Jahr 1013.
Zwei brennende Leuchten wurden der Welt entzogen und
dem Himmel erworben: Lievitzo der Erzbischof von Hammaburg und der Priester
und Einsiedler Wonleph. Als der Bischof aber von der Gewalt des Fiebers
ergriffen in dem bevorstehenden Tode auf eine Belohnung von Gott für
seine Mühen hoffte, versorgte er, wie er denn voll übergroßer
Liebe war, die Seinen mit dem Hafen der Seligkeit. Von den Geistlichen
war ihm sein Vikar Odda näher befreundet, weil recht getreu; von diesem,
der besonders in der Kenntniß des göttlichen und menschlichen
Rechtes gebildet war, sagte er, daß er des Bisthums am würdigsten
sei, und in heiligem Gebete erwählte er selbst zuerst ihn zu diesem
Amte, erfuhr dann denselben Wunsch von dem einstimmig beipflichtenden Klerus
und Volke und entschlief also fröhlich in Christo.
Doch des Königs rauher Sinn
Und sein Dürsten nach Gewinn
Stößt die Bittenden zurück,
Kehrt von den Weinenden den Blick.
Es folgte in diesem Amte als Erzbischof Unwan, jener
aber wird durch Gottes Gnade für bessere Zeiten oder Gelegenheiten
aufgespart.
König Heinrich kam,
den vielfachen Ansuchen Bolizlavs nachgebend,
nach Parthenopolis, wohin derselbe Bolizlav
seinen Sohn mit verschiedenen Geschenken dem Könige ehrerbietig
entgegenschickte, und nachdem von beiden Seiten der Frieden abgeschlossen
war, empfing er den Sohn mit Freuden, zugleich mit dem Befehle, möglichst
schnell selbst vor dem Könige zu erscheinen. Von dort zog der König
nach Werla, und indem er sich dort einige Zeit aufhielt, ordnete er wie
üblich viele Dinge. Er hatte beschlossen, das heilige Osterfest in
Aachen zu begehen, doch konnte dies nicht geschehen, weil eine plötzliche
und gefährliche Krankheit dazwischen kam, welche von oben her ihm
eine so große Todesfurcht einjagte, daß er einige, die er ihrer
Würde entkleidet, und andere, die er der Süßigkeit
seiner Gnade mit Unrecht beraubt hatte, mit Vergebung ihrer Vergehen in
ihre früheren Stellen zurückversetzte. Als er aber gesund wurde,
sah er sich in die Nothwendigkeit versetzt, im Patherbrunner Münster
Ostern zu feiern, was bisher bei den Königen nicht üblich war.
Eine schreckliche Finsterniß bei einem heftigen
Unwetter erschreckte plötzlich die Leute, ihr folgten Krachen und
Feuer, welche an einigen Orten die Kirchen zerstörten und andern großen
Schaden thaten, Freitags, 15. Mai, am Neumonde.
Als Heinrich am heiligen
Pfingsttage unter dem Zuströmen einer großen Menge in
Meresburg sich befand, kam ihm Bolizlav mit
einer großen Ausstattung von verschiedenen Geschenken entgegen, indem
er des Friedens halber sich und alles Seine übergab; diesen nahm er
wohlwollend auf, und nachdem er wenige Tage bei ihm geblieben und ihm erhöhte
Ehre erwiesen war, wie es sich für die königliche Würde
geziemte, gestattete er ihm, jedoch nicht ohne Abbruch an seinem Reiche,
heimzuziehen. Auch aus Sclavonien kamen viele Boten, unter welchen Othelrich
von Böhmen war, der ebenfalls das Antlitz des Königs mit Geschenken
verehrte; obwohl zwischen ihm und seinem Bruder Geramir und dem genannten
Bolizlav die Feindschaft fortdauerte,
ging ihm doch alles glücklich von Statten, da er die Herrschaft über
das heimische Land erhielt und sein Bruder in die Verbannung geschickt
wurde.
Der Priester Egvard starb als Mönch im Kloster.
Der weise König Heinrich, vielleicht
durch den Rath schlechter Menschen verdorben, beraubte das Kloster Fulda
kläglich seiner Güter, weil ihm das Leben der Brüder mißfiel.
Da, wo sich eine Gelegenhenit zum Bessern gefunden hätte, machte sich
Zerstörungswuth breit. Hierhin und dorthin fliehen in die Irre die,
welche Klosterbrüder waren und das Joch Christi trugen. Zweihundert
siebenzig Jahre seit dem ersten Karl
hatten sie an diesem Orte Gott gedient, jetzt in unsern Zeiten wurden sie,
o Jammer! der Welt ein Schauspiel und blieben sich selbst zum Jammer
und anderen zum Schrecken.
Auch in diesem Jahre geschah eine starke Bewegung in
der Luft, so daß an vielen Orten Häuser einstürzten und
einige kostbare Dinge vom Blitz getroffen und vernichtet wurden. Auch öffnete
sich auf dem Lüneburger Berge eine fürchterliche Erdspalte, welche
der Kirche selbst den Einsturz drohte und den von Furcht ergriffenen
Einwohnern für den Augenblick alle Hoffnung auf diesen Zufluchtsort
nahm.
Nachdem der König seine Angelegenheiten in Sachsen
wohl bestellt, betrat er zum zweiten Male Italien. In demselben Jahre
am 15. Dezember, am neunten Monde, einem Dienstage, geschah eine
gar große Ueberschwemmung, welche vielen Schaden that; weil der König
dies aber gering anschlug, setzte er die begonnene Reise fort und
feierte Weihnachten mit Pracht in Papia. In diesem Jahre 1013 geschah auch
ein großer Streit im Kloster des Markgrafen Gero des Großen
zwischen Bischof Arnulf und Graf Gero, so daß auf der
Seite des Bischofs einige kaum der Gefahr eines Kampfes entgingen durch
das Verdienst des heiligen Märtyrers Cyriacus, dessen Feste sie beiwohnten,
in Gegenwart der Aebtissin Hatewig.