Theodosius I. der Große                 Römischer Kaiser (379-395)
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11.1.346 17.1.395
Canca        Mailand
 

Sohn des Flavius Theodosius und der Thermantia der Älteren
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 627
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Theodosius I. der Große, römischer Kaiser 379-395
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* 11. Januar 347 (345), 17. Januar 395
Cauca (NW-Spanien)      Mailand

Seit 368 nahm Theodosius im Stab seines gleichnamigen Vaters (369 magister equitum) an Feldzügen in Britannien und gegen die Alamannen teil. 374 besiegte er als 'dux Moesiae' die Sarmaten. 376 heiratete er Flacilla († 386). Nach der Niederlage des Kaisers Valens bei Adrianopel (9. August 378) erhob Kaiser Gratian Theodosius am 19. Januar 379 in Sirmium zum Augustus. Theodosius wurde die 'praefectura Orientis' einschließlich Thrakiens - vorübergehend auch Dakien und Makedonien - unterstellt. Auch beim Neuaufbau der Armee des Ostens setzte Theodosius die 379 schon weit gediehene Germanisierung fort, doch finden sich neben Germanen wie Richomer und Stilicho auch noch Generale römischer Herkunft. Dem Versuch einer teilweisen Integration der ansonsten entschieden bekämpften Barbaren diente auch das Bündnis von 382, bei dem sich unter Zusicherung der Autonomie auf Reichsboden angesiedelte Goten zur Waffenhilfe verpflichteten. Kraft seiner Stellung als Kaiser von Gottes Gnaden verfügte der auf Einheit im Glauben bedachte, erst im Herbst 380 getaufte Kaiser am 28. Februar 380 ein für alle Untertanen verbindliches Bekenntnis (CTh 16, 1, 2). Dies auf dem Beschluß des Konzils von Nicaea (325) beruhende und noch heute für die meisten Christen gültige Bekenntnis (Nikaia, 1. ökumenischen Konzil) ließ er auf dem Konzil von Konstantinopel im Sommer 381 (dem sogenannten 2. ökumenischen Konzil) kirchlich sanktionieren. Theodosius, der damit aber keine vom Kaiser gelenkte Staatskirche schuf, erließ nun Gesetze gegen Häretiker (CTh 16, 6, 5, 16ff.). Zurückhaltender blieb Theodosius bis 391 gegenüber den Heiden, welche er sogar in höheren Ämtern beließ. Den sich 384 im Westen gegen Gratian erhebenden Maximus (orthodoxer Katholik) besiegte er im Sommer 388. 389 besuchte er Rom. Bis 391 meist in Mailand, setzte er Valentinian II. als Mitregenten im Westen ein. Schon 388 (Maßregelung orthodoxer Fanatiker) geriet Theodosius in Konflikt mit dem an sich auf Zusammenarbeit bedachten Ambrosius. Als Theodosius im Frühjahr 390 nach Unruhen in Thessalonike einen harten Vergeltungsbefehl zu spät widerrief, erging von Ambrosius eine an Weihnachten 390 befolgte Aufforderung zur Buße. Erst durch die Legende wurde aus dem »Sieg der Bußgewalt über den reuigen Sünder« (W. Ensslin) der Sieg des Bischofs über den Kaiser Der nach wie vor seine Autorität wahrende Theodosius ging nun schärfer gegen die Heiden vor: Nach dem Besuch von Tempeln und Opfern (24. Febr. 391) wurde schließlich jeglicher Götterkult verboten (8. November 392 - CTh 16, 10 und 12). Nach dem Sieg (5./6. September 394 am Frigidus) über den im Sommer 392 von Arbogast erhobenen Eugenius - den letzten von der heidnischen Senatsaristokratie unterstützten Usurpator - durfte der gegenüber dem Besiegten milde Theodosius hoffen, daß die Reichseinheit unter ihm und seinen zu Augusti erhobenen Söhnen Arcadius (* 377), im Osten, und Honorius (* 384), im Westen, gesichert war. Die Uneinigkeit der Machthaber nach seinem Tod zerstörte diese Hoffnungen. Unter Theodosius, der das Reich in seinem Bestand bewahrte, gab es Ansätze zu Reformen, gelang es insgesamt, eine weitere Verschlechterung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich zu verhindern. Literatur und Kunst (Ausbau Konstantinopels) erlebten eine relative Blüte. Für kirchliche Kreise bald als 'der Große' geltend, wurde Theodosius von den meisten Quellen (wie den Kirchengeschichtsschreibern Sokrates, Sozomenos, Theodoret, den Rednern Libanios, Pacatus, Themistios, aber auch Ambrosius und Claudian) günstig beurteilt, scharfe Kritik klingt an bei dem auf den Heiden Eunapios zurückgehenden Zosimos.

A. Lippold



Thiele, Andreas: Tafel 484
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Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

THEODOSIUS I. "DER GROSSE"
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* 346, 395

Herzog von Moesien, 378 Magister militum, 379 Kaiser im Ostreich, ab 383 allein im Osten; 383-394 Zeit von Thronkriegen: siegt 388 über Gegen-Kaiser Magnus Maximus (siehe Rom VIII) schroffer Gegner der Arianer: 381 2. Ökumenisches Konzil/Byzanz, macht 391 das Christentum zur Staatsreligion (!), verbietet 392 alle heidnischen Kulte und beendet 393 die Olympischen Spiele; schließt auch die Platonische Akademie/Athen; legt den Titel "Pontifex Maximus" ab; unterwarf sich 391 einer Kirchenstrafe des Bischofs Ambrosius von Mailand: war 390 wegen blutiger Unterdrückung von Zirkusunruhen exkommuniziert worden; anerkennt noch den Primat des Bischofs von Rom, stellt jedoch eindeutig die Weichen für den byzantinischen Caesaropapismus; siedelt endgültig die Westgoten in Moesien als Foederaten an, teilt Armenien mit Persien; erstmals fallen die Hunnen in Grenzregionen ein.
Zeit kultureller Spätblüte (unter anderem Libanios, Rhetoriker, um 393) und Ausonius (393), Vettius Praetextatus (384, Neoplatoniker)
394 Schlacht am Frigidius: zum letzten Mal Reichseinheit (siehe unten)
Bedeutende Kirchenväter sind
1) Gregor von Nazianz (390)
2) Gregor von Nyssa (um 394)
3) Basilius der Große (379)

  1. oo AELIA FLACILLA
                 †  386

  2. oo GALLA
               394

Tochter des römischen Kaisers Valentinian I. und Schwester des Kaisers Gratian, der Theodosius förderte



Theodosius zog sich nach der Hinrichtung seines Vaters auf seine Güter zurück, doch wurde er 378 von Gratian zum Magister militum ernannt. Wegen seiner militärischen Fähigkeiten wurde er am 19.1. 379 zum Kaiser des Ostens ernannt. Es gelang ihm, die anstürmenden Goten in Mösien anzusiedeln. 381 berief er das 2. ökumenische Konzil nach Konstantinopel und erklärte die orthodoxe Lehre des Athanasius zum offiziellen christlichen Glauben und zur Staatsreligion, verbot 392 die Olympischen Spiele und ließ als fanatischer Christ zahlreiche Tempel, unter anderem den Saparistempel in Alexandria zerstören. Er besiegte 388 den Gegen-Kaiser Magnus Maximus. Mit der Teilung des Römischen Reiches unter seinen Söhnen Honorius (Westreich) und Arcadius (Ostreich) bei seinem Tode wurde die politische Einheit des Reiches aufgegeben. Er war somit der letzte römische Kaiser, der das gesamte Reich unter seiner Herrschaft vereinigt hatte.
 
 
 
 

  1. oo Aelia Flacilla
                386

    387
  2. oo Galla, Tochter des Kaisers Valentinianus I.
            um 374 394
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Honorius
  9.9.384 15.8.423

  Arcadius
  377 1.5.408

2. Ehe

  Galla Placidia
  388 27.11.450
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 12,41,231 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 89,333,337,340,344 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München 1959 Seite 17,24,65,86,99,257 - Gottschalk Gisela: Die großen Cäsaren. Ihr Leben, ihre Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und München 1980 Seite 244,247,250,256,257,261 - Grant, Michael: Der Untergang des Römischen Reiches. Manfred Pawlik Verlagsgesellschaft mbH Herrsching 1988 Seite 31,34,56,59,67,70,74,80,91, 93,106,112,114,116,118,120,127,146,150,152,160,172,178,182,186,198, 202,205,208,211,215,217, 236,243 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 337,339-349,352,355,394,427 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 19, 20, 22,30-33,39-42,44-46,48,51,52,59,62,98,132,134,158 - Heuss Alfred: Römische Geschichte. Georg Westermann Verlag Braunschweig 1960 Seite 430,455,462,470,474 - Illustriertes LEXIKON DES ALTERTUMS. MECO Verlag GmbH Dreieich 1993 Seite 415 - Lewandowski Herbert Dr.: Römische Sittengeschichte. Hans E. Günther Verlag Stuttgart 1964 Seite 287-289,291-292,295 - Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich 1990 Band III Seite 514 - Löwe Gerhard/Stoll Heinrich Alexander: Die Antike in Stichworten. Koehler & Amelung Leipzig 1967 Seite 325 - Marcellinus Ammianus: Römische Geschichte Akademie-Verlag GmbH Berlin 1971 Buch 27 Kapitel 8 Abschnitt 3; Buch 28 Kapitel 3; Buch 28 Kapitel 5 Abschnitt 15 Buch 29 Kapitel 5 Abschnitt 2; Buch 29 Kapitel 6 Abschnitt 15 - Maschkin N.A.: Römische Geschichte. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1953 Seite 616-618,625,626 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 77,116, 120-129,131,135,166,343 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 52,53,57,62-64,92,105,716 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 - Schreiber Hermann: Die Hunnen. Attila probt den Weltuntergang. Econ Verlag Wien-Düsseldorf 1990 Seite 133, 139,311 - Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag Bindlach 1993 Seite 81,84,130 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 484 - Veh Otto: Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis & Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 109-111 -