Günther                                       Deutscher Gegen-König (1349)
-----------                                      Graf von Schwarzburg (1324-1349)
1304
14.6.1349
         Frankfurt am Main

Begraben: Frankfurt am Main, St. Bartholomäus (Dom)  

Jüngerer Sohn des Grafen Heinrich VII. von Schwarzburg-Blankenburg ( 11.11.1324) und der Christine von Gleichen und Tonna, Tochter von Graf Albrecht III. ( 24.3.1290) und der Cecilie (Margareteh) Esbernsdatter
Bruder von Graf Heinrich X. von Schwarzburg-Blankenburg (
4.3.1338), Gräfin Jutta von Barby ( 11.9.1352), Gräfin Irmgard von Weimar-Rudolstadt ( 26.3.1354) und Domherrn Günther XX. zu Magdeburg ( 28.9.1314),
Enkel von Graf Heinrich V. von Schwarzburg-Blankenburg (
1285) und der Sophie von Kiew-Halicz

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1794
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Günt(h)er von Schwarzburg, deutscher (Gegen-) König
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* 1303 in Blankenburg/Thüringen (heute Ruine Greifenstein), 14. Juni 1349 in Frankfurt am Main

Begraben: ebd., St. Bartholomäus (Dom).

Nach dem Vorbild seines Vaters Heinrich VII., des Begründers der Blankenburger Linie des Hauses SCHWARZBURG, trat auch Graf
Günther XXI. 1330 in den Dienst LUDWIGS DES BAYERN und erwarb Ansehen als Diplomat und Krieger. Trotz seiner schmalen territorialen Basis (Blankenburg und ein Viertel von Saalfeld), die Günther um Arnstadt, Schlotheim und Frankenhausen erweiterte, stellte er sich der wittelsbachischen Partei, die nach der Absage Eduards III. von England und Friedrichs II. von Meißen einen geeigneten Nachfolger für LUDWIG DEN BAYERN suchte, als Kandidat zur Verfügung. Für Günther votierten am 30. Januar 1349 in Bestätigung des Ergebnisses einer Vorwahl am Neujahrstag Erzbischof Heinrich von Mainz, die Pfalzgrafen Rudolf II. und Ruprecht I., Graf Ludwig von Brandenburg sowie Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg. Um die Ungültigkeit von KARLS IV. Königtum zu demonstrieren, bestand Günther auf einer förmlichen Feststellung der Thronvakanz und einer Mehrheitswahl unter Ausschaltung von Simonie. Seine Wahl am rechten Ort und ihre formale Korrektheit konnten jedoch nicht verhindern, daß die Diplomatie KARLS IV. den SCHWARZBURGER rasch von seinen wichtigsten Bundesgenossen isolierte. Günther mußte, schwer erkrankt und militärisch unterlegen, im Vertrag von Eltville (26. Mai 1349) gegen angemessene finanzielle Entschädigung und Amnestie seiner Anhänger auf die Königswürde verzichten, so daß er künftig wieder als Graf urkundete. An der Beisetzung des bereits im folgenden Monat Verstorbenen (Vermutungen über eine Vergiftung sind unbeweisbar) nahm KARL IV. teil.
Th. M. Martin

Literatur:
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K. Janson, Das Kgtm. G.s v. S., 1880
A. Berg, G., Gf. v. S., dt. Kg., Archiv für Sippenforsch. 7, 1940
C. Schaeffer, G. v. S., 1960.


BERTELSMANN Lexikon Geschichte:
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GÜNTHER, Graf von Schwarzburg, deutscher Gegen-König
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* 1304,
14.6.1349

am 30.1.1349 von der wittelsbachischen Partei gegen KARL IV. als Nachfolger LUDWIGS DES BAYERN zum deutschen König gewählt; verzichtet jedoch nach wenigen Monaten auf die Krone.


Thiele, Andreas: Tafel 437
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II"

GÜNTHER XXI.
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* 1304,
1349

Sohn des Grafen Heinrich VII. von Schwarzburg-Blankenburg und der Christine von Gleichen, Tochter von Graf Albrecht III.

Günther folgte 1324 mit seinem Bruder Heinrich X. in der Grafschaft Schwarzburg, war eine treue Stütze von Kaiser LUDWIG IV. und war zeitweise Kriegshauptmann und Vormund in Brandenburg und wurde da in viele Fehden hineingezogen. Er führte auch viele Fehden in Thüringen, unterlag in der Grafenfehde den WETTINERN und mußte 1345 deren Vasall werden, was das Ende der Vormachtstellung seines Hauses in Thüringen bedeutete. Er erwarb Frankenhausen, Rottleben und andere Orte und erbte Schlotheim durch die Frau. 1345 zog er mit König Johann von Böhmen nach Preußen und wurde am 30.1.1349 von der wittelsbachischen Fürstenpartei - Mainz, Pfalz, Brandenburg und Sachsen-Lauenburg - zum deutschen König gewählt. Durch militärische Überlegenheit und einer Geldsumme von 20.000 Mark wurde GÜNTHER von KARL IV. zum Verzicht gezwungen.

  oo ELISABETH VON HONSTEIN
           
   

Tochter des Grafen Heinrich IV. zu Klettenberg


Stoob Heinz: Seite 64-65
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"Kaiser Karl IV. und seine Zeit."

In Schlesien traf KARL mit Kasimir von Polen zusammen; er verglich und verbündete sich mit ihm, war aber schon Anfang Dezember wieder bei Herzog Rudolf von Sachsen in Wittenberg, einem seiner zuverlässigsten Parteigänger in diesen Jahren, führte dort den Achtprozeß gegen den ältesten der WITTELSBACHER LUDWIGS-Söhne fort und vereitelte dann durch sein Erscheinen in Dresden und materielle Angebote, daß Markgraf Ludwig den wettinischen Schwager Friedrich von Meißen-Thüringen als neuen wittelsbachischen Königskandidaten gewann. Ludwig holte daraufhin auch Günther von Schwarzburg, den erbitterten regionalen Gegner des Meißners, nach Dresden und machte ihn zum Prätendeten. So verhandelten zeitweilig beide Parteien am gleichen Ort, ein merkwürdiger, aber für die Verhältnisse typischer Vorgang.
Während KARLS Gegner bei Frankfurt Günther zum König wählten, vermochte der LUXEMBURGER sich mit Baldewins Unterstützung nun endlich Köln zu öffnen, dem er wertvolle Privilegien ausfertigte.
Entscheidend war es aber, daß KARL durch Baldwins Heiratsverhandlungen mit dem Pfalzgrafen Rudolf von Wittelsbach anzuknüpfen vermochte, der eben noch zu GÜNTHERS Wählern gehört hatte.
Indessen hatte GÜNTHER die Wetterau an sich gezogen; gegenüber Mainz nahm er Aufstellung, während KARLS Aufgebot von Frankenthal her anrückte. Der bereits erkrankte SCHWARZBURGER warf sich aber nach Eltville im Rheingau; das ermöglichte KARL den Rheinübergang. Nach kurzer Belagerung legte GÜNTHER die Krone nieder und unterwarf sich mit seinen Anhängern. KARL verpfändete ihm, wohl in Erkenntnis von GÜNTHERS Zustand, Gelnhausen, Goslar und Nordhhausen, setzte als Sicherheit dafür die Stadt Friedberg und die Frankfurter Reichseinkünfte und amnestierte die Fürsten der Gegenpartei.
Klug wartete KARL in Mainz ab, bis der nach Frankfurt zurückgebrachte SCHWARZBURGER am 14. Juni verstorben war.

Seibt Ferdinand: Seite 161,162,189
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"Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378."

Die Opposition suchte einen neuen, den dritten Thronprätendenten: sie fand ihn dem thüringischen Grafen Günther von Schwarzburg. Freilich war indessen ihre Lage viel schlechter geworden. Der Verlust Brandenburgs, der Übertritt der ostelbischen Reichslande auf die Seite KARLS und die unerschütterte Position des LUXEMBURGERS im Westen des Reiches unter der Statthalterschaft Balduins von Trier, das Eheprojekt zwischen KARLS Tochter und dem künftigen habsburgischen Erben waren schlechte Voraussetzungen für den Erfolg der wittelsbachischen Sache. Deshalb bedachte sich der Graf von Schwarzburg auch eine Zeit, ein edler und berühmter und auch kriegstüchtiger Herr, wie man damals in der Nachbarschaft von ihm schrieb [307 Erfurter Chronik 1899, Seite 378.]. Dann sagte er jedoch zu, und er griff auch zu. Er besetzte die alte Königsstadt Frankfurt, und nach altenn Recht war ihm das Königtum sicher, wenn er es verstand, sich neuen Wochen zu behaupten [308 Heinrich von Herford 1859, Seite 276.]. Das schrieb ihm jedenfalls der Chronist zu und wohl auch ein guter Teil der öffentlichen Meinung. Nimmt man die deutsche Chronistik jener Zeit als Anhaltspunkt, dann war die Geringschätzung des Pfaffen-Königs, des Imperadore dei preti [309 Giovanni Villami 1845, Seite 102.], über das ganze Reich verbreitet, und nur die böhmischen Chronisten hatten über KARL Besseres zu sagen.
Ein Blitzbesuch auf der Insel Seeland mußte zunächst noch englische Gesandte beruhigen, bei denen KARL ursprünglich um die Tochter Eduards III. werben wollte. Dann aber, und es war ein gelungener Überraschungscoup, feierte er schon am 4. März 1349 Hochzeit mit Anna von der Pfalz [310 Das Datum zuletzt bei Schnebögl 1973, während Susta 1948, Seite 126 mit Lit. den 11. März erwägt. Trautz 1961, Seite 355 weist aber darauf hin, daß der Grund von KARLS Besuch auf Seeland am 27.2.1349 unbewiesen sei.]. Diese Ehe war es letztlich, die GÜNTHER VON SCHWARZBURG entwaffnete. Denn der Pfalzgraf Rudolf, selber ohne Söhne, versprach für seinen erbenlosen Tod eine Eventualhuldigung aller seiner Amtsleute, ja er räumte KARLS selbst bei der Neubesetzung von Ämtern ein Veto ein, so daß die pfälzische Personalpolitik fortan vom Prager Hof mitbestimmt werden sollte.
Zwar zogen danach noch die Heere von König und Gegen-König auf, so daß man für eine Zeit einen Bürgerkrieg am Rhein befürchtete [314 Heinrich von Diessenhofen 1868, Seite 73.]. Aber der kleine Graf von Schwarzburg war nun einmal nicht der "kleine Graf von Habsburg", der KARLS Ur-Goßvater vom böhmischen Thron gestoßen hatte. Von vornherein hielt er sich den Rückzug offen, und als KARL ihm schließlich Verhandlungen um 20.000 Gulden bot, nutzte er, selbst bereits erkrankt, die Situation zu einem bescheidenen, aber sicheren Gewinn. Zwei Monate später war er tot. Viele Leute konnten sich den Ausgang dieses stillen Ringens freilich nur durch ein Giftattentat erklären [315 In Varianten bei Matthias von Neuenburg 1868, Seite 269; Heinrich von Herford 1859, Seite 276; Chronica de ducibus Bavarie 1918, Seite 171; Jacob Twinger von Königshofen 1870, Seite 479 u. a. dazu aber Werunsky 1882, Seite 188ff.].
 
 
 
 

 1331
  oo Elisabeth von Honstein-Klettenberg, Tochter des Grafen Heinrich IV.
      um 1305/10
um 4.6.1380 


 
 

Kinder:

  Sophie von Schwarzburg-Blankenburg
      
nach 29.12.1357

  1. oo Friedrich III. Graf von Orlamünde
              
1363

  2. oo Georg Graf von Schwarzburg-Käfernburg
               
1376

  3. oo Johann III. von Schwarzburg-Wachsenburg
           1327
1407

  Heinrich XIII. Graf von Schwarzburg-Blankenburg
  1339
11.1357

  Elisabeth Nonne
     
1380

  Agnes von Schwarzburg-Blankenburg
  um 1340
um 1399

 1366
  oo Hermann V. Graf von Henneberg-Aschach
      
1315 28.6.1403/5.3.1404

  Margarete von Schwarzburg-Blankenburg
       
1370

 1360
  oo Gebhard IV. von Querfurt Graf von Mansfeld
          
1382
 
 
 
 

Literatur:
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ADB -
BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 310 - Chronik des Matthias von Neuenburg - Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite 338 - NDB - Seibt Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH&Co. KG München 1994 Seite 153,161,162,189 - Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 51,64,163,264,402 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 437 - www.wikipedia.de -