Begraben: Kiev, Höhlenkloster
Älteste Tochter des Großfürsten
Wsewolod I. des Gerechten von Kiew († 13.4.1093) aus dem Hause
der RURIKIDEN aus seiner
2. Ehe mit der Anna
von Polowzen († 7.10.1111)
Schwester von Fürst Rostislaw von Perejaslawl († 26.5.1093), Äbtissin
Anna von Janczyn († 3.11.1113) und Nonne Katharina († 11.7. 1108), Stief-Schwester
von
Großfürst Wladimir II. Monomach von Kiew († 19.5.1125)
Nichte von Fürst Elias von Nowgorod († 1020),
Fürst Wladimir von
Nowgorod (†
4.10.1052),
Herzogin Dobronega
(Maria) von Polen (†
1087), Großfürst Isjaslaw
I. von Kiew (⚔
3.10.1078),
Königin Anna von Frankreich (†
1075), Königin Anastasia von Ungarn († nach
1074), Großfürst Swjatoslaw
II. von Kiew († 27.12.1076),
Großfürst Wjatscheslaw von Kiew († 1056/57),
Fürst Igor Fürst von Wladimir-Wolhynsk
(†
1060),
Königin Elisabeth von Norwegen
Groß-Nichte von Prinz Anund Jakob von Schweden († 25.7. um 1051),
König Emund III. Slemme dem Alten von
Schweden (†
1060), Königin Astrid von Norwegen, Predslawa von Kiew (†
nach 1018), Geliebte Boleslaws I. von Polen, Fürst
Wsewolod Fürst von
Perejaslawl (†
1015 ermordet), Fürst Isjaslaw I. zu Polozk (†
1001),
Fürst Boris dem
Heiligen von Rostow (†
1015 ermordet), Fürst
Gleb dem Heiligen von Murom (†
1015
ermordet), Fürst Mstislaw I. von Kiew (†
1035/36), Fürstin
Premislawa von Ungarn, Fürst
Wjatscheslaw von Nowgorod († 1010),
Fürst Stanislaw von Smolensk, Fürst
Swjatoslaw der Drewljanen
(⚔ 1015), Fürst Sudislaw von Pskow-Pleskau (†
1063/65), Markgräfin N.N. der Nordmark
Cousine von Fürst Rostislaw von Nowgorod († 3.2.1067
ermordet), Herzogin Swatawa
von Böhmen (†
1.9.1126), Herzog
Boleslaw
II. der Kühnen von Polen († 1083),
Herzog Wladyslaw
I. Hermann von Polen († 4.6.1102),
Fürst Mstislaw I. von
Polozk (†
1069/70),
Fürst Jaropolk
von Polozk (†
22.11.1087
ermordet), Erb-Prinzessin
Eupraxia von
Polen († 1089),
Großfürst Swjatopolk
II. Michael von Kiew († 16.4.1113),
König
Philipp I. von Frankreich († 29.7.1108), Graf Hugo von Vermandois († 18.10.1101), Robert von Frankreich († um 1065), König Salomon von Ungarn (†
1087), Prinz David von Ungarn (†
1094), Herzogin Adelheid (Adleita) von Böhmen († 27.1.1062), Königin Ingegerd von
Dänemark, Fürst Gleb von Tmutarakan (⚔
3.10.1078), Fürst
Roman der Schöne von
Tmutarakan (⚔
2.8.1079),
Fürst
Oleg-Michael von
Wladimir-Wolhynsk († 1.8.1115),
Herzogin Wzeslawa von Polen, Nonne Predslawa, Fürst
David I. von Tschernigow († 1123),
Fürst Jaroslaw I. von Murom († 1129),
Fürst Michael
von Turow († um
1153)
Enkelin von
Großfürst Jaroslaw I.
von Kiew († 20.2.1054) und der
Ingegerd (Anna) von
Schweden
Ur-Enkelin von Großfürst Jaroslaw
I. dem Weisen
von Kiew († 20.2.1054)
Begraben: Kiev im Höhlenkloster
wohl Tochter des
Großfürsten Vsevolod
von Kiev, 1088, nach Tod des ersten Gatten, Graf Heinrich von Stade
(1087) verlobt, 1089 vermählt mit Kaiser HEINRICH IV.
Adelheids
Ehe
mit HEINRICH IV.
scheiterte völlig; sie wurde in Verona unter Bewachung gehalten,
floh aber Anfang 1094 zu Mathilde
von Tuscien und tat (kaum glaubhaft wirkende, psychopathisch
erscheinende) schmutzige Äußerungen über ihr Eheleben,
die 1094 eine Konstanzer Synode beschäftigten und 1095 von Adelheid selber auf dem Konzil Urbans
II. in Piacenza vorgetragen wurden. Sie tritt dann nicht mehr in
Erscheinung. Späterer Nachricht zufolge zunächst nach Ungarn
ausgewichen, kehrte sie - die Identität mit Eupraxia vorausgesetzt - in die
Heimat zurück und trat Dezember 1106 in ein Kiever Kloster ein.
Th. Schieffer
Literatur:
------------
NDB I - G. Meyer v. Knonau, JDG unter Heinrich
IV. und
V., IV, 1903 [Nachdr. 1965] passim - Th. Ediger, Rußlands
älteste
Beziehungen zu Dtl. [Diss. Halle 1911], 57-63 - R. Bloch,
Verwandtschaftl.
Beziehungen des sächs. Adels zum russ. Fürstenhause im XI.
Jh.,
Fschr. A. Brackmann, 1931, 185-206 - M. Hellmann, Die Heiratspolitik
Jaroslavs
des Weisen, Forsch. zur europ. Gesch. 8, 1962, 23-25
HEINRICH
IV.
--------------------
* (Goslar) 11.XI.1050, †
Lüttich 7.VIII.1106
Begraben: Speyer Dom
1053/54 HERZOG
von BAYERN
Aachen 17.VII.1054 MIT-KÖNIG
1056 KÖNIG
29.III.1065 majorenn
Rom 31.III.1084 KAISER
(Verlobung Zürich
25.XII.1055) 13.VII.1066
I. oo
BERTA VON TURIN
† Mainz 27.XII.1087
Begraben: Speyer Dom
Tochter von Odo Markgraf von Turin, Graf von Chablais
14.VIII.1089
II. oo
JEWSPRAKSIJA (ADELHEID) VON KIEW
* 1071, † 1.VII. oder 11.XI.1109
nach 1095 Nonne
zu Kiew
geschieden 1095
Witwe von Heinrich
III. (I.) Graf von Stade
1082
Markgraf
der Nordmark
Tochter von Wsewolod
Jaroslawitsch dem Gerechten
Großfürst
von Kiew
KAISER
HEINRICH IV.
--------------------------------
* 11.11.1050 wohl in Goslar
† 7.8.1106 in Lüttich
Grabstätte: Dom zu Speyer
Eltern: Kaiser HEINRICH III. und Agnes
Juli 1066 in Tribur
1. oo
BERTHA VON TURIN
* 21.9.1051, †
27.12.1087
Grabstätte: Dom zu Speyer
Eltern: Otto, Markgraf von Turin-Savoyen, und Adelheid, Tochter des Markgrafen Odelrich Manfred II. von Turin
Juni/Juli 1089 in
Köln
2. oo
PRAXEDIS (EUPRAXIA, ADELHEID)
* ? , † 10. oder 11.VII.1109 wohl in einem Kiewer Kloster
Grabstätte: ?
Eltern: Wsewolod,
Großfürst von Kiew,
und
dessen
zweite Frau Anna
Wichtige Quellen:
----------------------
Die Briefe Heinrichs IV., lateinisch-deutsch in:
Freiherr
vom Stein-Gedächtnisausgabe Band 12 (1963) Seite 51ff. Das Leben
Kaiser
Heinrichs IV. ebd. Seite 407ff. Lampert von Hersfeld, Annalen,
lateinisch-deutsch,
in: Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe Band 13 (1957).
Kaiser HEINRICH
IV. verliebte
sich in die russische
Schönheit
Praxedis
(Adelheid),
die Witwe des Markgrafen Heinrich
von der Nordmark.
Dass diese
Heirat
aufgrund einer großen körperlichen Affinität zustande
kam,
ist glaubhafter als die Theorie, HEINRICHS
Absicht
sei es gewesen, ein salisch-russisches
Bündnis gegen die Annäherungsversuche Papst Urbans
gegenüber
Byzanz zu schaffen. Tatsache ist, dass die junge Kaiserin
Praxedis - sie hatte
den Namen Adelheid
angenommen
- in dieser Ehe nicht die Erfüllung und den Glanz fand, die sie zu
finden gehofft hatte.
Als Streifscharen der Markgräfin
Mathilde im Jahre
1094 gegen Verona vorstießen, gelang es der Kaiserin, mit ihnen
Verbindung
aufzunehmen. In der Nacht flüchtete sie aus der Stadt. Im
Triumphzug
wurde sie zur Markgräfin
Mathilde gebracht. Dort
fand sie
Zuflucht,
Verständnis und mehr. Die junge Kaiserin
gestand der
Markgräfin,
zu welch schändlichen Handlungen, so hieß es, der Kaiser sie
genötigt habe. Immer wieder, wie schon in seiner Jugend, griff die
päpstlich-gegnerische Seite zum Instrumentarium der sexuellen
Verleumdung.
Die Gründe der Praxedis-Adelheid
für den Verrat am Kaiser liegen nicht offen. Nach Meyer von Knonau
ist es in hohem Maße wahrscheinlich, dass der Kaiser an der
ehelichen
Treue seiner jungen Gemahlin zweifeln mußte. Jedenfalls
hielt
er sie in Verona wie eine Gefangene. "Die allerschändlichsten
Dinge
brachte das schamlose Weib, das über sich selbst das
Allerekelhafteste,
wenn es HEINRICH IV. zu schaden
vermochte,
zu erzählen nicht errötete, mit frecher Stirn über ihr
Eheleben
vor, um ihre Flucht zu rechtfertigen, und die sittlich so unendlich
hoch
über ihr stehende Bundesgenossin Papst
Urbans II. scheute
sich
nicht,
auf alle diese Schilderungen die Hand zu legen und sie zur
Verunglimpfung
des Kaisers möglichst zu verbreiten."
Um den Triumph der kaiserfeindlichen Seite zu
erhöhen,
warf sich die Kaiserin dem
Papst zu Füßen und berichtete die
"schrecklichen sexuellen Sünden", die sie unter HEINRICHS
Zwang und Befehl begangen hatte. Der erschütterte Urban nahm ihr
die
Beichte ab und sprach sie frei. Danach wurde es still um die
merkwürdige
Frau, die sich der Selbsterniedrigung hingab, um ihrem Manne zu
schaden.
Ihre Spuren verschwinden in der Geschichte. Sie soll nach Rußland
zurückgekehrt sein und ihr Leben als Nonne beendet haben.
Meyer von Knonau Gerold: Band
IV Seite
217,251,422/Band
V Seite 14
***********************
"Jahrbücher der Deutschen Geschichte unter
Heinrich
IV. und V."
Hier auf sächsischem Boden
faßte nun der
Kaiser
einen verhängnisvollen Entschluß. Der 1087 verstorbene
Markgraf
Heinrich von der
sächsischen Nordmark, vom Hause
der Grafen
von
Stade, hatte eine junge
Witwe hinterlassen, Eupraxia,
oder zumeist Praxedis, in
deutscher
Sprache Adelheid
genannt, die Tochter
des russischen
Großfürsten
Wsewolod
von Kiew, und mit dieser verlobte sich HEINRICH
IV.
Eben hier in Köln fand auch die
Vermählung
des Kaisers mit der jungen Eupraxia,
der russichen Großfürsten-Tochter,
statt, der gegenüber schon im vorhergehenden Jahre das
Verlöbnis
eingegangen worden war. Allerdings vollzog nicht der neu der
Kölner
Kirche gesetzte Erzbischof, sondern Erzbischof Hartwig von
Magdeburg
die Krönung der Kaiserin.
Inzwischen war eine zweite große
Verratshandlung,
nach derjenigen des Sohnes König
KONRAD,
an Kaiser HEINRICH
IV. begangen
worden.
Seine zweite Gemahlin war von ihm abgefallen. Zwischen HEINRICH
IV. und
Eupraxia muß
ein tiefes Zerwürfnis entstanden sein, das bis in das vierte Jahr
der Anwesenheit in Italien, wohin die Kaiserin
dem Hofe gefolgt
war, zum völligen Bruch führte. Es ist in hohem Grade
wahrscheinlich,
dass HEINRICH IV. Grund hatte, in
die
Treue der Kaiserin Zweifel zu
setzen. Jedenfalls hatte er sie der
freien
Bewegung beraubt, und sie saß in Verona wie eine Gefangene. Aus
dieser
Haft ließ sie der Gräfin
Mathilde Nachricht geben,
dass sie
ihr zur Flucht verhelfen möge, und durch den Beistand des jungen
Welf
gelang es ihr, ihren Aufsehern zu einer ihr entgegengeschickten
Schar
zu
entkommen und zu Mathilde
sich zu begeben; von dieser, sowie von Welf,
wurde sie mit Ehren empfangen:
es scheint nicht lange nach Beginn des
Jahres
geschehen zu sein. Sehr bald zeigte sich, weswegen der Flüchtigen
Aufnahme in der Umgebung der Gräfin gewährt wurde. Die
allerschändlichsten
Dinge brachte das schamlose Weib, das über sich selbst auch das
Allerekelhafteste,
wenn es HEINRICH IV. zu schaden
vermochte,
zu erzählen nicht errötete, mit frecher Stirne über ihr
Eheleben vor, um ihre Flucht zu rechtfertigen, und die sittlich so
unendlich
hoch über ihr stehende Bundesgenossin Urbans II. scheute sich
nicht,
auf alle diese Schilderungen die Hand zu legen und sie zur
Verunglimpfung
des Kaisers möglichst zu verbreiten.
Eine weitere Angelegenheit, die der Synode von
Piacenza
vorgelegt wurde, waren die Klagen der Kaiserin
Eupraxia gegen HEINRICH IV. Vor
Urban II. und der
Versammlung brachte sie die scheußlichen
Anschuldigungen
über die unerhörten Dinge vor, welche sie bei ihrem Gemahle
erduldet
haben wollte, wobei der Berichterstatter
Bernold meinte, ihre Klage
sei
sehr vertrauensvoll aufgenommen worden, da man genau gewußt habe,
diese Scheußlichkeiten seien von ihr nicht sowohl begangen, als
wider
ihren Willen ertragen worden:
so habe der Papst sie von der Buße,
die ihr hätte auferlegt werden sollen, gnädig befreit, da sie
ihre Sünde freiwillig und öffentlich zu beichten nicht
gezögert
habe. Das war übrigens das letzte Mal, wo dieses Weib zur
Bundesgenossenschaft
gegen HEINRICH IV. herangezogen
worden
war. Man ließ sie nachher fallen, und die Anklägerin
verschwindet
aus der Geschichte; sie ist in ihrer russischen Heimat später
vergessen
gestorben.
Bloch Raissa: Seite 202
***********
"Verwandtschaftliche Beziehungen des
sächsischen
Adels zum russischen Fürstenhause im XI. Jahrhundert"
Eupraxia
oder Praxedis,
wie sie in den deutschen Quellen gewöhnlich genannt wird, war aus
der zweiten Ehe Vsevolods mit
einer
Polovzer
Fürsten-Tochter nach 1067 geboren. Das Jahr ihrer Heirat
mit
dem
Markgrafen Heinrich ist
unbekannt. Wir
wissen auch nichts
über
die Verhandlungen, die dieser Heirat vorausgegangen sind. Die Vermutung
Rozanovs, dass Oda von Stade
dabei die Vermittlerrolle gespielt
hat, findet in den Quellen keine Unterstützung und bleibt ein
bloße
Hypothese. Im Rosenfelder Chronikon wird erzählt, dass die Tochter
des russischen Königs mit großem Prunk nach Sachsen gekommen
sei; ihr folgten Kamele, die mit reichen Kleidern, Kostbarkeiten und
unzähligen
Schätzen beladen waren. Wenn auch dieser Bericht der spät
entstandenen
Chronik legendäre Züge aufweist, so scheint er doch das
wesentliche
zu treffen. Ohne Zweifel war für den sächsischen Markgrafen
die
Heirat mit der Tochter Vsevolods
erwünscht
und vorteilhaft.
1087 starb der Markgraf
Heinrich, ohne
Kinder
zu hinterlassen. Schon 1088 wurde Praxedis
die Braut HEINRICHS IV., und am
14.
August 1089 fand in Köln ihre Krönung durch den
Erzbischof
Hartwig von
Magdeburg statt, der unmittelbar die Hochzeit folgte. An
dieser
Stelle möchte ich nicht wieder die Einzelheiten der für HEINRICH
IV. so verhängnisvollen Praxedis-Episode
schildern, da diese bereits mehrmals mit großer
Ausführlichkeit
geschehen ist. Ich möchte nur einiges über die Motive sagen,
die HEINRICH IV. vermutlich zu
dieser
Heirat bewegt haben. Denn bloß an eine gegenseitige Zuneigung zu
denken, ist in diesem Falle schwer, besonders da die politischen
Vorteile,
die HEINRICH sich von der
Vermählung
mit Praxedis versprechen konnte,
gar
nicht so "gering und unsicher" waren, wie es Kirchner behauptet.
Selbstverständlich war es nicht die
Herstellung
der freundschaftlichen Beziehungen zu Sachsen, die der Kaiser durch
diese
Heirat erstrebte. Dann hätte sich HEINRICH
besser die Tochter eines sächsischen Fürsten zur Frau
genommen,
nicht eine Fremde. Auch ist es schwer zu vermuten, dass die
19-jährige
Witwe des Markgrafen Heinrich
in besonders
freundschaftlichen
Beziehungen
zum sächsischen Adel gestanden hat. Nicht als sächsische
Fürstin,
sondern als Tochter Vsevolods von Kiew
war Praxedis für HEINRICH
IV. eine erwünschte Gemahlin. Dieselben Motive, die
den
Adel der Nordmark und der Thüringischen Mark bewogen hatten,
Anschluß
an das Kiever Reich zu suchen, mußten auch bei dieser Heirat des
deutschen Kaisers den Ausschlag gegeben haben.
Schmid Karl: Band I Seite 38
***********
"Zum Haus- und Herrschaftsverständnis der
Salier"
in: Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter
Dann mit dem Szepter, Reichsapfel und Krone - als amtierender Herrscher also abgebildeten - HEINRICUS REX und schließlich ADELHEIT UXOR LIUPOLDI MARCHIONIS nennen. Adelheit stellt offenbar HEINRICHS IV. Tochter Agnes dar, nicht - wie Schramm meinte - seine berüchtigte Gemahlin Eupraxia-Adelheit. Dies ergibt sich schon aus der Bezeichnung uxor Liupoldi marchionis.
Schwarzmaier Hansmartin: Band I
Seite 112
**********************
"Das 'Salische Hausarchiv'" in: Die Salier und
das
Reich,
hg. Stefan Weinfurter
Die Heiratsurkunden bilden ja lediglich einen Ausschnitt aus der Überlieferung, der bei der Königin - und nur bei ihr - anfiel. Sie bricht zudem mit Bertha ab; weder Praxedis noch Mathilde, die Gattin HEINRICHS V., haben von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, in Speyer zu "archivieren" [Von beiden sind keine Heiratsurkunden überliefert, die man jedoch annehmen sollte. Praxedis (Adelheid: Lexikon des Mittelalters 1, Spalte 146), 1089 mit HEINRICH IV. vermählt, erscheint lediglich in einer Intervention (D H IV. 407) und verschwindet aus dem Gesichtskreis der deutschen Quellen.].
Schieffer, Rudolf: Band II
Seite 20
***************
"Erzbischöfe und Bischofskirche von
Köln" in:
Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter
Dabei war es noch von minderer Bedeutung, daß er gleich zu Beginn seines Pontifikates zurückstehen mußte, als HEINRICH IV. seine zweite Gemahlin Praxedis im Kölner Dom gekrönt werden sollte und die Zeremonie dem Magdeburger Erzbischof Hartwig übertragen wurde, wohl als Anerkennung dafür, daß er kurz zuvor als einer der letzten sächsischen Großen seinen Frieden mit HEINRICH IV. gemacht hatte.
Maurer, Helmut: Band II Seite
181
**************
"Die Konstanzer Bischofskirche in salischer
Zeit" in:
Die
Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter
Auf der Synode des Jahres 1094, die sich mit Fragen des Zölibats, der Simonie, der Liturgie sowie der Schlichtung von Streitigkeiten und den Anschuldigungen der wegen Ehebruchs verurteilten zweiten Gemahlin HEINRICHS IV., Praxedis, gegen den Kaiser befaßte, waren alle Herzöge und alle übrigen Fürsten Schwabens versammelt.
Vollrath Hanna: Band III Seite 285
*************
"Konfkliktwahrnehmung und Konfliktdarstellung"
in: Die
Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter
Eine heute verlorene, aber von den Disibodenberger Annalen und verschiedenen sächsischen Chronisten ausgeschriebene, von ungeheurer Feindseligkeit getragene sogenannte 'Sächsische Schrift gegen Heinrich IV.' läßt KONRAD gegen seinen Vater rebellieren, weil dieser ihm befohlen habe, seiner eigenen Frau Adelheid-Praxedis, der Stief-Mutter KONRADS, Gewalt anzutun [MGH SS XVII, Seite 14].
Golinello, Paolo: Seite 262,287
**************
"Mathilde und der Gang nach Canossa"
Auf dieses private Unglück des
Kaisers folgte
als
nächstes die Befreiung der Königin
Praxedis
durch
Mathilde. Nach dem Tod
seiner ersten Frau Bertha
von Turin im Jahr 1088 hatte HEINRICH
IV. Praxedis (Adelheid), die Tochter
des
Großfürsten
von Kiew und Witwe des Grafen
von Stade, geheiratet. Wie er sie
behandelte,
erfuhr man auf dem Konzil von Piacenza des Jahres 1095, wo sie die
"unerhörten
sexuellen Scheußlichkeiten", die er von ihr verlangt hatte,
vorbrachte.
Da sie sich weigerte, hatte HEINRICH IV.
sie schließlich in Verona unter Bewachung gestellt.
Seine Gemahlin Praxedis war
vor ihm geflohen, und sein ältester Sohn KONRAD
war von ihm abgefallen und hatte sich zum König krönen lassen.
Boshof, Egon: Seite 105
************
"Heinrich IV. Herrscher an einer Zeitwende"
Für HEINRICH IV. aber war das Maß aller Prüfungen noch nicht erreicht. Mitte des Jahres 1094 sagte sich seine Gemahlin Praxedis von ihm los. Das Zerwürfnis reichte weiter zurück; HEINRICH hatte offenbar Grund, an der Treue der Kaiserin zu zweifeln, und hielt sie daher in Verona wie eine Gefangene. Mit Hilfe Welfs gelang ihr die Flucht; sie stellte sich unter den Schutz Mathildes und trat nun mit den widerlichsten Anschuldigungen gegen ihren Gemahl an die Öffentlichkeit. Man gestattete ihr sogar einen Auftritt auf der Synode von Piacenza, und Urban II. spielte die scheußliche Intrige mit. Der anti-heinricianischen Propaganda war offenbar jedes Mittel recht, die moralische Vernichtung des Kaisers zu betreiben. Warum Praxedis sich als Werkzeug hergab, ist wiederum nur zu vermuten. Es mag sein, daß sie an HEINRICHS Seite den Glanz höfischen Lebens erträumt hatte, und nun hatte sie nichts gefunden als Not, Enttäuschungen, Niederlagen. Die Charakterstärke Berthas ging ihr sicherlich ab. Freilich hat sie ihre Rolle nur für kurze Zeit spielen dürfen; sie wurde bald uninteresant und trat von der politischen Bühne ab. Nach ihrer Rückkehr nach Rußland zog sie sich wohl in ein Kiewer Kloster zurück und ist 1109 gestorben.
Wahl Rudolph: Seite
315,316,321-324
************
"Heinrich IV. Der Gang nach Canossa."
Zwischen Clemens
und dem Patriarchen von Kiew gingen
alsbald
Gesandtschaften hin und her; der Handelsverkehr zwischen dem russischen
und dem deutschen Reich nahm beträchtlich zu; auch war es zu
verschiedentlich
zu Ehen innerhalb der großen russischen und
sächsisch-deutschen
Familien gekommen; so hatte eine Meißener Gräfin einen
russischen
Großfürsten geheiratet, und die Tochter Vsevolods,
die reizvolle Praxedis, kam als
Gattin
eines Markgrafen Heinrich in die
sächsische Nordmark.
Ihre
Ankunft machte großes Aufsehen, denn sie erschein mit einer
Kamelkarawane,
die märchenhafte Schätze heranschleppte. Die Ehe dauerte aber
nur ein Jahr, denn Markgraf Heinrich starb, und die reiche
Witwe
war nun viel umworben. Auch der achtunddreißigjährige Kaiser
hatte eben seine getreue Lebensgefährtin, die Kaiserin
Bertha, nach zweiundzwanzigjähjriger Ehe verloren.
Ein
Jahr nach ihrem Tode lernte er Praxedis
gerade in dem Augenblick kennen, als seine Bemühungen um Vsevolod
einsetzten.
Er entschloß sich sofort, das salisch-russiche
Bündnis durch eine eheliche Verbindung zu vertiefen; die etwa
zwanzigjährige
Praxedis
war gern bereit, deutsche Kaiserin
zu werden und so fand am 14. August
1089 in Köln Hochzeit und Krönung statt.
Aber der gewünschte politische Erfolg
dieser allzu
plötzlich ins Werk gesetzten Ehe zwischem dem schon gealterten
Kaiser
und der jungen Asiatin blieb völlig aus. Weder vertieften sich HEINRICHS
Beziehungen in Sachsen, noch änderte Vsevolod
sein Taktik.
HEINRICHS Ehe mit
Praxedis,
die als Kaiserin den Namen
Adelheid annham,
ist die letzte zwischen russischen und deutschen
Fürsten-Häusern
für lange Zeiten.
KONRAD neigte im
übrigen, wie seine Großmutter Agnes,
dem asketischen Leben zu, man sagte, zur Buße dafür,
daß
er im Hoflager von Verona den Verführungskünsten seiner
Stief-Mutter
Praxedis
erlegen sei.
Da traf ihn ein zweiter Schlag. Als mathildische Reiter
um Verona schweiften, nahm die Kaiserin
Praxedis-Adelheid
Fühlung mit ihnen auf und flüchtete nächtlich aus der
Stadt.
Im Triumph ward sie vor die Großgräfin von Toscana gebracht,
die sie schwesterlich in die Arme schloß, als die Russin gestand,
sie habe die Unanständigkeiten ihres Gemahls nicht mehr ertragen
können.
Es liegt nahe anzunehmen, daß es vielmehr die kärglichen
Verhältnisse
am Hof in Verona waren, die die um ihre Hoffnungen auf kaiserlichen
Glanz
Betrogene zur Flucht veranlaßt hatten, auch mag das Zusammenleben
mit dem von tiefen Depressionen gepeinigten Kaiser der jungen Frau
unerträglich
erscheinen sein - man sprach sogar davon, HEINRICH
habe
sie wegen ehelicher Untreue
in Gewahrsam gehalten -: Praxedis
fühlte nicht die geringste Zusammengehörigkeit zu einem
Manne,
der ihr nichts mehr bieten konnte. Nach Einzelheiten über ihr
Eheleben
und ebenjene "Unanständigkeiten" befragt, gab sie bereitwillig die
intimsten Dinge zu Protokoll. In dieser eindeutigen, von Mathilde nur
allzu
gern gehörten Darstellung wurde von HEINRICH
das Bild eines teuflischen Lüstlings entworfen, der seinem
keuschen
Weibe unbeschreibliche Gemeinheiten zugemutet habe. Ob man nun wieder
einmal
"Wahres mit Falschem vermischte", ob KONRADS Abfall
mit diesen Dingen zusammenhing: für Mathilde und die
Päpstlichen
bedeuteten die
Praxedis-Protokolle
wertvollstes Propagandamaterial.
Die Akten gingen nach Rom und Ravenna, nach
Salzburg
und Lothringen mit der Anweisung, öffentlich dazu Stellung zu
nehmen.
Alle Welt sollte erfahren, wie verworfen dieser von der Kirche
ausgespiene
"König"
HEINRICH sei. Schließlich empfing der
Heilige
Vater Urban auf
einer großen Synode vor aller Öffentlichkeit
die Beichte dieser "Sünderin wider Willen"; "sie warf sich
vor
seine Füße und klagte ihm ihr furchtbares Unglück. Der
Apostelfürst, von Rührung und Erbarmen für die
Königin
ergriffen, verfluchte dann den HEINRICH
für seine gegen die
rechtmäßige
Gattin begangenen, noch nie dagewesenen Niederträchtigkeiten ..."
Im geziemender Erschütterung nahm die Welt
von den
verabscheuungswürdigen Taten des SALIERS
Kenntnis; von Praxedis verlautet
nichts
mehr. Sie hatte ihre Schuldigkeit getan udn wurde fallengelassen. Es
heißt,
sie habe sich nach Rußland zurückbegeben, wo sie als Nonne
gestorben sei.
Chronik des Albert von Stade
************************
Jahr 1093.
1. oo Heinrich I. von Stade
Markgraf der
Nordmark
x um
1065 † 27.6.1087
14.3.1089
2. oo 2. HEINRICH IV. König des
Deutschen
Reiches
x
11.11.1050
† 7.8.1106
Quellen:
----------
Annalista Saxo:
Reichschronik. - Chronik des Albert
von Stade - FRUTOLFS UND
EKKEHARDS
CHRONIKEN UND DIE
ANONYME
KAISERCHRONIK; Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt Seite 104 -
Lampert von Hersfeld:
Annales/Annalen
Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 -
Literatur:
------------
Althoff
Gerd: Heinrich IV. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
2006
Seite 43,207,211,213,215-219,270,273 - Black-Veldtrup,
Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077)
Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite
267,310
- Bloch, Raissa: Verwandtschaftliche Beziehungen des
sächsischen
Adels zum russischen Fürstenhause im XI. Jahrhundert. Seite 202 -
Boshof,
Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987,
Seite 253,257 - Boshof, Egon: Heinrich IV. Herrscher an einer
Zeitwende,
Muster-Schmitt Verlag Göttingen 1979 Seite 105 - Die
Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter,
Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 38,112/Band II Seite
20,181/Band
III Seite 119,285 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und
das
Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden
1979, Seite 181 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach
Canossa,
Artemis und Winkler Düsseldorf 1998 Seite 262,287 - Fenske,
Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen
Sachsen.
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