Liutgard                                                    Franken-Königin
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um 775-4.6.800
           Tours

Begraben: Kloster St. Matrtin Tours

Tochter des N.N. aus schwäbischen Geschlecht
 

Treffer Gerd: Seite 37-39
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                               Liutgard - die Liebevolle
                                               * um 776, + Juni 800
                                                                 Tours

Fünfte Gemahlin KARLS DES GROSSEN (* 747, König: 768-814)

KARL war ein Mann, der Liebe gab, erweckte und empfing. Da war die Jugendliebe Himiltrud, der die politische und unglückliche Ehe mit der langobardischen Königs-Tochter Desiderata gefolgt war. Dann war der liebevollen Ehe mit Hildegard die leidenschaftliche Romanze mit Fastrada gefolgt. Nun, mit 52 Jahren, folgt für KARL das wie mit Herbstgold überschüttete Glück mit der feinsinnigen alemannischen Edelfrau Liutgard. Wie Fastrada heiratet sie KARL mit 18 Jahren. Ihre Mutter ist Hiltrud aus dem Wormsgau, ihr Vater Liutfried II. aus dem Elsaß.
Liutgard soll vorher schon mit KARL ein Liebesverhältnis gehabt haben. Sie muß eine außergewöhnliche Frau gewesen sein, denn die Chronisten stimmen darin überein, daß sie ebenso schön wie gebildet und liebenswürdig gewesen sei. Im Gegensatz zu Fastrada versteht sie es von Anfang an, die Herzen der Gebildeten und Großen der Pfalz zu gewinnen. Theodulf und Alkuin spenden ihr Lob, das weit über pflichtgemäßes Verhalten bei den Geschichtsschreibern der höfischen Kultur hinausgeht. In einem Eposfragment beschreibt Angilbert, "wie sie in strahlender Schönheit und prächtigem Schmuck, die weißen Schläfen mit einer Purpurbinde umwunden, auf stolzem Roße an jener Hofjagd im Aachener Forst teilnimmt". Gepriesen werden Liutgards frommer, milder Sinn, ihr Wohlwollen und ihre Liebenswürdigkeit gegenüber jedermann, ihre einnehmende und feine Rede, ihr Interesse für die freien Künste, ihr Lerneifer.
Mit ihrer Heirat fällt der Beginn des Baus der Aachener Kaiserpfalz zusammen, eine Art karolingischer Residenz, der Lieblingsort KARLS. Französische Autoren sprechen von einem "karolingischen Versailles". Dies ist der Beginn einer gewissen Seßhaftigkeit des Königtums. Calmette (1945) hat in seiner KARLS-Biographie notiert: "Der Vorzug, der diesem Ort eingeräumt wurde, läßt sich nicht vom großen politischen Programm trennen und beweist, daß es geplant war. Gerade weil sie mit der Vorstellung von einem riesigen Reich verbunden war, erhält die Errichtung des Palastes zu Aachen in den Augen der Geschichte ihre besondere Bedeutung." Künstler, Musiker, Dichter finden sich dort ein und begründen einen ersten wirklichen Ort kultureller Begegnung. Liutgard hat daran ihren Anteil. Der Hof wird zum brillantesten und raffiniertesten Zentrum des christlichen Westens werden, in mancher Hinsicht ein Vorbote des Hofes der KAPETINGER: die Königin nimmt an Jagden teil, veranstaltet Lesungen, musikalische Darbietungen.
Das Königspaar blieb kindelos, lebt aber inmitten der Schar von KARLS Kindern aus früheren Ehen, vor allem der Töchter. Liutgard muß eine sehr liebevolle Frau gewesen sein. Sie hatte gleichwohl Einfluß, nutzte ihn aber - wohl - anders als ihre Vorgängerin Fastrada. Ein so abgeklärter Geist wie Alkuin preist Liutgards Einfluß, ihre Zuverlässigkeit, ihre besänftigende, will heißen positive Wirkung auf KARL. Man kann auf ihre Fürsprache zählen. Alkuin wird sie um Hilfe bitten, als er KARL ein Gesuch des italienischen Abtes Usual unterbreitet. Der Äbtissin Edelburg von Fladbury, einer Tochter des englischen Königs Offa von Mercia, schreibt er: "honorabilis tibi est amicitia illius et utilis" - die Freundschaft Liutgards ist nicht nur nützlich, sie ist auch ehrenhaft. Unabhängig von den Sachfragen, die sich hinter diesen Bemerkungen verbergen, zeigt ihre Existenz: Liutgard spielte - wohl zurückhaltend, aber effizient - eien gewisse Rolle auch in den Angelegenheiten der Verwaltung des Reiches.
Das Glück dieser Frau als Königin des Frankenreiches dauert nicht lange. Am 4. Juni 800 stirbt Liutgard in Tours (und nicht, wie ein französischer Autor vermerkt: "zu Thionville, unweit der alemannischen Gebiete, die ihr Vater beherrscht", und sie damit wohl mit Hildegard verwechselt). Im Kloster des großen heiligen Martin, der seinen Mantel teilte, in Tours, wird sie begraben. KARL hatte an ihrem Sterbebett gestanden. Alkuin, der Zeuge des Todes war, schreibt dessen ungeachtet einen persönlichen Trostbrief an KARL und stellt ihm ein Wort des griechischen Philosophen Anaxagoras voran: "Ich wußte, daß ich einen Sterblichen gezeugt habe." Seinem königlichen Freund wollte er sagen: "Du wußtest, daß Du eine Sterbliche  liebtest." Liutgard ist ein halbes Jahr zu früh gestorben. Sie war Königin des Frankenreiches. Zu Weihnachten jenes Jahres wurde KARL in Rom zum Kaiser gekrönt und Liutgard wäre Kaiserin geworden.
Himiltrud und Desiderata hat KARL verstoßen, Hildegard, Fastrada und Liutgard begraben. Ernst Wies schreibt: "Nach dieser Ehe hat KARL nur noch die Befriedigung bei Konkubinen gesucht." Richtig ist zweifellos die Reihe der Mätressen, die fortan in KARLS Leben treten: "Es ziehen vorüber: Madelgard, die ihm die Töchter Ruothild, die spätere Äbtissin von Faremoutiers, gebar ..., die Konkubine Regina schenkt ihm noch zwei Söhne, Drogo, den späteren Erzkaplan und Bischof von Metz, sowie Hugo, den Abt von St. Quentin und St. Bertin ..., Erzkanzler LUDWIGS DES FROMMEN ..." Übersprungen haben wir hier in Wies' Aufzählung "die Sächsin Gerswind, als geheime Freude des Siegers, eine Frau des besiegten Volkes zu besitzen" und reihen die Sächsin als siebte Königin ein.


Werner Karl Ferdinand: Seite 442
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

I. Generation
1 f
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Zu Liutgard (Brandenburg 1 e "Liutgard") gibt Brandenburg das Todesjahr 800. Aber auch der Tag, 4. Juni, ist bekannt (Reichsannalen 800).


Konecny Silvia: Seite 69,84
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."

Nach Fastradas Tod nahm KARL dieses Konzept anscheinend wieder auf, denn auch mit seiner letzten Gemahlin Liutgard ging er zunächst keine Vollehe ein [Liutard weilte spätestens seit 795 am Königshof. Dies bezeugen Angilbert, Carmina n. 1; Seite 360, Theodulf, Carmina n. 25; Seite 485 und Alcuin, Epistolae n. 50; Seite 94, n. 90; Seite 134, n. 96; Seite 140, n. 150; Seite 246, n. 190; Seite 317. Liutgard wird jedoch nicht Königin oder Gemahlin KARLS genannt; Theodulf, Carmina n. 25; Seite 485 heißt es sogar: " ... Leutgardis pulchra virago..."]. Liutgard scheint ihre Stellung als Königin erst der Anwesenheit des Papstes im Frankenreich verdankt zu haben. Sie selbst war wohl recht unbedeutender, wenn auch adeliger Herkunft, und stammte ais Alemannien. Aus Gründen, die auch für KARLS Konkubinat mit der Mutter der Hruodhaid und seine späteren Konkubinate den Ausschlag gegeben haben mögen, wurde auch Liutgard vorerst nur Konkubine. Als aber 799 der Papst eintraf und eine Demonstration KARLS als christlichen König vor Augen haben sollte, ging es wohl nicht an, daß der König nur eine Konkubine hatte, die mit ihm nicht die königliche Würde teilte. Jenes Gedicht, das dei königliche Familie bei der Jagd schildert und im Anschluß daran den Papstbesuch in Paderborn beschreibt, nennt Liutgard jedenfalls Königin. Seither mag sie allgemein als Gattin KARLS gegolten haben. Dessen persönliche Beziehung zu ihr scheint gut gewesen zu sein, Liutgards Tod veranlaßte Alkuin zu einem Trostbrief an den Herrscher. Bei Lebzeiten besaß Liutgard einen gewissen Einfluß auf KARL, zumindest in Angelegenheiten nicht gerade politischer Bedeutung. Ihre Anteilnahme an geistlichen und kulturellen Belangen ist wiederholt bezeugt, ja Liutgard bildete geradezu einen Mittelpunkt kultureller Bestrebungen am Hof KARLS DES GROSSEN.
Am Hofe selbst war Liutgard, die letzte Ehefrau KARLS, ein Mittelpunkt kultureller und repräsentativer Aktivität. Doch dürfen ihr KARLS andere Ehefrauen hierin kaum nachgestanden sein, auch wenn deren Tätigkeit nicht direkt überliefert ist. Liutgard selbst stand mit Alkuin brieflich in Kontakt, richtete wohl auch gelegentlich eine Frage geistlichen Belanges an ihn und pflegte über ihn die Verbindung zu bedeutenden kirchlichen Würdenträgern. Wiederholt leitete Alkuin deren Anliegen oder den Dank für ein Geschenk der Königin weiter.
 
 
 
 

 794
  oo 4. KARL I. DER GROSSE
  x     2.4.742-28.1.814
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 57 - Epperlein Siegfried: Karl der Große. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1974, Seite 138 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 189,220,235,260,289 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 81,127,252-253 - Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität Wien 1976, Seite 69,81,84 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 170 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 89 - Schmid, Karl: Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter. Ausgewählte Beiträge, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1983, Seite 208,398,403 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 22,36 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986, Seite 253,256 -
 
 
 
 
 
 


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