Begraben: Frankfurt am Main, St. Bartholomäus (Dom).
Sohn des Grafen Heinrich VII. von Schwarzburg-Blankenburg
und der Christine von Gleichen, Tochter von Graf Albrecht III.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1794
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Günt(h)er von Schwarzburg, deutscher (Gegen-) König
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* 1303 in Blankenburg/Thüringen (heute Ruine Greifenstein),
† 14. Juni 1349 in Frankfurt am Main,
Begraben: ebd., St. Bartholomäus (Dom).
Nach dem Vorbild seines Vaters Heinrich VII., des Begründers der Blankenburger Linie des Hauses SCHWARZBURG, trat auch Graf Günther XXI. 1330 in den Dienst LUDWIGS DES BAYERN und erwarb Ansehen als Diplomat und Krieger. Trotz seiner schmalen territorialen Basis (Blankenburg und ein Viertel von Saalfeld), die Günther um Arnstadt, Schlotheim und Frankenhausen erweiterte, stellte er sich der wittelsbachischen Partei, die nach der Absage Eduards III. von England und Friedrichs II. von Meißen einen geeigneten Nachfolger für LUDWIG DEN BAYERN suchte, als Kandidat zur Verfügung. Für Günther votierten am 30. Januar 1349 in Bestätigung des Ergebnisses einer Vorwahl am Neujahrstag Erzbischof Heinrich von Mainz, die Pfalzgrafen Rudolf II. und Ruprecht I., Graf Ludwig von Brandenburg sowie Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg. Um die Ungültigkeit von KARLS IV. Königtum zu demonstrieren, bestand Günther auf einer förmlichen Feststellung der Thronvakanz und einer Mehrheitswahl unter Ausschaltung von Simonie. Seine Wahl am rechten Ort und ihre formale Korrektheit konnten jedoch nicht verhindern, daß die Diplomatie KARLS IV. den SCHWARZBURGER rasch von seinen wichtigsten Bundesgenossen isolierte. Günther mußte, schwer erkrankt und militärisch unterlegen, im Vertrag von Eltville (26. Mai 1349) gegen angemessene finanzielle Entschädigung und Amnestie seiner Anhänger auf die Königswürde verzichten, so daß er künftig wieder als Graf urkundete. An der Beisetzung des bereits im folgenden Monat Verstorbenen (Vermutungen über eine Vergiftung sind unbeweisbar) nahm KARL IV. teil.
Th. M. Martin
am 30.1.1349 von der wittelsbachischen
Partei gegen KARL IV. als
Nachfolger LUDWIGS DES BAYERN zum deutschen
König gewählt; verzichtet jedoch nach wenigen Monaten auf die
Krone.
GÜNTHER XXI.
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* 1304, + 1349
Sohn des Grafen Heinrich VII. von Schwarzburg-Blankenburg und der Christine von Gleichen, Tochter von Graf Albrecht III.
GÜNTHER folgte 1324 mit seinem Bruder Heinrich X. in der Grafschaft Schwarzburg, war eine treue Stütze von Kaiser LUDWIG IV. und war zeitweise Kriegshauptmann und Vormund in Brandenburg und wurde da in viele Fehden hineingezogen. Er führte auch viele Fehden in Thüringen, unterlag in der Grafenfehde den WETTINERN und mußte 1345 deren Vasall werden, was das Ende der Vormachtstellung seines Hauses in Thüringen bedeutete. Er erwarb Frankenhausen, Rottleben und andere Orte und erbte Schlotheim durch die Frau. 1345 zog er mit König Johann von Böhmen nach Preußen und wurde am 30.1.1349 von der wittelsbachischen Fürstenpartei - Mainz, Pfalz, Brandenburg und Sachsen-Lauenburg - zum deutschen König gewählt. Durch militärische Überlegenheit und einer Geldsumme von 20.000 Mark wurde GÜNTHER von KARL IV. zum Verzicht gezwungen.
oo ELISABETH VON HONSTEIN
+
Tochter des Grafen Heinrich IV. zu Klettenberg
In Schlesien traf KARL
mit Kasimir von Polen zusammen; er
verglich und verbündete sich mit ihm, war eber schon Anfang Dezember
wieder bei Herzog
Rudolf von Sachsen in Wittenberg, einem seiner zuverlässigsten
Parteigänger in diesen Jahren, führte dort den Achtprozeß
gegen den ältesten der WITTELSBACHER LUDWIGS-Söhne
fort und vereitelte dann durch sein Erscheinen in Dresden und materielle
Angebote, daß Markgraf Ludwig den
wettinischen Schwager Friedrich von Meißen-Thüringen als
neuen wittelsbachischen Königskandidaten
gewann. Ludwig holte daraufhin auch
GÜNTHER VON SCHWARZBURG, den erbitterten
regionalen Gegner des Meißners, nach Dresden und machte ihn zum Prätendeten.
So verhandelten zeitweilig beide Parteien am gleichen Ort, ein merkwürdiger,
aber für die Verhältnisse typischer Vorgang.
Während KARLS
Gegner bei Frankfurt GÜNTHER zum
König wählten, vermochte der LUXEMBURGER
sich mit Baldewins
Unterstützung nun endlich Köln zu öffnen, dem er wertvolle
Privilegien ausfertigte.
Entscheidend war es aber, daß KARL
durch Baldwins Heiratsverhandlungen mit dem Pfalzgrafen Rudolf von Wittelsbach
anzuknüpfen vermochte, der eben noch zu GÜNTHERS
Wählern gehört hatte.
Indessen hatte GÜNTHER
die Wetterau an sich gezogen; gegenüber Mainz nahm er Aufstellung,
während KARLS Aufgebot von Frankenthal
her anrückte. Der bereits erkrankte SCHWARZBURGER warf sich
aber nach Eltville im Rheingau; das ermöglichte KARL
den Rheinübergang. Nach kurzer Belagerung legte GÜNTHER
die Krone nieder und unterwarf sich mit seinen Anhängern. KARL
verpfändete ihm, wohl in Erkenntnis von GÜNTHERS
Zustand, Gelnhausen, Goslar und Nordhhausen, setzte als Sicherheit dafür
die Stadt Friedberg und die Frankfurter Reichseinkünfte und amnestierte
die Fürsten der Gegenpartei.
Klug wartete KARL
in Mainz ab, bis der nach Frankfurt zurückgebrachte SCHWARZBURGER
am 14. Juni verstorben war.
Seibt Ferdinand: Seite 161,162,189
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"Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378."
Die Opposition suchte einen neuen, den dritten Thronprätendenten:
sie fand ihn dem thüringischen Grafen Günther von Schwarzburg.
Freilich war indessen ihre Lage viel schlechter geworden. DFr Verlust Brandenburgs,
der Übertritt der ostelbischen Reichslannde auf die Seite KARLS
und die unerschütterte Position des LUXEMBURGERS
im Westen des Reiches unter der Statthalterschaft Balduins von Trier, das
Eheprojekt zwischen KARLS Tochter und
dem künftigen habsburgischen Erben
waren schlechte Voraussetzungen für den Erfolg der wittelsbachischen
Sache. Deshalb bedachte sich der Graf von Schwarzburg auch eine Zeit, ein
edler und berühmter und auch kriegstüchtiger Herr, wie man damals
in der Nachbarschaft von ihm schrieb [307 Erfurter Chronik 1899,
Seite 378.]. Dann sagte er jedoch zu, und er griff auch zu. Er besetzte
die alte Königsstadt Frankfurt, und nach altenn Recht war ihm das
Königtum sicher, wenn er es verstand, sich neuen Wochen zu behaupten
[308 Heinrich vonn herford 1859, Seite 276.]. Das schrieb ihm jedenfalls
der Chronist zu und wohl auch ein guter Teil der öffentlichen Meinung.
Nimmt man die deutsche Chronistik jener Zeit als Anhaltspunkt, dann war
die Geringschätzung des Pfaffenkönigs, des Imperadore dei
preti [309 Giovanni Villami 1845, Seite 102.], über das
ganze Reich verbreitet, und nur die böhmischen Chronisten hatten über
KARL Besseres zu sagen.
Ein Blitzbesuch auf der Insel Seeland mußte zunächst
noch englische Gesandte beruhigen, bei denen KARL
ursprünglich um die Tochter Eduards
III. werben wollte. Dann aber, und es war ein gelungener
Überraschungscoup, feierte er schon am 4. März 1349 Hochzeit
mit Anna
von der Pfalz [310 Das Datum zuletzt bei Schnebögl
1973, während Susta 1948, Seite 126 mit Lit. den 11. März erwägt.
Trautz 1961, Seite 355 weist aber darauf hin, daß der Grund von
KARLS Besuch auf Seeland am 27.2.1349 unbewiesen sei.]. Diese
Ehe war es letztlich, die GÜNTHER VON SCHWARZBURG
entwaffnete. Denn der Pfalzgraf Rudolf, selber ohne Söhne,
versprach für seinen erbenlosen Tod eine Eventualhuldigung aller seiner
Amtsleute, ja er räumte KARLS
selbst bei der Neubesetzung von Ämtern ein Veto ein, so daß
die pfälzische Personalpolitik fortan vom Prager Hof mitbestimmt werden
sollte.
Zwar zogen danach noch die Heere von König und Gegen-König
auf, so daß man für eine Zeit einen Bürgerkrieg am Rhein
befürchtete [314 Heinrich von Diessenhofen 1868, Seite 73.].
Aber der kleine Graf von Schwarzburg war nun einmal nicht der "kleine
Graf von Habsburg", der KARLS Urgoßvater
vom böhmischen Thron gestoßen hatte. Von vornherein hielt er
sich den Rückzug offen, und als KARL ihm schließlich
Verhandlungen um 20.000 Gulden bot, nutzte er, selbst bereits erkrankt,
die Situation zu einem bescheidenen, aber sicheren Gewinn. Zwei Monate
später war er tot. Viele Leute konnten sich den Ausgang dieses stillen
Ringens freilich nur durch ein Giftattentat erklären [315 In
Varianten bei Matthias von Neuenburg 1868, Seite 269; Heinrich von Herford
1859, Seite 276; Chronica de ducibus Bavarie 1918, Seite 171; Jacob Twinger
von Königshofen 1870, Seite 479 u. a. dazu aber Werunsky 1882, Seite
188ff.].
1331
oo Elisabeth von Honstein-Klettenberg, Tochter
des Grafen Heinrich IV.
- um 4.6.1380
Kinder:
Sophie
- nach 29.12.1357
1. oo Friedrich III. Graf von Orlamünde
- 1363
2. oo Georg Graf von Schwarzburg-Käfernburg
- 1376
3. oo Johann III. von Schwarzburg-Wachsenburg
1327- 1407
Heinrich XIII.
1339- 11.1357
Elisabeth Nonne
-
1380
Agnes
- um 1399
1366
oo Hermann V. Graf von Henneberg-Aschach
1315-
1403
Margarete
- 1370
1360
oo Gebhard IV. von Querfurt Graf von Mansfeld
- 1382
Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 310
- Chronik des Matthias
von Neuenburg -
Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus
dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite
338 - Seibt Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH&Co. KG München 1994 Seite 153,161,162,189
- Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz
Wien Köln 1990 Seite 51,64,163,264,402 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband
2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II, R.G.
Fischer Verlag 1994 Tafel 437 -