Begraben: Kloster Hirsau
Sohn des Grafen
Berthold III. im Breisgau und der (Lütgard?) von Nellenburg,
Tochter von Graf NN
Nach Gewin Sohn des Grafen Berthold E. 13. Dieser
wird zwischen
Berthold III. und Herzog
Berthold I. eingeschoben
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 2026
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Berthold I., Herzog von Kärnten 1061-1077
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+ 5./6. November 1078
Begraben: Kloster Hirsau
1. oo Richwara, Tochter des Herzog Konrads II.
von Kärnten?
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Hatte drei Söhne:
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Berthold II. von Zähringen (+ 1111)
Hermann I. von Baden (+ 1074)
Bischof Gebhard von Konstanz (+ 1110)
2. oo Beatrix, Tochter Ludwigs, Grafen von Mömpelgard
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Nach dem Tod Herzog Konrads III. (1061) erhielt der aus dem Geschlecht der ZÄHRINGER stammende Berthold durch Kaiserin Agnes das Herzogtum Kärnten mit der Mark Verona. Wie sein Vorgänger konnte er sich in Kärnten nicht durchsetzen, spielte aber durch seinen Besitz in Schwaben eine wichtige Rolle in der Reichspolitik. 1066 war er in Tribur am Sturz Adalberts von Bremen, 1070 an der Absetzung Ottos von Northeim beteiligt. Im Kampf zwischen HEINRICH IV. und den Sachsen verfolgte Berthold zusammen mit den Herzögen von Schwaben und Bayern eine eigenständische Politik. 1072 kam es zu Spannungen mit HEINRICH IV. Lampert von Hersfeld berichtet fälschlich von der Absetzung Bertholds, doch nahm Berthold noch 1075 im Heer des Königs an der Schlacht an der Unstrut teil. Nach dem Bann über HEINRICH IV. trat er wie die übrigen süddeutschen Herzöge auf die Seite der Gregorianer und beteiligte sich 1077 in Forchheim an der Wahl RUDOLFS VON RHEINFELDEN zum Gegenkönig. HEINRICH IV. übertrug hierauf Kärnten an Liutold von Eppenstein und ließ Berthold auf dem Reichstag von Ulm als Hochverräter verurteilen. Nach weiteren Kämpfen mit Anhängern des Königs starb Berthold am 5./6. November 1078.
Quellen:
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Monumenta hist. ducatus Carinthiae, hg. A. v. Jaksch,
III, 1904, Nr. 339, 340, 370-374, 389, 399-407, 424-449, 457.
Literatur:
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BWbDG I, 256 f. - NDB II, 159 - H. Witte-Hagenau, Genealog.
Unters. zur Reichsgesch. unter den sal. Ks.n, MIÖG Ergbd. 5, 1896-1903,
309-371 - E. Hochenbichler, Die Besetzung der Hzm.er Bayern, Kärnten
und Schwaben in otton. und sal. Zeit [Diss. masch. Wien 1965], 135 ff.
Berthold I. von Zähringen, Herzog von Kärnten
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um 1000-6.11.1078
1061 von Kaiser HEINRICH III.
[richtig:
Kaiserin Agnes] mit dem Herzogtum
Kärnten und der Markgrafschaft Verona belehnt. Berthold
gehörte während des Investiturstreites zu den Gegnern
Kaiser HEINRICHS IV. und verlangte die Absetzung des Kaisers,
falls dieser länger als ein Jahr im Kirchenbann bliebe. Um die Einheit
des Reiches zu wahren, unternahm HEINRICH
den Bußgang nach Canossa (Oberitalien). Nach seiner Rückkehr
nach Deutschland ließ er die Besitzungen Bertholds
und
seiner anderen Gegner verwüsten bzw. einziehen.
Berthold starb,
vom Kaiser militärisch bedrängt, in der Limburg. Sein ältester
Sohn Hermann
wurde zum Stammvater der Markgrafen von Baden. In Kärnten folgte
ihm sein jüngster Sohn Berthold
II.
ist 1037 als Vertrauter König KONRADS II. bezeichnet: Gisebrecht II. 321, 323. Er heiratete vermutlich eine Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben.
[Die Angeben zu B. 13. halte ich für Unsinn.]
VII. 17. Berthold
1055-1078 (+), Graf, Herzog von Kärnten 1061-1072,
1077 geächtet: Fürstenberg, Urkundenbuch I. 411, 42.
Nach Giesebrecht II., Seite 63, 649 war Berthold
1055 Vertrauter
König HEINRICHS IV.,
1061 Herzog von Kärnten, 1072 abgesetzt, aber 1073 wieder eingesetzt
und 1077 Gegner des Königs.
Die Neue Deutsche Biographie Band II. Berlin 1955 gibt
von ihm die folgende Beschreibung: Berthold
(mit dem Barte), allemannischer Graf, Herzog in Kärnten
1061, + Nov. 1078 auf der Limburg bei Weilheim i. T. Bis
1077 Anhänger König HEINRICHS IV.,
nahm er 1077 an der Erhebung RUDOLFS VON RHEINFELDEN
zum Gegenkönig teil, starb aber nachher und wurde in Hirsau bestattet.
Black-Veldtrup Mechthild: Seite 303,304,312,384
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"Kaiserin Agnes"
Dem mit seiner ganzen Familie der Reformbewegung zuzurechnenden Zähringer-Herzog Berthold hatte HEINRICH III. das Herzogtum Schwaben versprochen; statt dessen überging die Regentin Agnes die Ansprüche Bertholds I. von Zähringen auf das Herzogtum Schwaben, verlieh ihm das Herzogtum Kärnten und erhob RUDOLF VON RHEINFELDEN zum Herzog von Schwaben, der auf ihre Unterstützung bei der Reform von St. Blasien zählen konnte. Bertholds Anwesenheit bei der Gründung des Klosters Cluny ist bezeugt. Der Annalist von Niederaltaich weiß davon zu berichten, dass HEINRICH IV. im Jahre 1072 den Verdacht schöpfte, dass außer anderen Herzögen und Bischöfen auch RUDOLF VON SCHWABEN und Berthold von Kärnten an einer Verschwörung gegen ihn beteiligt seien. Herzog Berthold gehörten zum Kreis der Reformer, die deswegen mit König HEINRICH IV. in Konflikt gerieten. An der Weihe der Klosterkirche am 4. September 1071 nahm Herzog Berthold von Kärnten teil, der den Bau der Kirche maßgeblich unterstützt hatte und später möglicherweise mit seiner ersten Frau Richwara im Hirsau sein Grab fand. Beider Schwiegertochter Judith, Markgräfin von Baden, lebte seit der 1073 in Cluny erfolgten conversio ihres Mannes in der Nähe von Hirsau und unterstützte den Bau der neuen St. Peter- und Paulskirche; auch sie muß schon frühere Kontakte zum Aureliuskloster gehabt haben.
Fenske Lutz: Seite 56 A 156,326
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"Adelsopposition"
Obwohl HEINRICH IV.
diesmal nicht mehr in gleicher militärischer Stärke in Sachsen
einrückte wie im Sommer 1075, denn die drei süddeutschen Herzöge
Rudolf, Welf und Berthold
hatten dem König keine Heerfolge geleistet.
Nur wenig später kam der Konflikt zwischen den Forderungen
des Reformpapsttums und der kirchlichen Politik
HEINRICHS IV. zum offenen Ausbruch. Die päpstlichen Kampfmaßnahmen
führten zu einer sofortigen Verbreiterung der Front gegen den König
im Innern Deutschlands, als die drei süddeutschen Herzöge Welf
von Bayern, RUDOLF VON SCHWABEN und
Berthold von Kärnten, die im Sommer
des vorausgegangenen Jahres noch den Sieg HEINRICHS
IV. an der Unstrut erkämpft hatten, nicht nur dem König
jede weitere Unterstützung entzogen, sondern ganz offen gegen ihn
Stellung nahmen.
Schmid Karl: Seite 22,31,33,47
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"Die Zähringer"
Bereits im Jahre 1061 hatten die ZÄHRINGER
den Titel eines Herzogs von Kärnten erhalten, verliehen von der Kaiserin
Agnes in der Zeit, als der SALIER HEINRICH
IV. unmündig war. Die Verleihung aber entschädigte
sie lediglich für entgangene, größere Würden. Der
Titel kompensierte nämlich die Tatsache, dass Agnes
im
Jahre 1057 das schwäbische Herzogtum nicht den ZÄHRINGERN,
sondern RUDOLF VON RHEINFELDEN übertragen
hatte. Wenn man einem Bericht der Chronik Frutolfs von Michelsberg glauben
darf, brach Agnes damit eine Versprechen,
das Kaiser HEINRICH III. dem ZÄHRINGER
Bertold I. gegeben hatte.
Bertold I.
war 1077, nach HEINRICHS IV. Canossagang,
führend an der Erhebung des Gegenkönigs
RUDOLF von Rheinfelden beteiligt. HEINRICH
IV. hat ihm daraufhin alle Reichslehen abgesprochen und die
Grafschaft im Breisgau noch 1077 dem Bischof von Straßburg verliehen.
In Schwaben und Elsaß gerieten die Anhänger des Gegenkönigs
damals in höchste Bedrängnis, Bertold
mußte
hinnehmen, dass sein Hauskloster in Weilheim unter Teck zerstört wurde.
Seine Position im Breisgau war deshalb besonders gefährdet, da sie
hier weitgehend auf Reichslehen beruhte - auch Burg und Dorf Zähringen
gehörten dazu - oder auf Lehen vom Bischof von Basel und vom Abt
von St. Gallen, die beide zu den entschiedensten Anhängern HEINRICHS
IV. zählten.
Ein dux Bertholdus im Zusammenhang mit dem Kloster Hirsau
läßt sich nur auf den ZÄHRINGER
Bertold I. beziehen. Er war Herzog von Kärnten und Markgraf
von Verona 1061-1077, verlor aber sein Herzogtum, als er sich im Investiturstreit
entschieden auf die Seite der päpstlichen Partei stellte und sich
in Forchheim an der Wahl RUDOLFS von Rheinfelden
zum
Gegenkönig beteiligte und damit in Gegensatz zu HEINRICH
IV. geriet. Aus der Ehe Bertolds
mit
Richwara,
vermutlich einer Tochter Herzog Konrads II. von Kärnten, stammen der
gleichnamige Sohn Bertold II. von Zähringen, Bischof
Gebhard von Konstanz und Markgraf Hermann I. von Baden.
Bertold I. von Zähringen
starb am 5. (oder 6.?) November des Jahres 1078; seine Gemahlin
Richwara
muß
damals bereits seit einiger Zeit verstorben gewesen sein, weil Bertold
in zweiter Ehe mit Beatrix
von Mömpelgard vermählt war. Das auf dem Stein genannte
Datum des Todestages, der 10. Mai, muß sich auf Richwara beziehen.
Bertold starb auf
der Burg Limburg über Weilheim an der Teck, nachdem HEINRICH
IV. auf dem Reichstag in Ulm im Juni 1077 ihn zum Hochverräter
erklären ließ und ihn damit seiner Ämter, Lehen und Besitzungen
für verlustig erklärte. Bertolds
Beisetzung in Hirsau, das er persönlich gefördert
hatte und dessen Abt Wilhelm ihm befreundet war, ist verständlich;
sie sicherte weit eher eine ungestörte Totenruhe und ein liturgisches
Gedenken als etwa ein Begräbnis in Weilheim, das im Spannungszentrum
kriegerischer Auseinandersetzungen als Besitztum Bertolds
kaum Sicherheit bot.
Heyck Dr. Eduard: Seite 17-96
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"Geschichte der Herzöge von Zähringen"
Bertold I.
war, ehe er Herzog wurde, Graf. Und zwar verwaltete er nicht
nur alsbald nach seines Vaters Tode die Grafschaften, die sein Großvater
gehabt hatte und die gewiß auch sein Vater später wieder gehabt
hatte, obwohl sich in unseren Quellen keine Gelegenheit mehr bietet das
unmittelbar zu erkennen, nämlich den Breisgau und den Thurgau, sondern
auch seines Vaters sichere Grafschaft, die Ortenau. Ferner war er Graf
im Albgau, aus dessen spärlichen Quellen nicht zu ersehen ist, wann
er an dies Haus kam und vielleicht auch schon in dem später sicher
dem Grafenamt der ZÄHRINGER unterstehenden Teil der 999 noch
einheitlichen Baar, der zugleich einen guten Teil ihres Besitzes umschloß.
Da dieser Graf Bertold
vor 1056 zum Gedächtnis seines (mütterlichen) Großvaters
einen Mansus in dem Dorf Wiesen im Klettgau an Reichenau vergabte, wird
von der schon früher herangezogenen Urkunde Eberhards des Seligen
von Nellenburg erwähnt.
Die sich fast über ganz Schwaben erstreckenden Ämter
und Besitzungen des zähringischen
Hauses waren es wohl, die ihm auch die Vogtei über die Besitzungen
des Hochstifts Bamberg in Schwaben brachten.
Die Chronik Ekkehards von Aura erzählt, Kaiser
HEINRICH III. habe in einem seiner letzten Jahre Graf
Bertold die Nachfolge im Herzogtum
Schwaben für den Todesfall des dortigen Herzogs Otto von Schweinfurt
versprochen und ihm als Zeichen der Erinnerung an das kaiserliche Wort
den Ring von seiner Hand übergeben. Doch die Regentin
Agnes übergab 1057 Schwaben an RUDOLF
VON RHEINFELDEN, den sie mit ihrer Tochter Mathilde verlobte.
Agnes
mochte sich mit Recht scheuen,
Schwaben, das Land, das vor allen der Krone und ihren salischen
Trägern, den Nachkommen Giselas
bisher in Treuen nahe stand, demjenigen zu überlassen, dessen ohnehin
große Macht und Bedeutung im Lande dasselbe am ehesten dem Kaiserhause
entfremden konnte. Über Bertolds
Verhalten in den folgenden Jahren gegenüber dem Hofe und
RUDOLF
verlautet keinerlei sichere
Nachricht, mag nun der planreiche Mann die Zurücksetzung mit guter
Art und fernerer Hoffnung getragen haben. Offenen, feindseligen Trotz bekundete
Graf Bertold nicht,
uns um so eher konnte die Kaiserin an eine Entschädigung für
ihn denken, die auch in dem Interesse RUDOLFS
war, das ihr so sehr am Herzen lag, insofern nämlich, als eine anderweitige
Aufgabe Bertold
von den schwäbischen Dingen abziehen mußte.
Nach dem Tode Konrads III. von Kärnten im Jahre
1061 war das unruhige Land dem schwäbischen Grafen
Bertold übertragen worden.
Und nunmehr, nachdem Berthold
Herzog geworden, ist es gelegene Zeit seiner Gemahlin, Richwaras
zu gedenken. Eine Urkunde im Besitzrodel von St. Peter auf dem Schwarzwalde,
die einzig ihren Namen aufbewahrt hat, verzeichnet, dass Bertold
mit
seiner Gemahlin Richwara zugleich einst Güter im Neckargau
(im jetzigen württembergischen Oberamt Kirchheim unter Teck) an das
in der Folge nach St. Peter übertragene Kloster Weilheim überwiesen
habe. Über die von den Quellen im Dunkel gelassene Herkunft der Herzogin
ist aber neuerdings die sehr zu beachtende Vermutung aufgestellt worden,
"Richware, erste Gemahlin Bertolds I.,
sei höchst wahrscheinlich eine Tochter des 1039 verstorbenen Herzogs
Konrad II." (von Kärnten) "gewesen und durch sie seien von der Seite
ihrer Großmutter, der schwäbischen Herzogstochter Mathilde (der
Mutter ihres Vaters, eben des Herzogs Konrad II.) ererbte alaholfingische
Güter auf ihren Gemahl Bertold
I. übergegangen. Zu diesen
würde sich auch das von beiden an Weilheim Geschenkte als ein altes
alaholfingisches Gut vortrefflich fügen. Und nun kommt ferner zur
Bestätigung dieser Aufstellung in Betracht der wichtige Kern
einer Mitteilung Ekkehards von Aura, die zwar nicht irrtumsfrei ist, aber
nicht zu denen gehört, welche willkürlich entstehen: der Chronist
erzählt nämlich, dass Kärnten nicht nur an Bertold
I., sondern später auch an dessen Sohn von HEINRICH
IV. übertragen worden sei, er versäumt auch nicht
hinzuzusetzen, dass der spätere Verlust des Herzogtums Vater wie Sohn
betroffen habe. Dieser Hergang scheint mir auf die Weise am natürlichsten
begründet zu werden, wenn man den Sohn Bertolds
und Richwares als Träger gewisser erblicher Ansprüche
auf Kärnten, die durch die Mutter auf ihn gekommen seien, betrachtet.
So glaube ich denn, dass Bertold I.
in eigener Person ordnungsgemäß von der Reichsgewalt mit der
Wahrnehmung des herzoglichen Amtes in Kärnten betraut wurde, ohne
dass am Anfang seine Ehe mit Richwara dazu beigetragen hatte; dass
er danach jedoch zur Verstärkung dieser Stellung gegenüber sowohl
den Kärntnern, wie der Krone, eine mütterliche Anwartschaft als
für seinen Sohn bestehend hervorhob und für den letzteren, Hermann,
innerhalb der nächsten Jahre, wenn nicht ganz, so doch zum Teil auf
jene Erbansprüche hin vom König eine Mitübertragung des
Herzogtums auswirkte, die zunächst in Hermanns Titel eines Markgrafen
(von Verona) zum Ausdruck kam.
Sollte der neuernannte Herzog nun versuchen, worin Konrad
gescheitert war? Bertold hat tatsächlich
keine Truppen versammelt, um mit ihnen nach Kärnten zu ziehen, und
sich keiner Niederlage durch die ihm zugewiesenen Untertanen ausgesetzt;
wir erfahren nicht einmal, ob er überhaupt ernstlich an die Besitznahme
gedacht hat. Ebensowenig hat die Reichsregierung etwas dafür getan,
die Einführung des von ihr eingesetzten Herzogs zu erleichtern. Es
ist aber von der anderen Seite nicht minder natürlich, wenn Bertold
nach 1061 nicht länger Graf schwäbischer Gaue unter dem Herzogtum
des RHEINFELDERS geblieben ist; schon
für beide Herzöge selbst muß ja ein solches Verhältnis
lästig gewesen sein. Einen Gau, nämlich den Breisgau, hatte Herzog
Bertold seinem Hause gewahrt. So stand denn nunmehr Bertold
als gleichberechtigter Fürst neben dem RHEINFELDER
da, dem gegenüber er keine Pflichten mehr hatte, währen der darum
doch durch seinen Grundbesitz und das breisgauische Grafenamt seines Hauses
fest in Schwaben wurzelte. Es ist begreiflich, wenn Bertold
in dieser Stellung, im Range eines Herzogs, tatsächlich als großer
Herr ohne Amt in Schwaben lebend, bald dazu gelangte, sich vorzugsweise
um Dinge im Reiche und unter dem Fürstenstande zu bekümmern.
Bertold und RUDOLF
VON SCHWABEN waren seit 1062 vertraute Freunde des Erzbischofs
Anno von Köln. Nach der Verjagung des Erzbischofs Adalbert von Bremen
aus der königlichen Nähe folgen die Jahre, die RUDOLF
und Bertold immer enger aneinander
schließen und andererseits die innere Entfremdung des Königs
und der Fürsten voneinander zum landkundigen, offenen Bruch zeitigen
sollten. Bertold hatte bis zum Wormser
Ausgleich im Jahre 1072 alles mit RUDOLF:
die Unzufriedenheit, die Opposition, das Verdächtigwerden, die Gefahr
geteilt. Aber mit ihm bedurfte es keines besonderen Ausgleichs; der mit
RUDOLF
getroffene galt stillschweigend auch für ihn. So steht Bertold
also doch nur im Hintergrunde da, als der Helfer RUDOLFS
und sein auf eigene gesonderte Berücksichtigung verzichtender Genosse,
wie es ja der landlose Herzog auch schwerlich anders hätte tun können.
Er hat allezeit in treuer Freundschaft an RUDOLF
und an der Richtung festgehalten, die nunmehr längst auch seine innere
Überzeugung für sich gewonnen hatte. Dem Kärntner-Herzog
Bertold soll - so wird erzählt
- wegen desselben Aufruhrverdachts, der RUDOLF
traf, der König, als er das Weihnachtsfest 1072 zu Bamberg feierte,
als Abwesenden und ohne ordentliche Verhandlung Kärnten entzogen und
dieses an Markward von Eppenstein gegeben haben.
Doch dieses Vorgehen HEINRICHS,
das ein vielfach anzufechtender Erzähler allein berichtet, kann unmöglich
in dieser Weise stattgehabt haben. Denn Lambert selber muß bei Schilderung
der Vorgänge auf der Harzburg zum August 1073 erzählen, der König
habe sich dort gegenüber Bertold mit den heiligsten Beteuerungen verschworen,
Kärnten an niemand anders übertragen zu haben. Da vermeidet also
schon der Wortlaut überhaupt von einer Entziehung zu reden, und ferner,
wenn eine solche und eine anderweitige Übertragung auf einem öffentlichen
Hoftag stattgefunden hätte, so hätte es, und wäre er selbst
ein aller Wahrheit offen ins Gesicht schlagender Mann gewesen, der König
nicht leugnen, hätte Bertold sich
nicht völlig beschwichtigen lassen können. Diese ganze Harzburg-Angelegenheit
und was alles über dieselbe berichtet wird, zeigt eines deutlich:
wie fremd doch Bertold
gegenüber den Kärntner Dingen stand und selbst ungenau
und nur durch Hörensagen über sie unterrichtet war.
Überblicken wir noch einmal die ganze Sachlage.
Bertold war ein alter Mann, der schon
seine Enkel auf den Knien wiegte; in all den Jahren war er, auch unter
den Regentschaften, kaum je am Hofe erscheinen. Er hielt zu RUDOLF
und galt als beteiligt bei den Plänen der Unzufriedenen, aber doch
nur als Gesinnungsgenosse und ruhigerer Teilnehmer; nur der kleinere Teil
der Annalisten erachtet es für nötig, wenn vom Fürstenwiderstand
die Rede ist, seiner ausdrücklich zu gedenken; hatte es uns doch einzig
der Brief Annos wissen lassen, dass auch Bertold
unter den Männern von Tribur war. Bei der Aussöhnung von Worms
genügte es, dass RUDOLF erschien;
auch des Königs Augenmerk fiel also nicht in erster Linie auf Bertold.
Aber andererseits hatte der König auch am wenigsten Grund hemmend
einzugreifen, wenn des ZÄHRINGERS schattenhaftes Herzogtum
immer mehr zum Gespött wurde; er konnte vielmehr persönlich und
selbst als Oberhaupt des Reiches zufrieden sein, wenn ein anderer, ihm
nahestehender Mann in Kärnten zu wirklicher Herzogsmacht gelangte.
Am Palmsonntag (24. März) 1073 in Eichstätt
wandte der König
RUDOLF wieder
seine volle Gnade zu, zugleich auch Bertold und
den Anhängern der beiden. Ob Bertold
auch selber mit zu Eichstätt war, läßt sich nicht ergründen,
ebenso nicht, ob er auf dem Fürstentag Pfingsten zu Augsburg war.
Eines aber läßt beides eher bezweifeln: der Umstand, dass der
Herzog sich im Sommer veranlaßt sah, die weite Reise bis über
den Harz nach Sachsen zu machen, wohin der König im Juni gegangen
war. Bei HEINRICH auf der Harzburg
war gerade kurz zuvor Herzog Bertold
eingetroffen, um eine eigene Angelegenheit am Hofe zu betreiben.
Der König beschloß in das Lager der in drohender
Haltung verharrenden Sachsen eine Botschaft zu senden und wählte zu
ihrem Führer Herzog Bertold "als
einen Mann äußerster Klugheit und volkstümlicher Rednergabe,
dem er zwei geistliche Herren hinzugesellte". Die Gesandtschaft verlief
genauso erfolglos wie eine zweite. In der Nacht des 9. August brachen der
König,
Herzog Bertold, Benno und
Eppo, die Bischöfe von Osnabrück und Zeitz und eine Anzahl vom
königlichen Gefolge auf und verließen heimlich die Harzburg.
Am 13. August trafen der König und Bertold
mit den übrigen im Kloster Hersfeld ein. Es scheint, dass Herzog
Bertold auch während der nun folgenden Ereignisse dem König
treu zur Seite blieb; und wenn er nicht etwa stets in der persönlichen
Umgebung desselben war, so ist er doch nicht für dauernd nach Schwaben
zurückgekehrt. Noch weniger dachte er daran, in dieser aufgeregten
Zeit nach Kärnten zu gehen. Eine Urkunde vom 27. Oktober, weist unter
den Intervenienten den ehrend aufgezählten Befürwortern der betreffenden
königlichen Gnadenverfügung auch Herzog
Bertold auf, und es wird späterhin auch sonst weiter deutlich
werden, dass Bertold, wenn nicht schon
früher, Mitte Oktober bei HEINRICH war.
Herzog Bertold nahm mit anderen süddeutschen Fürsten an
den Verhandlungen von Gerstungen mit dem aufständischen Sachsen teil,
zu dessen Ergebnis wohl vor allem Herzog Bertold
und Herzog Gottfried von Lothringen beitrugen.
Wenig später auf einer Rast des königlichen
Zuges zu Nürnberg glaubten Herzog Rudolf
und Herzog Bertold einem gewissen Regenger,
dass der König sie ermorden lassen wolle. Beide Freunde, RUDOLF
und Bertold, glaubten dem Ankläger
alles und ließen, außer sich über den König, diesem
sagen: nun binde sie kein Treueid und kein Unterwerfungsversprechen mehr
an ihn, der ihnen nach dem Leben trachtete.
Durch die Absage der meisten Fürsten zum Reichskrieg
gegen die Sachsen, unter denen sich auch RUDOLF
und Bertold
befanden, mußte HEINRICH IV.
am 2. Februar 1074 den Frieden von Gerstungen schließen. Nach der
Schändung der Königsgräber auf der Harzburg schlossen sich
die süddeutschen Fürsten RUDOLF,
Bertold
und Welf dem König an, denn der Krieg gegen Otto von Northeim war
RUDOLFS beste Aussicht, das Haupt der
Fürsten und dem König zunächst unentbehrlich zu bleiben.
In der am 9. Juni 1075 stattgefundenen Schlacht bei Homburg an der Unstrut
hat Bertold vermutlich
unter den schwäbischen Truppen RUDOLFS
die Mannen und die Gauleute seines Hauses selber geführt. Nach ihrer
Rückkehr von Eschwege, wo HEINRICH IV. die
Truppen entließ, hielten RUDOLF
und Bertold 40-tägiges Fasten
ab und gelobten Gott, so wird uns erzählt, nicht fürder gegen
die Sachsen zu kämpfen. Kurz darauf fand in aller Stille eine Zusammenkunft
RUDOLFS
und Bertolds mit den sächsischen
Fürsten statt, denen die Herzöge für den Fall der Unterwerfung
eine nur kurze und milde Haft gewährleisteten.
Zu der auf den 22. Oktober vereinbarten neuen Heerfahrt
gegen die Sachsen erschienen Herzog Bertold,
RUDOLF und Welf von Bayern nicht. Das
Verhalten Bertolds und RUDOLFS
ist nicht zu betrachten ohne den Rückhalt, den sie an Papst
Gregor VII. fanden. Auch zu dem auf Weihnacht 1075 nach Goslar berufenen
Tag, der über das Geschick der sächsischen Fürsten beraten
sollte, erschienen die süddeutschen Herzöge nicht.
Ende März des Jahres 1076 kamen RUDOLF,
Welf, Bertold, Adalbero von Würzburg, Hermann von Metz und andere
Herren zusammen. Nun wurde Hermann von Metz RUDOLFS
Genosse, wie der seines Freundes Bertold;
denn vollständig schwamm der alte Herzog in dem mehr und mehr sich
trübenden Fahrwasser des Rheinfelders.
Bei den Unzufriedenen im ganzen Reich und zwar mit Einschluß
des Sachsen galten jetzt unbestritten RUDOLF
und Bertold als die öffentlichen
Häupter, als die Träger der Anklage und Gegenwehr gegen den König.
Auf dem am 15. Mai nach Worms berufenen allgemeinen Tag fehlten die beiden
Herzöge erneut. Ihretwegen wurde die ganze, zahlreich besuchte Versammlung
nach Mainz auf Peter und Paul (29. Juni) verschoben; ja, HEINRICH
fügte der königlichen Einberufung bei den Herzögen freundliche
dringende Bitten hinzu, aber sie blieben für den bittenden Königsruf
taub und behielten unbeweglich den Aufstand im Auge. Dann folgte Mitte
August die Zusammenkunft der süddeutschen Gegner HEINRICHS
in Ulm; Herzog Bertold, der RUDOLF
begleitete,
traf dort auch Welf und andere süddeutsche Fürsten.
Nebenbei verdient es doch nicht übergangen zu werden,
dass Herzog Bertold nicht, wie es einzelne
der Anwesenden taten, den Triburer Tag benutzte, um für seinen eigenen
Vorteil zu sorgen. Er hat unseres Wissens niemals eine eigene Angelegenheit
in den Kampf gegen HEINRICH IV. mit
hineingezogen. Bertold sollte Papst
Gregor, der in Augsburg dabei sein wollte, am Fuße der Alpen erwarten.
Die 3 Herzöge und ihre Anhänger waren schon
in größte Bestürzung geraten, als sie des Königs Alpenübergang
vernahmen, den sie vergeblich zu hindern gesucht hatten. Nun zogen sie
die Wachmannschaft an den Pässen zurück und zugleich das Geleit,
das Gregor an den Alpen erwarten sollte. Eine neue Zusammenkunft nach Ulm
ward ausgeschrieben, die um Mitte Februar dann stattgefunden haben muß;
hier kamen RUDOLF, Welf, Bertold,
sodann die Bischöfe von Mainz, Würzburg und Metz zusammen, aber
im ganzen war der Tag nicht in gehoffter Weise besucht. Hier traf dann
auch die erste Botschaft des Papstes über die am 28. Januar geschehene
Absolution HEINRICHS ein. Um jeden
Preis aber mußte Gregor VII. die deutschen Fürsten für
sich erhalten. So machte er denn in dem Schreiben, das sein getreuer Rapoto
an die Fürsten überbrachte, Aussicht auf sein Kommen. So waren
denn die Wenigen, die mit RUDOLF und
Bertold versammelt waren, doch ziemlich
getröstet; sie klammerten sich an den Gedanken der Königswahl,
der der Sorge um die eigene Sicherheit zur Deckung diente. Nach Forchheim
luden sie auf den 13. März die Sachsen, Lothringer und Bayern zur
Königswahl und mahnten sie bei der beschworenen Bündnistreue
in beweglichen Worten. Der festgesetzte Termin, der 13. März, vereinigte
vor allem die Großen der Sachsen und Schwaben, unter denen die Quellen
es für unnötig erachte, Bertold
mit seinem Namen hervorzuheben; mit Recht, denn nur das Fehlen dieses Mannes
zu Forchheim hätten sie besonders berichten müssen. Mit Bertold
hatte
dem Anschein nach der eine seiner beiden noch lebenden Söhne, der
junge Bertold, die Fahrt zur Königswahl getan. Am 14. März schritt
man nach der Abreise der päpstlichen Legaten zur Entscheidung. Sie
deckten sich einfach hinter des Papstes jetzt doch veralteter Weisung und
sprachen HEINRICH die Krone ab. Damit
hatten sie den Vertrag von Tribur, unbekümmert um die geschehene Lösung
HEINRICHS vom Banne, beiseite geschoben
und konnten mit der Neuwahl beginnen. Der von der Bischofsversammlung vorgeschlagene
Schwaben-Herzog Rudolf wurde auch von der Versammlung der weltlichen
Großen angenommen. Wie Bertold
selbst über die etwaige Annahme der Krone gedacht hat,
darüber fehlt jeder positive Anhaltspunkt, nur nach einigen Späteren
hätte gerade er RUDOLFS Wahl besonders
betrieben; dass er sich jedenfalls nicht zurückgesetzt fühlte,
geht aus dem Weiteren und ganz insbesondere aus seinem sogleich zu erzählenden
Anerbieten hervor. Ihm fehlte der Ehrgeiz, der RUDOLFS
Schritt für Schritt auf jener Bahn vorwärts geführt hatte,
in der auch seine besten Freunde noch vor einem Monat nur einen Notweg
gesehen hatten. Nach der Krönung RUDOLFS
in Mainz, bei der es zu einem Aufstand der Stadtbevölkerung kam, kehrte
Bertold und Welf auf ihre schwäbischen
Besitzungen zurück. Zu der von RUDOLF und
dem ZÄHRINGER
geführten Partei gehörten in Schwaben
die Grafen von Bregenz, Dillingen-Kyburg, zwei von Achalm und Wülfingen,
dann Hugo von Tübingen, Burkard von Nellenburg - dessen Bruder Eberhard
für
HEINRICH IV. stritt und fiel
- Adalbert von Calw und Manegold von Veringen. Das waren Verbündete
RUDOLFS und Bertolds, die
mit ihrem Anhang deren eigentliche militärische Macht verstärkten.
König
HEINRICH kam mit wenig Leuten, aber vielem lombardischen Geld;
der EPPENSTEINER Liutold war ihm entgegengeeilt und hatte ihn durch Kärnten
geleitet und nun zögert HEINRICH
nicht länger, dem zähringischen
Scheinherzogtum in Kärnten auch den letzten Rest des leeren
Titels zu nehmen. Mit bayrischen, böhmischen und kärntnischen
Truppen, die durch die gegen RUDOLF kämpfenden
Bischöfe und Herren in Burgund und in Alemannien verstärkt wurden,
fiel HEINRICH verheerend in Schwaben
ein. In Ulm hielt König HEINRICH
auf einem Hoftag "nach schwäbischen Volksrecht" Gericht über
RUDOLF,
Bertold, Welf und die schwäbischen
Vornehmen, die zu ihnen standen: des Gerichtes Spruch erkannte sie des
Todes schuldig und sprach ihnen ihre Würden und ihre Lehen ab. Wir
wissen nicht, wer die Richter gewesen sind, die den Achtspruch über
Bertold gefällt haben, Liutold von Kärnten und Wratislaw von
Böhmen begleiteten von Bertolds
Standesgenossen die königliche Heerfahrt, auch der Bischof von Osnabrück
und der Bischof von Zeitz (Naumburg) waren noch und Embricho von Augsburg
und andere waren vielleicht schon beim König; dazu waren schwäbische
Grafen anwesend.
Seit der kläglichen Fahrt des Gegenkönigs von
Mainz nach Schwaben hatte sich Bertold
zurückgehalten, an RUDOLFS
Tagen und Zügen nicht teilgenommen und ruhig auf seinen Burgen gesessen.
Ob eine Ladung zu des Königs Gericht an Bertold
gelangt ist, wissen wir nicht; es scheint kaum so. Nun also
brachte man dem Herzog, wie RUDOLF
und Welf, die Kunde vom Ulmer Spruch: Sein Herzogs-, sein Grafenamt war
ihm genommen und anderen teils gegeben, teils zugedacht, nur seines Hauses
Eigengut hatte man ihm gelassen und über seinem eigenen grauen Haupte
schwebte weitere vernichtende Kriegsnot. Das hat den alten ZÄHRINGER
noch einmal aufgerüttelt aus der Zurückgezogenheit und Untätigkeit,
aus dem Stillverhalten und Abwarten; war doch RUDOLFS
fast aufgegebene Sache jetzt für ihn selber das Einzige geblieben.
An Unterwerfung knüpfte er keine Gedanken und keine Hoffnung; er war
entschlossener denn je, an RUDOLFS
Seite zu kämpfen, mit ihm zu bestehen oder zu fallen. Er sammelte,
was er konnte, an Mannen und Reisigen und führte sie dem Gegenkönig
zu; dasselbe tat Welf. Aber was die beiden und RUDOLF
selbst zusammenbringen konnten, es reichte doch kaum an 5.000 Kämpfer
heran und deshalb bestanden alle darauf, dass RUDOLF
den ebenso törichten wie kleinlichen Kampf in Schwaben aufgeben und
nach Sachsen gehen solle. RUDOLF nahm,
als er nach Sachsen ging, die 5.000 nicht mit, sondern ließ sie in
Schwaben, dessn Schutz er den Zurückbleibenden, an erster Stelle Bertold
anvertraute.
Nach der Übereinkunft von Würzburg zwischen den beiden streitenden
Parteien hatten Bertold
und
Herzog Welf ihre schwäbischen Truppen beurlaubt und mußte tatenlos
zusehen, wie König HEINRICH
Schwaben
erneut verwüstete. Nach dem Scheitern des Fürstentages zu Worms
(1. November) ging der Krieg in Schwaben weiter.
Bertolds Sohn, Markgraf Bertold
II. besiegte das Heer der Bischöfe von Straßburg und Basel und
ließ die Bauern, die an der Schlacht teilnahmen und nicht zu fliehen
vermochten, entmannen.
Der alte Bertold selbst
war mit Welf nach dem königstreuen Franken gezogen, wo ihre Truppen
durch Sengen und Plündern für die Leiden Schwabens Rache nahmen;
bei ihnen befand sich der päpstliche Legat Abt Bernhard von Marseille,
der ihren ganzen Feldzug bis zu Ende mitmachte. Die Herzöge beschlossen,
von Franken aus den Weg zu RUDOLF fortzusetzen.
Doch König HEINRICH verlegte ihnen
den Weg und zwang sie zur Errichtung eines Lagers, das er von 12.000 Bauern
bewachen ließ und zog selbst RUDOLF
zur Schlacht von Mellrichstadt entgegen (7. August). Inzwischen aber waren,
sobald sich der König entfernte, die beiden Herzöge mit ihrem
Heer zum offenen Kampf gegen die zahlreicheren Bauern vorgegangen und hatten
- zufällig ebenfalls am 7. August - den Sieg, jedoch nicht ohne härtestes
Ringen erfochten. Zum Schluß waren die Bauern völlig zersprengt
und nun verhängte Herzog Berthold
über die Gefangenen dieselbe Strafe für ihr Waffentragen, die
schon sein Sohn auf dem Siegesfeld vollstreckt hatte. Sie plünderten
das Gebiet und kehrten froh und hoffnungsvoll über den eigenen wirklichen
und den von RUDOLF gemeldeten Sieg
nach Schwaben zurück. Anschließend fielen König
HEINRICHS Truppen zum dritten Mal in Schwaben ein und plünderten
überall. Vor allem auf Welfs und Bertolds
eigene
Besitzungen stürzte sich der wilde Schwarm, der wohl auch die von
Bertold gegründete
und mit Hirsauern besetzte junge zähringische
Hauspropstei Weilheim zur raschen Vernichtung kurzen Gedeihens gebracht
hat.
Krank und todesmatt lag in diesen Tagen Herzog
Bertold hinter den Mauern seiner Limburg. Der Brandrauch der
Dörfer nahe umher, der Jammerruf seiner Treuen drangen zu dem gebrochenen
Manne auf dem kriegsumringten Bergkegel empor und beschleunigten sein Ende;
er bestellte sein Haus und befahl sich seinem Gott. Aber kein sanftes Hinscheiden
ward ihm beschieden: zu grauenhaft verwirrend waren auf das Gemüt
des Kranken die alles vernichtenden Ereignisse seiner letzten Lebenstage
eingestürmt; in wilden Fieberphantasien lag er, bis dann am 7. Tage
seit der gefährlichen Wendung seiner Krankheit, am 5. oder 6. November
1078 der Tod ihn erlöste. Seinen Leichnam, der in Weilheim keine
Stätte der Ruhe mehr hätte finden können, brachten die Seinigen
in dasjenige Kloster, das den Lebenden oft als Freund gesehen hatte, nach
Hirsau und hier hat Herzog Bertold
nun auch im Tode Gastfreundschaft gefunden.
Folgenden Nachruf hat Bertold von Reichenau dem der Gregorianer-Partei
entrissenen Herzog gewidmet: "Er war der christlichen Frömmigkeit
ein Freund und eifriger Verteidiger, einer, der in mäßiger und
geordnet ehrenvoller Lebensführung von nicht durchschnittlicher und
in Gerechtigkeit und Frieden, Demut, Barmherzigkeitspflege und Eifer für
Gott von dienstwilliger Haltung befunden ward, ein sehr unterrichteter
Hüter der Rechte und der väterlichen Würden, in großer
Beratung ein Mann weisester Art und schlechthin ein Mensch von jeglicher
Ehrbarkeit der Sitte von rechter Mannestüchtigkeit".
Bertolds erste Gemahlin
ist Richwara, mit welcher gemeinschaftlich er das Klösterchen
Weilheim mit Gütern im Neckargau ausstattete. Sie ist die Mutter seiner
Söhne, nämlich Hermanns, Gebhards und Bertolds
und muß
nach Maßgabe der für die beiden ersten anzusetzenden Geburtsjahre,
wenn nicht etwa noch früher, in den 40-er Jahren des Jahrhunderts,
also zur Zeit, als Bertold noch schwäbischer
Graf war und unter HEINRICHS III. Regierung,
von ihm als Gattin heimgeführt worden sein. Ihre Herkunft bleibt in
den Quellen dunkel; vereinigte Kombinationen, die hauptsächlich, jedoch
nicht allein auf die Besitzverhältnisse gestützt sind, haben
sie als eine kärntnische Herzogstochter erkennen lassen, an die von
der Seite ihrer Großmutter, Mathilde, das heißt der Mutter
Konrads II. von Kärnten und Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben
ein ansehnliches Gut aus dem Erbe der - neuerdings als "ALAHOLFINGER" in
die Geschichte eingeführten - alten alamannischen Herzogsfamilie gekommen
war. Die sonst bekannt gewordenen alaholfingischen Güter aber liegen
keinem geschlossenen Güterkomplex so benachbart, wie gerade den zähringischen
Besitzungen an der Alb im Osten des Neckarsbug (das heißt der später
Treckschen Herrschaft), während diese ihrerseits von dem alt-zähringischen
Gut im Breisgau und in der Ortenau und auf der begleitenden Ostabdachung
des Schwarzwaldes bis an den oberen Neckar heran, also von den einheitlich
um den damals unbesiedelten inneren Schwarzwald herum gelagerten Gebieten
abgeschnitten waren durch das sich dazwischen schiebende alte ZOLLERN-Gut.
Ferner: bei der einzigen Verfügung über einen Besitz aus diesem
isolierten ZÄHRINGER-Gut, die wir von Bertold
I. kennen,
bei der Stiftung und Ausstattung der Propstei Weilheim verfügt der
Herzog mit Richwara
zusammen und die Klostertradition hält
es sorglich fest, dass sie Mitvergaberin gewesen sei. So fügt sich
denn alles zusammen, um über Richwaras Abkunft und das von
ihr Bertold I. zugebrachte Gut mit
einer recht hohen Sicherheit entscheiden zu lassen.
Richwara
starb vor ihrem Gemahl. Der verwitwete
Herzog entschloß sich noch zu einer zweiten Heirat und führte
die "Schwester des Markgrafen Friedrich,
Beatrix" heim. Sie war
die Tochter Ludwigs, des Grafen vom burgundischen Elsgau (Mömpelgard)
und lothringischen Baargau (Mousson) und Sophies, der Tochter des mosellothringischen
oder oberlothringischen Herzogs Dietrich II., dessen andere Tochter Beatrix
sich mit Markgraf Bonifaz von Tuszien vermählt hatte, so dass also
deren Tochter Mathilde und Herzog Bertolds I.
zweite Gemahlin rechte Cousinen waren. Von einer besonderen Bedeutung
würde es sein, die Zeit der zweiten Heirat Bertolds,
die ihn mit der gregorianischen Partei durch ein Familienband verknüpfte,
genauer bestimmen zu können.
Wenn Beatrix mit ihrer Cousine Mathilde ungefähr
gleichaltrig war, dürfte sie frühestens in den 60-er Jahren mannbar
geworden sein.
Beatrix überlebte Bertold,
vermählte sich aber nicht wieder. Sie ging in die Heimat ihrer Mutter
zurück und lebte bei letzterer und zwar ohne erkennbare nähere
Beziehung zu den Stiefsöhnen, nur dass Bischof Gebhard, das
heißt wohl durch diesen sein Vertrauter, der Chronist Bernold von
ihrem Ableben zu seiner Zeit erfuhr. In ihren letzten Jahren war sie durch
langwierige Krankheit heimgesucht, von der sie der Tod am 26. Oktober 1092
erlöste. In Toul ward sie von dem dortigen Bischof zu Grabe geleitet.
1. oo Richwara von Babenberg, Tochter des Herzogs
Hermann IV.
-10.5. um 1070
oder von Kärnten, Tochter Konrads II.
2. oo Beatrix von Pfirt, Tochter Ludwigs im Sundgau
um 1045/50-26.10.1092
Eventualerbin
von Kärnten
Kinder:
1. Ehe
Hermann I. Markgraf von Baden
um 1045-25.4.1074
Gebhard Bischof von Konstanz (1084-1110)
um 1050-12.10.1110
Liutgard
-9.7.1119
(18.3.1119 Isenburg)
1. oo Diepold II. Markgraf von Vohburg
-7.8.1078
2. oo Ernst I. Graf von Grögling-Hirschberg
- um 1098 (12.11.1096/97 Isenburg)
Berthold II.
um 1055-12.4.1111
Richinza von Spitzenberg (Isenburg)
- um 1110
1. oo N.N. von Frickingen
-
2. Ludwig von Sigmaringen
- 1092
Literatur:
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Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077)
Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 303,304,307,308,312,
333,359,373,384 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 171,198,203,239,243 - Brunos
Buch vom Sächsischen Kriege. Übersetzt von Wilhelm Wattenbach,
Phaidon Verlag Essen 1986, Seite 27,48,54,63 - Die Salier und das
Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 204,215,217,263,266/Band
III Seite 507 - Die Zähringer. Schweizer Vorträge und
neue Forschungen. Hg. von Karl Schmid; Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1990, Seite 52,55,56,60,84, 98-100,102,148,276,278,279,378 - Fenske,
Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen.
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 56 A. 156,198 A.
15,326 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in
ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite
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