"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Otto III."
Excurs II.
Die Abstammung und der Besitz des Rudolf von Rheinfelden
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Als Vater RUDOLFS
nennen die Acta Murensia, Genealogus, den Chuono,
comes de Rinfelden, Cono,
comes de Rinfelden, genuit RUODOLFUM
regem, et ille genuit Agnetem, matrem Cuonradi ducis . So weit
steht die Geschlechtsreihe ohne Zweifel fest.
Höchst scharfsinnige genealogische Untersuchungen, welche Dr.
W. Gisi, in Solothurn, nach und nach im Anzeiger für Schweizerische
Geschichte veröffentlichte, der Art, dass ältere schon vorhandene
Ergebnisse besser im Zusammenhang gebracht und gegenseitig befestigt werde,
erlauben es, mit meist ziemlich weitgehender Wahrscheinlichkeit den Stammbaum
noch weiter aufwärts fortzusetzen; dabei ist es besonders erwünscht,
dass sich klarer, als es bisher der Fall war, RUDOLFS
Beziehungen zu Burgund herausstellten.
Gisi nimmt, worauf allerdings schon früher aufmerksam gemacht
worden ist, so durch Abt Martin Gerbert, De Rudolpho Suevico, 103, wieder
sehr bestimmt als den Vater Kuno's
den quindam de Rinveldin, parens Zaringiorum, in Anspruch, welchen
die Historia Welforum Weingartensis, c. 6, erwähnt: Cuono nobilissimus
comes (de Onongen)... filios progenuit ... quorum primus, Eggebertus scilicet,
marchiam illam, que est in finibus Saxonie versus Danos, Stadin nominatum,
obtinuit... quatuor filias, quarum una (Ita) Ruodolfo (sc dem Welfen Rudolf,
der ex sua Ita duos filios, Heinricum et Guelfonem - Welf II. -... progenuit),
alia cuidam de Rinveldin...nupsit (SS XXI, 460), und er sieht als diesen
quidam de Rinveldin jenen Grafen
Rudolf an, der auch weiter, gleich seinem Bruder Berchtold, sehr
häufig als Zeuge des letzten burgundischen Königs, Rudolfs
III., vorkommt. Diese beiden Brüder, Rudolf (von Rheinfelden)
und Berchtold, sollen die durch Thietmar, Chron., Lib. VII, c. 20, erwähnten
Söhne der Königin Irmengard von Burgund
sein, in der Stelle: Rothulfi regis inclita conjunx... filios suimet illos,
senioris autem sui privignos, cesari (sc. Heinrich II., 1016, zu Straßburg)
commendavit (SS. III, 845). Gewagt ist es allerdings, schlechthin die Notiz
der freilich über burgundische Dinge gut unterrichtete Annal. Einsidlens.
1019: Ruodolfus occius est (SS. III, 144) hereinzuziehen, während
auf der anderen Seite wieder der Umstand gut passen würde, dass 1020
unter den schwäbischen Angreifern auf Burgund Bischof Werner von Straßburg
und Graf Welf II. voranstehen, jener nach den Acta Murensia, dieser nach
der Historia Welforum - als Neffe Rudolfs - mit den
RHEINFELDERN verwandt.
Die urkundlich hervortretende Erscheinung, dass die Königin
Irmengard nirgends von eigenen Kindern redet, und ebenso, dass
Rudolf und Berchtold schon vor Rudolfs III.
Vermählung mit Irmengard, 1011,
neben ihres späteren Stiefvaters 1. Gemahlin, Königin
Agiltrud, am burgundischen Hofe genannt werden, sprechen Gisi
dafür, dass Rudolf und Berchtold auch nicht leibliche Söhne Irmengards,
sondern Söhne ihres 1. Gemahls aus einer früheren Ehe gewesen
seien. Gisi glaubte die These aufstellen zu können, dass als der Vater
Rudolfs und Berchtolds jener Herzog
Rudolf anzusehen sei, den des Königs
Konrad Urkunde für Peterlingen von 961, diejenige
HEINRICHS III. für Cluny von 1049 bestimmt als Sohn der
Königin Bertha und Bruder des
Königs Konrads und der Kaiserin
Adelheid nennen: nos (sc. Chonradus...rex) una cum matre
nostra Berta ac fratre nostros Ruodolfo - nachher: per interventum... sororis
nostre Adeleide (Fontes rer. Bernens., I, 276, wozu vergl. 321, eben St.
2378: Rodulfus dux,
frater imperatricis Adelaidis), so
aber, dass eben dieser Herzog
Rudolf diese seine Söhne in die Ehe mit
Irmengard mitgebracht habe .
Für die Annehmbarkeit der genealogischen Kombinationen Gisis sprechen
nicht zum mindestens die Erklärungen, welche sich daraus für
die hier und da zerstreuten Angaben über den Herzog und Gegenkönig
RUDOLF selbst ergeben. So wird derselbe schon S. 39 n. 28 abgedruckten
Stelle des Annalista Saxo, a. 1056, in den Worten Adelheidis...
amita Rodolfi
regis mit dem 1057 verstorbenen Markgrafen Lothar-Udo in Verbindung
gebracht, und von dem Sohne Lothar-Udos und der Adelheid,
Udo, dem Nachfolger Lothar-Udos 1057, redet Bruno in dem S. 49 n. 49 mitgeteilten
Satz als einem consobrinus RUDOLFS;
ebenso läßt der gleichfalls I. c. n. 28 angerufenen Albert von
Stade, a. 1112, Ida von Elsthorpe diesen Udo adoptieren, obschon er ihren
eigenen Sohn, zugleich seinen cognatus, ermordet habe. Stellt man das genealogische
Schema nach Gisis Vermutungen zusammen, so erhellen diese Verwandtschaften:
Kuno von Öningen
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Ekbert
filia: mar. quidam de Rinveldin
Rudolf
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X
Bruno : ux. Gisela
Kuno
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--
Adelheid, amita
Liudolf RUDOLF
von Rheinfelden
Rudolfi
mar. Lothar-Udo
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Udo
Ekbert
Ida von Eslthorpe
consobrinus Rudolfi
(adoptiert durch Ida
von Elsthorpe)
--
Ekbert
cognatus Udonis
Was nun die territoriale Stellung
RUDOLFS und des Rheinfelder
Hauses überhaupt vor 1057 betrifft, so waltete schon länger Erörterung
darüber, ob der in St. 2351, HEINRICHS III.
von 1048, für das Bistum Basel, genannte Graf Rudolf -
in pago Sysgouve.. in comitatu Ruodolfi comitis - als identisch mit RUDOLF
von Rheinfelden aufzustellen sei. Während zum Beispiel noch
Heusler, Verfassungsgeschichte der Stadt Basel im Mittelalter, 28, diese
Ansicht aussprach, schlossen nachher M. Birmann im Basler Jahrbuch, 1879,
116 und A. Burchardt, Die Gauverhältnisse im alten Bistum Basel und
die Landgrafschaft im Sisgau, Basler Beiträge zur vaterländischen
Geschichte, XI, 18, auf den ältesten bekannten Grafen von Thierstein
und Homburg; der letztere schrieb ferner Rudolf nur den Stein zu Rheinfelden,
den er hier als Burggraflehen vom Reiche empfangen habe, mit Ausschluß
der Stadt, zu. Doch Gisi greift auf RUDOLF
von Rheinfelden zurück und glaubt, dass schon der gleichnamige
Großvater desselben, wenn nämlich dieser - quidam de Rinveldin
- von dem allerdings so viel später schreibenden Weingartner Mönch
mit Recht schon so genannt wurde, wegen der starken durch die Natur gegebenen
Lage der zum Sisgau gehörenden Inselfeste im Rhein sich Rheinfelden
als Sitz gewählt habe; denn Gisi hält den 1008 zu Basel im Stiftungsbriefe
des Klosters Sulzburg an 3. Stelle genannten Zeugen; Ruodolf comes für
eben diesen großväterlichen RUDOLF
von Rheinfelden (Trouillat, Monum. de l'hist. de l'ancien eveche
de Bale, I, 150). Bloße Vermutung bleibt die Annahme, dass die RHEINFELDER
auch Grafen von Sornegau, südwestlich vom Sisgau im Jura,
gewesen seien; denn hier fehlen jegliche Beweise. Dagegen ist in dem nördlich
vom Rhein, im südlichen Schwarzwald, liegenden Albgau Besitz des
Herzogs Rudolf bezeugt. HEINRICH IV.
gab 1071 an das in diesem Gau liegende Kloster St. Blasien, durch St. 2742,
achthalb Hufen zu Eggingen, an der Ostgrenze des Gaues, welche er a duce
Rudolpho, cum nostri non essent, nobistraditos nennt, und in der Bestätigung
des Gutes Schluchsee, im nördlichen Teile des Gaues, für St.
Blasien, durch HEINRICH V., St. 3205,
ist RUDOLF
wenigstens als der 1. in der Reihe der Urheber der früher
geschehenen Schenkung aufgeführt . Dass endlich im Hegau ein
Teil der Oeninger Erbschaft noch in RUDOLFS
Händen lag, möchte daraus geschlossen werden, dass sein Enkel,
Konrad von Zähringen, der Sohn der Agnes
von Rheinfelden, quartam partem villae Oningin.. cum omni jure
et justitia quam ipse successione haereditaria inibi habebat, nach J. 8076,
der Bestätigung Innocenz' II., an Reichenau gegeben hatte.
Ungleich bedeutender waren die Erbgüter auf burgundischem Boden.
Als HEINRICH IV. 1079 das Bistum Lausanne
für dasjenige, was dasselbe von
RUDOLF zu leiden gehabt hatte, entschädigte, nannte er als
Allodialbesitz des tam vite rerum proscriptus et dampnatus: quicquid ipse
suique infra fluvium Sanuna et Montem Jovis et pontem Genevensem et infra
montana Jure et Alpium habuerunt (St. 2815), das heißt also Wallis
und Waadtland, in der ganzen Breite des Kerngebietes des mit Rudolf
III. ausgestorbenen hochburgundischen Königshauses . Andere
Besitzungen
RUDOLFS werden als Erbgut seiner Tochter oder der zähringischen
Erben derselben aufgeführt. Agnes
selbst übertrug den Hof in Herzogenbuchsee, samt der dortigen
Kirche, und denjenigen von Seeberg und Hutwil - alles im oberen Aargau
des jetzigen Kantons Bern gelegen, cum omni jure ac libertate, quam ipsam
jure proprio possederat, an das Kloster St. Peter im Schwarzwald; ihr Gemahl
Berchtold und die Söhne Berchtold und Konrad folgten hierin nach,
wobei die letzteren nochmals bestimmt auf den mütterlichen Großvater
gleichfalls zurückwiesen, in den 1111 gebrauchten Worten: in omnibus
allodiis in Burgundia...vel ubicumque locorum sitis, que parentes... illorumque
patres, id est katholice veritatis sectator eximius RUODOLFUS
rex...tradiderunt ecclesiis, quarum una in vico quodam Burgundie,
qui vocatur Buhse, continetur .