Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1812
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Beichlingen, Grafen von
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Nach der nahe Kölleda in Thüringen gelegenen, 1014 erwähnten Burg Beichlingen nannte sich ein Grafengeschlecht, dessen genealogischen Zusammenhänge im 11. Jahrhundert unsicher sind, das aber durch Eheschlüsse mit WETTINERN, NORTHEIMERN, WIPRECHTEN (von Groitzsch) und BALLENSTEDTERN eine bedeutende Rolle spielte. Seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts spaltete es sich in mehrere Linien auf, die aus Alloden, Reichslehen und landgräflichen Lehen einen ansehnlichen Besitz zwischen Finne, Kelbra und Frankenhausen aufbauten. Oldisleben und Frankenhausen waren seine Hausklöster. Zur Ausbildung einer Landesherrschaft reichten die Grundlagen jedoch nicht aus. Die bei solchen Geschlechtern häufige Finanznot zwang im 14. und 15. Jahrhundert zu Verpfändungen und Verkäufen an die Grafen von Schwarzburg und die WETTINER, in deren Dienst während des 15. Jahrhunderts einzelne Mitglieder der Familie traten. - Auch die jüngere Genealogie ist nicht völlig geklärt.
Literatur:
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L. Leitzmann, Diplomat. Gesch. der Gf.en v. B., Zs. des
Vereins für Thüring. Gesch. und Altertumskunde 8, 1871, 177-242
- Patze-Schlesinger II, 1, 179-183
Im 9. Jahrhundert befand sich der Ort Beichlingen
im Besitz des Klosters Fulda. Von einer Burg (urbs Bichlingi vocata)
hört man zuerst 1014, als der Graf
Wirinhar, ein Neffe (nepos) des Bischofs
Thietmar von Merseburg, die Herrin der Burg, Reinhilda,
entführte. Der Geschichtsschreiber hat die Umstände des aufregenden
Vorfalles ausführlicher beschrieben. Ob die Frau das erste bekannte
Mitglied der Familie ist, weiß man nicht, aber es ist darauf zu verweisen,
dass später in der Familie der Name Reinbod vorkommt. Zwischen
1014 und 1067 klafft eine Lücke, wo wir nichts über den Besitzer
der Burg sagen können, offenbar hat sie dann dem Markgrafen
Otto von Meissen aus dem Hause
WEIMAR gehört; denn sie dürfte über dessen
Witwe Adila
von Löwen, welche in zweiter Ehe
Dedi
von Wettin heiratete, an letzteren gekommen sein. Dedi
hat
im Kampf gegen
HEINRICH IV. die
Burg Beichlingen und Burgscheidungen mit Besatzungen belegt.
Der Kaiser eroberte die Burgen, gab sie aber den Kindern Dedis
zurück. Der Besitzanspruch an Beichlingen
muß dann auf Adilas Tochter Kunigunde
gefallen sein. Diese war in erster Ehe mit dem russischen
Fürsten
Izjaslavic verheiratet, kehrte
aber nach dessen Tod (1078) nach Beichlingen
zurück und heiratete in zweiter Ehe den Sohn Ottos
von Northeim,
Kuno
(+ 1103). Aus Rußland hatte
Kunigunde
eine Tochter Mechthilde
mitgebracht. Mechthilde heiratete in
erster Ehe einen Grafen
Günther, also wohl einen KÄFERNBURGER.
Der Sohn
Günthers und der Mechthilde
war ein Graf
Sizzo, doch ist diese Nachricht in ihrer Glaubwürdigkeit
angefochten worden.
Ein Graf
Friedrich von Beichlingen, über dessen Herkunft man nichts
weiß, und eine Adela, die mit
einem Grafen Reginboto von Giech vermählt war, werden als Kinder der
Mechthilde
und des Grafen Günther betrachtet.
Graf Friedrich von Beichlingen hat später
seinen Anteil an der Burg Giech mit anderen Gütern im Radenzgau,
die sicher durch seine Mutter an ihn gekommen sind, an Bischof Eberhard
von Bamberg verkauft.
Friedrich von Beichlingen begründete
mit seiner Gemahlin Hilenburg, einer
Tochter des Grafen Ernst von Gleichen, die Familie der Grafen
von Beichlingen.
Aus der Ehe des Grafen
Kuno und der Kunigunde stammte
eine Kunigunde
die Jüngere, welche den jüngeren Wiprecht
III. von Groitzsch heiratete. Nachdem Kuno
von Northeim 1103 gestorben war, heiratete Kunigunde
die Ältere (+ 1140) 1110 Wiprecht
den Älteren von Groitzsch. Es fand also eine Art Doppelhochzeit
statt. Im Ehevertrag hat Kunigunde die Ältere
bestimmt, dass Wiprecht II. bei ihrem
Tod den Schutz des Klosters Oldisleben übernehmen sollte. 1124 erscheint
er tatsächlich als Vogt dieses Klosters, das wahrscheinlich von seiner
Gemahlin und ihrer Schwester Adelheid, wenn nicht bereits von Adila
von Löwen gestiftet worden war. Kunigunde
starb 1140 ohne männliche Erben; die Herrschaft über Beichlingen
scheint sie zuletzt selbst geführt zu haben.
Mechthild
muß,
wie angedeutet, aus ihrer Ehe mit dem Grafen Günther
auch einen Sohn Friedrich gehabt haben, denn Erzbischof
Christian von Mainz bezeichnet 1169 diesen Grafen Friedrich
I. (+ ca. 1160) als seinen Onkel und dessen Söhne Reinbod
und Friedrich
II. (+ 1189) als seine Verwandten. Die Schwester
Kunigundes, Adelheid,
heiratete Albrecht
von Ballenstedt und erhielt durch eine Erbteilung die Sachsenburg
mit einem Teil von Frankenhausen. Außer diesem Ort gehörten
Kölleda, Kelbra und Brücken zum frühen Besitz der
BEICHLINGER.