Einzige Tochter des Grafen
Dietrich I. von Ammensleben und der Dignamenta-Margarete
von Morsleben, Tochter von Graf Konrad; Schwester des Papstes
Clemens II.
Fenske Lutz: Seite 224
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen
Sachsen"
Aus der Ehe der Dignamenta-Margarete mit Dietrich
von Ammensleben ging eine Tochter Amulrada
hervor,
die also den Namen ihrer Großmutter trug und, da männliche Nachkommen
nicht vorhanden gewesen zu sein scheint, als
Stammutter des Geschlechtes
der Grafen von Ammensleben-Hillersleben im 12. Jahrhundert angesehen
werden muß, während die vom Annalista
Saxo im 11. Jahrhundert nach Ammersleben benannten Herren ausgestorben
sein dürften. Amulrada war zwei
Mal verheiratet. Aus ihrer ersten Ehe mit Ekbert von Harbke hatte
sie mehrere Töchter. Eine von diesen, Bia mit Namen, heiratete
in erster Ehe einen Gatten namens Dedi und in einer darauffolgenden zweiten
Ehe Dedi von Krosigk. Anschließend verehelichte sie sich mit einem
Dietrich,
über dessen Herkunft der Annalista Saxo informiert, ohne dass seine
Angaben durch andere Belege überprüfbar wären. Dietrich
soll
nämlich der Sohn einer Schwester König
HERMANNS gewesen sein. Weiter berichtet die Quelle über
ihn, er sei der Bruder desjenigen Dedi
gewesen, den die Tochter
Amulradas
aus erster Ehe, Bia, in ihrer ersten Ehe geheiratet habe. Im einzelnen
ist der hier vom Annalisto dargestellte Zusammenhang wegen des Fehlens
geeigneter Quellen nicht verifizierbar.
Dietrich, der zweite Gatte
der Amulrada, müßte also
eine Neffe des LUXEMBURGERS
HERMANN gewesen sein. Gleichzeitig soll er noch einen Bruder
mit Namen Dedi gehabt haben, der Bia,
Amulradas
Tochter
aus zweiter Ehe, heiratete. Die hier naheliegende Vermutung, der Gegen-König
habe seine in Sachsen geringe Machtbasis durch verwandtschaftliche Bindungen
an ein einheimisches Geschlecht verstärken wollen, so dass der vom
Annalisto Saxo überlieferten Eheverbindung politische Interessen
König
HERMANNS zugrunde gelegen hätten, ist allerdings wegen
Kriterien, die von der Generationsstellung der genannten Personen vorgegeben
erschienen, nicht stichhaltig [16 Da Erzbischof
Walthard schon 981, wenn auch vermutlich in recht jugendlichem
Alter, als Hochstiftskanoniker in Magdeburg anzutreffen ist, dürfte
er bei seinem Tode 1012 mindestens fünfzig Jahre alt gewesen sein.
Nimmt man an, seine Schwester Amalruda
konnte eventuell zehn Jahre nach ihm geboren sein, so darf doch vorausgesetzt
werden, daß ihre Ehe mit Konrad von Morsleben um 1000 bereits bestand.
Ihre Tochter Dignamenta-Margarete darf um 1050 als eine im fortgeschrittenen
Lebensalter stehende Frau angesprochen werden, während ihre Enkelin
Amalruda, die Tochter aus der Ehe der Dignamenta-Margarete
mit dem älteren Dietrich von Ammensleben also, um die Mitte
des 11. Jahrhunderts im Erwachsenenalter gestanden haben muß. Ein
Sohn aus der Ehe einer Schwester König HERMANNS
mit einem sächsischen Adligen konnte aber, wenn man unterstellt,
diese Ehe sei als Folge der Wahl HERMANNS
zum Gegen-König, also frühestens 1081, geschlossen worden, erst
kurz vor 1100 heiratsfähiges Alter erreichen. Eine Ehe zwischen den
beiden hier interessierenden Personen, aus der mehrere Kinder hervorgingen,
ist um diese Zeit unmöglich und schon deshalb ausgeschlossen, weil
Milo,
ein Sohn der Amulrada, bereits 1096 als Vogt des Klosters Hillersleben
auftritt. Die Ehe, von welcher der Annalista Saxo berichtet, dürfte
also wesentlich früher zustande gekommen sein.]. Über die Vorfahren
dieses Dietrich II. [17 Zur Unterscheidung von den älteren
Herren von Ammensleben empfiehlt es sich, den Gatten der
Amulrada als Dietrich II. zu bezeichnen. Dieser darf
nicht mit den früher auftretenden Herren von Ammensleben verwechselt
werden. Außerdem ist zu beachten, dass
Dietrich II. aus einem
anderen Sippenzusammmenhang stammte. Jedoch kann man davon ausgehen, dass
Dietrich II., der sich ebenfalls nach Ammensleben, wohl auf Grund
seiner dortigen Herrschaftsstellung, benannte, diese durch seine Verbindung
mit
Amulrada erwarb. Über den
dortigen Besitz dürfte Amulrada
als väterliches Erbe verfügt haben, der ursprünglich als
Eigengut der älteren Herren von Ammensleben zu gelten hat und
von Hanulf
von Ammensleben auf seinen Bruder Dietrich, den Gatten von
Amulradas Mutter Dignamenta, übergegangen war.
Vermutlich war Amulrada
sogar erheblich älter als ihr zweiter Gatte Dietrich, was deswegen
naheliegt, weil Dietrichs Bruder Dedi eine Tochter aus Amulradas
erster Ehe geheiratet hatte. Aus dieser früheren Ehe hatte Amulrada
nach Aussagen des Annalista Saxo S. 685 mehrere Töchter.], des Gatten
der Amulrada, ist außer dem vom
Annalista Saxo festgehaltenen Verwandtschaftsverhältnis zu den LUXEMBURGERN,
das über die mütterliche Linie Dietrichs entstand, nichts
bekannt.
Dietrich II. ist identisch mit jenem Grafen
Dietrich, der gemeinschaftlich mit seinem Sohn Milo
in den beiden
schon erwähnten Urkunden für das Kloster Hillersleben in
Erscheinung tritt. Auf Grund des nicht häufigen Personennamens Milo
ist ein Anknüpfungspunkt zu einer Nachricht möglich, welche
die Chronik Thietmars von Merseburg verzeichnet [18 Vgl.
Thietmari Chron. VII c. 6 Seite 405.]. Zum Jahre 1014 berichtet Thietmar,
auf eine frühere Begebenheit hinweisend, dass ein Bruno
in seinem eigenen Hause von seinem Feind Milo
getötet worden
sei [19 Ebenda.]. Bei diesem Vorfall hat es sich ohne jeden Zweifel
um eine Bluttat gehandelt, die sich unter hochgestellten Persönlichkeiten
- also innerhalb des Adels - ereignete, weil sich HEINRICH
II., wie der Chronik zu entnehmen ist, in die Angelegenheit
eingeschaltet haben muß. Ferner erweckt der Bericht in der ganzen
Art seiner Darstellung den Eindruck, als sei Thietmar der Fall aus persönlichem
Erleben bekannt gewesen. Man wird also schließen dürfen, dass
sich diese Gewalttat in Kreisen des ostsächsischen Adels abspielte.
Die Forschung ist geneigt, den dabei ums Leben gekommenen Bruno als einen
Grafen Bruno aus dem Geschlecht der BRUNONEN
anzusprechen [20 Vgl. dazu Schölkopf a.a.O. Seite 108,140;
Schulze a.a.O. Seite 23.], während man in dem Täter vielleicht
einen Vorfahren Graf Dietrichs II. von Ammensleben und seines Sohnes
Milo sehen darf [21 Sowohl Schölkopf wie Schulze haben
sich dafür ausgesprochen, in diesem Milo vielleicht den Vater
Hanulfs und Dietrichs von Ammensleben sehen zu dürfen.
Jedoch sollte dazu kritisch gefragt werden, ob der Personenname Milo,
den der Sohn Dietrichs II. erhielt, nicht sehr viel eher aus dem
Namengut der Sippe Dietrichs II. stammte, der, nach allem, was bekannt
ist, kein Verwandter der Brüder Hanulf und Dietrich,
das heißt also der älteren Herren von Ammensleben, war. Der
in Thietmars Chronik genannte Milo würde deshalb wohl eher
unter die Agnaten Dietrichs II. zu zählen sein, wobei hier
unterstellt wird, daß die Schwester König
HERMANNS einen sächsischen Adligen heiratete und die männliche
Linie Dietrichs also sächsischer Herkunft war.].
Noch eine weitere Familienbeziehung der Vorfahren Dietrichs
II. wird erkennbar, über die die Chronica episcoporum ecclesiae
Merseburgensis Auskunft gibt. Danach soll ein gewisser Eyke, den diese
Quelle als avus domini Milonis de Ammenesleve bezeichnet,
in eine Fehde mit den EKKEHARDINERN,
den Brüdern und Markgrafen
Hermann und Ekkehard
II., verwickelt gewesen sein, in deren Verlauf er nach Merseburg
flüchtete, wo ihn Bischof Bruno (1018-1036), dessen Vasall er war,
Zuflucht gewährte.
Auf Grund dieser Einzelnachrichten zeichnet sich folgendes
Bild ab: Durch die Verbindung der Amulrada,
die eine Tochter aus der Ehe der Dignamenta-Margarete
und des älteren
Dietrich
von Ammensleben benannte, wurde die jüngere Linie der Herren von
Ammensleben begründet, die über Amulradain
einer blutmäßigen Verbindung zu den älteren Edelfreien
stand, denen vom Annalista Saxo Ammensleben als Herkunftsbezeichnung zugeordnet
wird. Der Besitz in Ammensleben ist von der älteren Linie über
Amulrada
auf
die jüngere Linie übergegangen. Der Ehe Dietrichs II.
mit Amulrada entstammen außer
dem Sohn Milo noch mehrere Töchter.
1. oo Ekbert Graf von Harbke
-
2. oo Dietrich II., Sohn einer Schwester König
HERMANNS
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Kinder:
1. Ehe
Bia
-
1. oo Dedi
-
2. oo Dedi von Krosigk
-
2. Ehe
Milo II.
-18.2.1126
Oda
-
oo Gebhard II. Graf von Querfurt
-18.2.1126
Gisela
-
oo Walo II. Herr von Veckenstedt
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Literatur:
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Annalista Saxo:
Reichschronik Seite 59,60 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und
kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Vandenhoeck &
Ruprecht Göttingen 1977 Seite 224 -