KLEINPOLEN
 

Lexikon des Mittelalters:
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Kleinpolen
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(poln. Malopolska, 'jüngeres Polen', lat. Polonia Minor [in den Quellen erst 1412 faßbar], im Gegensatz zu Großpolen, lat. Polonia Maior, und zu [Gesamt]polen).

Im 9.-10. Jahrhundert Stammesgebiet der Wislanen ('Anwohner der Weichsel'), das 950 durch die Böhmen erobert wurde. Nach der Eroberung durch Mieszko I. 'Land Krakau' genannt, wurde Kleinpolen 1138 aufgrund des Testaments von Boleslaw III. Krzywousty in die Herzogtümer Krakau und Sandomir gegliedert, die im 13. Jh. wieder vereinigt wurden. Seit 1320, nach der Krönung Wladyslaws I. zum König von Polen, wurde Krakau Hauptstadt des Königreiches und die Provinz zum Kernland Polens. Die Grenzen des 1000 in Krakau gegründeten Bistums entsprachen den ältesten Grenzen Kleinpolens und umfaßten die Gebiete um die obere und mittlere Weichsel, im S bis an die Karpaten, im W bis Schlesien mit Auschwitz und Beuthen, im N fast bis zum Fluß Pilica, im O bis an die Flüsse Wislok und Wieprz, sowie Sandomir und Lublin; Ende des 12. Jahrhunderts wurden die Fürstentümer Zator, Auschwitz und Siewierz Oberschlesien angeschlossen, gelangten jedoch Mitte des 15. Jh. an Kleinpolen zurück. Im Königreich Polen wurden die alten Herzogtümer zu Wojewodschaften: Wojewodschaft Krakau, Sandomir, Lublin (erst nach 1474) und Fürstentum Siewierz, das dem Bischof von Krakau gehörte (1443). Für kurze Zeit (1166-77) selbst Herzogtum, wurde das Gebiet von Wislica erneut dem Herzogtum Krakau angeschlossen und später Teil der Wojewodschaft Sandomir.

G. Labuda