Tochter des Germunt "von Pappenheim"
Mayr Gottfried: Seite 35-38
*************
"Studien zum Adel"
Für eine genealogisch-besitzgeschichtliche Untersuchung
eignet sich besonders die Familie einer Reginswind,
die in und um Pappenheim Erbbesitz an St. Gallen geschenkt hat, da von
dieser Schenkung im Gegensatz zu den nur regestartig erhaltenen Fuldaer
Traditionen aus diesem Raum die Schenkungsurkunde im Wortlaut erhalten
geblieben ist. Diese Reginswind gab
802 für ihr und ihres Sohnes Perahtold
Seelenheil dem Kloster in Pappenheim, Niederpappenheim, Dietfurt und Schambach
im Sualafeldgau "omnia quicquid mihi pater meus Germunt legitime et secundum
sacrificium Francorum dereliquid in hereditatem". Vorgenommen wurde die
Schenkung in der "villa" Pappenheim. Als Zeugen werden zuerst David und
Thrudmunt genannt, die ihren Konsens bekunden, danch Horscmuat, Kerunc,
Purucwart, Vurumeri, Folhcheri, Altarih, Wenirih, Perahtfrid und Reginbreht.
Bevor wir auf Reginswind eingehen,
soll die Bedeutung der Schenkungsorte herausgehoben werden, mit denen die
Tradentin dem Kloster St. Gallen zu seiner östlichen Position im frühen
Mittelalter verholfen hat. Diese weit außerhalb des sonstigen St.
Gallener Schenkungsbereiches liegenden Orte waren durch ihre wirtschaftliche
und verkehrsgeographische Bedeutung ein großer Gewinn für St.
Gallen. Pappenheim liegt wie Eichstätt im Gebiet der sogenannten Bohnerze,
auch einen Abschnittswall finden wir hier und zwar auf der "Alten Bürg"
westlich von Pappenheim. Am wahrscheinlichsten war wohl die verkehrsgeographische
Bedeutung. Sie war erst einige Jahre vor Reginswinds Schenkung durch den
Versuch KARLS DES GROSSEN eindrucksvoll
demonstriert worden, gerade bei ReginswindsBesitz
Rezat und Altmühl durch einen Kanal zu verbinden. Vorher und ebenso
nach dem Scheitern des Kanalprojektes wurde dieses Zwischenstück,
das das Flußsystem von Main und Rhein, und damit ein Kerngebiet des
Frankenreiches, mit der Donau, der Zentralachse des bayerischen Herzogtums,
verband, auf dem Landweg überwunden. Dietfurt (Theotfurt) weist schon
durch seinen Namen auf eine Übergangsstelle dieser wichtigen Nord-Südverbindung
hin, Schambach liegt östlich des Dorfes Graben, wo sich bis heute
ein Stück der Fossa Carolina erhalten hat.
Die Bedeutung der Schenkungsorte der Reginswind
geht auch daraus hervor, dass sie später der ostfränkische König
erworben hat. Ludwig das Kind gibt
902 reichen Besitz an das Kloster St. Gallen, um von Bischof Salomon, der
zugleich Abt von St. Gallen war, den Hof Pappenheim einzutauschen.
Was mag Reginswind
veranlaßt haben, das weit entfernte Kloster St. Gallen zu beschenken?
Obwohl ihr Besitz im alemannisch besiedelten Sualafeld lag, kann man Reginswinds
Familie nicht als alemannisch ansprechen, da der Vater "secundum sacrificium
Francorum" sein Erbe vermacht, sich also zu den Franken gerechnet hat.
Die Begüterung des ausdrücklich als Franken bezeichneten Germunt
im alemannischen Sualafeld läßt vermuten, dass er wie andere
fränkische Große dort erst nach der Niederwerfung des alemannisch-agilolfingischen
Widerstandes Besitz erhalten hat, es also dort wie auch sonst im alemannischen
Herzogtum Konfiskationen gegeben hat. Wenn Germunt gerade in diesen verkehrsgeographisch
so wichtigen Ort Besitz und damit Sicherungsaufgaben übertragen bekommen
haben sollte, dann läßt das auf ein enges Vertrauensverhältnis
zwischen ihm und den Hausmeiern schließen.
Wenn Reginswind gerade
das schwäbische Kloster St. Gallen beschenkt hat, dann wird das darauf
beruhen, dass sie in eine der mächtigsten und vornehmsten Familien
Schwabens eingeheiratet hat. Etwa 3 Wochen vor der Sualafeld-Schenkung
hatte Reginswind bereits an St. Gallen tradiert - und zwar Besitz in Asolfingen
und Mundelfingen in der Bertholdsbaar. Hier schenkte sie zusammen mit ihrem
Sohn, dem Grafen
Berthold - es handelte sich um Besitz der Familie ihres Mannes,
für dessen Seelenheil diese Schenkung gemacht wurde. Der Formulierung
"pro animabus nostris et requiem genitori patri meo" wird man entnehmen
dürfen, dass Bertholds
Vater damals bereits verstorben war (requies). 769 bekamen ein Chrodhoh
und seine Gattin Raginswinda Besitz
in Baldingen, den sie vorher an St. Gallen übergeben hatten, gegen
Zins zu Lehen. In diesem Chrodhoh, der auch 772 und 773 als Eigenkirchenherr
einer Galluskirche in Willmandingen genannt wird, möchte Jänichen
Bertholds Vater sehen.
Aufschlußreicher als der nicht ganz gesicherte
Name des Mannes der Reginswind ist
der ihres Sohnes
Berthold,
der aufzeigt, in welche Sippe Reginswind eingeheiratet hat: in das
berühmte Geschlecht der ALAHOLFINGER
oder
BERTHOLDE. Die ALAHOLFINGER
sind vor allem als Gründersippe des Klosters Marchthal bekannt. In
einer Urkunde des Jahres 776, in der Marchthal dem Kloster St. Gallen unterstellt
wird, werden genealogische Angaben über die Stiftersippe gemacht.
Als "caput" dieser Sippe galt 776 ein bereits verstorbener Halaholfus,
der mit einer Hitta sive Hildiberga verheiratet war. Weiter werden Söhne
und Enkel Halaholfs genannt;
als Söhne Agylolfus
(Gattin Theotperga) und Asulfus (Gattin Hildilenda), als Enkel (nebutes
= nepotes) Wolvinus und Bertoaldus.
Die Teilnahme der Enkel an der Übertragung des Sippenklosters könnte
darauf zurückgehen, dass ihr Vater, vielleicht Chrodhoh, 776
ebenfalls schon verstorben war. Berthold,
der Sohn der Reginswind, war mit einer
Gersinda, der Tochter eines Ascarih, verheiratet; bei einer gemeinsamen
Schenkung wird der Konsens der Söhne Chadaloh
und Paldebert erwähnt.
Weiter kennen wir eine Tochter Bertholds
mit Namen Ata, die 797 als "deo sacrata" von der Mutter ererbten Besitz
an St. Gallen gibt. 805 beschenkten Wago
und
Chadaloh,
Söhne des Grafen
Perahtold, dieses Kloster. Eine Besitzbestätigung von 826
führt nochmals in diese Familie: Graf
Pertold bestätigt für sein und seines Vaters Chadaloh
Seelenheil die Schenkung von Pertoldus
und seiner Gattin Kersinda, der Großeltern, wie wir wissen. Aus diesen
in Schenkungsurkunden des Klosters St. Gallen enthaltenen Verwandtschaftsangaben
ergibt sich das bekannte Stemma der ALAHOLFINGER.
Germunt
Halaholfus oo Hitta sive Hildiberga
- - - - - ------------------------
Ascarih Reginswind oo Chrodhoh Agylolf
Asulf
oo Theotperga oo Hildilenda
-
----------------
Gerswind oo Berthold Wolvinus
-----------------------------
Chadaloh
Paldebert Wago Ata
-
Bertoldus
Reginswind hat in
eine an Besitz und Macht herausragende Familie eingeheiratet, wie die umfangreichen
Schenkungen und Benennungen von Baaren und Pagi nach Angehörigen dieser
Familie zeigen. Die Einheirat in das Haus der BERTHOLDE,
das mit Erchanger
und Berthold
917 das schwäbische Herzogtum zu gewinnen versuchte, läßt
auf das Ansehen und den Besitzreichtum auch der Familie Regiswinds
zurückschließen. Während aber die Sippe, der Reginswinds
Gatte angehört hat, in den Urkunden des Klosters St. Gallen gut zu
verfolgen ist, ist die Sippe Germunts weitgehend unbekannt.
Germunt nimmt aber in unseren Überlegungen eine
besondere Rolle ein; er ist nach Swidger derjenige bekannte Grundherr,
der am weitesten in die Frühzeit des Bistums Eichstätt zurückreicht.
Denn
Reginswind ist 802, als sie ihren
Besitz um Pappenheim an St. Gallen gab, sicherlich keine junge Frau mehr
gewesen. H. Jänichen nimmt an, dass Reginswinds
Enkelin Ata, die 797 "deo Sacrata" genannt wird, mit Ata, der Gattin des
"bayerischen" Pirihtilo identisch ist. Unter den Zeugen der Schenkung der
"deo sacrata" finden wir einen Sitilo, den Jähnichen für den
in der Freisinger Urkunde genannten Situli hält. Jänichens Stammtafel
würde bedeuten, dass Reginswind,
die noch 802 als Tradentin bezeugt ist, 797 bereits einen rechtskräftigen
Ur-Ur-Enkel gehabt hätte. Diese Überlegung zeigt, dass Jähnichens
Annahme nicht zutreffen kann.
Nicht nur Ata, sondern auch Graf Wolfolt "von der Ostbaar"
hat Jänichen in das Geschlecht der ALAHOLFINGER
eingereiht. Wolfolt war nach Jänichen ein Sohn des Wolvinus und somit
Enkel der Reginswind. Da wir aber Graf
Wolfolt mit Graf Wolfolt "von Albaching" identifizieren konnten, würde
das bedeuten, dass ein Angehöriger der ALAHOLFINGER-Sippe
zur Gruppe um das frühe Kloster Isen gehört hat. So überraschend
diese Annahme zunächst erscheint, so wahrscheinlich ist sie doch.
An der Isen, in der Nähe des Klosters, finden wir
die Familie eines Toto, der von seiner zweiten Frau Oaspurc die Söhne
Wago und Scrot hatte. Wago, in den Freisinger Traditionen für lange
Zeit der einzige Träger dieses Namens, hieß ebenso wie ein Sohn
des
Grafen Berthold,
was um so auffälliger ist, als auch Scrot ein typisch alemannischer
Name ist, wenn er auch in der Sippe der ALAHOLFINGERnicht
nachgewiesen werden kann. In (Groß-, Klein-) Schwindau östlich
von Isen und Lappach, wo wir den Isener Tradenten Pirhtilo gefunden haben,
wird auch ein jüngerer Scrot genannt, der mit einem Chadolh zusammen
an Ascrih und Engilhart, die Neffen des Wago waren, einen Wald verkauft.
Von Chadolh wissen wir, dass er der Sohn eines Waldperht und Bruder eines
Oato war. Chadolh, Waldpert und Oato aber repräsentieren - gerade
im Zusammenhang mit ihrem Verwandten Wago - eindeutig alaholfingisches
Namensgut:
ihre Namen entsprechen genau denen der Enkel der
ReginswindChadaloh,
Paldebert
( = Waldbert), Ata und Wago.
Diese Namensparallelen lassen sich nur mit naher Verwandtschaft zwischen
der ALAHOLFINGER-Sippe und Totos Familie
erklären. Dann aber bereitet es keine Schwierigkeit, in Graf Wolflot
"von Albaching" einen ALAHOLFINGER
zu sehen.
oo Chrodhoh
- vor 776
Kinder:
Berthold
- nach
805
Wolvinus
-
Literatur:
------------
Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer
und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1986 Seite 71,74 -