Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Gero wurde Nachfolger seines Bruders, der nach 936, dem Datum seiner letzten Erwähnung, und vor 941 starb. Zu diesem Zeitpunkt amtierte nämlich Gero schon im Herrschaftsgebiet seines Bruders. Noch zu Lebzeiten Siegfrieds ist Gero als Graf im Nordthüringgau bezeugt, in dem Biere, Unseburg und Schwanenberg in seinem Comitat lagen. Seit 941 verwaltete er nachweislich eine Grafschaft im Schwabengau, in der er zusammen mit seinem Sohn Siegfried, einem Patenkind OTTOS DES GROSSEN, ein bisheriges Lehn in Egeln und Wester-Egeln in freies Eigentum verwandelt und dazu einen Wald im Hackel erhielt. Sein Eigentum im Nordthüringgau vergrößerte er 944 um Turtlingen (wüst). 946 werden in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Magdeburg die Orte Borne, Bisdorf, Mackstedt, Körlingen und Eggenstedt als in seiner Grafschaft im Nordthüringgau gelegen erwähnt. Im gleichen Jahr schenkte OTTO I. an das Kloster Quedlinburg Hermsdorf und Leversdorf (wüst), die seiner gräflichen Amtsgewalt im Nordthüringgau unterstanden. Neben dem Schwaben- und dem Nordthüringgau verwaltete Gero im Altland noch die sogenannte Magdeburger Mark, die einen Bezirk des Nordthüringgaues bildete und unter anderem die Orte Frohse, Insleben, Harsdorf, Dudulon, Tasdorf, Innenweddingen, Osterweddingen, Sülldorf, Ottersleben, Apendorf, Rottersdorf, Buckau, Pretalitze (wüst), Trumpte (wüst), Wiersdorf und Leversdorf umfaßte. Die gleichen Orte werden in dem Zeitraum von 937-941 von den  Königsurkunden in der Grafschaft des Grafen Thietmar erwähnt. Vermutlich übte Gero kraft seiner Stellung als "Legat" eine Art Oberbefehl über Thietmar aus, der ihm als Grenzgraf zur Seite stand. Außerhalb des Altlandes, im Gebiet östlich der Saale, erhielt Gero 945 die Dorfmark Trebnitz in der Mark Zitici vom König als Eigentum zugewiesen. Schwabengau und Nordthüringgau waren also die Ausgangspunkte seiner Machtstellung. In diesen Gebieten lag auch die Hauptmasse seiner Eigengüter. Vermutlich hatten schon seine Vorfahren hier gesessen und vielleicht auch ein Grafenamt bekleidet. Das kann man auf Grund der Tatsache schließen, dass sein Bruder Siegfried ebenfalls hier amtierte. Es ist denkbar, dass beide die Stellung vom Vater übernommen hatten. Geros eigentliche Macht beruhte jedoch nicht so sehr auf seinem Grafenamt als auf seiner Stellung als Legat und Markgraf. 937 starb Legat Siegfried, dessen Stellung unmittelbar darauf Gero übertragen wurde. Gero stand vermutlich in keiner verwandtschaftlichen Beziehung zu ihm. In den ersten Urkunden, die Gero bezeugen, wird er, obwohl er schon die Stellung eines Legaten innehatte, nicht als legatus, sondern als comes bezeichnet. Erst ab 941 führte er den Titel marchio, und zwar selbst in Urkunden, die sich auf seine gräfliche Stellung im Altland bezogen. 946 lautete sein Titel anläßlich einer Intervention bei der Gründung des Bistums Havelberg - wo er als einziger weltlicher Würdenträger Erwähnung findet - dux et marchio. Ebenso hieß er 948, als er bei der Dotierung des Bistums Brandenburg intervenierte. Er wird nur in diesen beiden Urkunden dux et marchio genannt, sonst lediglich marchio.Geronahm vermutlich auf die Errichtung der beiden Bistümer entscheidenden Einfluß. Möglicherweise wurden ihm auch Vogteirechte übertragen. Otto von Heinemann sprach von einer Stellung als Markenherzog. Er möchte diese Erhöhung ausschließlich mit den kirchlichen Einrichtungen in Zusammenhang sehen. Giesebrecht dagegen wollte die herzogliche Stellung nur auf eine Ausdehnung seiner militärischen Befugnisse zurückführen. Nach dem Stand der heutigen Forschung gilt als gesichert, dass der Titel dux in jener Zeit nur im Sinne einer militärischen Führerstellung verstanden werden kann. Geros Mark umfaßte die slawischen Gebiete der Heveller, über die er in Erweiterung seines Auftrages als Legat zum Markgraf gesetzt war. OTTO I. beauftragte ihn mit dem Krieg gegen die Wendenstämme des Nordostens. Geros Mark wird in zwei Urkunden bezeugt. In der ersten Urkunde heißt es: in marca Geronis in terra Sclavorum in pago Heveldun. Gero verfügte also über die südliche Wendenmark, die sogenannte Ostmark, die sich an die Mark Hermmann Billungs anschloß und das Gebiet östlich der Elbe bis zur Oder und im Süden bis an die Grenzen Böhmens umfaßte. Thietmar nannte ihn deshalb Markgraf der Ostmark. Die Übertragung der Mark bedeutet faktisch einen noch zu erfüllenden Auftrag. Das Land mußte nämlich zum Teil erst in langen Kämpfen dem Feinde abgerungen werden. 945 gelang ihm der Sieg über die Ukrer. Die Unterwerfung der benachbarten Lusici und Selpuli, sowie die Besiegung Herzogs Miseco von Polen im Jahr 943 war ebenfalls seine Tat. Zugleich mit seiner Stellung in der Ostmark dehnte Gero seinen Eigenbesitz nach Osten aus. 951 erhielt er vom Königs-Sohn Liudolf Eigentum im Gau Serimunt geschenkt, und zwar die Dorfmarken Wispitz und Wetlitz mit den darin liegenden Orten. Das Gut lag an der Grenze zwischen Nordthüringgau, Schwabengau und Serimunt. Wahrscheinlich erfolgte die Schenkung in der Absicht, Gero für die Partei des aufständischen Königs-Sohnes zu gewinnen, eine Vermutung, die durch die Intervention Herzog Konrads bestärkt wird. Gero hielt jedoch OTTO I. die Treue und rechtfertigte somit das Vertrauen des Königs, der eine so große Macht in seine Hände gelegt hatte. Er nahm sogar aktiv am Krieg gegen die Aufständischen teil und war an der Seite des Königs bei der Belagerung von Regensburg. 967 intervenierte Gero bei einer Schenkung der drei Orte Schartau, Grabow und Buckau an Magdeburg. Er besaß selber einen Hof in Magdeburg, was wir aus der Urkunde von 965 erfahren. Er intervenierte noch mehrere Male für Magdeburg. Von den zahlreichen Gauen, die Gero östlich der Elbe verwaltete, ist er nur zweimal urkundlich im Gau Moroziani belegbar. Gero stand in einem sehr engen Verhältnis zum König, was aus zahlreichen Zeugnissen hervorgeht. OTTO DER GROSSE hob nicht nur seinen Sohn Siegfried aus der Taufe, sondern überhäufte Gero in den Urkunden mit Ehrenbezeugungen, die bisher noch keinem zuteil geworden waren. So heißt er: noster dilectus, noster fidelis marchio, noster dilectus ac fidelis marchio, noster dilectissimus marchio. Widukind wies auf die gemeinsame Teilnahme am Kampf hin und rühmte Geros Erfahrenheit, seinen Rat, seine Beredsamkeit, seine Kenntnisse, seine Freigiebigkeit und seinen religiösen Eifer. Widukind, der ihn als vir magnus et potens charakterisierte, nannte ihn vorwiegend comes oder praeses. Thietmar gab ihm sogar den Beinamen "der Große": Gero, qui magnus fuit, et sic nuncupabatur, was die Quedlinburger Annalen (a. 1013) bestätigen. Thietmar ehrte ihn auch mit dem Ehrennamen defensor patriae. Gerostarb im hohen Alter am 20. Mai 965.
Er bewahrte der Nachwelt sein Andenken durch zwei Klosterstiftungen. Das Mönchskloster zu Frohse wird vor 950 gegründet worden sein. In diesem Jahre schenkte der König nämlich schon den Mönchen auf Bitten des Markgrafen den Hof Hebanthrop und bezeichnete das Kloster als Eigenstiftung Geros. Seine zweite Klostergründung war Gernrode, das 961 unter Königsschutz gestellt wurde. Die Urkunde läßt erkennen, dass es Gero und sein Sohn Siegfried neu errichteten und mit beider gesamten Erbgut ausstatteten. Das Gründungsdatum muß vor 961 liegen. Die Bestätigungsurkunde erwähnte nämlich, dass Siegfried gestorben sei und seine Gattin Hathui den Schleier genommen habe, um dem Kloster als Äbtissin vorzustehen. Im gleichen Jahre wurde ihr das inzwischen in ein Nonnenkloster umgewandelte Kloster Frohse unterstellt, wie eine Urkunde OTTOS II. bestätigte. Die Urkunde für Gernrode ließ die Stiftung zum Seelenheil des Königs und seines Sohnes et pro et Sigifrido Geroneque erfolgen. Diese Stelle ist zugleich der einzige Beweis für einen zweiten sonst unbekannten Sohn des Markgrafen, der den Namen seines Vaters erhalten hatte. Ob er früh starb wie Siegfried, bleibt ungewiß. Thietmar erwähnte Siegfried, den er als vir illustris bezeichnet, zwar als einzigen Sohn. Auch der sächsische Annalist (a. 965) verwies nur auf Siegfried. Er wird um 959 gestorben sein, was sich aus folgender Überlegung ermitteln läßt: Thietmar berichtete, dass Hathui, die im jugendlichen Alter von 13 Jahren dem Grafen Siegfried vermählt wurde, dem Kloster 55 Jahre lang als Äbtissin vorgestanden habe und am 4. Juli 1014 gestorben sei. Hathui war eine Tochter des BILLUNGERS Wichmanns des Älteren und somit eine Nichte des sächsischen Herzogs Hermann Billung. Zugleich war sie eine Nichte der Königin Mathilde und wird auch so von Thietmar bezeichnet. Diese Verwandtschaftsbeziehungen lassen wiederum wenig Wahrscheinlichkeit zu, dass die Familie Geros von niederer Herkunft war; sonst wäre diese Heirat wahrscheinlich nie zustande gekommen. Die Bestätigungsurkunden geben zugleich Aufschluß über die Größe seines Allods [von Heinemann, Markgraf Gero, Anhang Urkunde Nr. 10 bringt eine verfälschte Urkunde von Gernrode aus dem 12. Jahrhundert, die ein umfassendes Güterverzeichnis aufführt, das neben zahlreichen Orten 388 Morgen Land und auch die große Landschenkung des Königs im Gau Serimunt umfaßt, von der durchaus anzunehmen ist, dass auch sie in den Klosterbesitz einging.]. Es umfaßte als Kernpunkte die Orte Gernrode, Frohse, Alsleben, Gröningen, Egeln und Nienburg. Prüfen wir das Erbgut auf seine Herkunft, so ergibt sich folgendes: Gröningen fiel ihm aus dem Erbe seines Bruders Siegfried zu, Egeln wurde erst 941 durch königliche Schenkung erworben. Als Eigengüter bleiben Frohse, Gernrode, Nienburg und Alsleben, die wohl Familienbesitz waren. Das Gut in Nienburg ging nachweisbar in die Hand seiner Schwester Hidda über. In Alsleben übten noch andere Familienmitglieder Besitzrechte aus.

Zu Lebzeiten seines Bruders, des Legaten Siegfried, war Gero als Graf im Nordthüringgau (= Großraum Magdeburg) bezeugt. Er wurde Graf im Schwabengau (= Raum Quedlinburg/Aschersleben), Hassegau (= Raum Merseburg/Eisleben), Frisonofeld (= Harzgebiet), Morizianigau (= Raum Fläming), im Gau Serimunt (= Raum Bernburg/Dessau) und im Zitzigau (= Raum Delitzsch/Bitterfeld). Seit 941 verwaltete er nachweislich eine Grafschaft im Schwabengau, in der er zusammen mit seinem Sohn Siegfried, einem Patenkind OTTOS I., ein bisheriges Lehen in Egeln und Wester-Egeln in freies Eigentum verwandelte und dazu einen Wald im Hackel erhielt. Nach dem Tode des mächtigen Grafen Siegfried von Merseburg wurde er als Markgraf an der Mittelelbe und Saale gegen Wilzen und Sorben mit umfassenden Oberbefehl in diesem Raum und in allen östlichen Marken eingesetzt. Seine Ernennung war Anlaß für die Rebellion des Prinzen Thankmar, der als Siegfrieds Verwandter Ansprüche erhob. Von hier aus wurden in mehreren Kriegszügen die Stämme zwischen Elbe und Oder unterworfen, unter anderem kam es zu der von Gero veranlaßten Ermordung von 30 zu einem Gastmahl geladenen sorbischen Adligen. Da ständig Kriegszustand herrschte, wuchs Geros Legatenposition weit über ihren Rahmen hinaus zur machtvollen Landesherrschaft und Gero wurde Kaiser OTTOS wichtigste Stütze im östlichen Reich. Er entging etlichen Mordanschlägen und unterwarf in vielen Feldzügen die Slawengebiete bis zur Oder hin und machte sogar Polen 962/63 tributpflichtig. Er gründete die Bistümer Havelberg und Brandenburg, wurde Vogt dieser Riesendiözesen und reiste 950 und 963 nach Rom. Zugleich mit seiner Stellung in der Ostmark dehnte Gero seinen Eigenbesitz nach Osten aus. Obwohl er 951 vom Königs-Sohn Liudolf Eigentum im Gau Serimunt erhielt, stand er treu und in einem sehr engen Verhältnis zum König. Obwohl er schon vor 950 das Mönchskloster Frohse gegründet hatte, stiftete er 961 das Kloster Gernrode mit der Kirche, die zu den ältesten romanischen Bauten Deutschlands gehört, stattete es mit seinem und seines Sohnes gesamtem Erbgut (Frohse, Gernrode, Nienburg, Gröningen und Alsleben) aus und stellte es unter Königsschutz. 963 erneuerte er die Unterwerfung der Lausitz und unternahm Kriegszüge gegen Mieszko I. von Polen, der zur Unterwerfung und Tributzahlung für das Land zwischen Warthe und Oder gezwungen wurde. Nach Geros Tode wurde seine Markgrafschaft in sechs Markgrafschaften, die später zu drei zusammengefaßt wurden, geteilt: Nordmark (Wilzen), Ostmark (Lausitz) und Mark Meißen (Sorben). Geros Nachkommen regierten bis 1034 die Lausitz.