Das Zentrum ihrer ausgedehnten Besitzungen in der Stadt selbst lag im Umkreis der Ruinen des Forum Romanum zwischen Palatin und Kolosseum, wo alle drei Zweige der Familie, die Frangipani de Cartolaria, die Frangipani de Septemsoliis und die Frangipani de Gradellis, ihre festen Plätze hatten. In dieser Region lag auch das "Hausstift" der Familie, die Kirche S. Maria Nova. Nach Zerstörung ihrer Türme durch den Capitano del popolo Brancaleone di Andalo (1257) und Kaiser LUDWIG DEN BAYERN (1328) scheint die Familie ihren Schwerpunkt innerhalb der Stadt nach Trastevere verlagert zu haben. Seit dem Ende des 12. Jh. benutzten die FRANGIPANI, wie andere Familien der Stadt auch, den Senat, das Führungsorgan der stadtrömischen Kommune, als Instrument ihrer Familienpolitik. Die Kontakte der Iacoba de Semptemsolii zu Franziskus von Assisi geben Hinweise auf mögliche Beziehungen der Familie zum frühen Franziskanertum.
Noch wenig untersucht sind die ausgedehnten Besitzungen der FRANGIPANI im südlichen Latium und im Norden des Königreiches Sizilien mit ihren Zentren Terracina, Torre Astura und Sezze. Sie kamen zum Teil als Ausgleich. Sie kamen zum teil als Ausgleich für das Engagement für Papst oder Kaiser in den Besitz der Familie, mit denen die FRANGIPANI auf diese Weise auch über das Lehnsrecht verbunden waren.

Literatur:
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DHGE XVIII, 997ff. - ECatt V, 1696f. - Enclt XVI, 23f. - LThK IV, 252ff. - F. Ehrle SJ; Die F. und der Untergang des Archivs und der Bibl. der Päpste am Anfang des 13. Jh. (Mel. offerts a E. Chatelain, 1910), 448-485 - W. Klewitz, Das Ende des Reformpapsttums, DA 3, 1939, 371-412 - J. Petersohn, Ks., Papst und praefectura Urbis zw. Alexander III. und Innozenz III., QFIAB 69, 1980, 157-188.



Literatur:
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Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978 Band I Seite 714/ Band II Seite 122,175 -