Gero I. der Große                           Markgraf der Ostmark (936-965)
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um 900-20.5.965
 

Begraben: Gernrode, Stiftskirche
 

Jüngerer Sohn des Grafen Thietmar und der Hildegard, Schwägerin des Grafen Erwin von Merseburg
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1349
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Gero I., Markgraf der sächsischen Ostmark seit 937
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     + 20. Mai 965

Begraben: Gernrode, Stiftskirche

Vater:
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Graf Thietmar, Erzieher und Vertrauter König HEINRICHS I., wie dessen erste Gemahlin Hatheburg, dem Merseburger Grafenhaus angehörend

Bruder:
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Graf Siegfried (+ 937), mit der Vertretung des Königs (legatio) in Sachsen und dem Grenzschutz betraut

  oo Judith

Söhne:
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Gero (+ 959)
Siegfried (+ 959), oo Hathui, Tochter der BILLUNGERS Wichmann der Ältere, Äbtissin von Gernrode (+ 1014)

Neffen:
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Gero, Erzbischof von Köln, + 976
Thietmar, Markgraf an der mittleren Saale und Mulde, + nach 979

Schon zu Lebzeiten seines Bruders ist Gero als Graf im Nordthüringgau und Schwabengau bezeugt, wo auch die Masse seiner Eigengüter lag. 937 bestellte ihn OTTO DER GROSSE zu Siegfrieds Nachfolger in der legatio und der Grenzhut. Er überging dabei den eigenen Halbbruder Thangmar, Hatheburgs Sohn, der sich deshalb dem Aufstand Eberhards von Franken anschloß. Geros markgräflichen, vornehmliche militärischen Auftrag erstreckte sich auf die slavischen Gebiete zwischen Saale, Elbe und Oder einschließlich der Heveller, wo seine Erfolge Bistumsgründungen in Havelberg und Brandenburg ermöglicht haben (948). Im Süden grenzte sein Wirkungsbereich an Böhmen, im Norden an die Mark Hermann Billungs. Neben diesem war Gero herausragender Helfer bei der Ostpolitik OTTOS DES GROSSEN. In seine Zeit gehörten die Anfänge einer Burgwardverfassung an der Grenze und im Slavenland jenseits von Saale und Elbe. 963 unterwarf er Lusici (Nieder-Lausitz) und Selpoli (nördlich davon) sowie den Polen-Fürsten Mieszko, der für einen Teil seines Herrschaftsgebietes (links der Warthe) dem reich tributpflichtig und "amicus imperatoris" wurde. Geros Verhältnis zum König scheint sich beim Aufstand Liudolfs getrübt zu haben, von dem er 951eine Güterschenkung annahm. Auch leistete er dem eidbrüchigen Wichmann dem Jüngeren Fluchthilfe (G. Althoff). Seit 953 wurde (anstelle Geros?) Hermann Billung mehrfach vom König zum Stellvertreter in Sachsen (procurator) bestellt. Gero kämpfte jedoch 954 vor Regensburg mit dem König gegen die Aufständischen: Seine Pilgerfahrt nach Rom (950 und 961) standen im Zusammenhang mit seinen Klostergründungen auf Allodialgut am Ostharz in Frose (Benediktiner 950, Kanonissen 959) und Gernrode (Kanonissen).

Literatur:
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NDB VI 312ff [W. Schlesinger] - R. Schölkopf, Die sächs. Gf.en (919-1024), 1957, 42ff. - K. Schmid, Neue Q. zum Verständnis des Adels im 10. Jh., ZGO 108, 1960, bes. 211ff. - R. Wenskus, Sächs. Stammesadel und frk. Reichsadel, AAG, phil.-hist. Kl. 3. Folge Nr. 93, 1976, 386ff. - G: Althoff, Adels- und Kg.sfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, MMS 47, 1984, 86ff.



Thiele Andreas: Tafel 217
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

GERO DER GROSSE
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* um 890, + 965

Wird Graf im Nordthüringengau (= Großraum Magdeburg), Schwabengau (= Raum Quedlinburg/Aschersleben), Hassegau (= Raum Merseburg/Eisleben), Frisonofeld (= Harzgebiet), Morazianigau (= Raum Fläming), im Gau Serimunt (= Raum Bernburg/Dessau) und im Zitizigau (= Raum Delitzsch/Bitterfeld), wird 936 Markgraf mit umfassendem Oberbefehl ('Legatio') in diesem Raum und in allen anderen östlichen Marken; folgt zusammen mit Markgraf Hermann I. Billung durch König OTTO DEN GROSSEN dem Markgrafen Siegfried von Merseburg; seine Ernennung ist Anlaß für die Rebellion des Prinzen Thankmar, der auf diesen Rang Ansprüche erhob als Siegfrieds nächster Verwandter. Da ständig Kriegszustand herrscht, wächst Geros Legatenposition weit über ihren Rahmen hinaus zur machtvollen Landesherrschaft; wichtigste Stütze OTTOS DES GROSSEN im östlichen Reich; er entgeht etlichen Mordanschlägen und unterwirft in vielen Feldzügen die Slawengebiete bis zur Oder hin und macht 962/63 sogar Polen tributpflichtig. Gründet die Bistümer Havelberg und Brandenburg und wird Vogt dieser Riesendiözesen; reist 950 und 963 nach Rom; hilft 954 den Aufstand Herzog Liudolfs niederzuschlagen und entsetzt Regensburg; 955 Schlacht an der recknitz: endgültige Unterwerfung der Slawen zwischen Elbe und Oder; wird Graf in den neuen Gauen Lusizi und Selpui (= Raum Nieder-Lausitz/Cottbus) und stiftet das Hauskloster Gernrode.



Schwennicke Detlev: Tafel 149
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

GERO
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    + 20.V. 965

Begraben: Gernrode Stiftskirche

937 GRAF im NORDTHÜRINGGAU
939 MARKGRAF
941 GRAF im SCHWABENGAU und MARKGRAF  der SÄCHSISCHEN OSTMARK
946 GRAF der MAGDEBURGER MARK
946 DUX et MARCHIO
gründet Kloster Frose und 961 Kloster Gernrode

  oo JUDITH
               +



Adalbert: Seite 226
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"Fortsetzung des Regino"
 

Das Jahr 965.
 

Im J. d. g. M. 965 feierte der Kaiser Weihnachten in Pavia und begab sich nach beendetem Fest und nachdem er die Reichsangelegenheiten in Italien geordnet, gleich in die Heimath. Ihm kamen seine Söhne, König Otto und Erzbischof Willihelm, auf der Grenze von Franken und Alamannien auf dem Landgut Heimbodesheim entgegen und empfingen ihn dort mit großer Freudigkeit. Von da ging er  weiter nach Worms, wo ihm sein Bruder, Erzbischof Brun, am Tage der Reinigung St. Maria entgegen kam und so blieb er die ganze Fastenzeit in Franken und feierte in Inglenheim das Osterfest mit großer Freude. Von da fuhr er zu Schiffe nach Köln, dort kamen ihm seine Mutter, Frau Mathilda, und seine Schwester, die Königin Gerbirga, und deren Sohn, der König Lothar, entgegen, die er dort mit gebührender Liebe und Ehre aufnahm; und so schlug er den Weg nach Sachsen ein. Auch jenen  abgesetzten Benedict brachte er von der Stadt Rom mit sich nach Franken und vertraute ihn dem Erzbischof Adaldag zur Bewachung an. Auch die beiden Töchter Berengars hielt er im Palaste der  Frau Kaiserin mit geziemender Ehre. In demselben Jahre fallen einige von den Langobarden nach gewohnter Weise vom Kaiser ab und führen Adalbert nach Italien zurück. Da sandte der Kaiser Burchard, den Herzog der Alamannen, nach Italien. Der schiffte, um mit ihm zu schlagen, wo er ihn auch finden möchte, mit den dem Kaiser getreuen Langobarden und Alamannen hinab auf dem Po und landeten mit seinem Schiffe in der Gegend, wo jener sich aufhalten sollte. Als sie so eben den Fluß verließen, griff Adalbert sie an, dabei fiel sein Bruder Wido mit sehr vielen Anderen. Adalbert aber entkam, kaum durch die Flucht entronnen und ging nach gewissen Berggegenden, wo er vor dem Kaiser verborgen bleiben könne. Der Herzog also, froh über diesen Sieg, kehrte ins Vaterland zurück und zeigte dem Kaiser an, was ihm begegnet war. Inzwischen begab sich Wido, der Bischof von  Modena, mit einem Auftrage Adalberts nach Sachsen zum Kaiser, indem er mit der Schlauheit des Fuchses sich für einen Getreuen des Kaisers ausgab und sich rühmte, er wolle ihm die Ungetreuen  verrathen; doch ward ihm weder sein Anblick noch seine Anrede zu Theil, sondern nachdem ihm erlaubt war mit Schande heimzukehren, ward er in den Alpen jenseits Curia verhaftet, nach Sachsen zurückgeschickt und im Slavenlande in Gewahrsam gebracht. Uodo, der Bischof von Straßburg, starb, dem Erchanbold folgte. In demselben Jahre starb der Herr Papst Leo. Da gehen die Gesandten der Römer, nämlich der Protoscriniar Azo und Marinus, Bischof der Kirche von Sutri, den Kaiser in Sachsen an, wen er wolle zum römischen Bischof einzusetzen, und sie werden ehrenvoll aufgenommen und entlassen. Und Otger der Bischof von Speier und Liuzo, der Bischof von Cremona, werden vom  Kaiser mit ihnen nach Rom gesendet. Da wird von dem ganzen  römischen Volke Johannes der Bischof der Kirche von Narnia gewählt, und als Pontifex auf den apostolischen Stuhl gesetzt. Er verfolgte sogleich die Vornehmen unter den Römern mit hochmüthigerem Sinne als nöthig war, daher er in Kurzem erfahren mußte, daß sie ihm sehr feindlich und abgeneigt waren, denn er wird vom Stadtpräfekten und einem gewissen Rofred ergriffen, aus der Stadt vertrieben und in Campanien ins Gefängniß gesetzt. Endlich werden in diesem Jahre, da der Kaiser aus Italien zurückkehrte, Heinric dem Erzbischof von Trier Thiodric, ein Diakon derselben Kirche und Adalbero, dem Bischof von Metz, Diederic, ein Vetter des Kaisers zu Nachfolgern eingesetzt. Auch der Erzbischof Brun, der leibliche Bruder des Kaisers, ein des Herzogthums und des Bisthums im gleichen Maße sehr würdiger  Mann, verschied am 11. Oktober, Folchmar folgte auf ihn im Bisthum. In demselben Jahre verschied Gero, der beste und vorzüglichste unter den Markgrafen unserer Zeit. König Lothar verband sich Frau Hemma in der Ehe.

Annalista Saxo: Seite 24
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"Reichschronik"
 

Das Jahr 965.
 

Zu den Zeiten desselben Kaisers gab es zwei Brüder aus dem Orte Thüringens, der Wimmeri heißt: Graf Willehelm und Poppo, der Kapellan des Kaisers. Wie gerecht und heilig dieser ehrwürdige Priester gelebt, bezeugte Gott an seinem Ende. Sein Bruder Willehelm aber lebte in ehrwürdigem
Greisenalter bis zu den Zeiten des Kaisers Heinrich von Bavenberch.

Johann [XIII] vollendete in Magdaburg, was sein Vorgänger begonnen.

In demselben Jahre sandte der obengenannte Kaiser den Leib der heiligen Jungfrau Justa mit Ehren nach Sachsen.

Am 31. März dieses Jahres stürzte die Basilika der Halberstädter Kirche ein.

Der Bruder des Markgrafen Gero, Sigefrid, übergab einen Theil seines Erbgutes dem heiligen Vitus, indem er demselben an dem Orte, der Gronigge heißt, ein Kloster erbaute. Ihre Schwester, eine heilige Frau Namens Hidda, welche der Anbetung wegen nach Jerusalem zog und daselbst starb, gebar den Markgrafen Thietmar und Gero, den Kölner Erzbischof, welche auf ihrem Gute am Flusse Sala eine Abtei erbauten zur Ehre der heiligen Gottesmutter und des heiligen Märtyrers Ciprian, als Otto II Kaiser war.

CD "Starke Kaiser - Frühe Gründer. Die Ottonen in Sachsen-Anhalt und Europa
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Bei einer im 19. Jahrhundert durchgeführten anthropologischen Untersuchung wurde für Markgraf Gero eine Körperhöhe von 1,83 Metern errechnet. Damit war Gero für die damalige Zeit ein Riese.
 
 
 
 

  oo Juditta
            -
 
 
 
 

Kinder:

  Siegfried Graf im Nordthüringengau
        -24.6.959
       (-25.VI.959 Isenburg)

 952
  oo Hadwig (Hathui), Tochter Wichmanns des Älteren
      939-4.7.1014
            (-9.VII.1014 Prinz von Isenburg)

  Gero
        -16.X. vor 959
 
 
 

Literatur:
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Adalbert: Fortsetzung des Regino Seite 226 - Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 23,28,82,86,89, 204 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 80,86,94,122,127,132,241 - Annalen von Quedlinburg ad a. 1013 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 24 - Assing Helmut: Die frühen Askanier und ihre Frauen. Kulturstiftung Bernburg 2002 Seite 77-78 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 59,76,78,83,98,106,138 - CD "Starke Kaiser - Frühe Gründer. Die Ottonen in Sachsen-Anhalt und Europa - DEUTSCHE FÜRSTEN DES MITTELALTERS. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Edition Leipzig 1995 Seite 98,101,104 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band II Seite 472/Band III Seite 489 - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 254,256,265, 461,473 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 47, 57,147 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 29,37,95,97 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 114,134,149,153-157,161,173,179-183,189,198-200,213,235,252,292, 308,310 - Körntgen, Ludger: Ottonen und Salier. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2002 Seite 22,23 - Laudage, Johannes: Otto der Große. Eine Biographie. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 113,122,128,211,214,226-229 - Leutsch, Karl Christian von: Markgraf Gero. Ein Beitrag zum Verständnis der deutschen Reichsgeschichte unter den Ottonen, sowie der Geschichten von Braunschweig, Meissen Thüringen usw. Gerig’sche Buchhandlung Leipzig 1828 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 13,23,34-39-41,44, 52;Anm. 12,21,23,26,33,46,126,131,139,144,163,167,198,202,246,254,260,308,381 - Lüpke, Siegfried: Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075), Dissertation Halle 1937 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 15, 51,203,246 - Pätzold, Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln 1997 Seite 275 - Schneidmüller Bernd/Weinfurter Stefan (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge. Symposium zur Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa" Verlag Philipp von Zabern Mainz 2001 Seite 123,124,163-165,168,268 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 96,179,183,190,199,205,230-232,234,261 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 149 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 36,48,54,304,356 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 386 - Widukind von Corvey: Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutggart 1981 Seite 101,117,133,143,161,163,191,193,209,211,215,219,221,233 - Wies, Ernst W.: Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989, Seite 74,92,103,109,166,168,215,241,274,282 -