Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 578
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Reginare
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Familie der lotharingischen Aristokratie, geht zurück
auf Reg(i)nar
(Regnier), manchmal mit dem Beinamen 'Langhans' (+ 915),
Sohn eines Grafen aus dem Maasland und einer Tochter des KAROLINGERS
LOTHAR I.
Graf Reginar hatte eine einflussreiche, aber territorial nicht eindeutig
zu identifizierende Position als Repräsentant der karolingischen
Herrscher Ludwigs IV. des Kindes, dann
Karls
des Einfältigen inne, ohne aber offiziell das Herzogsamt
auszuüben. Nach Reginars
Tod fielen seine Besitzungen an die
Söhne Giselbert,
den künftigen Herzog von Lothringen, und (zu einem kleinen
Teil) an
Reginar
II. (+ 932/40), der wohl den Pagus
Hennegau regierte. Dessen Sohn Reginar
III. (+ 973), auf den (mehr noch als auf seinen Großvater)
der Beiname 'Langhals' angewandt wird, führte einen
Aufstand gegen König
OTTO I. und dessen Bruder und Repräsentant in Lotharingien,
Brun
von Köln, und wurde 958 vom König geächtet
und nach Böhmen verbannt. Die konfiszierten Güter und Rechte
Reginars III. sollen an einen Grafen/Herzog
Gottfried (+ 964), der im Auftrage Bruns
militärische Amtsgewalt in Nieder-Lotharingien ausübte, dann
an einen Grafen Richer übergegangen sein. Als Grafen und Inhaber dieser
Rechte begegnen 968 zwei Brüder, Warner (Garnier) und Rainald (Renaud);
sie fielen im selben Jahr im Kampf gegen die Söhne Reginars III.,
Reginar IV.
und Lambert,
die nach dem Tode OTTOS I.
auf Wunsch der Aristokratie ins Land zurückgekehrt waren.
Die Söhne sahen sich allerdings beim Anrücken Kaiser
OTTOS II. zur Flucht ins W-Frankenreich genötigt(um
974). Die Besitzungen der REGINARE
gingen nun an die Grafen Gottfried 'von Verdun', genannt 'der Gefangene'
(mit Sitz in Mons), und Arnulf (mit Sitz in Valenciennes) über. Nach
dem gescheiterten Versuch einer Rückeroberung von Mons (April 976)
wurden die REGINARE dennoch von OTTO
II. zumindest partiell, in ihr väterliches Erbe wiedereingesetzt:
Reginar
IV. (+ 1013) etablierte sich in Hennegau,
Lambert in
Löwen, doch konnte Reginar IV. erst 998 Mons wieder
in seine Hand bekommen, während die Stadt Valenciennes erst unter
seinen Nachfolgern 1047 in den Besitz des Geschlechts kam. Die frühen
REGINARE sind oft miteinander verwechselt
worden; U. Nonn weist mit Recht auf das "heillose Durcheinander" in der
älteren Forschung hin.
In Nieder-Lothringen lebten während des 11. Jahrhunderts
im romanischen Westen noch zahlreiche Geschlechter aus karolingischem
Reichsadel
fort, deren mächtigste nach dem Vorbilde ihrer französischen
Nachbarn möglichst unabhängige Seigneurien aufzubauen versuchten.
Zu diesen Familien gehörten die REGINARE,
die als Vorkämpfer gegen die Wikinger vergeblich ein eigenes Teilkönigreich
erstrebt hatten. Sie besaßen allodiale Grundherrschaften, Lehen und
Grafenrechte zwischen der mittleren Schelde und dem Maastale, in Hesbaye
zwischen Lüttich und Löwen, um Namur, an der Sambre, in Brabant
um Hal, im Hennegau
um Burg Mons und in den Ardennen. Außer Vogteirechten
in den Bistümern Cambrai und Lüttich brachten sie bedeutende
Grundherrschaften, Pfalzen und Klöster des Reiches wie Meersen, Chevremont
bei Lüttich, Zülpich und Nivelles an sich. Herzog Giselbert
(915-939) gewann mit der Hand der LIUDOLFINGERIN
Gerberga
die
reiche Grundherrschaft Brüssel. Seine Neffen büßten für
reichsfeindliche Umtriebe 958 mit Verbannung. Erst 977 erwirkten die Brüder
Reginar IV. und Lambert
die Rückgabe ihrer Allodien. Die niederlothringische Herzogswürde
fiel damals an den KAROLINGER Karl
(977-991), einen Sohn aus Gerbergas
zweiter Ehe mit König Ludwig IV. von Frankreich,
und nach ihm an dessen Sohn Otto
(991-1005). Mit der Hinterlassenschaft dieses Schwagers
erwarben die REGINARE zwischen Schelde
und Maas in Hesbaye und Brabant umfangreiche Grundherrschaften um Brüssel
zurück. 998 hatte sich Reginar (+ 1013) durch Eroberung von
Mons die Wiederbelehnung mit der Grafschaft
Hennegau,
dem brabantischen Hal und kirchlichen Vogteien erzwungen. Nur die Grenzmark
Valenciennes, die Cambrai gegen flandrische Übergriffe decken sollte,
blieb ihm versagt. Um sich französischen Beistands zu versichern,
heiratete er Hedwig,
eine Schwester des KAPETINGER-Königs Robert.
Zu ihrer Mitgift gehörten Güter der Abtei St. Germain des Pres
im Bistum Lüttich an Sambre und Maas. Sein nicht weniger streitbarer
Bruder Lambert vereinigte
die Besitzungen in Brabant mit denen im Bistum Lüttich zur Großgrafschaft
Löwen und zwang den Bischof, ihn mit der Burg Hougaerde bei
Tienen zu belehnen. 1015 ist er im Kampf gegen den Herzog gefallen. Die
neue Generation war um Ausgleich bemüht. Reginar V. von Hennegau
(1013-nach 1039) vermählte sich mit Mathilde,
der Tochter des Markgrafen von Eename aus dem Hause VERDUN. Außer
der Mark und Heiratsgut in den Ardennen trat ihm der Schwiegervater 1018
Rechte in Brabant zwischen Schelde und Dender ab, die auch der Graf von
Flandern begehrte. Heinrich
von Löwen (+ 1038) aber vermählte sich mit einer
Tochter dieses mächtigen französischen Nachbarn.