Sohn des Herzogs
Ziemomysl von Polen, Nachkomme eines sagenhaften Fürsten
Piast (Wikinger?)
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 616
********************
Mieszko I., Fürst von Polen seit ca. 960
--------------
+ 25. Mai 992
Vater: Siemomysl
1. oo Dobrawa, Tochter Boleslavs I. von Böhmen
2. oo Oda von Haldensleben, Tochter des Markgrafen Dietrich von der Nordmark
Kinder:
Von 1.: Dobrawa
Von 2.: Mieszko, Swietopelk, Lambert (Lebensdatum unsicher)
Mieszko I. aus der
Dynastie der PIASTEN
ist der erste durch zeitgenössische Quellen (zuerst 963 als Fürst
der Licicaviki) bekannte Herrscher Polens.
Von Gnesen aus expandierte Mieszko
nördlich über die Warthe und westlich über die Oder hinaus.
Die Kollision mit den Interessen Kaiser
Ottos I. (Kriegszug des Markgrafen
Gero in die Lausitz 963), der seit 940 das Gebiet westlich der
Oder beanspruchte und dort im Jahre 948 die Bistümer Brandenburg und
Havelberg gegründet hatte, zwang Mieszko
zu
einer Neuorientierung, die den Verlauf der polnischen Geschichte in den
nächsten Jahrzehnten prägte: Der noch heidnische Mieszko
erkannte die Tributhoheit Ottos
über einen Teil seines Landes an, schloß ein Heiratsbündnis
mit Boleslav I. von Böhmen, nahm die Taufe, förderte die
Mission (Bistum Posen, erstmals erwähnt 968) und vollzog den Anschluß
an das christliche Europa. Für den jüdischen Reisenden Ibrahim
ibn Yakub war Mieszko I. um 965 der
»König des Nordens«, der neben Großpolen
noch Kujavien und Masowien
beherrschte, der von seinen Untertanen Steuern einzog und dessen militärische
Macht auf einer Gefolgschaft (Druzina) von 3.000 Gepanzerten basierte.
967 besiegte Mieszko auch die Wolliner
und festigte damit seinen Anspruch auf die Odermündung und Pommern.
Die Beziehungen Mieszkos
zum Reich blieben nicht auf die höchste Ebene beschränkt: Auf
den Konflikt mit Markgraf
Hodo (von der Ostmark) und Kaiser
Otto II. reagierte Mieszko mit
der Beteiligung am Aufstand Herzog
Heinrichs von Bayern (31.H.) und Boleslavs II.
von Böhmen (974-977). Nach dessen Niederschlagung und dem
Tod der Dobrawa
intensivierte er die Kontakte zum sächsischen Adel. Mieszkos
zweite
Ehe mit Oda
begründete das dauerhafte Interesse der PIASTEN
an den Marken. Nach dem Slavenaufstand der heidnischen Lutizen von 983
und dem Tod Dietrichs
von der Nordmark (985) trat
Mieszko I.
hier, im Einvernehmen mit der Reichsregierung, als Sachwalter
der Interessen seiner Gattin auf. Als Ergebnis seiner zielgerichteten,
dabei von diplomatischem Geschick geprägten Politik erlangte er die
wohlwollende Neutralität des Reiches gegen Böhmen bei der Einverleibung
Schlesiens und Kleinpolens
(990). Auf dem Höhepunkt seiner Macht unterstellte
Mieszko
sein Reich dem apostol. Stuhl (990/991 Dagome-iudex-Dokument), um kirchenpolit.
Unabhängigkeit und Dauerhaftigkeit der Grenzen zu sichern. In seinem
Sohn aus erster Ehe,
Boleslaw
I. Chrobry, der nach dem Tode
Mieszkos
Oda und ihre Kinder im Kampf um die Nachfolge ausschaltete,
fand er einen entschlossenen Fortsetzer seiner Politik.
Chr. Lübke
MIESZKO I.
-----------------
* um 922, + 992
Sohn des Herzogs Ziemomysl, Nachkomme eines sagenhaften Fürsten Piast (Wikinger?)
Mit Mieszko I. Dago trat Polen (Raum Kujawien, Großpolen, Masowien) deutlich hervor, besonders anläßlich seiner W-Expansion, wurde dabei 962/63 gezwungen, deutscher Vasall zu werden. Die Annahme der römisch-katholischen Religion 966 durch Herzog und Adel leitete die Christianisierung Polens ein. Das Missionsbistum Posen wurde dem Erzbistum Magdeburg unterstellt. Unter dem Einfluß seiner böhmischen Frau förderte er entschieden die Ostmission, kaschierte damit auch seine zum Teil sehr brutalen Eroberungen in Richtung Preußen, Pommern und Schlesien; im Osten wurde er vom Kiewer Reich abgebremst. In der Schlacht bei Cedenia an der Oder 972 behauptete Mieszko gegen ein deutsches Heer die Herrschaft über Pommern. Er rebellierte mehrmals gegen die OTTONEN, unterstützte im deutschen Thronkrieg 983-985 Heinrich II. von Bayern und die große Slawenrebellion und unterwarf sich wieder. Kurz vor seinem Tode unterstellte er sein Gebiet unter den Schutz des Papstes. Mieszko war kraftvoll-rücksichtslos.
1. oo N.N.
+
2. oo DUBRAWKA
VON BÖHMEN
+ 977
3. oo ODA
VON HALDENSLEBEN
+
Tochter des Markgrafen Dietrich
1. oo N.N.
-
964
2. oo Dubrawka von Böhmen, Tochter des Herzogs
Boleslav I.
um 925- 977
979
3. oo Oda von Haldensleben, Tochter Dietrichs
von der Nordmark
um 960/65- 1023
Kinder:
1. Ehe
Adelheid
um 950- nach 997
1. oo Michael Herzog von Ungarn
- um 978
um 985
2. oo Geisa Großfürst von Ungarn
940-1.2.997
2. Ehe
Wladiwoy Herzog von Böhmen (1002-1003)
um 970- 1.1003
Boleslaw I. der Tapfere
967-17.6.1025
Swjatoslawa-Gunhild
- nach
1014
1. oo Erich VIII. König von Schweden
- um 995
2. oo Swen I. König von Dänemark
um 955-3.2.1014
3. Ehe
Mieszko
978- nach 992
Literatur:
-----------
Althoff, Gerd: Otto III., Primus Verlag, Darmstadt
1997, Seite 44,52,63-67,79,128 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W.
Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 106,110,124,128,131,134, 138,146,151,153,169
- DEUTSCHE FÜRSTEN DES MITTELALTERS. Fünfundzwanzig Lebensbilder.
Edition Leipzig 1995 Seite 101,105 - DIE BEGEGNUNG DES WESTEN MIT
DEM OSTEN. Kongreßakten des 4. Symposiums des Mediävistenverbandes
in Köln 1991 aus Anlaß des 1000. Todesjahres der Kaiserin Theophanu.Hg.
Odoilo Engels und Peter Schreiber, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993
Seite 28,30 - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König,
Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 106-478 - Giese, Wolfgang: Der
Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz
Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 25,141,143 - Holtzmann Robert:
Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag
München 1971 Seite 180-183, 198,213-215, 243,245,247,251,282,288,292-294,301,308-310,345
- Lebe Reinhard: Ein Königreich
als Mitgift. Heiratspolitik in der Geschichte. Deutsche Verlagsanstalt
Stuttgart 1998 Seite 189 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das
Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte
in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 20,24,26,34,36-39,
41,44-47,50,54,56,74,88 Anmerkungen 96,102,106,148,152,157,160,162,167,169,177,189,246,254,
257,260,264,266,268,272,278,306,309,312,314,326,335,344,346,350,354,415,440,453,456,462
- Rhode Gotthold: Kleine Geschichte Polens. Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1965 Seite 6-15,20,32,35, 36,38 - Schneidmüller,
Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?,
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 95,99-102,104,112,126,149,288,296
- Schulze: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum.
Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 177,230,237,243,250,266,280,285,339
- Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur
europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-,
Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 333 - Thietmar von Merseburg: Chronik.
Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 48,66,68,116,122,124,126,128,144,170,172,174,202,
204,396,440,442 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher
am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 209
-