Mathilde von England                     Deutsche Königin
----------------------------                   Römische Kaiserin seit 1117
7.2.1102 10.9.1167                     Königin von England (1141-1148)
               Rouen                            Gräfin von Anjou und Maine

Begraben: Abteikirche Bec-Hellouin  

Einzige Tochter des Königs Heinrich I. Beauclerc von England (1.12.1135) aus dem Hause NORMANDIE (ROLLONIDEN) aus seiner 1. Ehe mit der Mathilde von Schottland, Tochter von König Malcolm III. Dickkopf (13.11.1093) und der Margarete der Heiligen von England
Schwester von Herzog Wilhelm III. Etheling von der Normandie (25.11.1120), Stief-Schwester von Graf Robert de Caen von Gloucester (1147), Graf Richard von Suffolk (25.11.1120), Graf Rainald de Dunstanville von Cornwall ( 1175), Lord Robert Fitzroy in Devonshire ( 1172), Sir Heinrich Fitz Henry ( 1157), Sir Wilhelm de Tracy (1135), Königin Sibylle von Schottland ( 12.7.1122), Herzogin Mathilde von Bretagne, Gräfin Mathilde de Perche (25.11.1120), Gräfin Konstanze de Beaumont-sur-Sarthe, Vicomtess Emma de Rennes, Lady Mabille von Montmirail, Dame Alice de Montmorency, Dame Juliane de Breteuil
Nichte von König
Duncan II. von Schottland (
12.11.1094 ermordet), Prinz Malcolm von Schottland, Prinz Donald von Schottland (   1085), Prinz Edgar von Schottland (8.1.1107), Prinz Eduard von Schottland (13.11.1093), Mönch Edmund von Schottland ( nach 1097), Abt Ethelred von Dunkeld ( 1097), Gräfin Marie von Boulogne (31.5.1116), König Alexander I. dem Wilden von Schottland (23.4.1124), König David I. dem Heiligen von Schottland (24.5.1153), Gräfin Gundrade von Surrey ( 27.5.1085), Herzog Robert III. Kurzhose von der Normandie ( 10.2.1134), Adelina von der Normandie ( vor 1066), Äbtissin Cäcilie zu Caen (30.7.1125), Herrn Richard zu Barney ( 1081), König Wilhelm II. dem Roten von England (2.8.1100 ermordet), Herzogin Konstanze von Bretagne ( 13.8.1090), Gräfin Adele von Blois und Chartres ( 1138), Agathe von England ( 1079/80), Mathilde von England, Lord Wilhelm I. de Peverel von Nottingham ( 1114)
Groß-Nichte von Graf
Balduin VI. von Flandern ( 17.7.1070), Graf Robert I. dem Friesen von Flandern (3.10.1093), König Donald III. Bane von Schottland ( 10.1097), Titular-König Edgar von England ( um 1127), Äbtissin Christine von Romsay ( nach 1086)
Cousine von Graf Wilhelm "Fitz Duncan" von Moray ( 1153/54), Königin Mathilde von England (3.5.1152), Prinz Heinrich von Schottland (12.6.1152), Graf Wilhelm Clito von Flandern ( 28.7.1128), Bischof Heinrich von Winchester (1171), Odo von Blois (nach 1107), Gräfin Mathilde von Chester (25.11.1120 ertrunken), Vicomtesse Adele von Troyes, Gräfin Eleonore von Vermandois-Valois (1147), Dame Agnes de Puiset, Graf Theobald IV. von Blois (†  8./10.1.1152), König Stephan von England (25.10.1154), Sire Wilhelm I. de Sully ( vor 1150)
Enkelin von König
Wilhelm I. dem Eroberer (
7.9.1087) und der Mathilde von Flandern
Ur-Enkelin von Prinz Eduard dem Exilist von England (
um 1057 ermordet), Graf Balduin V. von Flandern ( 1067)

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 392
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4. Mathilde, deutsche Königin, Kaiserin
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* wohl Februar 1102, 10. September 1167

Begraben: Abteikirche Bec-Hellouin

Tochter König Heinrichs I. von England

  1. oo 1114 Kaiser Heinrich V.

  2. oo 1128 Graf Gottfried von Anjou 1128

Kinder von 2.:
------------------
Heinrich
Gottfried
Wilhelm

Mathilde kam 1110 als Braut HEINRICHS V. nach Deutschland, wurde in Mainz zur Königin gekrönt und Erzbischof Bruno von Trier zur Erziehung anvertraut.
1117 begleitete sie ihren Gemahl nach Rom, wo sie an einer Festkrönung teilnahm, aber nicht regulär zur Kaiserin gekrönt wurde.
Sie ist als Vorsitzende des Hofgerichts in Norditalien bezeugt.
1125/26 kehrte
Mathilde als kinderlose Witwe zunächst in die Normandie, dann nach England zurück.
1127 sprach eine englische Reichsversammlung ihr als dem nunmehr einzigen legitimen Sproß Heinrichs I. (Blanche-nef) die successio in dessen Ländern zu, obwohl eine dominatio feminea unpopulär war.
Mathilde nannte sich fortan imperatrix, führte aber das Siegel einer regina Romanorum.
Ihre Ehe mit Graf Gottfried wurde von Heinrich I. aus politischen Gründen herbeigeführt. Nach dem Tod ihres Vaters 1135 wurde Stephan von Blois zum englischen König erhoben.
Mathilde behauptete sich in der Normandie und landete 1139 in England, um dem Rivalen die Krone zu entreißen. Das Land wurde dadurch in jahrelange »Anarchie« gestürzt (England A. VII).
König Stephan geriet in Gefangenschaft. 1141 ließ sich
Mathilde auf einem von Heinrich von Blois (80. H.) einberufenen Konzil zur domina Anglorum wählen. Sie suchte in London Fuß zu fassen, wurde aber von den Bürgern vertrieben. Während Stephan die Macht wiedererlangte, wurde Mathilde auf den Südwesten Englands beschränkt.
1148 zog sie sich in die Normandie zurück und lebte fortan in Rouen und Le Pré, war Ratgeberin ihres Sohnes Heinrich (Heinrich II. von England) und trat durch religiöse Stiftungen hervor.
K. Schnith

Quellen:
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Stephan v. Rouen, Draco Normannicus, hg. R. Howlett (RS, 1885)
Reg. Regum Anglo-Normannorum III-IV, 1967-69

Literatur:
------------
K. Schnith, »Ksn.« M. (Großbritannien und Dtl., Fschr. J.W.P. Bourke, 1974), 166-182
K. Schnith, Regni et pacis inquietatrix, Journal of Medieval Hist. 2, 1976, 135-157
K. Leyser, The Anglo-Norman Succession 1120-1125 (Anglo-Norman Stud. 13, 1990), 233-239
M. Chibnall, The Empress M., 1991 [Lit.].


Hlawitschka Eduard: Seite 589-591
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"Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk"

XXX : Königin und Kaiserin Mathilde (von England), Gemahlin Kaiser  Heinrich V.

1 : Kaiserin Mathilde (von England)

Mathildes Ehe mit Kaiser HEINRICH V. kam - nach einigen 1108/09 geführten Vorgesprächen und einer zu Pfingsten 1109 geschlossenen Übereinkunft sowie nach der ersten Begegnung der beiden im März 1110 in Lüttich, der gemeinsamen Feier des Osterfestes in Utrecht (10.IV.1110), wo die offizielle Verlobung mit Übergabe der Morgengabe stattfand, und nach der Krönung Mathildes zur Königin am 12.VI.1110 in Mianz - schließlich am Tage nach Epiphanias (= 7.I.) 1114 zustande.
Vgl. hierzu die Quellenzusammenstellung bei G. MEYER VON KNONAU, Jahrbücher Heinrichs IV./V., Band 6 Seite 116-125, 285f.; zu Fragen der einzelnen Vollzugsakte auch M. BLACK, Töchter Kaiser Heinrichs III. Seite 42-45. -
Hier einige Quellen in Auswahl zur Filiation und zum Eheschluß Mathildes.
Anonyme Kaiserchronik ad 1114, ed. f.-J. SCHMALE und I. SCHMALE-OTT Seite 262:
Anno Domini MCXIIII. Imperator Henricus natalem Domini Babenberg celebravit dispositis nuptiis suis Maguntiae in proxima epiphania. Desponsaverat einim ante triennium Mahtildem filiam Henrici regis Anglorum, virginem moribus nobilem ... Erat enim progenita ex utraque parte ex longa linea magnificae nobilitatis et regalis prosapiae ... -
Die Ann. Patherbrunn. ad 1114, ed. P. SCHIEFFER-BOICHORST Seite 127, bestimmen den Tag genauer:
Altera die post epiphaniam, colelctis totius regni principibus, nuptias filiae regis Anglici ingenti cum glorria consummat. -
Vgl. auch Chron. S. Petri Erfordens. mod., in: Monumenta Erphesfordensia, MGH SS rer. Germ. Seite 161:
proxima die post epiphaniam Domini nupcias suas Mogoncie constituit, in quibus sibi filiam regis Anglorum Machthildam nomine copulavit, cui copule multi de principibus regnis sine leticia interfuerunt. -
Symeon von Durham, Historia regum ad 1110, ed. Th. ARNOLD Seite 241; auch MGH SS 13 Seite 157:
Anno MCX. Rex Anglorum Henricus filiam suam Henrico imperatori on conjugem dedit, et misit fialiam suam Henrico imperatiori a Dovere usque ad Witsand in initio quadragesimae (sc. Paschae), quod fuit 4. Idus Aprilis ... -
Ann. Cameracens. ad 1110, MGH SS 16 Seite 512:
Henricus filius Henrici imperatoris filiam Henrici regis Anglorum duxit uxorem, nomine Mahtildam, puellulam circiter acto annorum ... -
Weitere Quellenstellen bei G. MEYER VON KNONAU, Jahrbücher Heinnrichs IV./V., Band 6 Seite 285f. Anm. 1.
Zum Nachweis, daß Mathilde - als Zwilling mit ihren 1120 verstorbenen Bruder Wilhelm - am 7. Februar 1102 geboren wurde, vgl. bereits O. RÖSSLER, Kaiserin Mathilde Seite 418-420. Dieses Datum ergibt sich aus der Meldung der Ann. Cameracens. ad 1110 (siehe oben), daß HEINRICHS V. Braut eine puellula circiter octo annorum war, und aus der Nachricht der Ann. Wintoniens. ad 1110, MGH SS 27 Seite 452, auch ed. H. R. LUARD Seite 43, daß Hoc anno misit rex [= Heinrich I. von England] filiam suam Matildem imperatori Henrico desponsandam ... cum esset puella octo annorum et quindecim dierum.
Hat nun Mathilde ihre Reise nach Deutschland im Alter von 8 Jahren und 15 Tagen angetreten und ist diese Abreise - nach Symeon von Durham (siehe oben) und nach der Anglo-Saxon Chronicle ad 1110 (MGH SS 13 Seite 118: Hoc anno misit rex ante quadragesimam suam filiam cum multiplicibus divitiis trans mare eamque imperatori dedit; auch ed. D. C. DOUGLAS- G. W. GREENAWAY, EHD II Seite 190) - am 22. Februar erfolgt (= Tag vor dem Beginn der sechswöchigen Fasten vor Ostern, beginnend mit Aschermittwoch, 23.II.1110), so ergibt sich - bei einem Alter Mathildes von 8 Jahren im Jahre 1110 - als der gesuchte Geburtstag Mathildes der 7. Februar 1102. (Zum Nachweis der Zwillings-Geschwisterschaft mit Prinz Wilhelm vgl. bei O. RÖSSLER, a.a.O. Seite 419, und unten bei nr. 3.
Zum Lebensgang Mathildes nach dem Tod Kaiser HEINRICHS V. - Rückkehr über die Normandie nach England (1126), Wiederverheiratung mit Graf Gottfried von Anjou (1128), dem sie auch drei Kinder schenkte, und Durchsetzung der Erbansprüche auf das Normannen-Reich für sich und ihren Sohn König Heinrich II. von England - vgl. K. R. SCHNITH, Kaiserin Mathilde Seite 189-213; M. CHIBNALL, Empress Mathilsa.
Das Todesjahr Mathildes verzeichnen die Ann. v. Southwark ad 1167, MGH SS 27 Seite 431:
1167. Obiit Mathildis imperatrix;
vgl. auch Annalium Angliae excerpta in MGH SS 16 Seite 484:
Obiit Matildis imperatrix. -
Im Draco Normannicus Stephans von Rouen, lib. III cap. 1, ed. R. HOWLETT Seite 711, heißt es einleitend:
De Mathildis imperatricis obitu, quodque anno ab incarnatione Domini MCLXVII apud Rothomagnum defuncta sit, decima die mensis Septembris, die dominica, tertia ipsius diei hora, Henrico rege ejusdem filio tunc in Britannia morante; quodque antea ut apud Beccum tumularetur eidem concessit, idque olim, de partu Gaufridi filii sui infirmata, apud Rothomagum a patre impetraverat. -
Auch zwei von Arnuld von Lisieux stammende Epitaphien nennen Mathildes Todestag; vgl. J. P. MIGNE, PL 201 Spalte 199, jetzt auch ed. E. Könsgen Seite 63f.

  I. Regia progenies, stirps regia, Cesaris uxor,
     Hic
est magna brevi clausa Matilda loco.
     ...
     Septembris decima regno post regna recepto,
     Creditur eternum continuasse diem.

  II.  Regis mater erat, et regibus orta Matildis,
       Extuleratque thoro nobiliore genus.
       ...
       Septembris decimo sub prima transiit hora,
       De nostra ad verum nocte revecta diem.

Ihr Todestag wurde zudem im Nekrolog von St. Benigne de Dijon als Matildis imperatrix und in gleicher Form in den Nekrologien von St. Martin-des-Champs und Moissac vermerkt; vgl. Synopse der cluniac. Necrologien, ed. J. WOLLASCH unter anderem Seite 507,509.
Zur Beisetzung Mathildes in der Abtei Bec (Normandie), zum Schicksal ihrer Grabstätte und zur Überführung des Leichnams 1871 nach Rouen vgl. auch L. MUSSET, Sepultures Seite 27f.

Sch
wennicke Detlev: Tafel 12

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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

HEINRICH V.
-------------------
* 1086, Utrecht 23.V.1125

Begraben: Speyer Dom

Mainz 10.V.1098 MIT-KÖNIG
Aachen 6.I.1099 gekrönt
1106 KÖNIG
13.IV.1111 KAISER

   7.I.1114
  I. oo MATHILDE VON ENGLAND
       * 7.II.1102, 10.IX.1167

Begraben: Le Mans Cathedrale

Tochter von Heinrich I. Beauclerc König von England Herzog der Normandie

   22.V.(2.IV.)1127
  II. oo GEOFFROY V. PLANTAGENET 1129 Cte d'Anjou
                 Chateau du Loir 11. IX 1151

Begraben: Le Mans Cathedrale


Hlawitschka Eduard: Seite 233
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"Kaiser Heinrich V. (1106-1125)", in Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern

KAISER HEINRICH V.
------------------------------
* 1086
23.5.1125 in Utrrecht

Grabstätte: Dom zu Speyer

Eltern: Kaiser HEINRICH IV. und Bertha von Turin

   7.1.1114 in Mainz
  oo MATHILDE
       * wohl 1102, 10.9.1167 Rouen

Grabstätte: Abtei Bec (Normandie)

Die Ehe blieb kinderlos.

Eltern: Heinrich I., König von England (1100-1135) und (seit 1106) Herzog der Normandie, und Mathilde (Edith), Tochter des Königs Malcolm III. von Schottland

(Wohl) Mai 1098: in Mainz zum (Mit-)König gewählt, am 6.1.1099 in Aachen gekrönt
Anfang 1106: Antritt der selbständigen Regierung (nach vorhergegangenem Abfall von Kaiser HEINRICH IV.), am 5.1. in Mainz Entgegennahme der Reichsinsignien und Empfamg erneuter Treueide
13.4.1111: in Rom von Papst Paschalis II. zum Kaiser gekrönt

Wichtige Quellen:
----------------------
Chronik Ekkehards von Aura, lateinisch-deutsch in: Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe Band 15 (1972) Seite 123ff. - Anonyme Kaiserchronik, ebd. Seite 211ff. (für HEINRICH V. geschrieben).


Schnith Karl: Seite 190
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"Frauen des Mittelalters in Lebensbildern."

KAISERIN MATHILDE
-------------------------------
* wohl um den 7.2.1102
10.9.1167 in Rouen

Grabstätte: Abteikirche Bec (Normandie)

Eltern: Heinrich I., König von England (1100-1135) und Herzog der Normandie (seit 1106) und Mathilde (Edith), Tochter des Königs Malcolm III. von Schottland
 

   7.1.1114
  1. oo  HEINRICH V., römisch-deutscher Kaiser
           * 1086, 23.5.1125 in Utrecht

Grabstätte: Dom zu Speyer

   17.6.1128 in Le Mans
  2. oo GOTTFRIED, Graf von Anjou
           * 1112 oder 1113, 7.9.1151

Grabstätte: Kathedrale zu Le Mans

Juli 1110 in Mainz zur Königin (regina Romanorum) gekrönt.
April 1141 in Winchester von einem Konzil der englischen Kirche als domina Angliae anerkannt.

DIE NACHKOMMEN KAISERIN MATHILDES (aus der 2. Ehe)

1. HEINRICH
    * 4.3.1133 in Le Mans, 6.7.1189

Herzog der Normandie, Graf von Anjou, Herzog von Aquitanien und (ab 1143) König von England

2. GOTTFRIED
    * Pfingsten 1134 in Rouen, 1158

3. WILHELM
    * 22.7.1136 in Argentan, 1164

Mathilde wurde 1102 geboren. Die englischen Quellen nennen sie mitunter auch Aaliz oder Adela. Sie verblieb wohl während der ersten Jahre im Haushalt ihrer Mutter. Ob sie bei deren Reisen mitgenommen wurde, läßt sich nicht sagen. Vermutlich stellten die Eltern schon bald Erwägungen darüber an, welche Rolle der Tochter einmal in der Heiratspolitik des anglonormannischen Hauses zukommen könnte. Dann aber zeichnte sich eine Möglichkeit ab, an die man zunächst schwerlich hatte denken können. In den Jahren 1108/09 wurden Verhandlungen über ein Heiratsbündnis zwischen dem deutschen und dem englischen Königshof geführt. Die Initiative hierzu ging mit größter Wahrscheinlichkeit von dem SALIER HEINRICH V. aus, der - im Alter von 22 Jahren stehend - um die siebenjährige Prinzessin Mathilde warb. Der deutsche König hoffte auf eine reiche Mitgift, die einem Italienzug zur Erlangung der Kaiserkrone zugutekommen sollte. Dem englischen Monarchen, der aus territorialpolitischen Gründen in scharfem Gegensatz zum französischen Königtum stand, war künftige Unterstützung durch den SALIER willkommen. Nach einigen Monaten erreichten die Gesprächspartner eine Übereinkunft. Dies geschah zu Pfingsten 1109, als deutsche Gesandte, die durch ihre Körpergröße und glänzende Gewandung Aufsehen erregten, in Westminster erschienen. Die Abmachungen wurden vervollständigt und wechselseitige Eide geleistet. Im Februar 1110 trat Mathilde, ausgestattet mit reichen Geschenken die Reise nach Deutschland, ins Fremde und Ungewisse an.
HEINRICH V. empfing seine Braut, "wie es sich für einen König gehört", und zwar in Lüttich. Das Osterfest 1110 feierten beide in Utrecht, wo die Verlobung stattfand und der Prinzessin die Morgengabe zugewiesen wurde. Es handelte sich vor allem um Landbesitz in Lothringen. Im Juli folgte zu Mainz die Krönung Mathildes zur Königin, vorgenommen durch Erzbischof Friedrich von Köln im Beisein Brunos von Trier, der das Mädchen voll Ehrfurcht in den Armen hielt. Dem Erzbischof von Trier wurde die weitere Erziehung der jungen Königin übertragen. Mathilde lernte im fränkischen Moselland die deutsche Sprache - ihre Muttersprache war zweifellos das Französische -, und sie wurde mit den Sitten in der neuen Umgebung vertraut gemacht.
Dem deutschen Hof floß nach und nach eine Mitgift in Höhe von mindestens 10.000 Mark Silber zu. HEINRICH V. unternahm 1110/11 seinen Romzug, von dem er als Kaiser zurückkehrte. Mathilde wurde über die Jahre hin in ihre Pflichten als "Gefährtin" der Herrschers und auch in die ideellen Grundlagen des römisch-deutschen Kaisertums eingeführt. Die Normannen pflegten ein Selbstverständnis, hinter dem der Anspruch stand, sie seien allen anderen Völkern überlegen. Zur salischen Denktradition dagegen gehörte die Vorstellung, der Kaiser habe als Lenker und Friedenswahrer im Erdkreis zu wirken.
Mathilde tritt erst am Epiphanesfest (Dreikönigstag) 1114 wieder deutlich hervor, als in Mainz ihre Hochzeit mit dem SALIER gefeiert wurde.


Nach dem Tode ihres Gatten kehrte Mathilde nach England zurück und wurde 1127 zur Thronerbin erklärt. Nach dem Tode ihres Vaters ( 1.12.1135) wurde sie wegen ihres rauhen und herrischen Wesens zugunsten ihres Vetters Stephan von Blois übergangen, der von der Mehrheit der Barone unterstützt wurde. Auf Mathildes Seite kämpfte vor allem der jüngere aus dem Dienst Heinrichs I. hervorgegangene Adel. Obwohl sehr unbeliebt, kam sie 1139 nach England, womit verheerende Thronkriege begannen, wobei ihr zweiter Mann nach und nach die französischen Gebiete gewann. Er geriet 1142 in Stephans Haft und wurde gegen Stephan, inzwischen 1141 bei Lincolm gefangen, ausgetauscht. Mathilde sicherte dem Sohn 1153 im Frieden von Wallingford den Thron und zog sich anschließend ganz zurück.

Baker Timothy: Seite 43-64
*************
"Die Plantagenet" in Die großen Dynastien

Mathilde besaß den Ehrgeiz eines Mannes und zeigte sich auf verschiedenen Gebieten als würdige Enkelin Wilhelms des Bastards, des normannischen Herzogs, der England erobert hatte. Gleichzeitig fügte sie sich selbst aber größten Schaden zu, weil ihr das Taktgefühl und der gesunde Menschenverstand fehlten, die Wilhelm den Eroberer oder ihren Vater Heinrich ausgezeichnet hatten. Als königliche Erbin und Witwe eines Kaisers (sie hatte einen Großteil ihrer Jugend in Deutschland verbracht, dem einzigen Land, in dem sie beliebt war) brachte sie Gottfried, der 10 Jahre jünger und nur Sohn eines Grafen war, Verachtung entgegen.
Mathilde mußte jedoch bald erkennen, dass sie wenig Anlaß hatte, auf Gottfried herabzuschauen, denn dessen Vater wurde am Ende eines Kreuzzuges zum König von Jerusalem ernannt. Sie hatte über den Charakter der ANGEVINEN niemals im Ungewissen zu sein brauchen, denn diese waren mehr als jede andere Familie berühmt dafür, dass sie - entweder im Guten oder im Bösen - zu Extremen neigten.

Black-Veldtrup Mechthild: Seite 165
**********************
"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien"

Bereits bei der Verlobung wurde die Höhe des Dotalgutes (ebenso wie die des Heiratsgutes) festgelegt:
Die spätere Kaiserin Mathilde brachte nämlich, als sie Ostern 1110 mit HEINRICH V. zur Konsenserklärung, also dem Rechtsakt zwischen Verlobung und Vollzug der Ehe, in Utrecht zusammentraf, ihre Mitgift bereits mit. Dort fand auch ihre Dotation durch den König statt.

 
 
 
 

   7.1.1114 Tribur
  1. oo HEINRICH V. König des Deutschen Reiches
           8.1.108123.5.1125

   3.4.1127
  2. oo Gottfried V. der Schöne Graf von Anjou
           4.8.11137.9.1151
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Heinrich II. König von England
  5.3.11336.7.1189

  Gottfried VI. Graf von Anjou und Maine
  1./3.6.1134 26.7.1158

  Wilhelm Graf von Poitou
  22.7.11361164



Quellen:
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Ekkehardi Chronica: Die Chronik des Ekkehards von Aura Seite 123 -
 



Literatur:
-----------
Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutgart 1962 Seite 18-28,30,46,51, 65,122,141,312 - Baker Timothy: Die Plantagenet. in 'Die großen Dynastien', Karl Müller Verlag Erlangen 1996 Seite 43-64 -
Black Mechthild: Die Töchter Heinrichs III. und der Kaiserin Agnes, in: Vinculum Societatis. Festschrift für Joachim Wollasch, 1991 Seite 42-45 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 104,165,190, 268 - Boshof Egon: Die Salier. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1987 Seite 269,275,284,289,301,303 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 14,17,20,24,30,237 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 11 - Die Salier und das Reich. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991, Band I Seite 47,112,316/Band II Seite 24f.,148,218/Band III Seite 185,249 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 110,113,120 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 19, 21 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 98,104 - Goez Elke: Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. Jahrhunderts, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 92 - Hlawitschka Eduard: Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk Band I 911-1137 Teil 1 und Teil 2 Hahnsche Buchhandlung Hannover 2006 Seite 316,475, 577,589-591,593,599,615,631,657 - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seite 127 - Jäschke Kurt-Ulrich: Die Anglonormannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1981 - Jäschke, Kurt-Ulrich: Notwendige Gefährtinnen: Königinnen der Salierzeit als Herrscherinnen und Ehefrauen im römisch-deutschen Reich des 11. und beginnenden 12. Jahrhunderts, Verlag Rita Dadder Saarbrücken 1991, Seite 161-183 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 185,237 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band 6 Seite 116-125,285 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 36,152,155 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 233 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 189-213,215,221 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 330,460,467,469,481 - Schwarzmaier Hansmartin: Von Speyer nach Rom. Wegstationen und Lebensspuren der Salier. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992, Seite 17,118,121 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 12 - Struve, Tilmann: Die Salier, das Reich und der Niederrhein. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2008 Seite 3,84-89,94,95,96,97,110 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Weinfurter Stefan: Herrschaft und Reich der Salier. Grundlinien einer Umbruchszeit. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992, Seite 153,156 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 19,30,105,322,323,465,467,468, 470-471,473-474,547,590 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 112 -