Ludwig VII. der Junge                   König von Frankreich (1137-1180)
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1120-19.9.1180
         Kloster Saint-Port

Begraben: Kloster Notre-Dame-de-Barbeu nahe Fontainebleau
 

2. Sohn des Königs Ludwig VI. der Dicke von Frankreich aus dem Hause der KAPETINGER aus seiner 2. Ehe mit der Adelheid von Savoyen, Tochter von Graf Humbert II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2183
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Ludwig VII., König von Frankreich 1137-1180
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     + 18. September 1180
      Paris

Begraben: Notre-Dame-de-Barbeau

1. oo Eleonore, Erbin des Herzogtums Aquitanien (geschieden 1152)

2. oo 1153/54 Konstanze von Kastilien (+ 1160)

3. oo 1160 Adela von Champagne

Nach dem Tod des älteren Bruders Philipp am 25. ktober 1131 auf dem Konzil von Reims durch Papst Innozenz II. geweiht, folgte Ludwig VII. seinem am 1. August 1137 verstorbenen Vater, Ludwig VI. Wesentliche Aufgaben und Entwicklungen seiner Herrschaft waren vorgezeichnet: Die langsame Konsolidierung der Krondomäne stellte das Königtum in Konkurrenz zu mächtigen Vasallen, unter denen die Häuser BLOIS-CHAMPAGNE und ANJOU herausragten. Die Durchsetzung Graf Gottfrieds von Anjou als normannischer Herzog und seines Sohnes, Heinrichs II., 1154 als englischer König bedrohten im ganzen 12. Jh.die kapetingische Monarchie. Durch wiederholte Eingriffe in familiäre Auseinandersetzungen der PLANTAGENETS vermochte Ludwig VII. zwar seine Lehnshoheit für den angiovinischen Festlandsbesitz zu behaupten. Doch der aus der Ehe mit Eleonore erhoffte Anfall Aquitaniens und der Ausgriff ins Midi, dem Ludwig VII. 1137-1154 durch die erweiterte Intitulatio rex Francorum et dux Aquitanorum Ausdruck verlieh, scheiterte: Angeblich wegen zu naher Verwandtschaft, tatsächlich wegen tiefer Entfremdung der Eheleute kam es 1152 zur Scheidung, Eleonore führte ihr Erbe dem zweiten Gemahl, Heinrich II., zu.
Im Kerngebiet seiner Monarchie, in der Francia, fand Ludwig VII. einen 'entourage du roi' vor, der sich in tiefgreifendem sozialen und  funktionalen Wandel befand. Die großen Hofämter des Feudalaldels wurden zunehmend zu Ehrenämtern, während das Königtum zur Bewältigung der administrativen Aufgaben in einer sich verdichtenden Herrschaft auf neue Gruppen kleiner Dienstleute, loyal ergeben und durch Heiratsverbindungen Konsistenz gewinnend, zurückgriff. Die monarchische Suzeränität fand seit 1145 in der Bezeichnung aller Vasallen ohne Ansehen ihres Ranges in der Lehnshierarchie als barones Ausdruck, und die Konsolidierung erwies sich im Wiederauftreten großer Versammlungen von Prälaten und Baronen (1146 Vezelay, 1147 Etampes, 1155 Soissons, 1173 Paris, 1179 Reims), wo unter Ludwigs VII. Vorsitz Grundzüge der Politik beraten wurden. Ihre Bewährung bestand die kapetingische Verwaltung während Ludwigs Kreuzzug 1147/49, als Abt Suger von St-Denis mit Erzbischof Samson von Reims und Seneschall Rudolf von Vermandois die Regentschaft führte. Die Lösung administrativer Handlungen von der konkreten Person des Königs beförderte eine transpersonale Institutionalisierung von Herrschaft.
Offenbar aus eigenem Antrieb, vielleicht durch ein persönliches Bekehrungserlebnis befördert, hatte sich Ludwig VII. 1145 zum Kreuzzug entschlossen. Nach Verhandlungen mit der Kurie, beeinflußt von der Kreuzzugspredigt Bernhards von Clairvaux, nahm Ludwig VII. 1146 in Vezelay das Kreuz und zog 1147 mit einem französischen Heer nach Konstantinopel. Der weitere Vormarsch führte in die katastrophale Niederlage bei Laodikeia Anfang 1148; zu Schiff nach Antiochia gerettet, beteiligte sich Ludwig VII. an einem Feldzug gegen Damaskus und kehrte 1149 nach Frankreich zurück. Das Bündnis mit dem Papsttum vertiefte sich im Alexandrinischen Schisma seit 1159. Nach anfänglichem Zögern und nach dem Scheitern einer Begegnung mit Kaiser FRIEDRICH I. bei St-Jean-de-Losne (29. August 1162) ergriff Ludwig VII. die Partei Alexanders III., der 1162-1165 in Frankreich Zuflucht fand. Der Sieg über die kaiserlichen Gegen-Päpste stärkte den eigenständigen Rang der westeuropäischen Monarchien und trug in der Kontinuität fränkisch-französischer Bindungen an die Nachfolger Petri zur Kennzeichnung des französischen Königs als rex christianissimus bei.
Im eigenem regnum festigte Ludwig VII. seinen Einfluß auf den Kronepiskopat. Fernen Bistümern und Abteien bot der König vielfältigen Rückhalt gegen lokale Potentaten und baute damit neue Ansatzpunkte in königsfernen Regionen (Burgund, Languedoc) auf, gekoppelt mit einem neuen Interesse am französischen Süden im Gefolge der Auseinandersetzungen mit Heinrich II. von England. Die unangefochtene Stellung im Reich demonstrierte Ludwig VII. 1179 auf einem Hoftag in Paris, wo er der Versammlung seinem 1165 geborenen Sohn, Philipp II., als König präsentierte und nur noch die Akklamation entgegennahm.


Brandenburg Erich: Tafel 18 Seite 37
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 263 a. LUDWIG VI., König von Frankreich 1137
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* 1120, + 1189 19. IX.

Gemahlinnen:
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a) 1137 22. VII.
Eleonore, Tochter des Grafrn Wilhelm VIII. von Poitou (siehe XIII. 81.) oIo 1152 18. III.
       +

b) 1154
Constanze, Tochter König Alfons VII. von Kastilien (siehe XIII. 232.)
       + 1160 4. X.

c) 1160 13. XI.
Alix, Tochter des Grafen Theodbald II. von Champage (siehe XIII. 70.)
      + 1206 4. VI.


Ludwig VII. der Junge wurde nach dem Tod seines älteren Bruders Philipp (+ 13.10.1131) bereits am 15. Oktober 1131 in Reims gekrönt und durch den Papst Innocenz II. geweiht. Unter seiner Regierung trat zunächst ein Rückschlag ein. Seine Beteiligung am 2. Kreuzzug hatte ähnlich wie die KONRADS III. ungünstige innenpolitische Folgen. In seiner Abwesenheit erkämpfte Gottfried von Anjou sein Recht auf die Normandie gegen Stephan von England; es entstand jetzt im Westen Frankreichs ein großer Länderblock, der das Königtum vom Meere abschnitt. Als sich Ludwig nun gar von seiner Gemahlin Eleonore von Aquitanien trennte, brachte diese den ANJOUS ihr ganzes weite Teile von Mittel- und S-Frankreich umfassendes Heiratsgut zu; es entstand jetzt eine paradoxe Situation, die man als "angevinische Umklammerung" bezeichnet hat. Die Lage wurde noch schwieriger, als Heinrich Plantagenet 1154 auch noch König von England wurde. Die Zusammenkunft von Vancouleurs zwischen Ludwig VII. und Kaiser FRIEDRICH I. (Februar 1171) war das Vorspiel des späteren staufisch-kapetingischen Bündnisses.
Ludwig VII. wurde im Kloster Notre-Dame-de-Barbeau (nahe Fontainebleau) beigesetzt.

Pernoud Regine: Seite 11-29
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"Die Kapetinger" in: Die großen Dynastien

Ludwig VII. (1137-1180) verdankte die Krone einzig und allein einem Sturz vom Pferd, der seinem Bruder Philipp das Leben gekostet hatte. Ludwig der Jüngere war wie sein Vater in der Abtei Saint-Denis erzogen worden, und es ist anzunehmen, dass er aus Neigung dort geblieben wäre, wenn man ihn nicht eines Tages (1131, er war 11 Jahre alt) geholt hätte, um ihn, wie es der Brauch wollte, zum Mit-König einzusetzen. Er kehrte jedoch nach Saint-Denis zurück, um seine Studien zu vollenden, die ihn zu einem überaus gelehrten König machten. Er hatte mehrere Brüder; einer von ihnen, Heinrich, wurde später Erzbischof von Reims und ein anderer, Philipp, Dekan von Saint-Martin de Tours. Durch das im Feudalsystem verankerte Erstgeburtsrecht war der Thronerbe von vornherein durch das Blut bestimmt. Ohne Zweifel begehrte Ludwigs Bruder Robert, Graf von Dreux, ebenfalls die Krone; er schmiedete ein Komplott, das aber von Suger mit großem Geschick aufgedeckt wurde.
Die Mitgift, die Eleonore von Aquitanien ihrem jungen Gatten - sie waren zusammen kaum mehr als 30 Jahre alt - in die Ehe einbrachte, stellte den König von Frankreich in materieller Hinsicht mit einem Schlag auf eine Stufe mit dem reichsten seiner Vasallen. Was Ludwig VI. im Laufe seines Lebens erworben hatte, waren nicht mehr als ein paar Morgen Land in der Grafschaft Corbeil, einige Burgen um Gatinais und Orleanais, besonders die von Montlhery, von der aus der König lange Zeit an einem friedlichen Verkehr zwischen Paris und Etampes gehindert worden war. Und nun kamen die unermeßlich großen Ländereien des Grafen von Poitiers, Herzog von Aquitanien, hinzu, die sich von der Loire bis zu den Pyrenäen erstreckten. Das königliche Siegel - es zeigte den König "als Majestät", auf seinem Throne sitzend, die Krone auf dem Haupt und das Zepter in der Hand - trug fortan auf der Rückseite das Bild des Herrschers zu Pferde mit der Inschrift dux Aquitanorum, Herzog Aquitaniens; und sichtlich stand das Ritterliche dem Königlichen in nichts nach, wenn man nur nach der Ausdehnung der Ländereien und dem Ertrag, den sie einbrachten, urteilt.
Die Frau, die nach der Sitte der Zeit "Königin von Gottes Gnaden" wurde, war eine Persönlichkeit, die ihresgleichen suchte. Zudem befand sie sich in vollkommenen Einklang mit einer Zeit, in der die Frau dem Manne höchst anspruchsvoll entgegentrat, in der sie Liebe und Respekt  zugleich von ihm empfing und in der Lyrik und Romanen wurde sie zur unumschränkten Herrin erhoben. In dem jungen Hausstand führte die Königin das Regiment. Das war nicht neu; unter Robert dem Frommen und unter Philipp war es nicht anders gewesen, und das gilt für die Mehrzahl der großen Dynastien der Feudalzeit. Ludwig war in seine Frau unsterblich verliebt. Eleonore war schön; von einer so außergewöhnlichen Schönheit ließen sich die Zeitgenossen ohne Ausnahme entwaffnen. War Bertrade nun aber die Hauptursache dafür gewesen, dass ihr Gatte in seiner Lethargie verharrte, so kann man ähnliches von Eleonore nicht behaupten. Ungestüm und unternehmend im Übermaß, stürzte sie ihren Gatten in unentwirrbare Konflikte. Sie entzweite ihn nacheinander mit seiner Mutter, mit seinem ergebenen Ratgeber Suger und selbst mit dem Papst, indem sie sich über die Freiheit der Wahlen innerhalb der Kirche hinwegsetzte und das Bistum Bourges einem Kandidaten ihrer Wahl übertrag. Sie zwang Ludwig, gegen die Einwohner von Poitiers mit Härte vorzugehen (Poitiers, die Stadt ihrer Pairs, ihre eigene Hauptstadt!), weil sie eine Kommune gründen, sich also durch Eid von jeglicher Autorität eines Lehnsherrn befreien wollten. Weiter veranlaßte Eleonore ihren Gatten zu einem recht unvernünftigen Feldzug gegen die Grafschaft Toulouse, die Wilhelm IX. einst abgetreten hatte und die sie wieder unter ihre direkte Herrschaft zu bringen suchte. Aber dies alles war noch belanglos, verglichen mit den Streitigkeiten, die sie mit dem Haus CHAMPAGNE vom Zaune brach, einem bis dahin treuen Verbündeten der KAPETINGER. Und wozu dies alles? Um die Verheiratung ihrer jüngeren Schwester Petronelle zu fördern, die ein Auge auf einen Vertrauten des Hofes geworfen hatte, welcher mit der Schwester des Grafen von Champagne verheiratet war und sich auf Petronelles Betreiben hin scheiden ließ. Es kam zu einem Feldzug auf das Gebiet der Champagne, in dessen Verlauf die Truppen eine Kirche in Brand steckten, in welche sich die Bevölkerung geflüchtet hatte. Dies geschah in Vitry, das seitdem Vitry-le-Brule genannt wird (frz. bruler = verbrennen). Dieses schreckliche Ereignis übte indessen auf Ludwig eine heilsame Wirkung. Er besann sich und rief Suger zurück. Aus dem Heiligen Land gelangten schlechte Nachrichten nach Frankreich; man erfuhr, dass die Grafschaft Edessa, vor einem halben Jahrhundert unter größten Schwierigkeiten zurückerobert, erneut in die Hände der Sarazenen gefallen war. Da beschloß das Königspaar zu einem Kreuzzug aufzubrechen.
Zum erstenmal geschah es, dass ein König und eine Königin von Frankreich sich gemeinsam ins Heilige Land aufmachten. Eleonore traf ihre Vorbereitungen mit der gleichen fieberhaften Betriebsamkeit, mit der sie alle Unternehmungen, die sie begeisterten, anpackte. So fand sich, als der königliche Geleitzug sich am 12. Mai 1147 in Bewegung setzte - sowohl der König als auch die Königin hatten in Saint-Denis Pilgergewänder angelegt -, in seinen Reihen  eine stattliche Zahl von Herren aus Aquitanien, der Gascogne, aus Poitiers und dem Limousin. Es waren viele Vasallen, die Wert darauf legten, ihre Fürstin zu begleiten.
Ihre Anwesenheit jedoch sollte dem Unternehmen nicht von Nutzen sein. Bei der Durchquerung Anatoliens beschwor ihre Zügellosigkeit eine Katastrophe herauf. Die Vorhut, die sie unter Führung Geoffroys von Rancon gebildet hatten, hatte sich leichtfertig vom Rest der Expedition getrennt. Das Gros der Armee, mit Gepäck und Wagen belastet, wurde buchstäblich in Stücke gerissen und verdankte seine Rettung einzig und allein dem raschen Eingreifen des Königs, der das Kommando über die Nachhut übernommen hatte. Um die Angriffe der Türken zurückzuschlagen, vollbrachte er wahre Wunder an Tapferkeit. Fast wäre der Kreuzzug hier zu Ende gewesen, in diesen "abscheulichen Bergen", die in der Geschichte des Oströmischen Reiches eine so bedeutende Rolle gespielt hatten.
Aber damit nicht genug. Nach 10 Monaten erreichte die Armee, teils zu Lande, teils zu Wasser, Antiochien; dort sah Eleonore ihren Onkel Raimund von Poitiers wieder. Dieser, beträchtlich jünger als ihr Vater, war ein Spielgefährte ihrer Kindheit gewesen. Nach einer Reihe phantastischer Abenteuer war er Fürst von Antiochien geworden. (Er war als Kaufmann verkleidet ins Heilige Land gekommen, um seine Identität vor den Türken geheimzuhalten und vor der Witwe des Fürsten Alix, deren Tochter, die Erbin des Fürstentums, er ohne Schwierigkeit zur Frau erhielt.) Dem einmütigen Urteil der Zeitgenossen zufolge war er ein glänzender Ritter, "größer, wohlgestaltet und schöner als irgendeiner seiner Zeitgenossen". Bestand zwischen ihm und seiner Nichte eine Zuneigung, die über die Grenzen des Erlaubten hinausgingen? Der König schöpfte jedenfalls Verdacht und verließ Antiochien nach 10 Tagen wieder, wobei er Königin Eleonore gewaltsam mit sich nahm.
Als die beiden Gatten nach Frankreich zurückkehrten - der Papst persönlich hatte unterwegs ihre Versöhnung herbeigeführt -, hatte sich eine tiefe Kluft zwischen ihnen aufgetan. Der Abt Suger bemühte sich um die Aufrechterhaltung ihres guten Einvernehmens, doch währte dieses nur bis zum Tode des energischen und klugen kleinen Mannes, den ein ungewöhnliches Schicksal von der Leibeigenschaft zur Verwaltung eines Königreichs in Abwesenheit des Königs geführt hatte. Ein nach Beaugency einberufenes Konzil beschloß am 21. Mai 1152 die Annullierung der 15 Jahre zuvor geschlossenen Verbindung. Eleonore übernahm wieder, wie damals üblich, ihre persönlichen Besitzungen und kehrte nach Poitiers zurück. Noch nicht zwei Monate später erreichte den französischen Hof die Schreckensbotschaft, dass sie sich wieder verheiratet habe und zwar mit Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou und Herzog der Normandie. Die Geschichte Eleonores war fortan nicht mehr Teil der KAPETINGER, es sei denn indirekt durch Bündnisse und mehr noch durch den großen Einfluß, den sie auf ihren neuen Gatten ausübte.
Dieser Einfluß verstärkte sich besonders, nachdem er 1154 König von England geworden war. 15 Jahre hindurch war ihr Stern im Steigen. Die vereinten Domänen Heinrichs und Eleonores erstreckten sich von den Britischen Inseln bis zu den Pyrenäen und umfaßten den gesamten Westen des französischen Reiches. Ludwig VII. war nach wie vor oberster Lehnsherr Heinrichs in der Normandie, in Anjou, der Bretagne und den angrenzenden Gebieten und Eleonores in Aquitanien, also im Westen Frankreich jenseits der Loire bis zu den Pyrenäen. Natürlich versäumte er keine Gelegenheit, dies kundzutun, manchmal auch mit Erfolg, so als er seinem Vasallen, dem Grafen von Toulouse, 1159 zu Hilfe eilte. Eleonore nämlich hatte ihre alten Ansprüche auf die Grafschaft Toulouse nicht aus den Augen verloren. Sie hatte bei Heinrich, wie einst bei Ludwig, einen Feldzug durchgesetzt, den er erst beendete, als er erfuhr, dass Ludwig sich in der Hauptstadt des Languedoc aufhielt; widerwillig gab er sein Vorhaben auf und zog sich zurück, weil er nicht wagte, den Lehnseid zu brechen. Doch sein Reichtum, seine Lebensführung seine Eroberungen, alles im Königreich der PLANTAGENET stellte die rivalisierende Dynastie in den Schatten, auch was die fünf Söhne anbelangte, die Eleonore ihrem Gatten schenkte. Mit Ludwig hatte sie nur zwei Töchter, die naturgemäß nicht in der Lage waren, das Schwert zu führen.
Ludwig seinerseits hatte Konstanze, die Tochter des Königs von Kastilien, geheiratet; aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor, Margarete und Adelheid. Nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete er Adele von Champagne und verstärkte so seine Verbindungen mit dem einzigen Herrscherhaus, das in der Lage war, es mit dem Haus ANJOU, wenn auch nur aus der Ferne aufzunehmen. Er komplizierte damit die Arbeit der Genealogen um einiges, denn seine älteste Tochter heiratete Adelas Bruder Heinrich und seine Tochter Alix deren Bruder Thibaut von Blois; er war somit der Schwager seiner Schwiegersöhne. Wie dem auch sei - wesentlich für ihn war, dass Adele ihm endlich im August 1165 den langersehnten Erben schenkte, Philipp, dem ein zeitgenössischer Chronist den Beinamen August gab.
Es begann nun eine große, langanhaltende Schachpartie zwischen dem König von Frankreich und dem König von England, der für nahezu die Hälfte des Reichs sein Vasall war. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Heinrichs und Eleonores Ehrgeiz darauf abzielte, die französische Krone auf dem Haupt ihres ältesten Sohnes, Heinrichs des Jüngeren, zu sehen. Ihr Kanzler Thomas Becket, ein überaus geschätzter Ratgeber PLANTAGENTS, war selbst nach Frankreich gesandt worden, um das kleine Mädchen abzuholen, auf dessen Schultern diese Hoffnungen ruhten: Margarete, eine Tochter Ludwigs VII. und Konstanzes von Kastilien, wurde mit Heinrich dem Jüngeren verlobt, als sie erst wenige Monate und ihr künftiger Gatte gerade drei Jahre alt war. Auf der Grundlage dieser Verbindung kam es zu einer Einigung, und fortan herrschte wieder Frieden zwischen dem König von Frankreich und seinem allzu mächtigen Vasallen. Die Geburt eines männlichen Erben machte alle Hoffnungen, die Eleonore und ihr Gatte in ihren Sohn gesetzt hatten, zunichte, und seltsamerweise schien ihr Stern von dieser Stunde an zu sinken. PLANTAGENET, geblendet von seinen Erfolgen, entwickelte sich zum Despoten, betrog seine Gattin, ließ Thomas Becket, den er selbst zum Bischof von Canterbury gemacht hatte, ermorden und ließ sich mehr und mehr von rücksichtsloser Machtgier treiben, so dass seine Söhne, zahlreiche Vasallen und Eleonore selbst sich gegen ihn stellten. Angesichts solcher Maßlosigkeit gewann das Bild des KAPETINGERS, bescheiden, zurückhaltend, immer darauf bedacht, einem jeden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, in einem Maße an Gewicht, dass Eleonore sich eines Tages wieder ihrem ersten Gatten zuwandte. Sie versuchte, als Mann verkleidet, das Gebiet des französischen Königs zu erreichen, wurde aber von PLANTAGENTS Leuten gestellt und gefangengenommen. Ihr Gatte hatte nichts Eiligeres zu tun, als sie möglichst weit vom französischen Reich zu entfernen. In Frankreich ging unterdessen die begonnene Schachpartie mit einer Reihe von Vormärschen und Rückzügen weiter, ohne dass einer der beiden Gegner den anderen schachmatt zu setzten vermochte.
Eine Philosophie voll Heiterkeit spricht aus den Worten, die Ludwig VII. im Vertrauen an einen Vertreter des englischen Königs, den Archidiakon von Oxford, Gautier Map, richtete: "Verschieden ist der Reichtum der Könige: der des Königs von Indien sind Elefanten; der Kaiser von Byzanz und der König von Sizilien rühmen sich ihres Goldes und ihrer Seidenstoffe, doch haben sie keine Männer, die in der Lage sind, mehr zu vollbringen, als nur zu reden: sie sind unfähig, Kriege zu führen. Der römische Kaiser, den man den Deutschen nennt, hat Männer, die sich auf das Kriegshandwerk verstehen, und Schlachtrosse, aber kein Gold, keine Seide und auch sonst keine Reichtümer... Dein Herr, der König von England, besitzt alles: die Männer, die Pferde, das Gold und die Seide, die Edelsteine, die Tiere, alles. Wir hier in Frankreich, wir haben nichts - es sei denn das Brot, den Wein und die Fröhlichkeit."
Es waren in der Tat zwei verschiedene Auffassungen der Macht, ja des Lebens, die sich in den beiden Königen oder besser den beiden Dynastien gegenüberstanden. Während Ludwig nur darauf bedacht war, sich mit seinen unmittelbaren Vasallen, Champagne-Blois, zu umgeben, verheiratete Heinrich und Eleonore ihre Tochter Mathilde mit dem Herzog von Sachsen, eine weitere Tochter, Johanna, mit dem König von Sizilien und eine dritte, die den Namen ihrer Mutter Eleonore trug, mit dem König von Kastilien - in jeder Himmelsrichtung ein neuer Sproß dieses fruchtbaren Stammes. Der KAPETINGER dagegen verlor, auch wenn es ihn ins Heilige Land zog, niemals sein eigenes Land aus dem Auge, das Land, in dem er "Brot, Wein und Frohsinn" zu finden wußte.
In der gotischen Baukunst gibt es ein Element unter vielen anderen, das den Archäologen zur Datierung dient: die Kreuzblume. Von der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts an ist sie häufig im Winkel von Kapitellen zu finden, und später als Verzierung von Wimpergen, Portalen, Türmchen usw. Sie gleicht zunächst einer einfachen Knospe, im 13. Jahrhundert nimmt sie, gleichsam einer biologischen Entwicklung folgend, die Gestalt immer feineren Blattwerks an, aus dem Blüten hervorsprießen, bis sie sich schließlich im 16. Jahrhundert und später zu dem für den Flamboyant-Stil charakteristischen feinziselierten Blättern wandelt.
Dieses architektonische Detail symbolisiert treffend die Entwicklung der Dynastie der KAPETINGER selbst. Zwischen der Regierung Ludwigs VII. und der jenes Königs, der noch zu seinen Lebzeiten Ludwig der Heilige genannt wurde, verging ein Jahrhundert, in  dessen Verlauf die Knospe sich entfaltet und Blätter und Blüten hervorbrachte. Die Lilie stand in voller Blüte.
Ludwig VII. starb am 18. September 1180, nicht ganz ein Jahr, nachdem er am 1. November 1179 seinen Erben Philipp zum Mit-König eingesetzt hatte.

Verwandtschaft  mit Eleonore

                                                 Robert II. der Fromme König von Frankreich
                                                 20.7.972-20.7.1031
 

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         Robert I. Herzog von Burgund              Heinrich I. König von Frankreich
         1011-21.3.1076                                      1008-4.8.1060
 

               --                                                                                --
   Hildegard von Burgund                                    Philipp I. König von Frankreich
   1049- nach 1104                                               1053-30.7.1108

  oo 3. Wilhelm VIII. Herzog von Aquitanien
          1024/25-25.9.1086
 

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    Wilhelm IX. Herzog von Aquitanien             Ludwig VI. der Dicke König von Frankreich
    22.10.1071-10.2.1126                                     1081-1.8.1137
 

           --                                                                              --
   Wilhelm X. Herzog von Aquitanien             Ludwig VII. König von Frankreich
   1099-9.4.1137                                              1120-18.9.1190
 

         --
  Eleonore von Aquitanien
  1122-1.4.1204


  22.7.1137
  1. oo Eleonore von Aquitanien, Tochter des Herzogs Wilhelm X.
 - 21.3.1152 1122-31.3.1204

    1154
  2. oo Konstanze von Kastilien, Tochter des Königs Alfons VII.
           um 1140-4.10.1160

 13.11.1160
  3. oo Adele (Alix) von Blois, Tochter des Grafen Theobald IV.
           um 1145-4.6.1206
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Marie
  1145-11.3.1198

  oo Heinrich I. Graf von Blois-Champagne
       um 1126-17.3.1181

  Alix
  1150- nach 1195

um 1164
  oo Theobald V. Graf von Blois-Chartres
              -   1191

2. Ehe

  Marguerite
  1158-   1197 (vor 10.9.)
          bei Akkon

  21.8.1172
  1. oo Heinrich der Jüngere König von England
          28.2.1155-11.6.1183

    1186
  2. oo 3. Bela III. König von Ungarn
              um 1148-23.4.1196

  Adelheid
  um 1159- jung

3. Ehe

  Agnes
  1171- um 1240

   2.3.1180
  1. oo Alexios II. Kaiser von Byzanz
          10.9.1169-24.9.1183

    1183
  2. oo Andronikos I. Kaiser von Byzanz
          um 1122-12.9.1185

  3. oo Theodor Branas
                  -

  Philipp II. August König von Frankreich
  21.8.1165-14.7.1223

  Alix Gräfin von Vexin
  um 1170- nach 1200

20.8.1195
   oo Wilhelm II. Graf von Montreuil
              -4.10.1221

Illegitim

  Philipp Dechant in Tours
       -   1161
 
 
 
 

Literatur:
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