Gero wurde Nachfolger
seines Bruders, der nach 936, dem Datum seiner letzten Erwähnung,
und vor 941 starb. Zu diesem Zeitpunkt amtierte nämlich Gero
schon im Herrschaftsgebiet seines Bruders. Noch zu Lebzeiten Siegfrieds
ist Gero als Graf im Nordthüringgau
bezeugt, in dem Biere, Unseburg und Schwanenberg in seinem Comitat lagen.
Seit 941 verwaltete er nachweislich eine Grafschaft im Schwabengau,
in der er zusammen mit seinem Sohn Siegfried,
einem Patenkind OTTOS
DES GROSSEN, ein bisheriges Lehn in Egeln und Wester-Egeln
in freies Eigentum verwandelt und dazu einen Wald im Hackel erhielt. Sein
Eigentum im Nordthüringgau vergrößerte er 944 um Turtlingen
(wüst). 946 werden in einer Schenkungsurkunde für das Kloster
Magdeburg die Orte Borne, Bisdorf, Mackstedt, Körlingen und Eggenstedt
als in seiner Grafschaft im Nordthüringgau gelegen erwähnt. Im
gleichen Jahr schenkte OTTO I. an das
Kloster Quedlinburg Hermsdorf und Leversdorf (wüst), die seiner gräflichen
Amtsgewalt im Nordthüringgau unterstanden. Neben dem Schwaben- und
dem Nordthüringgau verwaltete
Gero
im Altland noch die sogenannte Magdeburger Mark, die einen Bezirk
des Nordthüringgaues bildete und unter anderem die Orte Frohse, Insleben,
Harsdorf, Dudulon, Tasdorf, Innenweddingen, Osterweddingen, Sülldorf,
Ottersleben, Apendorf, Rottersdorf, Buckau, Pretalitze (wüst), Trumpte
(wüst), Wiersdorf und Leversdorf umfaßte. Die gleichen Orte
werden in dem Zeitraum von 937-941 von den Königsurkunden in
der Grafschaft des Grafen Thietmar erwähnt. Vermutlich übte
Gero
kraft
seiner Stellung als "Legat" eine Art Oberbefehl über
Thietmar
aus, der ihm als Grenzgraf zur Seite stand. Außerhalb des Altlandes,
im Gebiet östlich der Saale, erhielt Gero
945
die Dorfmark Trebnitz in der Mark Zitici vom König als Eigentum zugewiesen.
Schwabengau und Nordthüringgau waren also die Ausgangspunkte seiner
Machtstellung. In diesen Gebieten lag auch die Hauptmasse seiner Eigengüter.
Vermutlich hatten schon seine Vorfahren hier gesessen und vielleicht auch
ein Grafenamt bekleidet. Das kann man auf Grund der Tatsache schließen,
dass sein Bruder Siegfried
ebenfalls hier amtierte. Es ist denkbar,
dass beide die Stellung vom Vater übernommen hatten. Geros
eigentliche
Macht beruhte jedoch nicht so sehr auf seinem Grafenamt als auf seiner
Stellung als Legat und Markgraf. 937 starb Legat Siegfried,
dessen Stellung unmittelbar darauf Gero
übertragen
wurde.
Gero stand vermutlich in keiner
verwandtschaftlichen Beziehung zu ihm. In den ersten Urkunden, die Gero
bezeugen,
wird er, obwohl er schon die Stellung eines Legaten innehatte, nicht als
legatus, sondern als comes bezeichnet. Erst ab 941 führte er den Titel
marchio,
und zwar selbst in Urkunden, die sich auf seine gräfliche Stellung
im Altland bezogen. 946 lautete sein Titel anläßlich einer Intervention
bei der Gründung des Bistums Havelberg - wo er als einziger weltlicher
Würdenträger Erwähnung findet -
dux et marchio. Ebenso
hieß er 948, als er bei der Dotierung des Bistums Brandenburg intervenierte.
Er wird nur in diesen beiden Urkunden dux et marchio genannt, sonst
lediglich marchio.Geronahm vermutlich
auf die Errichtung der beiden Bistümer entscheidenden Einfluß.
Möglicherweise wurden ihm auch Vogteirechte übertragen. Otto
von Heinemann sprach von einer Stellung als Markenherzog. Er möchte
diese Erhöhung ausschließlich mit den kirchlichen Einrichtungen
in Zusammenhang sehen. Giesebrecht dagegen wollte die herzogliche Stellung
nur auf eine Ausdehnung seiner militärischen Befugnisse zurückführen.
Nach dem Stand der heutigen Forschung gilt als gesichert, dass der Titel
dux in jener Zeit nur im Sinne einer militärischen Führerstellung
verstanden werden kann. Geros
Mark
umfaßte die slawischen Gebiete der Heveller, über die er in
Erweiterung seines Auftrages als Legat zum Markgraf gesetzt war.
OTTO
I. beauftragte ihn mit dem Krieg gegen die Wendenstämme
des Nordostens. Geros Mark wird in
zwei Urkunden bezeugt. In der ersten Urkunde heißt es: in marca Geronis
in terra Sclavorum in pago Heveldun. Gero verfügte
also über die südliche Wendenmark, die sogenannte Ostmark, die
sich an die Mark Hermmann
Billungs anschloß und das Gebiet östlich der Elbe bis
zur Oder und im Süden bis an die Grenzen Böhmens umfaßte.
Thietmar nannte ihn deshalb Markgraf der Ostmark. Die Übertragung
der Mark bedeutet faktisch einen noch zu erfüllenden Auftrag. Das
Land mußte nämlich zum Teil erst in langen Kämpfen dem
Feinde abgerungen werden. 945 gelang ihm der Sieg über die Ukrer.
Die Unterwerfung der benachbarten Lusici und Selpuli, sowie die Besiegung
Herzogs
Miseco von Polen im Jahr 943 war ebenfalls seine Tat. Zugleich
mit seiner Stellung in der Ostmark dehnte
Gero
seinen
Eigenbesitz nach Osten aus. 951 erhielt er vom Königs-Sohn
Liudolf Eigentum im Gau Serimunt geschenkt, und zwar die Dorfmarken
Wispitz und Wetlitz mit den darin liegenden Orten. Das Gut lag an der Grenze
zwischen Nordthüringgau, Schwabengau und Serimunt. Wahrscheinlich
erfolgte die Schenkung in der Absicht, Gero für
die Partei des aufständischen Königs-Sohnes zu gewinnen, eine
Vermutung, die durch die Intervention Herzog
Konrads bestärkt wird.
Gero hielt
jedoch OTTO I. die Treue und rechtfertigte
somit das Vertrauen des Königs, der eine so große Macht in seine
Hände gelegt hatte. Er nahm sogar aktiv am Krieg gegen die Aufständischen
teil und war an der Seite des Königs bei der Belagerung von Regensburg.
967 intervenierte
Gero bei einer Schenkung
der drei Orte Schartau, Grabow und Buckau an Magdeburg. Er besaß
selber einen Hof in Magdeburg, was wir aus der Urkunde von 965 erfahren.
Er intervenierte noch mehrere Male für Magdeburg. Von den zahlreichen
Gauen, die Gero östlich der Elbe
verwaltete, ist er nur zweimal urkundlich im Gau Moroziani belegbar.
Gero
stand in einem sehr engen Verhältnis zum König, was aus zahlreichen
Zeugnissen hervorgeht. OTTO DER GROSSE
hob nicht nur seinen Sohn Siegfried aus der Taufe, sondern überhäufte
Gero
in den Urkunden mit Ehrenbezeugungen, die bisher noch keinem
zuteil geworden waren. So heißt er: noster dilectus, noster
fidelis marchio, noster dilectus ac fidelis marchio, noster
dilectissimus marchio. Widukind wies auf die gemeinsame Teilnahme am
Kampf hin und rühmte
Geros Erfahrenheit,
seinen Rat, seine Beredsamkeit, seine Kenntnisse, seine Freigiebigkeit
und seinen religiösen Eifer. Widukind, der ihn als vir magnus et
potens charakterisierte, nannte ihn vorwiegend comes oder praeses.
Thietmar gab ihm sogar den Beinamen "der Große":
Gero,
qui magnus fuit, et sic nuncupabatur, was die Quedlinburger
Annalen (a. 1013) bestätigen. Thietmar ehrte ihn auch mit dem
Ehrennamen
defensor patriae. Gerostarb
im hohen Alter am 20. Mai 965.
Er bewahrte der Nachwelt sein Andenken durch zwei Klosterstiftungen.
Das Mönchskloster zu Frohse wird vor 950 gegründet worden
sein. In diesem Jahre schenkte der König nämlich schon den Mönchen
auf Bitten des Markgrafen den Hof Hebanthrop und bezeichnete das Kloster
als Eigenstiftung Geros. Seine zweite
Klostergründung war Gernrode, das 961
unter Königsschutz gestellt wurde. Die Urkunde läßt erkennen,
dass es Gero und sein Sohn Siegfried
neu errichteten und mit beider gesamten Erbgut ausstatteten. Das Gründungsdatum
muß vor 961 liegen. Die Bestätigungsurkunde erwähnte nämlich,
dass Siegfried gestorben sei und seine Gattin Hathui
den
Schleier genommen habe, um dem Kloster als Äbtissin vorzustehen. Im
gleichen Jahre wurde ihr das inzwischen in ein Nonnenkloster umgewandelte
Kloster Frohse unterstellt, wie eine Urkunde OTTOS
II. bestätigte. Die Urkunde für Gernrode ließ
die Stiftung zum Seelenheil des Königs und seines Sohnes et pro
et Sigifrido Geroneque erfolgen. Diese Stelle ist zugleich der
einzige Beweis für einen zweiten sonst unbekannten Sohn des Markgrafen,
der den Namen seines Vaters erhalten hatte. Ob er früh starb wie Siegfried,
bleibt ungewiß. Thietmar erwähnte Siegfried, den er als
vir illustris bezeichnet, zwar als einzigen Sohn. Auch der sächsische
Annalist (a. 965) verwies nur auf Siegfried. Er wird um 959 gestorben
sein, was sich aus folgender Überlegung ermitteln läßt:
Thietmar berichtete, dass Hathui, die im jugendlichen Alter von
13 Jahren dem Grafen Siegfried vermählt wurde, dem Kloster
55 Jahre lang als Äbtissin vorgestanden habe und am 4. Juli 1014 gestorben
sei. Hathui war eine Tochter des BILLUNGERS
Wichmanns
des Älteren und somit eine Nichte des sächsischen
Herzogs Hermann Billung. Zugleich war sie eine Nichte der Königin
Mathilde und wird auch so von Thietmar bezeichnet. Diese
Verwandtschaftsbeziehungen lassen wiederum wenig Wahrscheinlichkeit zu,
dass die Familie Geros von niederer
Herkunft war; sonst wäre diese Heirat wahrscheinlich nie zustande
gekommen. Die Bestätigungsurkunden geben zugleich Aufschluß
über die Größe seines Allods [von Heinemann, Markgraf Gero,
Anhang Urkunde Nr. 10 bringt eine verfälschte Urkunde von Gernrode
aus dem 12. Jahrhundert, die ein umfassendes Güterverzeichnis aufführt,
das neben zahlreichen Orten 388 Morgen Land und auch die große Landschenkung
des Königs im Gau Serimunt umfaßt, von der durchaus anzunehmen
ist, dass auch sie in den Klosterbesitz einging.]. Es umfaßte als
Kernpunkte die Orte Gernrode, Frohse, Alsleben, Gröningen, Egeln und
Nienburg. Prüfen wir das Erbgut auf seine Herkunft, so ergibt sich
folgendes: Gröningen fiel ihm aus dem Erbe seines Bruders Siegfried
zu, Egeln wurde erst 941 durch königliche Schenkung erworben. Als
Eigengüter bleiben Frohse, Gernrode, Nienburg und Alsleben, die wohl
Familienbesitz waren. Das Gut in Nienburg ging nachweisbar in die Hand
seiner Schwester Hidda
über. In Alsleben übten noch andere Familienmitglieder
Besitzrechte aus.
Zu Lebzeiten seines Bruders, des Legaten Siegfried,
war Gero als
Graf
im Nordthüringgau (= Großraum Magdeburg) bezeugt.
Er wurde
Graf im Schwabengau (= Raum Quedlinburg/Aschersleben),
Hassegau
(= Raum Merseburg/Eisleben), Frisonofeld (= Harzgebiet),
Morizianigau
(= Raum Fläming), im Gau Serimunt (= Raum Bernburg/Dessau)
und im Zitzigau (= Raum Delitzsch/Bitterfeld). Seit 941 verwaltete
er nachweislich eine Grafschaft im Schwabengau, in der er zusammen mit
seinem Sohn Siegfried, einem Patenkind OTTOS
I., ein bisheriges Lehen in Egeln und Wester-Egeln in freies
Eigentum verwandelte und dazu einen Wald im Hackel erhielt. Nach dem Tode
des mächtigen Grafen Siegfried von Merseburg wurde er als Markgraf
an der Mittelelbe und Saale gegen Wilzen und Sorben mit umfassenden Oberbefehl
in diesem Raum und in allen östlichen Marken eingesetzt. Seine Ernennung
war Anlaß für die Rebellion des Prinzen
Thankmar, der als Siegfrieds
Verwandter Ansprüche
erhob. Von hier aus wurden in mehreren Kriegszügen die Stämme
zwischen Elbe und Oder unterworfen, unter anderem kam es zu der von
Gero veranlaßten Ermordung
von 30 zu einem Gastmahl geladenen sorbischen Adligen. Da ständig
Kriegszustand herrschte, wuchs Geros
Legatenposition weit über ihren Rahmen hinaus zur machtvollen Landesherrschaft
und Gero wurde
Kaiser
OTTOS wichtigste Stütze im östlichen Reich. Er entging
etlichen Mordanschlägen und unterwarf in vielen Feldzügen die
Slawengebiete bis zur Oder hin und machte sogar Polen 962/63 tributpflichtig.
Er gründete die Bistümer Havelberg und Brandenburg, wurde Vogt
dieser Riesendiözesen und reiste 950 und 963 nach Rom. Zugleich mit
seiner Stellung in der Ostmark dehnte
Gero seinen
Eigenbesitz nach Osten aus. Obwohl er 951 vom Königs-Sohn
Liudolf Eigentum im Gau Serimunt erhielt, stand er treu
und in einem sehr engen Verhältnis zum König. Obwohl er schon
vor 950 das Mönchskloster Frohse gegründet hatte, stiftete
er 961 das Kloster Gernrode mit der Kirche,
die zu den ältesten romanischen Bauten Deutschlands gehört, stattete
es mit seinem und seines Sohnes gesamtem Erbgut (Frohse, Gernrode, Nienburg,
Gröningen und Alsleben) aus und stellte es unter Königsschutz.
963 erneuerte er die Unterwerfung der Lausitz und unternahm Kriegszüge
gegen Mieszko I. von Polen, der zur
Unterwerfung und Tributzahlung für das Land zwischen Warthe und Oder
gezwungen wurde. Nach Geros
Tode wurde
seine Markgrafschaft in sechs Markgrafschaften, die später zu drei
zusammengefaßt wurden, geteilt: Nordmark (Wilzen), Ostmark (Lausitz)
und Mark Meißen (Sorben). Geros Nachkommen regierten bis 1034
die Lausitz.