Chronik des Matthias von Neuenburg
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119. Wie Günther von Schwarzburg zum König erwählt wurde.

Wie der tüchtige und beherzte Graf Günther von Schwarzburg gegen Karl IV, den Sohn König Johanns von Böhmen, zum römischen König erwählt worden ist.
 
Graf Günther von Schwarzburg in Thüringen, ungefähr fünfundvierzig Jahre alt, ein kräftiger Mann, kriegerisch, tüchtig und kriegserfahren, der sich im Dienste des Mainzer Heinrich und weiland des Fürsten Ludwig viel abgemüht hatte, auch in vielen eigenen Fehden glücklich gewesen war und sich durch Gefangennehmung und Schätzung von Baronen sehr bereichert hatte, wurde von den Karl feindlich gesinnten Fürsten gebeten, sich der Regierung zu unterziehen. Anfangs lehnte er ab, später sagte er unter der Bedingung zu, daß in Frankfurt von den Fürsten und Edlen ausgesprochen würde, das Kaiser- und Königreich wäre erledigt, und der größere Theil der Fürsten, deren Berechtigung gleichfalls durch Urtheilspruch anzuerkennen wäre, ihn ohne Simonie und um Gottes willen erwählte. Er sagte nämlich, "für Gott und des Reiches wegen setze er sein Leben schweren Gefahren aus" so lagerte er sich mit seinem Heere auf dem Felde bei Frankfurt am Freitage nach Hilarius im Jahre des Herrn 1349. Daselbst erschienen vier Fürsten und viele Barone, und nachdem in Form Rechtens ausgesprochen war, "das Kaiserreich wäre erledigt und diesen vier Fürsten stände das Wahlrecht zu," wurde Günther am Reinigungsfeste von Erzbischof Heinrich von Mainz, Markgraf Ludwig von Brandenburg, Rudolf von Bayern, Pfalzgrafen bei Rhein, unter Zustimmung seines Bruders Ruprecht und des Bruderssohnes beider, des damals gefangenen Pfalzgrafen Ruprecht, und Herzog Erich von Sachsen erwählt. Diesem Erich nämlich, als dem Sohne des älteren Bruders des Herzogs Rudolf, des Wählers Karls, wurde die Kurstimme zuerkannt. Nachdem Günther sechs Wochen lang mit Macht im Felde gestanden war, wurde er in Frankfurt als König empfangen. Die übrigen Reichsstädte der Wetterau erkannten ihn gleichfalls an.

Als aber Karl sah, daß er im Felde stand, begab er sich an den Rhein und besprach sich mit den Bischöfen von Trier, Köln und Lüttich, dem Herzoge von Brabant und anderen ihm zugethanen Fürsten, und schrieb auch an die Barone und Städte, welche ihn anerkannt hatten um Hilfe, und daß er am Sonntage Estomihi in Kastel, Mainz gegenüber, sich lagern wollte. Auf  diesen Tag sagte Günther, gleichsam zum Spotte, ein Turnier an.
 

120. Von dem Abschlusse eines Ehebündnisses.
 

Von dem Abschlusse eines Ehebündnisses des Königs Karl mit der Tochter des Pfalzgrafen Rudolf, Herzogs von Bayern.
 
Karl aber nahm die einzige Tochter des genannten Pfalzgrafen Rudolf von ihrer Mutter aus Kärnthen zur Gemahlin, obgleich beide, Karl und Rudolf, Ur-Enkel weiland Königs Rudolf und Rudolf selbst und seine verstorbene Gemahlin, die Mutter der Braut, gleichfalls Ur-Enkel dieses Königs Rudolf  waren. Wegen dieser Verwandtschaftsgrade soll niemals Dispens ertheilt worden sein. Da jedoch Karl den Günther wegen seiner und seiner Anhänger Uebermacht nicht angreifen konnte, setzte er auf den Sonntag nach Lätare eine Unterredung zu Speyer an. Daselbst versammelten sich der Trierer, der Mainzer Gerlach, der Graf von Wirtenberg und viele Barone und Boten der Städte, weil man hoffte, Günther würde in die Nähe kommen, um einen Vergleich abzuschließen, was aber dieser nicht beachtete und vielmehr die Burg Friedberg belagerte. Als darauf Günther Anfangs Mai in Frankfurt erkrankte, gab ihm Meister Freidank, ein berühmter Arzt, aber seit alten Zeiten den Grafen von Nassau hörig, einen Trank, welchen er, obwohl ungern, vorher versuchte, worauf ihn Günther nahm. Der Arzt starb aber in Zeit von drei Tagen, und Günther schwoll dermaßen auf, daß er sich nicht mehr rühren konnte, weil der Diener des Arztes Gift in den Trank geworfen hatte.
 

122. Wie König Karl ein Heer nach Mainz entboten hat.
 

Wie König Karl gegen den gleichfalls erwählten Günther von Schwarzburg ein Heer nach Mainz entboten hat.
 
Im Mai entbot König Karl ein Heer nach Mainz, Die Mainzer hielten nämlich aus Abneigung gegen den Erzbischof Heinrich, der sie verletzt, und wegen ihrer Feindschaft mit den Frankfurtern, welchen der König die Messen entzogen und den Mainzern gegeben hatte, fest zu ihm. Ihre Absicht war, das Städtchen Eltville, welches der Mainzer zwei Meilen von Mainz am Rhein erbaut hatte, zu erobern. Günther hatte sich aber, todtkrank, mit seinem Heere nach Eltville, geworfen und als Karl den Rhein überschritt, griffen ihn zweihundert Reiter desselben an und erschreckten ihn. Allein die Reiter Eberhards von Wirtenberg und einige andere eilten herbei und trieben sie in die Flucht, wodurch Viele sich den Ritterschlag verdienten.

Der Markgraf von Brandenburg kam ohne kriegerisches Gefolge an, verhandelte mit dem König, sah auch den krank gewordenen Günther und brachte einen Vertrag zu Stande, daß diesem zweiundzwanzigtausend Mark und für seine Lebensdauer zwei Reichsstädte in Thüringen gegeben wurden. Günther stimmte, obwohl krank, nur ungern bei und würde gesund niemals beigestimmt haben, und beklagte sich über die Treulosigkeit der Fürsten. Er starb aber innerhalb eines Monats und wurde in der Pfarrkirche zu Frankfurt in Gegenwart des Königs unter Wehklagen beerdigt. Er hatte nämlich den Frankfurtern ihre Messen und alle Vorrechte bestätigt, nachdem er zwanzigtausend Mark, welche man den Juden daselbst abgenommen, erhalten hatte. Gegen das Ende des Juli zog der König mit seiner Gemahlin gegen Aachen hinab, konnte aber hier wegen der Menge der anwesenden Geißler nicht aufgenommen werden und wartete in Bonn. Daselbst bestätigte er den Aachenern alle ihre alten und mehrere neue Vorrechte.
 

128. Wie Cuno von Valkenstein sein Amt geführt hat.
 

Wie Cuno von Valkenstein sein Amt dem Papst und dem Ernannten Gerlach zum Trotz geführt hat.
 
Cuno von Valkenstein aber, der Diener des Mainzer Heinrich führte wider den Willen des Papstes, des Königs und des Ernannten Gerlach sein Amt mannhaft. Dieser Heinrich wird gelobt, weil er an weiland Günther von Schwarzburg redlich gehandelt hat, die Bayern dagegen werden der Treulosigkeit beschuldigt.