Eventuell Sohn des Grafen
Wifred I. von Piacenza
Hlawitschka, Eduard: Seite 252-253
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien
(774-962)"
CXXXVI.
RICHARD
Im Februar 876 versammelten sich die Bischöfe und
Grafen des oberitaienischen Raunmes in Pavia und erwählten den schon
am Weihnachtstage 875 in Rom zum Kaiser gekrönten KARL
DEN KAHLEN zum König ihres italienischen Reiches. Unter
ihnen befand sich auch ein Graf Richard. Das Signum Richardi
comitis findet sich sowohl unter der Wahlurkunde wie auch bei den
Unterschriften unter dem zu dieser Zeit in Pavia erlassenen Capitulare
KARLS. - Als kaiserlicher Missus
war ein Graf Richard auch im März 877 in Brescia, als dort
die Witwe Kaiser
LUDWIGS II., Angilberga,
ihr Testamant abfaßte und dieses von vielen angesehenen Personen
unterzeichnen ließ.
In der Forschung hat man - ausgehend von den Darlegungen
R. Poupardins - diese Nennungen bislang immer auf den Grafen Richard von
Autun, den Bruder Bosos von der Provence,
bezogen. Nun läßt sich aber einer Piacentiner Gerichtsurkunde
entnehmen, daß am 30. Mai 879, - also zu der Zeit, in der die westfränkische
Herrschaft in Italien bereits durch den ostfränkischen König
Karlmann
und einige italienische Große gestürzt war, - in Piacenza ein
Richard Stadtgraf war. Ein
Gulfardus sculdassio Adelberti,
qui et Acco vocitatur, vicecomes civitate Placentia ... per data licentia
Richari comes ipsius civitatis
hielt damals zusammen mit dem
scavinus et sculdassio Paulus in Mormiano finibus Castellana (=
Moragnano) einen Gerichtstag ab. Diese Urkunde zählt nach Regierungsjahren
König Karlmanns. Es ist nun schwer
vorstellbar, daß der Graf Richard von Autun, auch wenn er von
KARL DEM KAHLEN 875 grundsätzlich die Grafschaft Piacenza
erhalten haben konnte, nach dem Zusammenbruch der westfränkischen
Herrschaft in Italien verblieb, zumal er im Juli 879 bei
Boso in der Provence nachweisbar ist und dessen Urkunde für
die Abtei Montieramey mit unterzeichnete. Man wird deshalb wohl den Unterzeichner
der Wahlurkunde von 875 mit dem
Stadtgrafen von Piacenza (879) identifizieren
und als selbständige Persönlichkeit dem westfränkischen
Richard entgegensetzen müssen [7 Bei Richardus comes et
missus imperialis, der mit dem westfränkischen Hugo abbas et
missus imperialis bei der Abfassung des Testaments der Angilberga
in Piacenza zugegen ist, wird allerdings die Erwägung einer Identifizierung
mit dem Bruder Bosos nicht ohne weiteres
auszuschließen sein.].
Über Herkunft und Familie dieses Grafen Richard
von Piacenza ist freilich bei dieser kargen Quellenlage keine sichere
Angabe zu machen. Es ist mut zu vermuten, daß er zur Verwandtschaft
der SUPPONIDEN gehörte, die
mit dem Salfranken Wifred I. von 843 bis ca. 870 und dann mit dessen
Enkeln Adelgis
II. und Wifred
II. von 885 bis 9322 den Comitat von Piacenza verwalteten [8
Eine Unterbrechung erfolgt in den Prätendentenkämpfen nach
888 durch den WIDO-Anhänger
Sigefred.]; seine Amtszeit fällt in die Lücke zwischen Wifred
I. und
Adelgis II. [9 Möglicherweise war er
der Sohn
Wifreds I. und kinderlos, so daß dann die Grafschaft
auf die Kinder seiner Schwester Berta, Adelgis II. und Wifred
II., überging.]. Seine fränkische Abkunft wäre bei dieser
Zuordnung gegeben. - Identifiziert man ihn abermals mit dem Bruder Bosos
von der Provence, was heißen würde, daß KARL
DER KAHLE den SUPPONIDEN wegen ihrer nahen Verwandtschaft
mit der ihm nicht woghlgesonnenen Angilberga nicht traute und ihnnen durch
einen Eingriff die Grafschaft Piacenza entzog [10 Dann bliebe
aber völlig unverständlich, daß der sogleich bei König
Karlmann in höchster Gunst stehende Suppo
II. nicht eine sofortige Rückgabe erwirkte.], dann wäre
dieser Graf von Piacenza eo ipso als Franke anzusehen.