XCII. Pfalzgraf HUBERT
dessen Vasallen im März 940 bei einem Placitum in
Asti zugegen waren, der im März 941 in Anwesenheit der Könige
Hugo und Lothar
in Pisa und Lucca selbst zwei Gerichtstage abhielt und am 10. August 942
sowie am 10. Juni 943 bei den Königen in Pavia als Fürbitter
für die Kirche von Reggio auftrat, war ein Sohn König
Hugos. Er war Hugo von einer
Frau edler Abkunft, namens Wandelmoda, noch vor der rechtsmäßigen
Ehe mit Alda,
in der Provence geboren worden. Mit seinem Vater kam er nach Italien. Bereits
935 kann man ihn als marchio im Gefolge Sarilos, seines Vorgängers
im Pfalzgrafenamt, in Pavia sehen [Wenn bei einem Gerichtstag, den Sarilo
am 30. Mai 935 in Parma abhielt,
vassi Huberti
comitis zugegen waren, so sind sie wohl auch als Untergebene
unseres späteren Pfalzgrafen anzusehen (Schiaparelli, a.a.O. Seite
113, nr. 38).]. Warum er allerdings marchio betitelt wird,
ist nicht klar. Die Mark Tuszien, in der ihn Liudprand erwähnt,
erhielt er immerhin erst 936 nach der Absetzung und Inhaftierung
Bosos
[Zu Boso von Tuszien vgl. A. Hofmeister, Markgrafen Seite 405 ff.
Das Datum der Absetzung Bosos wird gesichert durch Flodoard, Annales ad
936, Seite 64 ff.], des 931 aus der Provence gekommenen Bruder König
Hugos. Wie er ca. 939 sodann den in die Markgrafschaft Spoleto
geschickten Sarilo im Pfalzgrafenamt ablöste (vor März
940!), so folgte er diesem auch ca. 942 in der Verwaltung Spoletos und
Camerinos nach. Damit vereinte er die Macht über ganz Mittelitalien
in seiner Hand. Als jedoch im Frühjahr 945 der nach Deutschland geflüchtete
Markgraf von Ivrea und spätere König
Berengar II. mit einem Heer nach Italien zurückkam und
Hugo
die Macht entwand, wurde der dem neuen Herrn gefügige Langobarde Lanfranc,
Sohn des ehemaligen Pfalzgrafen Giselbert, in das Pfalzgrafenamt eingewiesen,
Spoleto erhielt Graf Bonifaz (von Bologna), und somit wurde auch diese
Machtkonzentration in Mittelitalien aufgelöst.
Hubert
wurde auf Tuszien beschränkt [Am 7. Mai 952 verkaufte der Uberto
marchio lege vivente Saliga filio b.m.dn. Ugoni
regis ... justa lege mea Saliga verschiedene Güter
in Pozzeveri und Porcari für 50 Pfund Silber an Teudimundus; Mem.
e doc. di Lucca V, 3 Seite 242, nr. 1347.]. Trotzdem scheint er sich recht
bald mit Berengar II. ausgesöhnt
zu haben [Das geht besonders daraus hervor, daß
Berengar II. am 30. Mai 961
interventu ac peticione Ugonis
marchionis Tuscie dilecti fidelis,
also auf Bitten des Sohnes
Hubert
eine Urkunde für den Abt von Vangadizza ausstellte.]. Als OTTO
I. 961 in Italien einzog, nach Rom weitereilte und dort am 2.
Februar 962 zum Kaiser gekrönt wurde, zählte Markgraf
Hubert zu seinen aktivsten Gegnern. Nach der Krönung, von
Mitte Februar bis Mitte März, versuchte OTTO,
Huberts
Widerstand
niederzuringen. Offenbar hatte er auch Erfolg dabei, denn es wird berichtet,
denn es wird von einer Flucht Huberts
vor OTTO
aus Italien zu den Ungarn
berichtet, die sich auf diese Ereignisse beziehen muß. Nach Beruhigung
der Lage scheint Hubert OTTOS Vergebung
erlangt zu haben. Bis zum Sommer 967 wird er in den Urkunden des tuszischen
Raumes nicht mehr genannt. Am 15. September 967 urkundet in Remmiano
(= Rignano) sodann die Uilla excellentissima marchionissa coniux
Ubberti gloriosi marchioni et filia
bone memorie Bonefatii, qui fuit marchio. Doch scheint er bald darauf
verstorben zu sein. Ab 969 urkundet
Willa
nur noch als comitissa filia bone memorie Bonefatii, qui fuit marchio,
und ihr Sohn Hugo bekennt sich am 12. Juli 970 als Ugo marchio
lege vivente Salicha, filio b. m. Uberti,
qui fuit marchio.
Aus der Ehe Huberts
mit Willa, der Tochter des Markgrafen Bonifaz von Spoleto sind zwei
Kinder bekannt:
Hugo,
der Nachfolger in der Mark Tuszien, der hier nicht zu behandeln ist, und
Waldrada,
die zweite Gemahlin des Dogen Pietro Candiano IV. von Venedig.
Mark- und Pfalzgraf Hubert war
salfränkischer Herkunft.