Tochter des Herzogs Hermann IV. von Schwaben oder
Tochter des Herzogs Konrad II. von Kärnten
Nach W. Wegener einzige Tochter des Herzog Hermann
IV. von Schwaben und der Adelheid von Turin, Tochter von Markgraf
Manfred II. Odelrich
GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 196
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2. Richwara (Richiza)
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Benannt, direkt oder indirekt, nach der väterlichen
Urgroßmutter der Gemahlin des Markgrafen Liutpold I. F. siehe 3;
* c 1028, da 1043 28/11 zu Ingelheim mit dem kaiserlichen minister Pardo
(Berthold
von Zähringen) verlobt oder verheiratet DD 5, 142 f n 113
(aus dem Kastler Archiv).
Die Übergabe von drei Dörfern an Pardo durch
die domina Adalheit (Hermanns IV. Witwe) und ihren Sohn, den Grafen
Gebhard (3) war eine vermögensrechtliche Veränderung, durch die
Richwara zu ihrem Drittel an Kastl
noch besonders berücksichtigt wurde. Ihr ältester Sohn
Hermann,
nach dem mütterlichen Großvater genannt, erscheint schon 1050
mit seinem Vater als Zeuge (Fickler, Quellen und Forschungen zur Geschichte
Schwabens und der Ostschweiz [1859] 13 f n VI), kann aber damals nur ein
kleines Kind gewesen sein, da er 1074 adhuc adulescens, also bestimmt noch
nicht über 30 Jahre alt, starb (Bernoldi Chronicon SS 5, 430):
Richwara + c 1070 (Ed. Heyck,
Geschichte der Herzoge von Zähringen [1891], 94 ff).
Im Sommer 1976 wurde bei Grabungsarbeiten im Sommerrefektorium
der Klosterruine Hirsau im Schwarzwald ein zunächst unscheinbarer
Fund gemacht: im Boden des Sommerrefektoriums konnten 2 Fragmente aus rotem
Sandstein geborgen werden, die jeweils an den Außenrändern beschriftet
waren.
Bei einer Gesamtaufnahme der Inschriftdenkmäler
im Bereich des Klosters Hirsau konnte dieses Denkmal bzw. seine beiden
Fragmente in eine genauerer Untersuchung einbezogen werden. Die Schrift
ist gut erhalten. Sie beginnt in der Mitte der Kopfleiste von Fragment
A mit einem gleichschenkligen Kreuz: + BEATE + ME/MOR(IE) + DVX + BERTHOLD[...];
auf der linken Leiste dieses Fragments liest man: [...]RV(M) + RE(Q)VIESCANT
+ IN/PACE + AM(EN). Die erhaltenen Schriftleisten von Fragment B bieten
den Text: [...]X + EI(VS) + RICHWARA + [.../........./...]C + VI + ID(VS)
+ MAII OB(IIT) + ANIME [...]
Die Textaussagen sehen zunächst recht dürftig
aus; sie bieten aber in einwandfreier Lesung zwei Namen, die historisch
faßbar sind: einen DVX BERTHOLDVS und eine RICHWARA,
dazu die Datierung nach dem römischen Tageskalender VIIDVSMAII ( =
10.
Mai). Ein dux Bertholdus im Zusammenhang mit Kloster Hirsau
läßt sich nur auf den ZÄHRINGER Bertold I. beziehen.
Er war Herzog von Kärnten und Markgraf von Verona 1061-10777, verlor
aber sein Herzogtum, als er sich im Investiturstreit entschieden auf die
Seite der päpstlichen Partei stellte und sich in Forchheim an der
Wahl RUDOLFS VON RHEINFELDEN
zum Gegenkönig
beteiligte und damit in Gegensatz zu HEINRICH
IV. geriet.
Aus der Ehe Bertolds
mit Richwara,
vermutlich einer Tochter Herzog Konrads II. von Kärnten, stammen
der gleichnamige Sohn Bertold
II. von Zähringen, Bischof
Gebhard von Konstanz und Markgraf
Hermann I. von Baden. Bertold I. von Zähringen starb
am 5. (oder 6.?) November des Jahres 1078; seine Gemahlin Richwara
muß damals bereits seit einiger Zeit verstorben gewesen sein, weil
Bertold in zweiter Ehe mit Beatrix
von Mömpelgard vermählt war. Das auf dem Stein genannte
Datum des Todestages, der 10. Mai, muß sich auf
Richwara beziehen.
Die Ergänzung des gesamten Textes dürfte also
lauten:
+ BEATE + ME/MOR(IE) + DVX + BERTHOLDVS + ET + CONIVNX
+ EI(VS) + RICHWARA + ILLE * /NONIS + NOVEMBRIS + /HAEC + VI + ID(VS) +
MAII + OB(IIT) + ANIME + EORV(M) + RE(Q)VIESCANT + IN / PACE + AM(EN)
"Herzog Bertholdus und seine Gemahlin Richwara frommen Angedenkens. Jener starb an den Nonen des November (5. November), diese an den 6. Iden des Mai (10. Mai). Ihre Seelen mögen ruhen in Frieden. Amen."
Kimpen Dr. Emil: Seite 45,48
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"Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft"
Wittes großes Verdienst ist es, als erster auf den
Zusammenhang
Richwaras mit den HEZELINIDEN
hingewiesen und sie in eingehenden Erörterungen für eine Tochter,
allenfalls Schwester Herzog Konrads III. von Kärnten erklärt
zu haben. Wenn Witte aber weiter vorgebracht hat, dass seit
Richwaras Ehe der Name des Pfalzgrafen
Hermann I. plötzlich in das ZÄHRINGER-Geschlecht kam und
sich für lange Generationen bei den Markgrafen von Baden erhielt,
so wird sich später ergeben, dass dieser Name bestimmt auch noch von
anderen Vorfahren Richwaras herrühren
kann. Mit dem von jetzt ab bei den ZÄHRINGERN auftretenden
Namen Konrad steht es nicht anders. Weit wesentlicher als dies ist im vorliegenden
Falle, dass Richwaras
Gatte
Berthold der Nachfolger gerade des HEZELINIDEN Konrad in Kärnten
wurde, und dass, was Witte gänzlich übersieht, nicht nur
der mit einer Enkelin Richwaras vermählte
Graf Gottfried von Calw die rheinische Pfalzgrafschaft erhielt, sondern
auch der schon genannte Sohn Bertholds I. und Richwaras,
Gebhard, der spätere Bischof von Konstanz (1084-1110),
in seiner Jugend als Inhaber einer Xantener Propstei erscheint. Schon allein
diese rheinischen Beziehungen allein müssen Richwaras
hezelinidische Abstammung äußerst wahrscheinlich machen.
Denn wenn Richwara
Ansprüche auf die Herzogtümer Kärnten und Schwaben besaß,
hatte sie solche zweifellos durch ihre Großmutter Gisela
erhalten,
deren Schwestern ihren Gatten, den Herzögen Konrad I. und Adalbero
von Kärnten, ebenfalls Ansprüche vermittelt hatten. Und wenn
Richwara HEZELINIDEN-Blut in den Adern
hatte, Gisela aber von ihrem Gatten
Ernst nur durch Töchter Nachwuchs bekam, müssen die Verhältnisse
so gelegen haben, dass Richwaras Vater
ein HEZELINIDE, ihre Mutter eine Tochter Herzog Ernsts I. von Schwaben
und seiner Gemahlin Gisela war.
Zeitlich war dies durchaus möglich. Da
Richwaras ältester Sohn, Markgraf
Hermann I. von Baden, nach Heyck in den 40-er Jahren des Jahrhunderts geboren
sein muß, wird sie selbst zwischen 1020/30 das Licht der Welt erblickt
haben.
Heyck Dr. Eduard: Seite 27,94-95
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"Geschichte der Herzöge von Zähringen"
Und nunmehr, nachdem Berthold Herzog geworden,
ist es gelegene Zeit seiner Gemahlin, Richwaras
zu gedenken. Eine Urkunde im Besitzrodel von St. Peter auf dem Schwarzwalde,
die einzig ihren Namen aufbewahrt hat, verzeichnet, dass Bertold
mit seiner Gemahlin Richwara
zugleich einst Güter im Neckargau (im jetzigen württembergischen
Oberamt Kirchheim unter Teck) an das in der Folge nach St. Peter übertragene
Kloster Weilheim überwiesen habe. Über die von den Quellen im
Dunkel gelassene Herkunft der Herzogin ist aber neuerdings die sehr zu
beachtende Vermutung aufgestellt worden, "Richware,
erste Gemahlin Bertolds I., sei höchst wahrscheinlich eine
Tochter des 1039 verstorbenen
Herzogs Konrad II." (von Kärnten)
"gewesen und durch sie seien von der Seite ihrer Großmutter,
der schwäbischen Herzogstochter Mathilde (der Mutter ihres Vaters,
eben des Herzogs Konrad II.) ererbte alaholfingische Güter auf ihren
Gemahl Bertold I. übergegangen. Zu diesen würde sich auch
das von beiden an Weilheim Geschenkte als ein altes alaholfingisches Gut
vortrefflich fügen. Und nun kommt ferner zur Bestätigung
dieser Aufstellung in Betracht der wichtige Kern einer Mitteilung Ekkehards
von Aura, die zwar nicht irrtumsfrei ist, aber nicht zu denen gehört,
welche willkürlich entstehen: der Chronist erzählt nämlich,
dass Kärnten nicht nur an Bertold I., sondern später auch
an dessen Sohn von HEINRICH IV. übertragen
worden sei, er versäumt auch nicht hinzuzusetzen, dass der spätere
Verlust des Herzogtums Vater wie Sohn betroffen habe. Dieser Hergang scheint
mir auf die Weise am natürlichsten begründet zu werden, wenn
man den Sohn Bertolds
und Richwares
als Träger gewisser erblicher Ansprüche auf Kärnten, die
durch die Mutter auf ihn gekommen seien, betrachtet. So glaube ich denn,
dass Bertold I. in eigener Person ordnungsgemäß von der
Reichsgewalt mit der Wahrnehmung des herzoglichen Amtes in Kärnten
betraut wurde, ohne dass am Anfang seine Ehe mit Richwara dazu beigetragen
hatte; dass er danach jedoch zur Verstärkung dieser Stellung gegenüber
sowohl den Kärntnern, wie der Krone, eine mütterliche Anwartschaft
als für seinen Sohn bestehend hervorhob und für den letzteren,
Hermann, innerhalb der nächsten Jahre, wenn nicht ganz, so
doch zum Teil auf jene Erbansprüche hin vom König eine Mitübertragung
des Herzogtums auswirkte, die zunächst in Hermanns Titel eines Markgrafen
(von Verona) zum Ausdruck kam.
Bertolds erste Gemahlin ist Richwara,
mit welcher gemeinschaftlich er das Klösterchen Weilheim mit Gütern
im Neckargau ausstattete. Sie ist die Mutter seiner Söhne, nämlich
Hermanns,
Gebhards und Bertolds
und muß nach
Maßgabe der für die beiden ersten anzusetzenden Geburtsjahre,
wenn nicht etwa noch früher, in den 40-er Jahren des Jahrhunderts,
also zur Zeit, als Bertold noch schwäbischer Graf war und unter HEINRICHS
III. Regierung, von ihm als Gattin heimgeführt worden sein.
Ihre Herkunft bleibt in den Quellen dunkel; vereinigte Kombinationen, die
hauptsächlich, jedoch nicht allein auf die Besitzverhältnisse
gestützt sind, haben sie als eine kärntnische Herzogstochter
erkennen lassen, an die von der Seite ihrer Großmutter, Mathilde,
das heißt der Mutter
Konrads II. von Kärnten und Tochter
Herzog Hermanns II. von Schwaben ein ansehnliches Gut aus dem Erbe
der - neuerdings als "ALAHOLFINGER" in die Geschichte eingeführten
- alten alamannischen Herzogsfamilie gekommen war. Die sonst bekannt gewordenen
alaholfingischen Güter aber liegen keinem geschlossenen Güterkomplex
so benachbart, wie gerade den zähringischen Besitzungen an der Alb
im Osten des Neckarsbug (das heißt der später Teckschen Herrschaft),
während diese ihrerseits von dem alt-zähringischen
Gut im Breisgau und in der Ortenau und auf der begleitenden Ostabdachung
des Schwarzwaldes bis an den oberen Neckar heran, also von den einheitlich
um den damals unbesiedelten inneren Schwarzwald herum gelagerten Gebieten
abgeschnitten waren durch das sich dazwischen schiebende alte ZOLLERN-Gut.
Ferner: bei der einzigen Verfügung über einen Besitz aus diesem
isolierten ZÄHRINGER-Gut, die wir von Bertold I. kennen,
bei der Stiftung und Ausstattung der Propstei Weilheim verfügt der
Herzog mit Richwara zusammen und die
Klostertradition hält es sorglich fest, dass sie Mitvergaberin gewesen
sei. So fügt sich denn alles zusammen, um über
Richwaras
Abkunft und das von ihr Bertold I. zugebrachte Gut mit einer recht
hohen Sicherheit entscheiden zu lassen. Richwara
starb vor ihrem Gemahl.
1043
oo 1. Berthold I. der Bärtige Herzog von
Kärnten
um 1000-5.11.1078
Kinder:
Hermann I. Markgraf von Baden
um 1045-25.4.1074
Gebhard Bischof von Konstanz (1084-1110)
um 1050-12.10.1110
Liutgard
-9.7.1119
(18.3.1119 Isenburg)
1. oo Diepold II. Markgraf von Vohburg
-7.8.1078
2. oo Ernst I. Graf von Grögling-Hirschberg
- um 1098 (12.11.1096/97 Isenburg)