Reginswind                                                 bezeugt 769,802
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Tochter des Germunt "von Pappenheim"
 

Mayr Gottfried: Seite 35-38
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"Studien zum Adel"

Für eine genealogisch-besitzgeschichtliche Untersuchung eignet sich besonders die Familie einer Reginswind, die in und um Pappenheim Erbbesitz an St. Gallen geschenkt hat, da von dieser Schenkung im Gegensatz zu den nur regestartig erhaltenen Fuldaer Traditionen aus diesem Raum die Schenkungsurkunde im Wortlaut erhalten geblieben ist. Diese Reginswind gab 802 für ihr und ihres Sohnes Perahtold Seelenheil dem Kloster in Pappenheim, Niederpappenheim, Dietfurt und Schambach im Sualafeldgau "omnia quicquid mihi pater meus Germunt legitime et secundum sacrificium Francorum dereliquid in hereditatem". Vorgenommen wurde die Schenkung in der "villa" Pappenheim. Als Zeugen werden zuerst David und Thrudmunt genannt, die ihren Konsens bekunden, danch Horscmuat, Kerunc, Purucwart, Vurumeri, Folhcheri, Altarih, Wenirih, Perahtfrid und Reginbreht.
Bevor wir auf Reginswind eingehen, soll die Bedeutung der Schenkungsorte herausgehoben werden, mit denen die Tradentin dem Kloster St. Gallen zu seiner östlichen Position im frühen Mittelalter verholfen hat. Diese weit außerhalb des sonstigen St. Gallener Schenkungsbereiches liegenden Orte waren durch ihre wirtschaftliche und verkehrsgeographische Bedeutung ein großer Gewinn für St. Gallen. Pappenheim liegt wie Eichstätt im Gebiet der sogenannten Bohnerze, auch einen Abschnittswall finden wir hier und zwar auf der "Alten Bürg" westlich von Pappenheim. Am wahrscheinlichsten war wohl die verkehrsgeographische Bedeutung. Sie war erst einige Jahre vor Reginswinds Schenkung durch den Versuch KARLS DES GROSSEN eindrucksvoll demonstriert worden, gerade bei ReginswindsBesitz Rezat und Altmühl durch einen Kanal zu verbinden. Vorher und ebenso nach dem Scheitern des Kanalprojektes wurde dieses Zwischenstück, das das Flußsystem von Main und Rhein, und damit ein Kerngebiet des Frankenreiches, mit der Donau, der Zentralachse des bayerischen Herzogtums, verband, auf dem Landweg überwunden. Dietfurt (Theotfurt) weist schon durch seinen Namen auf eine Übergangsstelle dieser wichtigen Nord-Südverbindung hin, Schambach liegt östlich des Dorfes Graben, wo sich bis heute ein Stück der Fossa Carolina erhalten hat.
Die Bedeutung der Schenkungsorte der Reginswind geht auch daraus hervor, dass sie später der ostfränkische König erworben hat. Ludwig das Kind gibt 902 reichen Besitz an das Kloster St. Gallen, um von Bischof Salomon, der zugleich Abt von St. Gallen war, den Hof Pappenheim einzutauschen.
Was mag Reginswind veranlaßt haben, das weit entfernte Kloster St. Gallen zu beschenken? Obwohl ihr Besitz im alemannisch besiedelten Sualafeld lag, kann man Reginswinds Familie nicht als alemannisch ansprechen, da der Vater "secundum sacrificium Francorum" sein Erbe vermacht, sich also zu den Franken gerechnet hat. Die Begüterung des ausdrücklich als Franken bezeichneten Germunt im alemannischen Sualafeld läßt vermuten, dass er wie andere fränkische Große dort erst nach der Niederwerfung des alemannisch-agilolfingischen Widerstandes Besitz erhalten hat, es also dort wie auch sonst im alemannischen Herzogtum Konfiskationen gegeben hat. Wenn Germunt gerade in diesen verkehrsgeographisch so wichtigen Ort Besitz und damit Sicherungsaufgaben übertragen bekommen haben sollte, dann läßt das auf ein enges Vertrauensverhältnis zwischen ihm und den Hausmeiern schließen.
Wenn Reginswind gerade das schwäbische Kloster St. Gallen beschenkt hat, dann wird das darauf beruhen, dass sie in eine der mächtigsten und vornehmsten Familien Schwabens eingeheiratet hat. Etwa 3 Wochen vor der Sualafeld-Schenkung hatte Reginswind bereits an St. Gallen tradiert - und zwar Besitz in Asolfingen und Mundelfingen in der Bertholdsbaar. Hier schenkte sie zusammen mit ihrem Sohn, dem Grafen Berthold - es handelte sich um Besitz der Familie ihres Mannes, für dessen Seelenheil diese Schenkung gemacht wurde. Der Formulierung "pro animabus nostris et requiem genitori patri meo" wird man entnehmen dürfen, dass Bertholds Vater damals bereits verstorben war (requies). 769 bekamen ein Chrodhoh und seine Gattin Raginswinda Besitz in Baldingen, den sie vorher an St. Gallen übergeben hatten, gegen Zins zu Lehen. In diesem Chrodhoh, der auch 772 und 773 als Eigenkirchenherr einer Galluskirche in Willmandingen genannt wird, möchte Jänichen Bertholds Vater sehen.
Aufschlußreicher als der nicht ganz gesicherte Name des Mannes der Reginswind ist der ihres Sohnes Berthold, der aufzeigt, in welche Sippe Reginswind eingeheiratet hat: in das berühmte Geschlecht der ALAHOLFINGER oder BERTHOLDE. Die ALAHOLFINGER sind vor allem als Gründersippe des Klosters Marchthal bekannt. In einer Urkunde des Jahres 776, in der Marchthal dem Kloster St. Gallen unterstellt wird, werden genealogische Angaben über die Stiftersippe gemacht. Als "caput" dieser Sippe galt 776 ein bereits verstorbener Halaholfus, der mit einer Hitta sive Hildiberga verheiratet war. Weiter werden Söhne und Enkel Halaholfs genannt; als Söhne Agylolfus (Gattin Theotperga) und Asulfus (Gattin Hildilenda), als Enkel (nebutes = nepotes) Wolvinus und Bertoaldus. Die Teilnahme der Enkel an der Übertragung des Sippenklosters könnte darauf zurückgehen, dass ihr Vater, vielleicht Chrodhoh, 776 ebenfalls schon verstorben war. Berthold, der Sohn der Reginswind, war mit einer Gersinda, der Tochter eines Ascarih, verheiratet; bei einer gemeinsamen Schenkung wird der Konsens der Söhne Chadaloh und Paldebert erwähnt. Weiter kennen wir eine Tochter Bertholds mit Namen Ata, die 797 als "deo sacrata" von der Mutter ererbten Besitz an St. Gallen gibt. 805 beschenkten Wago und Chadaloh, Söhne des Grafen Perahtold, dieses Kloster. Eine Besitzbestätigung von 826 führt nochmals in diese Familie: Graf Pertold bestätigt für sein und seines Vaters Chadaloh Seelenheil die Schenkung von Pertoldus und seiner Gattin Kersinda, der Großeltern, wie wir wissen. Aus diesen in Schenkungsurkunden des Klosters St. Gallen enthaltenen Verwandtschaftsangaben ergibt sich das bekannte Stemma der ALAHOLFINGER.
 
 

         Germunt     Halaholfus oo Hitta sive Hildiberga
 

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Ascarih  Reginswind oo Chrodhoh  Agylolf            Asulf

                                  oo Theotperga    oo Hildilenda

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Gerswind oo Berthold   Wolvinus

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         Chadaloh  Paldebert   Wago   Ata
 

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        Bertoldus
 

Reginswind hat in eine an Besitz und Macht herausragende Familie eingeheiratet, wie die umfangreichen Schenkungen und Benennungen von Baaren und Pagi nach Angehörigen dieser Familie zeigen. Die Einheirat in das Haus der BERTHOLDE, das mit Erchanger und Berthold 917 das schwäbische Herzogtum zu gewinnen versuchte, läßt auf das Ansehen und den Besitzreichtum auch der Familie Regiswinds zurückschließen. Während aber die Sippe, der Reginswinds Gatte angehört hat, in den Urkunden des Klosters St. Gallen gut zu verfolgen ist, ist die Sippe Germunts weitgehend unbekannt.
Germunt nimmt aber in unseren Überlegungen eine besondere Rolle ein; er ist nach Swidger derjenige bekannte Grundherr, der am weitesten in die Frühzeit des Bistums Eichstätt zurückreicht. Denn Reginswind ist 802, als sie ihren Besitz um Pappenheim an St. Gallen gab, sicherlich keine junge Frau mehr gewesen. H. Jänichen nimmt an, dass Reginswinds Enkelin Ata, die 797 "deo Sacrata" genannt wird, mit Ata, der Gattin des "bayerischen" Pirihtilo identisch ist. Unter den Zeugen der Schenkung der "deo sacrata" finden wir einen Sitilo, den Jähnichen für den in der Freisinger Urkunde genannten Situli hält. Jänichens Stammtafel würde bedeuten, dass Reginswind, die noch 802 als Tradentin bezeugt ist, 797 bereits einen rechtskräftigen Ur-Ur-Enkel gehabt hätte. Diese Überlegung zeigt, dass Jähnichens Annahme nicht zutreffen kann.
Nicht nur Ata, sondern auch Graf Wolfolt "von der Ostbaar" hat Jänichen in das Geschlecht der ALAHOLFINGER eingereiht. Wolfolt war nach Jänichen ein Sohn des Wolvinus und somit Enkel der Reginswind. Da wir aber Graf Wolfolt mit Graf Wolfolt "von Albaching" identifizieren konnten, würde das bedeuten, dass ein Angehöriger der ALAHOLFINGER-Sippe zur Gruppe um das frühe Kloster Isen gehört hat. So überraschend diese Annahme zunächst erscheint, so wahrscheinlich ist sie doch.
An der Isen, in der Nähe des Klosters, finden wir die Familie eines Toto, der von seiner zweiten Frau Oaspurc die Söhne Wago und Scrot hatte. Wago, in den Freisinger Traditionen für lange Zeit der einzige Träger dieses Namens, hieß ebenso wie ein Sohn des Grafen Berthold, was um so auffälliger ist, als auch Scrot ein typisch alemannischer Name ist, wenn er auch in der Sippe der ALAHOLFINGERnicht nachgewiesen werden kann. In (Groß-, Klein-) Schwindau östlich von Isen und Lappach, wo wir den Isener Tradenten Pirhtilo gefunden haben, wird auch ein jüngerer Scrot genannt, der mit einem Chadolh zusammen an Ascrih und Engilhart, die Neffen des Wago waren, einen Wald verkauft. Von Chadolh wissen wir, dass er der Sohn eines Waldperht und Bruder eines Oato war. Chadolh, Waldpert und Oato aber repräsentieren - gerade im Zusammenhang mit ihrem Verwandten Wago - eindeutig alaholfingisches Namensgut: ihre Namen entsprechen genau denen der Enkel der ReginswindChadaloh, Paldebert ( = Waldbert), Ata und Wago. Diese Namensparallelen lassen sich nur mit naher Verwandtschaft zwischen der ALAHOLFINGER-Sippe und Totos Familie erklären. Dann aber bereitet es keine Schwierigkeit, in Graf Wolflot "von Albaching" einen ALAHOLFINGER zu sehen.
 
 
 
 
 

  oo Chrodhoh
               - vor 776
 
 
 
 

Kinder:

  Berthold
         - nach 805

  Wolvinus
          -
 
 
 

Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 71,74 -
 
 
 
 


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