Begraben: Frankfurt am Main, St. Bartholomäus (Dom)
Jüngerer Sohn des Grafen Heinrich VII. von
Schwarzburg-Blankenburg
(† 11.11.1324) und
der Christine von Gleichen und
Tonna,
Tochter von Graf Albrecht III. († 24.3.1290) und
der Cecilie (Margareteh)
Esbernsdatter
Bruder von Graf Heinrich X. von
Schwarzburg-Blankenburg († 4.3.1338),
Gräfin Jutta von Barby († 11.9.1352),
Gräfin Irmgard von Weimar-Rudolstadt († 26.3.1354) und Domherrn Günther XX. zu Magdeburg († 28.9.1314),
Enkel von Graf Heinrich V. von
Schwarzburg-Blankenburg († 1285)
und der Sophie von Kiew-Halicz
Begraben: ebd., St. Bartholomäus (Dom).
Nach dem Vorbild seines Vaters Heinrich VII., des
Begründers
der Blankenburger Linie des Hauses
SCHWARZBURG, trat auch Graf
Günther
XXI. 1330 in den Dienst
LUDWIGS
DES BAYERN und erwarb Ansehen als Diplomat und Krieger.
Trotz seiner schmalen territorialen Basis (Blankenburg und ein Viertel
von Saalfeld), die Günther
um
Arnstadt, Schlotheim und Frankenhausen erweiterte, stellte er sich der
wittelsbachischen
Partei, die nach der Absage Eduards III. von
England
und
Friedrichs II. von Meißen
einen geeigneten Nachfolger für LUDWIG
DEN BAYERN suchte, als Kandidat zur Verfügung. Für
Günther
votierten
am 30. Januar 1349 in Bestätigung des Ergebnisses einer Vorwahl am
Neujahrstag Erzbischof Heinrich von Mainz, die Pfalzgrafen Rudolf II. und
Ruprecht I., Graf Ludwig von Brandenburg
sowie Herzog
Erich von Sachsen-Lauenburg.
Um die Ungültigkeit von
KARLS
IV. Königtum zu demonstrieren, bestand Günther
auf einer förmlichen Feststellung der Thronvakanz und einer
Mehrheitswahl
unter Ausschaltung von Simonie. Seine Wahl am rechten Ort und ihre
formale
Korrektheit konnten jedoch nicht verhindern, daß die Diplomatie KARLS
IV. den SCHWARZBURGER
rasch von seinen wichtigsten Bundesgenossen
isolierte. Günther mußte,
schwer erkrankt und militärisch unterlegen, im Vertrag von
Eltville
(26. Mai 1349) gegen angemessene finanzielle Entschädigung und
Amnestie
seiner Anhänger auf die Königswürde verzichten, so
daß
er künftig wieder als Graf urkundete. An der Beisetzung des
bereits
im folgenden Monat Verstorbenen (Vermutungen über eine Vergiftung
sind
unbeweisbar) nahm KARL IV. teil.
Th. M. Martin
Literatur:
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K. Janson, Das Kgtm. G.s v. S., 1880
A. Berg, G., Gf. v. S., dt. Kg., Archiv für Sippenforsch. 7,
1940
C. Schaeffer, G. v. S., 1960.
am 30.1.1349 von der wittelsbachischen
Partei gegen KARL IV. als
Nachfolger LUDWIGS DES BAYERN zum
deutschen
König gewählt; verzichtet jedoch nach wenigen Monaten auf die
Krone.
GÜNTHER
XXI.
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* 1304, † 1349
Sohn des Grafen Heinrich VII. von Schwarzburg-Blankenburg und der Christine von Gleichen, Tochter von Graf Albrecht III.
Günther folgte 1324 mit seinem Bruder Heinrich X. in der Grafschaft Schwarzburg, war eine treue Stütze von Kaiser LUDWIG IV. und war zeitweise Kriegshauptmann und Vormund in Brandenburg und wurde da in viele Fehden hineingezogen. Er führte auch viele Fehden in Thüringen, unterlag in der Grafenfehde den WETTINERN und mußte 1345 deren Vasall werden, was das Ende der Vormachtstellung seines Hauses in Thüringen bedeutete. Er erwarb Frankenhausen, Rottleben und andere Orte und erbte Schlotheim durch die Frau. 1345 zog er mit König Johann von Böhmen nach Preußen und wurde am 30.1.1349 von der wittelsbachischen Fürstenpartei - Mainz, Pfalz, Brandenburg und Sachsen-Lauenburg - zum deutschen König gewählt. Durch militärische Überlegenheit und einer Geldsumme von 20.000 Mark wurde GÜNTHER von KARL IV. zum Verzicht gezwungen.
Tochter des Grafen Heinrich IV. zu Klettenberg
In Schlesien traf KARL
mit Kasimir von Polen zusammen; er
verglich und verbündete sich mit ihm, war aber schon Anfang
Dezember
wieder bei Herzog
Rudolf von Sachsen in
Wittenberg, einem seiner zuverlässigsten
Parteigänger in diesen Jahren, führte dort den
Achtprozeß
gegen den ältesten der WITTELSBACHER LUDWIGS-Söhne
fort und vereitelte dann durch sein Erscheinen in Dresden und
materielle
Angebote, daß Markgraf Ludwig den
wettinischen
Schwager Friedrich von
Meißen-Thüringen als
neuen wittelsbachischen
Königskandidaten
gewann. Ludwig
holte daraufhin auch
Günther von Schwarzburg, den
erbitterten
regionalen Gegner des Meißners,
nach Dresden und machte ihn zum Prätendeten.
So verhandelten zeitweilig beide Parteien am gleichen Ort, ein
merkwürdiger,
aber für die Verhältnisse typischer Vorgang.
Während KARLS
Gegner bei Frankfurt Günther zum
König wählten, vermochte der LUXEMBURGER
sich mit Baldewins
Unterstützung nun endlich Köln zu öffnen, dem er
wertvolle
Privilegien ausfertigte.
Entscheidend war es aber, daß KARL
durch Baldwins
Heiratsverhandlungen mit dem Pfalzgrafen
Rudolf von Wittelsbach
anzuknüpfen vermochte, der eben noch zu GÜNTHERS
Wählern gehört hatte.
Indessen hatte GÜNTHER
die Wetterau an sich gezogen; gegenüber Mainz nahm er Aufstellung,
während KARLS Aufgebot von
Frankenthal
her anrückte. Der bereits erkrankte SCHWARZBURGER warf sich
aber nach Eltville im Rheingau; das ermöglichte KARL
den Rheinübergang. Nach kurzer Belagerung legte GÜNTHER
die Krone nieder und unterwarf sich mit seinen Anhängern. KARL
verpfändete ihm, wohl in Erkenntnis von GÜNTHERS
Zustand, Gelnhausen, Goslar und Nordhhausen, setzte als Sicherheit
dafür
die Stadt Friedberg und die Frankfurter Reichseinkünfte und
amnestierte
die Fürsten der Gegenpartei.
Klug wartete KARL
in Mainz ab, bis der nach Frankfurt zurückgebrachte SCHWARZBURGER
am 14. Juni verstorben war.
Seibt Ferdinand: Seite
161,162,189
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"Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378."
Die Opposition suchte einen neuen, den
dritten Thronprätendenten:
sie fand ihn dem thüringischen
Grafen Günther von Schwarzburg.
Freilich war indessen ihre Lage viel schlechter geworden. Der Verlust
Brandenburgs,
der Übertritt der ostelbischen Reichslande auf die Seite KARLS
und die unerschütterte Position des LUXEMBURGERS
im Westen des Reiches unter der Statthalterschaft Balduins von Trier, das
Eheprojekt zwischen KARLS Tochter und
dem künftigen habsburgischen Erben
waren schlechte Voraussetzungen für den Erfolg der wittelsbachischen
Sache. Deshalb bedachte sich der Graf von Schwarzburg auch eine Zeit,
ein
edler und berühmter und auch kriegstüchtiger Herr, wie man
damals
in der Nachbarschaft von ihm schrieb [307 Erfurter Chronik 1899,
Seite 378.]. Dann sagte er jedoch zu, und er griff auch zu. Er besetzte
die alte Königsstadt Frankfurt, und nach altenn Recht war ihm das
Königtum sicher, wenn er es verstand, sich neuen Wochen zu
behaupten
[308 Heinrich von
Herford 1859, Seite 276.]. Das schrieb ihm jedenfalls
der Chronist zu und wohl auch ein guter Teil der öffentlichen
Meinung.
Nimmt man die deutsche Chronistik jener Zeit als Anhaltspunkt, dann war
die Geringschätzung des Pfaffen-Königs,
des Imperadore dei
preti [309 Giovanni
Villami 1845, Seite 102.], über das
ganze Reich verbreitet, und nur die böhmischen Chronisten
hatten über
KARL Besseres zu sagen.
Ein Blitzbesuch auf der Insel Seeland
mußte zunächst
noch englische Gesandte beruhigen, bei denen KARL
ursprünglich um die Tochter Eduards
III. werben wollte. Dann aber, und es war ein gelungener
Überraschungscoup, feierte er schon am 4. März 1349 Hochzeit
mit Anna
von der Pfalz [310 Das
Datum zuletzt bei Schnebögl
1973, während Susta 1948, Seite 126 mit Lit. den 11. März
erwägt.
Trautz 1961, Seite 355 weist aber darauf hin, daß der Grund von
KARLS Besuch auf Seeland am 27.2.1349 unbewiesen sei.]. Diese
Ehe war es letztlich, die GÜNTHER VON
SCHWARZBURG
entwaffnete. Denn der Pfalzgraf
Rudolf, selber
ohne Söhne,
versprach für seinen erbenlosen Tod eine Eventualhuldigung aller
seiner
Amtsleute, ja er räumte KARLS
selbst bei der Neubesetzung von Ämtern ein Veto ein, so daß
die pfälzische Personalpolitik
fortan vom Prager Hof mitbestimmt werden
sollte.
Zwar zogen danach noch die Heere von König
und Gegen-König
auf, so daß man für eine Zeit einen Bürgerkrieg am
Rhein
befürchtete [314
Heinrich von Diessenhofen 1868, Seite 73.].
Aber der kleine Graf von Schwarzburg war nun einmal nicht der "kleine
Graf von Habsburg", der KARLS Ur-Goßvater
vom böhmischen Thron gestoßen hatte. Von vornherein hielt er
sich den Rückzug offen, und als KARL ihm schließlich
Verhandlungen um 20.000 Gulden bot, nutzte er, selbst bereits erkrankt,
die Situation zu einem bescheidenen, aber sicheren Gewinn. Zwei Monate
später war er tot. Viele Leute konnten sich den Ausgang dieses
stillen
Ringens freilich nur durch ein Giftattentat erklären [315 In
Varianten bei Matthias von Neuenburg 1868, Seite 269; Heinrich von
Herford
1859, Seite 276; Chronica de ducibus Bavarie 1918, Seite 171; Jacob
Twinger
von Königshofen 1870, Seite 479 u. a. dazu aber Werunsky 1882,
Seite
188ff.].
1331
oo Elisabeth von Honstein-Klettenberg,
Tochter
des Grafen Heinrich IV.
um 1305/10
† um 4.6.1380
Kinder:
Sophie von
Schwarzburg-Blankenburg
† nach 29.12.1357
1. oo Friedrich III. Graf von
Orlamünde
† 1363
2. oo Georg Graf von
Schwarzburg-Käfernburg
† 1376
3. oo Johann III. von
Schwarzburg-Wachsenburg
1327 † 1407
Heinrich XIII. Graf von
Schwarzburg-Blankenburg
1339 † 11.1357
Elisabeth Nonne
†
1380
Agnes von
Schwarzburg-Blankenburg
um 1340 † um 1399
1366
oo Hermann V. Graf von Henneberg-Aschach
1315 † 28.6.1403/5.3.1404
Margarete von
Schwarzburg-Blankenburg
† 1370
1360
oo Gebhard IV. von Querfurt Graf von
Mansfeld
† 1382
Literatur:
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ADB - BERTELSMANN
Lexikon Geschichte 1991 Seite
310
- Chronik des
Matthias
von Neuenburg -
Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der
Kaiser aus
dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite
338 - NDB - Seibt Ferdinand: Karl IV.
Ein Kaiser in Europa 1346 bis
1378
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH&Co. KG München 1994 Seite
153,161,162,189
- Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria
Graz
Wien Köln 1990 Seite 51,64,163,264,402 - Thiele, Andreas:
Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I,
Teilband
2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II,
R.G.
Fischer Verlag 1994 Tafel 437 - www.wikipedia.de
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