Begraben: Mausoleum im alten Petersdom, Rom
Einzige Tochter des Kaisers Theodosius
I. der Große aus seiner 2. Ehe mit der Galla,
Tochter von Kaiser
Valentinianus I.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1092
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Galla Placidia, weströmische Kaiserin
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* um 390,
Tochter Theodosius des Großen
Nach dem frühen Tod der Eltern von Serena, der Gattin des Heermeisters Stilicho, erzogen. Als Alarich I. 410 Rom eingenommen hatte, mußte sie mit dem gotischen Heer als Geisel nach Süd-Italien, Süd-Frankreich und Spanien ziehen. In Narbo heiratete sie 414 nicht ohne Zustimmung ihre kaiserlichen Bruders Honorius den römerfreundlichen Goten-König Athaulf. Als dieser ein Jahr später ermordet wurde, kehrte sie nach Ravenna zurück, wo sie auf Geheiß ihres Bruders dem Heermeister und Mitregenten Constantius III.vermählt wurde; ihm gebar sie die Kinder Valentinian III. und Honoria. Nach einem erzwungenen Aufenthalt in Konstantinopel (infolge des frühen Todes ihres Gatten) regierte sie ab 426 als Augusta mit Klugheit und Umsicht das weströmische Reich, unterstützt von den mächtigen Heermeistern Bonifatius, Felix und Aetius. Als Valentinian regierungsfähig geworden war (437 Verheiratung mit Eudoxia die Jüngere), zog sie sich nach Rom zurück, wo sie 450 starb und wohl auch begraben wurde. Das hohe Ansehen verdankte sie besonders ihrer Frömmigkeit, die in zahlreichen Stiftungen sichtbar wird, und ihrem Gerechtigkeitssinn. Der sogenannte Sarkophag der Galla Placidia in ihrem berühmten Grabmal von Ravenna gelangte wohl erst später an die heutige Stelle.
R. Klein
Tochter des Kaisers Theodosius I.
Nach der Eroberung Romds durch Alarich mußte sie den westgotischen Häuptling Athaulf heiraten. Nach dessen Tod heiratet sie ihrem Bruder Honorius zuliebe den künftigen Kaiser Constantius III. Als 425 ihr Sohn als Kind Kaiser wurde, war Galla Placidia die eigentliche Herrscherin des weströmischen Reiches. Sie versuchte, die Reichsgewalt durch Zusammenarbeit mit der Kirche zu stärken. Später war sie bemüht, in Ravenna Kirchen zu erbauen und zu renovieren. 450 n. Chr. starb Galla Placidia in Rom.
E. Kornemann, Große Frauen des Altertums, 1952.
Weströmische Kaiserin
Tochter Theodosius' I.
Geriet 410 in Rom in die Hände der Westgoten, deren
König
Athaulf
sie 414 heiratete. Nach dessen Tod gegen Anerkennung des spanischen Goten-Staates
416 zurückgesandt, wurde Gallla Placidia
mit dem Feldherrn
Constantius (dem
späteren
Kaiser
Constantintius III.) verheiratet,
421 zur Augusta erhoben, im selben Jahr erneut Witwe und 423 (?)
nach Konstantinopel verbannt. In den Wirren, die auf den Tod ihres Bruders
Honorius folgten, gelang es ihr, das Nachfolgerecht ihres Sohnes
Valentinian
III. durchzusetzen (425). Von Theodosius
II. zum zweiten Mal
zur Augusta erhoben (425), mußte
sie als Regentin mit den turbulenten außenpolitischen und
innenpolitischen Kräftekonstellationen ihrer Zeit (Aetius,
Geiserich)
fertigwerden. Berühmt ist ihre Kapelle (Teil einer verschwundenen,
vielleicht nicht vollendeten Kirche), die sie in Ravenna errichten ließ
(besonders Mosaiken). - Abb. Seite 46
GALLA PLACIDIA
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450
berühmte Frauengestalt der spätrömischen Zeit
Von den Westgoten 410 entführt; 4421 Augusta, 425-437 Hauptregentin.
1. oo 414
ATHAULF, Westgoten-König
415
2. oo 417
KONSTANTIUS
III. FLAVIUS
421
GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE: Seite 178
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GALLA PLACIDIA
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Die Tochter des Kaisers
Theodosius I. war in Byzanz aufgewachsen, in der Obhut christlicher
Erzieherinnen. Im August 410 erlebte das kaum 18-jährige Mädchen
in Rom die Plünderung der Stadt durch die Gotenhorden
Alarichs, der die Kaiser-Tochter als Geisel auf seinem
Raubzug mit sich führte bis nach Cosenza, wo er den Tod fand.
Alarichs Nachfolger Athaulf führte
die Goten nach Gallien und vermählte sich dort mit Galla
Placidia - eine politische Heirat, die Friede zwischen dem Goten-König
und Honorius, Galla
Placidias Stiefbruder, schließen sollte. Nach Athaulfs
Tode wurde die junge Witwe in eine zweite politische Ehe gezwungen - mit
ihres Stiefbruders Mit-Kaiser und Feldherrn Constantius.
Auch Constantius verstarb schon nach
wenigen Jahren, und Honorius schickte
seine Stiefschwester mit ihren Kindern in die Verbannung, aus der sie erst
nach seinem Tode wieder zurückkehren durfte, als Regentin für
ihren noch unmündigen Sohn Valentinian.
Ein Vierteljahrhundert lang stand nun Westrom unter dem Zeichen der Augusta
Galla
Placidia, die unter dauernden Kämpfen mit machtlüsternen
hohen Reichsbeamten und Heerführern, unter inneren und äußeren
Widerständen ein gesetzgeberisches Werk schuf, das der zeitlichen
Mißstände Herr zu werden versuchte und das römische Rechtswesen
von neuem festigte. In dieser gotischen Fürstin römischen Blutes
vollzog sich symbolträchtig jener Verschmelzungsprozeß, der
aus dem Untergang der Römer wie der Goten und ihrer Bruderstämme
die große romanische Völkerfamilie entstehen ließ, die
in der übernationalen lateinischen Rechtsidee die Einheit des Abendlandes
ins Mittelalter hinüberrettete.
417
2. oo Constantius III. römischer Kaiser (421)
um 378 2.9.421
Kinder:
1. Ehe
Theodosius
414 415
2. Ehe
Valentinianus III.
3.7.419 16.3.455
Honoria Justa Grata
418 um 455
Literatur:
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Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt
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Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer
Verlag 1994 Tafel 484 -