Gregor von Tours erzählt (IV. Buch, Kap. 27): "Als
nun König
Sigibert sah, daß seine Brüder sich Weiber wählten,
die ihrer nicht würdig waren, und sich so weit erniedrigten, selbst
Mägde zur Ehe zu nehmen, da schickte er eine Gesandtschaft nach Spanien
und freite mit reichen Geschenken um Brunichilde,
die Tochter König
Athanagilds. Denn diese war
eine Jungfrau von feiner Bildung, schön von Angesicht,
züchtig und wohlgefällig in ihrem Benehmen, klugen
Geistes und anmutig im Gespräch. Der Vater aber versagte sie ihm
nicht und schickte sie mit großen Schätzen dem Könige.
Der versammelte die Großen seines Reiches, ließ ein Gelage
anrichten, und unter unendlichem Jubel und großen Lustbarkeiten nahm
er sie zu seinem Gemahl. Und da sie dem Glauben des Arius ergeben war,
wurde sie durch die Belehrung der Bischöfe und die Zusage des Königs
selbst bekehrt, glaubte und bekannte die heilige Dreieinigkeit und wurde
gesalbt".
Die Ermordung Galsvinthas
war neben den territorialen Auseinandersetzungen eine wesentliche
Ursache des nun in voller Schärfe ausbrechenden Konfliktes zwischen
Sigibert
und Chilperich;
er endete 575 mit der Ermordung Sigiberts
auf Anstiften der
Fredegunde: "Als
Sigibert
nach dem Hofe kam, der Vitry genannt wird - bei Arras -, sammelte sich
um ihn das ganze Heer der Franken, hob ihn auf den Schild und setzte ihn
sich zum König. Da drängten sich zwei Dienstleute, welche die
Königin
Fredegunde berückt hatte, mit tüchtigen Messern, die
man Scramsax nennt und die vergiftet waren, an ihn heran, als ob sie ihm
eine Sache vorzutragen hätten, und stießen sie ihm in beide
Seiten. Da schrie er laut auf, stürzte zusammen und hauchte nicht
lange danach den letzten Atem aus" (Gregor IV, 51). Brunichilde
war zu dieser Zeit mit ihren Kindern in Paris. Herzog Gundowald,
ein Gegner
Chilperichs, rettete den
fünfjährigen Sohn Sigiberts,
Childebert
II., aus Paris, währen Brunichilde
selbst zunächst in die Gefangenschaft Chilperichs
geriet, sich aber 577 in das Herrschaftsgebiet ihres Sohnes flüchten
konnte. Zwischen Brunichilde und Fredegunde
herrschte der blanke Haß; Brunichilde
hat aber nicht gedungene Mörder beauftragt, und sie hatte auch ein
eigenes politisches Konzept; die ehemalige westgotische Prinzessin hat
ein anderes Verhältnis zur Macht, einen anderen politischen Stil als
die von der Dienstmagd zur Königin steil aufgestiegene Fredegunde,
die "regina pulchra et ingeniosa nimis et adultera".
Brunichilde
veranlaßte ein Bündnis mit König
Guntram, wurde aber von einer Aristokratengruppe in der
Champagne und an der Maas, deren Kopf der Metropolit Aegidius von Reims
war, ausgeschaltet; diese Großen nahmen freundschaftliche Beziehungen
zu Chilperich auf. Doch gelang es Brunichilde,
dieses Bündnis zu Fall zu bringen. Im Herbst 584 wurde Chilperich,
der "Nero und Herodes
unserer Zeit", wie Gregor ihn nennt, ermordet.
Die beiden Höfe - Paris-Reims - vereinbarten auch
eine Ausschaltung der Guntram feindlich
gesinnten Großen des Ostlandes, Austrien.
Es war dieselbe Gruppe, die auch Brunichild
reserviert bis feindlich gegenüberstand. Die Aktion fand ihren Abschluß
in dem Prozeß gegen den Metropoliten Aegidius von Reims. Dieser
gemeinsame Sieg Guntrams und
Brunichilis'
war zugleich ein Sieg des monarchischen Prinzips. Als Guntram
593 starb, trat Childebert II. sein
Erbe an, starb aber bereits 596 im Alter von 26 Jahren. Das Zeitalter Brunichildes
brach an. Ihr Enkel Theudebert
II. folgte im Ostreich, Theuderich
II. in "Burgund". Die Opposition
der austrasischen Großen wuchs wieder an. 597 starb ihre Todfeindin
Fredegunde.
Brunichildis'
Enkel besiegten Fredegundes
Sohn Chlothar
II. Die austrasische Adelsopposition hat vielleicht Brunchilde
veranlaßt, ihre politischen Ziele, die Einheit des Reiches herzustellen
und die Monarchie zu festigen, nicht mit Theudebert,
dem Herrschaftsnachfolger ihres verstorbenen Gemahls Sigibert,
sondern mit Theuderich, dem Nachfolger
Guntrams,
zu verfolgen. Sie bediente sich dabei des Senatorenadels, ernannte gegen
den Widerstand der fränkischen Großen den Romanen
Protadius zum Hausmeier Theuderichs
und nach dessen Ermordung den Römer Claudius. Im Bruderkrieg
zwischen ihren Enkeln siegte Theuderich
und nahm Theudebert gefangen; er wurde
mit seinem Sohn nach Chalon gebracht, wo beide umgekommen sind, nachdem
Brunichilde
vergeblich versucht hatte, durch eine Klosterhaft des Enkels und Urenkels
das Schlimmste zu verhindern.
Theuderich
rüstete nun zum Kampf mit Chlothar II.,
starb aber, 27 Jahre alt, 613 in Metz. Ein schwerer Schlag für Brunichilde.
Sie ließ sofort den elfjährigen Sohn Theuderichs,
Sigibert
II., zum König erheben. Das bedeutete praktisch eine
lange Regentschaft der alten Königin und stieß auf einmütigen
Widerstand der Großen. Sie riefen Chlothar
II. ins Land. Das Heer, das Brunichilde
Fredegundes Sohn entgegenstellte, löste sich kampflos auf.
Brunichilde
floh,
wurde aber gefangengenommen und Chlothar
ausgeliefert. Er ließ sie auf ein wildes Pferd binden und zerreißen.