Ennen Edith: Seite 49-52
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"Frauen im Mittelalter"

Gregor von Tours erzählt (IV. Buch, Kap. 27): "Als nun König Sigibert sah, daß seine Brüder sich Weiber wählten, die ihrer nicht würdig waren, und sich so weit erniedrigten, selbst Mägde zur Ehe zu nehmen, da schickte er eine Gesandtschaft nach Spanien und freite mit reichen Geschenken um Brunichilde, die Tochter König Athanagilds. Denn diese war eine Jungfrau von feiner Bildung, schön von Angesicht, züchtig und wohlgefällig in ihrem Benehmen, klugen Geistes und anmutig im Gespräch. Der Vater aber versagte sie ihm nicht und schickte sie mit großen Schätzen dem Könige. Der versammelte die Großen seines Reiches, ließ ein Gelage anrichten, und unter unendlichem Jubel und großen Lustbarkeiten nahm er sie zu seinem Gemahl. Und da sie dem Glauben des Arius ergeben war, wurde sie durch die Belehrung der Bischöfe und die Zusage des Königs selbst bekehrt, glaubte und bekannte die heilige Dreieinigkeit und wurde gesalbt".
Die Ermordung Galsvinthas war neben den territorialen Auseinandersetzungen eine wesentliche Ursache des nun in voller Schärfe ausbrechenden Konfliktes zwischen Sigibert und Chilperich; er endete 575 mit der Ermordung Sigiberts auf Anstiften der Fredegunde: "Als Sigibert nach dem Hofe kam, der Vitry genannt wird - bei Arras -, sammelte sich um ihn das ganze Heer der Franken, hob ihn auf den Schild und setzte ihn sich zum König. Da drängten sich zwei Dienstleute, welche die Königin Fredegunde berückt hatte, mit tüchtigen Messern, die man Scramsax nennt und die vergiftet waren, an ihn heran, als ob sie ihm eine Sache vorzutragen hätten, und stießen sie ihm in beide Seiten. Da schrie er laut auf, stürzte zusammen und hauchte nicht lange danach den letzten Atem aus" (Gregor IV, 51). Brunichilde war zu dieser Zeit mit ihren Kindern in Paris. Herzog Gundowald, ein Gegner Chilperichs, rettete den fünfjährigen Sohn Sigiberts, Childebert II., aus Paris, währen Brunichilde selbst zunächst in die Gefangenschaft Chilperichs geriet, sich aber 577 in das Herrschaftsgebiet ihres Sohnes flüchten konnte. Zwischen Brunichilde und Fredegunde herrschte der blanke Haß; Brunichilde hat aber nicht gedungene Mörder beauftragt, und sie hatte auch ein eigenes politisches Konzept; die ehemalige westgotische Prinzessin hat ein anderes Verhältnis zur Macht, einen anderen politischen Stil als die von der Dienstmagd zur Königin steil aufgestiegene Fredegunde, die "regina pulchra et ingeniosa nimis et adultera". Brunichilde veranlaßte ein Bündnis mit König Guntram, wurde aber von einer Aristokratengruppe in der Champagne und an der Maas, deren Kopf der Metropolit Aegidius von Reims war, ausgeschaltet; diese Großen nahmen freundschaftliche Beziehungen zu Chilperich auf. Doch gelang es Brunichilde, dieses Bündnis zu Fall zu bringen. Im Herbst 584 wurde Chilperich, der "Nero und Herodes unserer Zeit", wie Gregor ihn nennt, ermordet.
Die beiden Höfe - Paris-Reims - vereinbarten auch eine Ausschaltung der Guntram feindlich gesinnten Großen des Ostlandes, Austrien. Es war dieselbe Gruppe, die auch Brunichild reserviert bis feindlich gegenüberstand. Die Aktion fand ihren Abschluß in dem Prozeß gegen den Metropoliten Aegidius von Reims. Dieser gemeinsame Sieg Guntrams und Brunichilis' war zugleich ein Sieg des monarchischen Prinzips. Als Guntram 593 starb, trat Childebert II. sein Erbe an, starb aber bereits 596 im Alter von 26 Jahren. Das Zeitalter Brunichildes brach an. Ihr Enkel Theudebert II. folgte im Ostreich, Theuderich II. in "Burgund". Die Opposition der austrasischen Großen wuchs wieder an. 597 starb ihre Todfeindin Fredegunde. Brunichildis' Enkel besiegten Fredegundes Sohn Chlothar II. Die austrasische Adelsopposition hat vielleicht Brunchilde veranlaßt, ihre politischen Ziele, die Einheit des Reiches herzustellen und die Monarchie zu festigen, nicht mit Theudebert, dem Herrschaftsnachfolger ihres verstorbenen Gemahls Sigibert, sondern mit Theuderich, dem Nachfolger Guntrams, zu verfolgen. Sie bediente sich dabei des Senatorenadels, ernannte gegen den Widerstand der fränkischen Großen den Romanen Protadius zum Hausmeier Theuderichs und nach dessen Ermordung den Römer Claudius. Im Bruderkrieg zwischen ihren Enkeln siegte Theuderich und nahm Theudebert gefangen; er wurde mit seinem Sohn nach Chalon gebracht, wo beide umgekommen sind, nachdem Brunichilde vergeblich versucht hatte, durch eine Klosterhaft des Enkels und Urenkels das Schlimmste zu verhindern. Theuderich rüstete nun zum Kampf mit Chlothar II., starb aber, 27 Jahre alt, 613 in Metz. Ein schwerer Schlag für Brunichilde. Sie ließ sofort den elfjährigen Sohn Theuderichs, Sigibert II., zum König erheben. Das bedeutete praktisch eine lange Regentschaft der alten Königin und stieß auf einmütigen Widerstand der Großen. Sie riefen Chlothar II. ins Land. Das Heer, das Brunichilde Fredegundes Sohn entgegenstellte, löste sich kampflos auf. Brunichilde floh, wurde aber gefangengenommen und Chlothar ausgeliefert. Er ließ sie auf ein wildes Pferd binden und zerreißen.