Oda von Haldensleben                   Herzogin von Polen
----------------------------
um 960/65-   1023
 

Älteste Tochter des Grafen Dietrich von Haldensleben
 

Thiele Andreas: Tafel 218
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

ODA
-------
    +

Mitbegründerin von Kloster Calbe

  oo MIESZKO I. Herzog von Polen
              + 1034



Thietmar von Merseburg: Seite 173,175
*********************
"Chronik"

Nach dem Tode seiner Mutter vermählte sich sein Vater Mieszko I. ohne kirchliche Genehmigung mit der Tochter des Markgrafen Dietrich von der sächsischen Nordmark, einer Nonne aus dem Kloster Calbe: Sie hieß Oda, und groß war ihr Verlangen. Verschmähte sie doch den himmlischen Bräutigam, um ihm einen Kriegsmann vorzuziehen, was alle Kirchenhirten und besonders ihr Bischof, der hochwürdige Hildeward von Halberstadt, mißbilligten. Doch das Heil des Landes und der Zwang zur Friedenssicherung ließen daraus keinen Bruch, sondern vielmehr ein heilsames Mittel zu dauernder Versöhnung werden; denn sie mehrte in allem den Dienst Christi, führte viele Gefangene in die Heimat zurück, löste die Ketten der Gefangenen, öffnete den Kerker der Beschuldigten. Gott wird ihr, so hoffe ich, die Größe des begangenen Vergehens vergeben, da solche Liebe zu frommen Werken an ihr kund ward. Aber wir lesen auch: Der wird vergeblich trachten, Gott zu versöhnen, der von seinem bösen Beginnen vorsätzlich nicht lassen will. Sie gebar ihrem Gatten drei Söhne: Mieszko, Swentepulk und ...[Wlodowej oder Lambert]; hochgeehrt lebte sie dort bis ans Lebensende ihres Gemahls, beliebt bei ihrer Umgebung und segensreich für die Menschen ihrer Heimat.
Doch am 25. Mai im Jahre 992 der Fleischwerdung des Herrn, im 10. der Königsherrschaft OTTOS III., ging der nunmehr gealterte und kränkelnde Herzog aus dieser Fremde hinüber in die Heimat; sein Reich hinterließ er vielen zur Teilung; doch sein Sohn Boleslaw brachte es in füchsischer Verschlagenheit später wieder in seine Hand, indem er Stiefmutter und Brüder vertrieb und seine Verwandten Odilien und Przibiwoj blenden ließ.

Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.: Seite 104,126
************************************
"Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?"

Seit der Taufe Mieszkos I. 963/64 drohte diese Gefahr nicht nur aus dem sächsischen Westen, sondern auch aus dem polnischen Osten. Rin Ehebündnis stand für die gemeinsamen Interessen: Mieszko I. hatte (wohl 978) Oda, die Tochter des Markgrafen der sächsischen Nordmark, Dietrich von Haldensleben, geheiratet.
Werner von Walbeck verlor sein Amt, das nun der Schwager Dedis erhielt, Graf Bernhard von Haldensleben erhielt. Auch diese Veränderung im Markengebiet war gegen Boleslaw Chrobry gerichtet, repräsentierte doch Bernhard Ansprüche gegen Polen, auf die die Grafen von Haldensleben nach der Vertreibung der Gemahlin Mieszkos I., Oda von Haldensleben, durch Boleslaw Chrobry nie verzichtet haben [Noch im Jahr 1033 erhält Dietriech, ein Sohn Mieszkos I. und Odas von Halbensleben, also ein Stiefbruder Boleslaws Chrobry, von Kaiser KONRAD II. einen Teil Polens, vgl. dazu Lübke, Nr. 609.].

Ludat Herbert: Seite 24,47
*************
"An Elbe und Oder"

Spätestens 978 schloß Mieszko - sehr wahrscheinlich nach vor aufgegangenen kriegerischen Zusammenstößen, vielleicht noch als Auswirkung der Rebellion Heinrichs des Zänkers - den Bund mit Oda [149 Der Bund, den Thietmar (IV, 57) trotz seiner Vorbehalte als Garantie für den Frieden und die Rettung des Vaterlandes preist, ist wahrscheinlich unmittelbar nach dem Tode der Dobrawa, wohl noch 977, geschlossen worden. Bereits 977 hat Mieszko sich nicht mehr am Kampf Boleslavs II. gegen OTTO II. beteiligt; und die Kinder dieser Ehe mit Oda, Mieszko und Lambert müssen 990 mindestens 12 Jahre alt gewesen sein. - Dass Oda damals in St. Laurentius-Kloster zu Calbe an der Milde durchaus zu Recht als comitissa, regia stirpa orta bezeichnet werden konnte, ist nach dem, was über die königsnahe Stellung und Herkunft der Familie Dietrichs, der wohl einem der ältesten und vornehmsten Geschlechter entstammte, wahrscheinlich gemacht werden konnte und dürfte sich durch eine Verwandtschaft mit der Gemahlin HEINRICHS I., Mathilde, am ehesten erklären lassen. - Das Kloster Calbe wurde 983 eines der ersten Ziele der aufständischen Liutizen. Die Zugehörigkeit der Stifterin des Klosters Calbe an der Milde, Oda, zum HALDENSLEBEN-Geschlecht ist durch die Tatsache, dass diese Familie und die WALBECKER nachweislich hier in den Gauen Balsam und Mosidi ihren Allodialbesitz gehabt haben, gut begründet.], der Tochter Dietrichs von der Nordmark.
Nach dem Tode ihres Gatten Mieszko wurde Oda von ihrem Stiefsohn Boleslaw gemeinsam mit ihren Söhnen vertrieben [A. F. Grabski sieht in seiner Biographie Boleslaws die Entschuldigung für glaubwürdig an und hält es für wahrscheinlich, dass Oda aus Kiev militärische Hilfe gegen ihren Stiefsohn erwartet hat. Das Auftreten einer russischen Gesandtschaft Ostern 991 in Quedlinburg und die damals vielleicht abgeschlossene Eheverbindung ihres Bruders Bernhard mit einer Tochter Vladimirs könnten diese Auffassung stützen.].
Die im diesem Zusammenhang von Thietmar mitgeteilte Nachricht, dass bei der Vertreibung Odas auch zwei ihrer Vertrauten, nämlich Odilien und Pribuvoj, geblendet worden sind, bildet für die Forschung noch immer ein Rätsel. Die auf der polnischen Seite vertretene Ansicht, es habe sich um Würdenträger Boleslaws, die ersten namentlich bekannten überhaupt, gehandelt, die sich für Oda eingesetzt hätten, ist wenig überzeugend. Thietmar wird von dieser Tat unmittelbar aus dem Kreis um Oda nach ihrer Rückkehr erfahren haben, und die beiden Persönlichkeiten müssen ihm und seinen Lesern bekannt gewesen sein, sonst hätte er sie wohl schwerlich namentlich aufgeführt. Sie dürften daher wohl am ehesten Vertraute aus dem Kreis von Markgraf Dietrich anzusprechen sein, die Oda an den Hof Mieszkos begleitet hatten [357 Die Heirat der Tochter des Markgrafen war fraglos ein hochbedeutsames politisches Ereignis gewesen, mit dem die Vorgänge der folgenden Jahrzehnte im Elbe-Oderraum aufs engste verknüpft waren. Die Vertreibung der Fürstin und ihrer Kinder durch ihren Stiefsohn muß mitten in den Kämpfen um Brandenburg und das Lutizenland große Beachtung gefunden und Aufsehen in den Kreisen des sächsischen Adels erregt haben. Viele, die an diesen Geschehnissen unmittelbar beteiligt waren, lebten noch, als Thietmar darüber schrieb. Wenn Odilien und Pribuvoj irgendwelche Vertraute der Oda aus dem PIASTEN-Land gewesen wären, hätte er kaum einen solchen Vorgang berichtet, zum mindesten nicht die Namen genannt, die dem Leser nichts bedeuten konnten. Dass darum die beiden Genannten bekannte Persönlichkeiten aus dem Kreise der sächsisch-slavischen Adelsschicht gewesen sein müssen, halte ich für sicher.]. Der Name Odilien ist sicher nicht slavisch [358 Der Name gehört sicher zu Odi, Odilo von asl. Odo, Oda, Oddo, Otto. - W. Schlaug, aaO., 1962, S. 137, verzeichnet ihn unter den altsächsischen Namen vor 1000 auffälligerweise nicht. Es findet sich im St. Gallener Widmungsbuch die Eintragung Odelich zusammen mit Namen aus der GERO-CHRISTIAN-Familie, und Odila, Odolia (Äbtissin von Herford Mitte des 9. Jhs.) sind auch im Möllenbecker Nekrolog angeführt. Ich vermute, dass Odilienus ein Verwandter Odas gewesen ist, da der erste Namensbestandteil außer in Namen der Oda auch noch bei einer weiteren Tochter des Markgrafen Dietrich, Othelhulda, deren Tod als Nonne die Ann. Quedl. zum Jahre 1020 melden, wiederkehrt.], während Pribuvoj an Pribislav erinnert; die Vorstellung liegt jedenfalls nahe, dass ein Angehöriger dieses Geschlechts, das unter der Obhut des Markgrafen Dietrich stand, dessen Tochter Oda, die damals wohl nicht des Slavischen kundig gewesen sein dürfte, an den PIASTEN-Hof begleitet hat.

Glocker Winfrid: Seite 359
**************
"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik."

Die polnische Forscherin wies in einem weiteren Aufsatz, Mieszko passim, auf mögliche verwandtschaftliche Beziehungen der LIUDOLFINGER zu den HALDENSLEBENER Grafen hin. Borawska gründet ihre Thesen auf das Auftreten typischer OTTONEN-Namen wie auch auf das Wissen um eine königliche Abstammung dieser Familie. Man wußte nämlich in der Tradition des Laurentius-Klosters zu Calbe an der Milbe von einer königlichen Abstammung der Klostergründerin Oda, die eine Urkunde Bischof Reinhards von Halberstadt (gedruckt im UB. Hochstift Halberstadt Band 1, Nr. 151) als "regia stirpe orta" bezeugt. Die Klostergründerin Oda kennen wir als eine Tochter Graf Dietrichs vom Nordthüringgau, mit dem für uns die HALDENSLEBENER erstmals faßbar werden (vgl. Schölkopf, Grafen Seite 93 ff.); Oda heiratete dann Herzog Mieszko von Polen. Gegen die von Holtzmann, Laurentius-Kloster Seite 177 ff., erhobenen Zweifel an der Identifikation der Dietrich-Tochter Oda mit der Gründerin des Klosters Calbe hält nun Ludat, An Elbe Anm. 149, an dieser Gleichsetzung fest; er ordnet Oda der Verwandtschaft der Königin Mathilde zu.
 
 
 
 

  979
  oo 3. Mieszko I. Herzog von Polen
          um 922-25.5.992
 
 
 
 

Kinder:

  Mieszko
  980- nach 992

  Lambert
         -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 226,378,456,471,474 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 359 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 20,24,39,41,44-48,50,54-56,88; Anm. 96,149,160,177,268,314,335,353,356 - Schneidmüller Bernd/Weinfurter Stefan: Otto III. Heinrich II. Eine Wende? Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997 Seite 104,126 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 218 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 173,175 -